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Veröffentlicht am 26.08.2025

Chronische Krankheit

Schneckenkönigin
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An manchen Tagen schafft Klara den Weg in die Weinberge hinauf oder stundenlang mit Lea auf dem Spielplatz zu sein. Dann fühlt sie sich wach, ausgeschlafen. An anderen Tagen braucht sie zahlreiche Kaffees, ...

An manchen Tagen schafft Klara den Weg in die Weinberge hinauf oder stundenlang mit Lea auf dem Spielplatz zu sein. Dann fühlt sie sich wach, ausgeschlafen. An anderen Tagen braucht sie zahlreiche Kaffees, bevor sie überhaupt startklar ist oder ihr wird gleich nach dem Auffwachen schwarz vor Augen und dieser Schmerz kriecht ihre Wirbelsäule entlang. Sie war schon bei vielen Spezialisten, meistens ohne auffällige Befunde, leicht erhöhte Entzündungswerte, gesunkene Leukozytenzahlen, doch die zeigen sich immer nur kurz, schon vor der nächsten Kontrolle sind sie wieder verschwunden.

Matti versucht alle Variablen ihrer Zustände zu ergründen, um einen optimalen Plan zu erstellen, der eine Orientierung an ihre Kräfte zulässt. Sie weiß, dass er helfen will, trotzdem macht es sie manchmal wütend, am Kühlschrank einen Zettel, mit all ihren Symptomen vorzufinden. Wenn sie mit einem feuchten Tuch auf den Augen auf dem Sofa liegt, glaubt er etwas übersehen zu haben und fühlt sich schuldig. Ihr Körper entzieht sich einfach seinem Kontrollbedürfnis.

Klaras Schwester Lotte und die Mutter wissen, dass Klara schon als Kind schwerer genas, als andere. Mit den unzähligen Wadenwickeln, dem Geruch nach Essig und der Kälte, kann man sie heute jagen. Das schlimmste Gefühl ruft die Ungläubigkeit der anderen in ihr hervor, ihr ständiges Bedürfnis sich zu rechtfertigen.

Fazit: Sabine Schönfellner hat eine Protagonistin geschaffen, die unter einer Krankheit und oder einem Erschöpfungssyndrom, ähnlich dem Fatigue nach Long Covid oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber, leidet. Wer weiß, wie Erschöpfung oder das Gefühl von Zerschlagenheit sich anfühlt, sollte mit Klara mitfühlen können. Mir fiel das Schwer, vielleicht , weil ich keinen Leidensdruck spürte. Klara zerdenkt viel, interpretiert, sie findet nicht die richtigen Worte und geht auf Abwehr. Ihr Umfeld ist überfordert, will helfen und neigt dabei zu Übergriffigkeit, Klara resigniert. Die Autorin lässt Klara immer wieder in die Rückschau gehen und die war für mich schwierig von der Gegenwart zu unterscheiden, dennoch plätschert die Geschichte vor sich hin. Ich finde ihren Mann Matti unpersönlich gezeichnet. Mich hat die Umsetzung nicht so angesprochen, ich hätte mir ein wenig mehr Dynamik gewünscht. Vielleicht ist das aber eine Geschmacksfrage. Wer allerdings selbst betroffen ist, von einem Gesundheitssystem, in dem Fachärzte nur schlecht über den Tellerrand blicken, viele Leistungen wegfallen, weil gespart werden muss und Frauen aus dem Raster der Norm rausfallen, weil die wichtigen Studien mit Männern erfasst werden (Medikamentenwirkung), der/die fühlt sich möglicherweise abgeholt.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Nicht mein Geschmack

Frauen im Sanatorium
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Anna sitzt am See und denkt an ihre Mutter, ihre hellrot lackierten Nägel. Ihre Eltern mussten die Heimat verlassen. Sie gingen nach Deutschland. Für eine bessere Zukunft. Im See leben Flamingos und einen, ...

Anna sitzt am See und denkt an ihre Mutter, ihre hellrot lackierten Nägel. Ihre Eltern mussten die Heimat verlassen. Sie gingen nach Deutschland. Für eine bessere Zukunft. Im See leben Flamingos und einen, den besonders Hellen, nennt sie Pepik. Ihm erzählt sie ihre Geschichte. Die Mühe, die sie sich in Deutschland machte, in der Schule zu glänzen, später im Studium und dann auf der Arbeit. Sie war wie besessen. Ihr Vater hatte sich da schon seine eigene Wirklichkeit geschaffen, sie hieß Tatjana und stürzte ihre Mutter in die Depression.

Die Tabletten machen, dass sie sich wattig im Kopf fühlt. Sie ist seit zwei Wochen hier, wegen der Sache. Langsam, die Unsicherheit in den Beinen ausgleichend steht sie auf, es folgt die Schwimmstunde, Elif wartet auf sie. Die ist hier, weil ihr Verlobter verschwunden ist, gerade als sie das passende Hochzeitskleid gefunden hatte. Sie hatte seinen Namen nur einmal während einer Gruppensitzung erwähnt, dann nicht mehr. Elif redet viel, mit großer Vehemenz legt sie Bedeutung in ihre Worte. Alles scheint wichtig zu sein, aber Anna entdeckt, dass sie übertreibt, nicht immer die Wahrheit sagt. An dem Tag, als Elif entlassen wird, hängt Elif eine Tüte mit ihrem Notizbuch an Annas Tür.

Nach dem Essen geht Anna ins Raucherpavillon. Dort trifft sie unfreiwillig immer Marja, die beim Essen neben ihr sitzt. Marja monologisiert ihre verstorbene Mutter herbei, malt sie in den schönsten Farben, aber Anna kann nicht lange zuhören. Ein Bus hält und entlässt sieben Soldaten, die laut reden. Darunter eine Frau, die einem Soldaten ihren Ellbogen in die Seite stößt. Sie schultern die Rucksäcke und poltern die Eingangstreppe hinauf.

Fazit: Anna Prizkau hat eine unzuverlässig erzählende Protagonistin geschaffen. Die die Leserin kaum erkennen lässt, was wahr ist. Anna kam in die Klinik, weil sie von einem Auto angefahren wurde. Sie scheint das provoziert zu haben. Die Geschichte zeigt eine Kindheit mit ganz großem Leidensdruck. Anna kümmert sich um ihre depressive Mutter und muss früh eine Verantwortung übernehmen, der sie nicht gewachsen sein kann, niemand kann das. Nach Deutschland emigriert, glänzt sie durch Leistung und schlägt sich alleine durch. Privat erlebt sie erhebliche Brüche, deren Schmerz sie mit Alkohol, Drogen und Partys kompensiert. Die Kompensation ploppt, etwas in ihr bricht und es kommt zu einer Kurzschlusshandlung. In der Klinik kann ihr niemand wirklich helfen. Die Patienten bleiben sich selbst überlassen, es wird einzig ihre Mitarbeit vorausgesetzt. Anna lernt ihre Mitpatientinnen kennen. Vieles wird erzählt, aber was davon ist wahr und was Wunschdenken? Ich habe diese Geschichte zu Anfang sehr gemocht, hatte jedoch meine Schwierigkeiten, mich auf den Schreibstil der Autorin einzulassen. Sie verwendet unendlich viele Bindestriche, um Informationen einzufügen, die ich nicht gebraucht hätte. Der Text strotzt vor Fehlern in Syntax und Semantik. Und ich habe mich ernsthaft gefragt, ob das Lektorat extrem unmotiviert war oder ob ich das erste Buch gelesen habe, das mit künstlicher Intelligenz lektoriert wurde.

…oder hatte den Satz Marja selbst gesagt? S. 166

Heroin hatte ich mir davor immer schlecht und schmutzig vorgestellt, als Droge, die sich mit alten Nadeln Arme spritzten. S. 170

Mit sieben kam Veronika auf eine Mädchenschule, die Nonnen führten S. 179

Es war das erste Mal. Und letzte. S. 183

Es kommt mir fast unwirklich vor, dass das Buch von einer Redakteurin geschrieben wurde. Zumal sie eine Korrekturfahne bekommen haben muss und das so durchgewunken haben soll? Fragen über Fragen. An Satzbau und der Verteilung der Satzzeichen hat die Autorin mich verloren und die fast letzte Szene mit David hätte ich auch nicht gebraucht. Das war nicht meins.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Obsession

Die Passion nach G.H.
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Es ist der Tag danach, nachdem das Grauen von ihr Besitz ergriffen hat. Sie, die gut situierte Bildhauerin aus Rio, teilt ihren größten Schrecken. Ihr Hausmädchen hat ihr gekündigt und sie ist voller Vorfreude, ...

Es ist der Tag danach, nachdem das Grauen von ihr Besitz ergriffen hat. Sie, die gut situierte Bildhauerin aus Rio, teilt ihren größten Schrecken. Ihr Hausmädchen hat ihr gekündigt und sie ist voller Vorfreude, selbst durch die Penthousewohnung zu huschen und wischend und feudelnd das Chaos zu glätten. Während des Frühstücks ist sie dabei, einen Plan zu entwickeln, der ihre Vorgehensweise dokumentiert. Sie ist sich sicher, dass sie in der dunklen Abstellkammer, der Bettstatt des nachtschwarzen jungen Dings beginnen wird.

Das Grauen:

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieses Hausmädchen, ohne mir etwas zu sagen, die Kammer auf seine Weise aufgeräumt und sie mit der Kühnheit einer Eigentümerin ihrer Funktion als Abstellraum beraubt hatte. S. 44

Nun steht sie in der hellen, lichtdurchfluteten Schlafstätte und muss sich an die Wand lehnen. Aber siehe da, die Wand trägt eine Skizze. Die kalt gezogenen Linien schwarzer Kohle auf weißem Putz geben den Blick auf eine Frau, einen Mann und einen Hund in Lebensgröße frei. Alle nackt. So nackt eben, wie man ohne Kleidung sein kann. Sie spürt auf sich den Hass des Hausmädchens. Fühlt sich abgewiesen in diesem blendend weißen Raum mit der Höhlenmalerei.

Dann fällt ihr Blick auf den Schrank, den wird sie zunächst mit Wasser fluten, denkt sie. Ein Blick hinein löst einen Schauer des Entsetzens aus. Sie sieht direkt in die Augen einer Kakerlake. Sie wendet den Blick ab und versucht tief durchzuatmen. Mit einem großen Grad tiefer Entschlossenheit schlägt sie die Türe zu und ein Schauer durchfährt sie, eine Wonne ob des Gedankens, diese Kreatur getötet zu haben. Doch was hat sie getan. Was hatte sie aus dieser einst gelassenen Frau gemacht?

Fazit: Clarice Lispector lebte von 1920-1977 in Rio de Janeiro. Diese Geschichte entstand 1964. Sie lässt ihre, von ihrem schwarzen Hausmädchen verlassene, Protagonistin in deren Kammer eintreten. Diese gibt sich stundenlang obsessiven Gedanken hin, die die Themen Transzendenz, das Göttliche, das Nichts, Liebe, den Tod und die Demut abklopfen. Und so parliert die Frau für mich vor sich hin. Was ich nach dieser Lektüre sicher weiß, ist, dass ich sie nicht verstanden habe. Ist die privilegierte Protagonistin aus armen familiären Verhältnissen psychisch krank? Ist sie aus Langeweile in diese einnehmende Situation gelangt? Während der qualvollen Litanei der Sinnsuche und der Selbsterkenntnis quäle ich mich durch das Buch. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass die Autorin schreiben konnte. Das Schlusswort des Übersetzers fand ich nicht hilfreich. Die Aussage, diese Geschichte sei das lateinamerikanische Pendant zu Kafkas „Verwandlung“, kann ich nicht nachvollziehen. Dieses Buch zu lesen war eine Überraschung, aber kein Vergnügen.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Sehr persönliches, einseitiges Männerbild

Furye
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Die Selfmadefrau Alec, Gesicht der Vogue Business, lächelt sich händeschüttelnd durch die Vernissage. Die Toxou stellt ästhetisch fragwürdige Fotografien aus und Alecs neuer Stern am Klassikhorizont hat ...

Die Selfmadefrau Alec, Gesicht der Vogue Business, lächelt sich händeschüttelnd durch die Vernissage. Die Toxou stellt ästhetisch fragwürdige Fotografien aus und Alecs neuer Stern am Klassikhorizont hat seinen Gastauftritt. Die Toxou und sie haben nichts gemein, außer dass sie kinderlose Singlefrauen sind und sich gefährlich nah an einen Burnout heranarbeiten. Alec war ungewollt das leuchtende Beispiel des Kindes einer Einwandererfamilie, die Alma Mater mit dem rasanten Aufstieg zur einflussreichsten Managerin der Neoklassikbranche. Die Leute um sie herum stürmen das Austernbüffet. Ein Koch schiebt sein Messer unter die obere Schale, durchtrennt den Schließmuskel und tötet das lebendige weiche Fleisch. Die Gäste träufeln Zitronensaft oder Zwiebelvinaigrette darüber und schlürfen den Inhalt in ihren Mund. Es folgen große Schlucke eines roséfarbenen Champagners und Gespräche über Armbanduhren und Anlageoptionen. Die Toxou flüstert ihr ins Ohr, welche Party sie im Anschluss besuchen wird und Alec solle sie doch begleiten, aber Alec will nach Hause. Will sich in der Stille ihrer Wohnung, mit der Tablette aus der weiß-blauen Packung und einer Flasche Weißwein lebendig begraben.

Damals, als sie Siebzehn war, gehörte ihnen die kleine Stadt und das Meer. Damals, als sie nur Lust und Schmerz und doch so lebendig waren, die drei Furyen. Alec wohnte in dem Viertel, das niemand gerne betrat, der nicht dort zu Hause war. Ihre Eltern hatten ihre Heimat verlassen und ganz von vorne anfangen müssen. Ihr Vater arbeitete als Taxifahrer, die Mutter als Reinigungskraft. Die beiden teilten sich die Schlafcouch im Wohnzimmer, damit Alec ihr eigenes Zimmer hatte und in Ruhe lernen konnte. Trotzdem waren sie glücklich. Alec arbeitete in Nics Bar und bekam ein Stipendium, doch dann warf sie ein Auge auf den schönen stillen Romain, der einen Jahrgang über ihr war.

Fazit: Kat Eryn Rubin hat eine Geschichte geschaffen, die das Frausein in allen Facetten beleuchtet. Ihre Protagonistin kommt aus einem liebevollen Elternhaus, ganz im Gegensatz zu ihren beiden Freundinnen. Ein großer Teil der Story dreht sich um das Unglück schöner junger Frauen, die sich im Dunstkreis älterer wohlhabender Männer bewegen, um die Oberflächlichkeit von Beziehungen und die Last der Abhängigkeiten. Die Wut darüber verlassen worden zu sein, oder die Ohnmacht darüber ständiger häuslicher Gewalt ausgesetzt zu sein. Die Protagonistin, die sowohl als Freundin, aber auch als Kellnerin hautnah mitbekommt, wie Männer sein können und sich bewusst für ein unabhängiges Leben entscheidet, damit dann unglücklich ist, weil sie das Fehlende nicht ersetzen kann. Ich fand den Schreibstil eingängig und unterhaltsam. Gerade zu Anfang hat mich die Geschichte gefesselt, später fand ich sie zu langatmig. Die Stimmung ist so melancholisch und es scheint so aussichtslos, dass sich etwas zum Positiven bewegen wird, dass es mich zum Ende richtiggehend runtergezogen hat. Der Schluss ist ebenso überraschend wie unglaubwürdig. Für mich war das Bild des egoistischen, reichen, weißen, heteronormativen Mannes, das die Autorin gezeichnet hat, zu einseitig. Irgendwie auch persönlich, als sei an dieser Stelle noch eine Rechnung offen.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Unterhaltsam aber nicht rund

Die Frau hinter der Bühne
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Die junge Mairéad folgt ihrem Traum. Sie geht aus einer dörflichen Provinz Irlands ins multikulturelle London, um Theaterregisseurin zu werden. Um ihr WG-Zimmer halten zu können, arbeitet sie an einem ...

Die junge Mairéad folgt ihrem Traum. Sie geht aus einer dörflichen Provinz Irlands ins multikulturelle London, um Theaterregisseurin zu werden. Um ihr WG-Zimmer halten zu können, arbeitet sie an einem kleinen Theater unter Margaret, der dortigen Kostümbildnerin. Margaret ist anspruchsvoll, distanziert, sparsam und trockene Alkoholikerin. Sie verlangt Mairéad einiges ab, deren Alltag aus waschen, nähen, ausbessern, bügeln und Einkäufen besteht.

Mairéad muss Scott Gilbourne vermessen. Der schottische Schauspieler raubt ihr den Atem. Sie ist kurz angebunden und geht nicht auf seine Witze ein. Seine Fragen beantwortet sie ausweichend. Als sie vor ihm in die Knie gehen muss, gibt die Naht ihrer Hose nach und entblößt ihren Hintern vom Becken bis zum Schritt. Mairéad stürmt aus dem Raum zur Toilette und weint, bis sie Nasenbluten hat.

Die Mitarbeiterin Jacquis, die zweite des Kleiderateliers, steht auf den Produzenten Oliver Bow. Sie glaubt, dass er ihr zu einer Karriere verhelfen könnte, dass er ein arroganter Unmensch ist, weiß sie zu ignorieren. Erst kürzlich hatte er seine Assistentin mit Dicken-Witzen vergrault, weil sie volle Bezahlung für all ihre Stunden verlangte. Er bringt Schauspielerinnen zum Weinen und hackt auf schwulen Mitarbeitern rum, aber im Grunde macht er auch nur seinen Job.

Fazit: Elaine Garvey hat mich in ihrem Debütroman mitgenommen, um mich in die Welt des Theaters hinter die Kulissen abtauchen zu lassen. Hier herrscht ein rauer Ton und die Mitarbeiter dürfen nicht zimperlich sein. Interessant fand ich, wie die Autorin ihre Protagonistin ausgearbeitet hat. Sie ist eine schüchterne junge Frau aus der Provinz, gefüttert mit den Anweisungen eines tadellosen Benehmens und der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Ihrem Vater rutscht leicht die Hand aus und er und ihre Mutter liefern sich von je her erbitterte Zweikämpfe, ringen um die familiäre Aufmerksamkeit. Die Autorin hat sich für eine Ich-Erzählung entschieden und schildert alles aus Mairéads Sicht. Der Konflikt zwischen ihrem Vater, der wollte, dass sie spurt und den Männern am Theater, die zu Machtmissbrauch neigen, gefällt mir. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist, dass die Autorin beim Lesenden einiges voraussetzt. Sie lässt Personen und deren Äußerungen einfließen, als müsste ich sie kennen. Ebenfalls erschwert hat mir meinen Lesefluss die Aneinanderreihung von Szenen, die ich mir aber nicht so recht vorstellen konnte. Insgesamt eine unterhaltsame Geschichte, die vielleicht etwas zu viel von mir erwartet hat.

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