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Veröffentlicht am 02.09.2025

So schön

Aylas Lachen
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Ayla lebt in Deutschland, verbringt ihre Sommer aber in der Türkei. Von dort kommt ihre Familie. Sie verbringt dann gern viel Zeit mit Großvater Mesut, der viele tolle Geschichten erzählt. Am liebsten ...

Ayla lebt in Deutschland, verbringt ihre Sommer aber in der Türkei. Von dort kommt ihre Familie. Sie verbringt dann gern viel Zeit mit Großvater Mesut, der viele tolle Geschichten erzählt. Am liebsten sitzt sie mit ihm unter dem großen Feigenbaum und lauscht seinen Erzählungen. In Deutschland ist das Leben schwieriger. Sie steht zwischen den zwei Kulturen, darf nicht auffallen.
Parallel dazu erfahren wir die Geschichte von Aylas Mama, Hava. Mit ihrer Jugendliebe durfte sie nicht zusammen sein, lebt jetzt in einer unglücklichen Ehe. Für sie war es nie so leicht in Deutschland anzukommen. Die Sprache macht ihr Schwierigkeiten. Da muss Tochter Ayla oft unterstützen. Als Ayla und ihr Bruder Yasin erwachsen sind, begeben sie sich zu Dritt nach vielen Jahren wieder auf den Weg in die Türkei. Auf der Suche nach vielen schönen Erinnerungen und Heilung, werden sie konfrontiert mit altem Schmerz aber auch Versöhnung.

Eine wunderbare, einfühlsame Familiengeschichte, die über drei Generationen reicht. Die große Stärke in diesem Roman sind die grandios gezeichneten Protagonisten. Sie alle wirken unheimlich lebendig mit ihren inneren Schmerzen, der Zerrissenheit, Sehnsucht und Hoffnung. Vor allem Ayla, Mesut und Hava sind mir so ans Herz gewachsen, wirken so nahbar. Das Leben in der Türkei mit all den kulturellen Besonderheiten wurde so bildhaft beschrieben, dass ich die Hitze gespürt, den Baklava geschmeckt und die Menschen in den Dörfern vor mir gesehen habe. Das Leben der Familie in Deutschland mit den unglücklichen Eltern, ist so traurig. Die Kinder hatten es auch in der Schule nie leicht, gehörten nicht immer mit dazu.

Ein unglaublich berührender und feinfühliger Roman, mit vielen lebendigen Bildern, kulturellen Unterschieden und dem einen großen Wunsch: Zugehörigkeit. Unbedingt lesen!!!

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Ehrlich

Botanik des Wahnsinns
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„Ich glaube an eine Bedeutung der Krankheit, an eine Symbolik. Manchmal sind Traurigkeit und Energielosigkeit die passende Art, um auf das Leben zu reagieren. Schließlich nutzte mein Vater, der schweigsame ...

„Ich glaube an eine Bedeutung der Krankheit, an eine Symbolik. Manchmal sind Traurigkeit und Energielosigkeit die passende Art, um auf das Leben zu reagieren. Schließlich nutzte mein Vater, der schweigsame Mann, seinen Körper, um zu sprechen. Er sagte: „Ich kann nicht mehr“. Wie viel Verdrängung, wie viel Verdrängtwerden kann ein Mensch aushalten?“

Aus Leons Familie war eigentlich jeder schon in der Psychiatrie. Suchtverhalten gab es immer schon, auch Depressionen und bipolare Störungen. Die Großmutter hat zahlreiche Suizidversuche hinter sich. Wie lebt Leon damit? Er hat Angst früher oder später auch dort zu landen. Das tut er auch, allerdings um dort zu arbeiten. Dort beginnt er sich nicht nur mit seinen Patienten auseinandersetzen, sondern auch mit seiner eigenen Familiengeschichte.

Ehrlich, klug und mit psychologischem Tiefgang wird hier erzählt. Schonungslos und verletzlich schreibt Leon Engler von seiner Familie, die nie so für ihn da sein konnte. Jeder war mit sich beschäftigt, kämpfte mit den eigenen Dämonen. Mal ist die Sprache ganz leicht, mal humorvoll. Das lässt das Thema auf jeden Fall besser aushalten als Leser. Interessant waren auch die Abschnitte zu den psychischen Erkrankungen und der Geschichte dazu. Da hatte der Roman schon fast Sachbuch-Charakter. Dann immer wieder seine persönliche, traurige Geschichte. Engler klagt nicht an, will verstehen, verarbeiten. Ich hoffe sehr es ist ihm gelungen. Mein Herz hat er auf jeden Fall mit diesem Buch.

Ein großartiges Buch darüber sich selbst zu finden, mit belastenden Wurzeln, die sich niemand aussuchen kann. Ja und was ist eigentlich noch normal und was schon nicht mehr? Eine ganz große Empfehlung ❤️.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Wunderbar

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Yeonhwas wächst bei ihrer Großmutter auf. Als diese verstirbt, erbt sie ihre Konditorei Hwawoldang, in der koreanisches Gebäck hergestellt und verkauft wird. Zwei Bedingungen gibt es. Geöffnet wird nur ...

Yeonhwas wächst bei ihrer Großmutter auf. Als diese verstirbt, erbt sie ihre Konditorei Hwawoldang, in der koreanisches Gebäck hergestellt und verkauft wird. Zwei Bedingungen gibt es. Geöffnet wird nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht und sie muss die Konditorei mindestens vier Wochen lang weiterführen. Bald schon merkt Yeonhwas, dass ihre Kunden eher ungewöhnlich sind. Meist sind es Verstorbene, die Botschaften an die Hinterbliebenen senden wollen. Mit Hilfe einer schwarzen Katze und dem köstlichen, koreanischen Gebäck stellt sich Yeonhwas dieser Aufgabe und bringt so ganz viel Wärme und Zauber in ihr Leben.

Dieses Buch hat mich so überrascht. Zart, einfühlsam und poetisch werden uns die Geschichten der Verstorbenen erzählt. Sie haben alle noch Botschaften für lieb gewordene Menschen. Konnten sich nicht verabschieden, konnten sich nicht so mitteilen, wie sie es eigentlich wollten. Es geht um Abschied, Trauer, Loslassen und den inneren Frieden. Magisch, fast märchenhaft wirkte dieses Buch auf mich. So wärmend wie eine Tasse Tee an einem kalten Herbsttag. So herzerwährmend wie eine Umarmung eines lieben Menschen. So melancholisch wie ein verregneter Sommertag.

Ein leiser, eindringlicher Roman voller Wärme. Sehnsucht und Tiefe, der tröstet, nachdenklich macht und dabei einfach so voller Wärme und Liebe ist. Lest unbedingt dieses Buch!!!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Bewegend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Der etwa dreijähriger Hardy kommt 1945 in ein katholisches Kinderheim. Von seiner Vergangenheit weiß niemand etwas, es interessiert aber auch keinen. Mit Zucht und Ordnung wird er erzogen, beim kleinsten ...

Der etwa dreijähriger Hardy kommt 1945 in ein katholisches Kinderheim. Von seiner Vergangenheit weiß niemand etwas, es interessiert aber auch keinen. Mit Zucht und Ordnung wird er erzogen, beim kleinsten Vergehen hagelte es Strafen. Verständnis und Zuneigung gibt es nicht. Er freundet sich mit der sechs Jahre älteren Margret an. Sie passt auf ihn auf, so gut sie kann. Später findet ihre Tante sie und holt sie zu sich. Die Kinder werden getrennt, doch finden später wieder zusammen.

Dieser Roman hat mich komplett auseinandergenommen. Am Ende liefen mir nur so die Tränen, so sehr hat mich die Geschichte um diese Menschen berührt. Emotional, tiefgründig und schonungslos wird hier erzählt, ohne jemals kitschig zu werden. Es gibt verschiedene Zeitebenen, die uns über mehrere Jahre an der Geschichte teilhaben lassen. Geschickt führt uns die Autorin durch die unterschiedlichen Handlungsstränge. Da war immer klar wo man gerade ist. Das Buch lässt sich super lesen. Ich wollte immer unbedingt wissen wie es weitergeht und wollte gar nicht mehr aufhören. Die Themen sind natürlich hart. Da sollte man vielleicht vorher die Triggerwarnung lesen. Hier geht es nicht nur um die Geschichte von Hardy und Margret im Heim in der Nachkriegszeit, sondern auch um vererbte Traumatas und die Folgen von Schweigen innerhalb der Familie. Das wurde eindrucksvoll anhand der Tochter, Enkelin und Urenkelin dargestellt.

Ein so bewegender Roman. Für alle Leser, die diese Thematik interessiert, ein MUSS!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Gruselig

Moonstone
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Nach einem Skandal wird die junge Camille zu ihrer Patentante und deren Tochter Lucy geschickt. In diesem Haus mitten im Wald erwarten sie harte Arbeit und strenge Regeln. Die Tochter Lucy leidet an einer ...

Nach einem Skandal wird die junge Camille zu ihrer Patentante und deren Tochter Lucy geschickt. In diesem Haus mitten im Wald erwarten sie harte Arbeit und strenge Regeln. Die Tochter Lucy leidet an einer schweren Krankheit, darf das Haus nicht verlassen. Als Camille sich halbwegs an ihr neues Leben gewöhnt hat, ereignen sich merkwürdige Dinge. Das Heulen einer merkwürdigen Kreatur, Todesfälle und Überfälle. Irgendwas geht hier vor. Sind ihre Tante, deren Freundin und Tochter Lucy wirklich die, die sie vorgeben zu sein? Sind es wirklich Wölfe und Füchse, die hier ihr Unwesen treiben?

War das herrlich gruselig. Atmosphärisch und beklemmend ist dieser Roman geschrieben, eine ständige Bedrohung ist da. Langsam baut sich die Spannung auf. Am Anfang lernen wir die Protagonisten erstmal kennen, lesen wie sie sich annähern und miteinander auskommen. Dann erst steigert sich diese dunkle Bedrohung und rückt immer mehr in den Vordergrund. Dieses düstere Gothic Stimmung und die geheimnisvollen übernatürlichen Erlebnisse hatten für mich eine ungeheure Anziehungskraft und konnten mich unglaublich faszinieren. Auch die Dynamik zwischen Camille und Lucy war ganz wunderbar erzählt.

Ein rundum gelungener Roman mit viktorianischen Elementen, Gothic-vibes, Dark Fantasy über Freundschaft und dunkle Geheimnisse, den ich allen Fans von diesem Genre wärmstens empfehle.

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