Chronische Krankheit
SchneckenköniginAn manchen Tagen schafft Klara den Weg in die Weinberge hinauf oder stundenlang mit Lea auf dem Spielplatz zu sein. Dann fühlt sie sich wach, ausgeschlafen. An anderen Tagen braucht sie zahlreiche Kaffees, ...
An manchen Tagen schafft Klara den Weg in die Weinberge hinauf oder stundenlang mit Lea auf dem Spielplatz zu sein. Dann fühlt sie sich wach, ausgeschlafen. An anderen Tagen braucht sie zahlreiche Kaffees, bevor sie überhaupt startklar ist oder ihr wird gleich nach dem Auffwachen schwarz vor Augen und dieser Schmerz kriecht ihre Wirbelsäule entlang. Sie war schon bei vielen Spezialisten, meistens ohne auffällige Befunde, leicht erhöhte Entzündungswerte, gesunkene Leukozytenzahlen, doch die zeigen sich immer nur kurz, schon vor der nächsten Kontrolle sind sie wieder verschwunden.
Matti versucht alle Variablen ihrer Zustände zu ergründen, um einen optimalen Plan zu erstellen, der eine Orientierung an ihre Kräfte zulässt. Sie weiß, dass er helfen will, trotzdem macht es sie manchmal wütend, am Kühlschrank einen Zettel, mit all ihren Symptomen vorzufinden. Wenn sie mit einem feuchten Tuch auf den Augen auf dem Sofa liegt, glaubt er etwas übersehen zu haben und fühlt sich schuldig. Ihr Körper entzieht sich einfach seinem Kontrollbedürfnis.
Klaras Schwester Lotte und die Mutter wissen, dass Klara schon als Kind schwerer genas, als andere. Mit den unzähligen Wadenwickeln, dem Geruch nach Essig und der Kälte, kann man sie heute jagen. Das schlimmste Gefühl ruft die Ungläubigkeit der anderen in ihr hervor, ihr ständiges Bedürfnis sich zu rechtfertigen.
Fazit: Sabine Schönfellner hat eine Protagonistin geschaffen, die unter einer Krankheit und oder einem Erschöpfungssyndrom, ähnlich dem Fatigue nach Long Covid oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber, leidet. Wer weiß, wie Erschöpfung oder das Gefühl von Zerschlagenheit sich anfühlt, sollte mit Klara mitfühlen können. Mir fiel das Schwer, vielleicht , weil ich keinen Leidensdruck spürte. Klara zerdenkt viel, interpretiert, sie findet nicht die richtigen Worte und geht auf Abwehr. Ihr Umfeld ist überfordert, will helfen und neigt dabei zu Übergriffigkeit, Klara resigniert. Die Autorin lässt Klara immer wieder in die Rückschau gehen und die war für mich schwierig von der Gegenwart zu unterscheiden, dennoch plätschert die Geschichte vor sich hin. Ich finde ihren Mann Matti unpersönlich gezeichnet. Mich hat die Umsetzung nicht so angesprochen, ich hätte mir ein wenig mehr Dynamik gewünscht. Vielleicht ist das aber eine Geschmacksfrage. Wer allerdings selbst betroffen ist, von einem Gesundheitssystem, in dem Fachärzte nur schlecht über den Tellerrand blicken, viele Leistungen wegfallen, weil gespart werden muss und Frauen aus dem Raster der Norm rausfallen, weil die wichtigen Studien mit Männern erfasst werden (Medikamentenwirkung), der/die fühlt sich möglicherweise abgeholt.