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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Toller Roman

Alle meine Träume
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Stell dir vor: ein Millionengewinn, die Erfüllung sämtlicher Träume und doch bist du nicht glücklich. Der unerwartete Reichtum stellt dein Leben auf den Kopf und das nicht gerade zum Guten.Willkommen zu: ...

Stell dir vor: ein Millionengewinn, die Erfüllung sämtlicher Träume und doch bist du nicht glücklich. Der unerwartete Reichtum stellt dein Leben auf den Kopf und das nicht gerade zum Guten.Willkommen zu: Alle meine Träume von Grégoire Delacourt.

Im Zentrum steht Jocelyne, von allen nur Jo genannt, bodenständig, verwurzelt im nordfranzösischen Arras, ein bisschen müde vom Leben, aber im Kern zufrieden. Bis sie plötzlich 18 Millionen Euro im Lotto gewinnt. Jo löst den Gewinn nicht ein. Zumindest nicht sofort. Sie weiß, was Geld mit Menschen machen kann. Mit Beziehungen. Mit Vertrauen. Und auch mit einem selbst. Als ihr Mann sich dann ohne Vorwarnung mit der Summe aus dem Staub macht, inklusive „treuherzigem“ Geständnis später, bleibt Jo mit rund 15 Millionen allein zurück.

Was dann passiert, ist gleichzeitig vorhersehbar und trotzdem ziemlich rau: Reaktionen aus dem Umfeld, die man niemandem wünscht. Neid. Missgunst. Vorwürfe. Menschen, die sich abwenden. Andere, die plötzlich mit ausgestreckter Hand vor der Tür stehen. Und natürlich der Staat, der auch gleich mal mitkassieren will. Jo will etwas Gutes tun, und merkt schnell, dass das schwerer ist als gedacht.

Natürlich kommt man bei diesem Buch nicht um die große Frage herum: Macht Geld denn nun glücklich? Die Antwort ist nicht neu, aber hier auf sehr eindrückliche Weise erzählt: Nein. Geld macht natürlich nicht glücklich. Aber es macht vieles sichtbar. Am Ende bleibt ein kluger Roman, der deutlich macht, dass Reichtum kein Ziel ist, sondern höchstens ein Werkzeug und dass selbst das gut überlegt sein will.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Toller Cozy-Crime

Wer das Ende verrät
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Ein Krimi für Leseratten, Küstenfans und alle, die sich im Herbst gern mit einer Tasse Tee auf dem Sofa verkriechen, so würde ich Wer das Ende verrät von Tobias Sommer wahrscheinlich anteasern. Dieses ...

Ein Krimi für Leseratten, Küstenfans und alle, die sich im Herbst gern mit einer Tasse Tee auf dem Sofa verkriechen, so würde ich Wer das Ende verrät von Tobias Sommer wahrscheinlich anteasern. Dieses Buch sticht charmant aus dem Cozy-Crime-Genre hervor: Ein leicht verschrobener Buchhändler mit Spürsinn, ein überforderter Dorfpolizist, ein merkwürdiger Einbruch und eine Kleinstadt, in der nicht alles ist, wie es scheint.

Moritz Wendtal ist nicht einfach nur Buchhändler, er ist eine Art Seelenklempner mit einem feinen Gespür für Menschen. Seine Buchhandlung, früher eine Apotheke, ist ein Zufluchtsort. Und als in Cruxdorf beim Bürgermeister eingebrochen wird, ohne Diebstahl, aber mit einer verstörenden Szene inklusive Tomatensaftdose und Gedichten, ist es Wendtal, der beginnt, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Die Atmosphäre im Buch ist Top!. Man riecht förmlich die Nordseeluft und hört die knarrenden Dielen in der Buchhandlung. Cruxdorf wirkt wie ein Prototyp der norddeutschen Kleinstadt, inklusive skurriler Figuren: etwa der betagten Buchladen-Aushilfe oder dem überforderten Polizisten, dessen größte Stärke wohl seine Ahnungslosigkeit ist.

Die Figuren sind das Herzstück des Romans, eigen, aber durch und durch sympathisch. Der Fall entwickelt sich langsam, aber das passt zum Genre. Spannung entsteht durch Atmosphäre und Neugier, nicht durch Action. Das Finale überrascht mit einer gelungenen Wendung und bringt alles stimmig zusammen.

Tobias Sommer liefert mit Wer das Ende verrät einen klug erzählten, charmanten und leicht zugänglichen Cozy-Crime, der vor allem durch seine Figuren und das atmosphärische Setting überzeugt.

Wer Lust auf einen ruhigen, aber nicht langweiligen Krimi mit norddeutschem Flair, literarischen Zwischentönen und einem Hauch Skurrilität hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Ganz große Gefühle

HIM
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Ich bin ja normalerweise nicht der größte Romance-Leser. Große Gefühle, Seelenverwandtschaft und Herzschmerz, das findet man hier eher selten. Aber manchmal braucht man eben doch mal was fürs Herz.

Die ...

Ich bin ja normalerweise nicht der größte Romance-Leser. Große Gefühle, Seelenverwandtschaft und Herzschmerz, das findet man hier eher selten. Aber manchmal braucht man eben doch mal was fürs Herz.

Die queere Lovestory rund um Lukas und Nico hat mir richtig gut gefallen. Es geht um zwei Männer, die auf den ersten Blick mitten im Leben stehen: mit Job, Familie, Beziehungen. Lukas lebt in einer toxischen Beziehung mit seinem Ehemann Thomas, der ist dominant, kalt, manipulativ. Die Art von Beziehung, in der man sich selbst Stück für Stück verliert, ohne es gleich zu merken. Auf der anderen Seite ist Nico, Familienvater, verheiratet und innerlich zerrissen. Zwischen Pflichtgefühl und dem Wunsch, endlich ehrlich zu sich selbst zu sein. Sein inneres Ringen mit seiner sexuellen Identität war für mich fast das stärkste Element der Geschichte. Es zeigt, wie viel Mut es braucht, sich selbst zu akzeptieren, wenn alles auf dem Spiel steht.

Das Schöne an diesem Buch ist, dass es keinen geradlinigen Weg gibt. Beide Figuren kämpfen um ihre Beziehungen, ihre Gefühle. Dabei machen sie nicht alles richtig. Die Annäherung zwischen Nico und Lukas ist süß und emotional. Man hofft, dass beide ihr Glück finden können. Doch es wäre keine Romance, wenn nicht noch ein Drama im Hintergrund warten würde, und genau das bekommen wir hier auch.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Ehefrau von Nico bleibt mir leider etwas blass. Gerade in einer Geschichte, in der so viel auf dem Spiel steht, hätte ich mir gewünscht, auch ihre Perspektive etwas besser zu verstehen. Ihre Gefühle, ihre Unsicherheit, vielleicht auch ihre Wut oder Angst, das hätte dem Buch noch eine zusätzliche emotionale Tiefe gegeben. Aber ich verstehe auch, dass der Fokus hier klar auf Lukas und Nico liegt. Und als Romance funktioniert das Buch auch so sehr gut.

Unterm Strich ist HIM mehr als nur eine Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über Selbstfindung, über das Ringen mit den eigenen Gefühlen und über das Überwinden von toxischen Beziehungen. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Toller Auftakt

2055: Die Rache des Wanderers
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Ich dachte erst, 2055: Die Rache des Wanderers wird ein klassischer dystopischer Sci-Fi-Thriller mit ein bisschen Action. Weit gefehlt. Was John Snowley uns hier auftischt, ist dann doch viel mehr. Im ...

Ich dachte erst, 2055: Die Rache des Wanderers wird ein klassischer dystopischer Sci-Fi-Thriller mit ein bisschen Action. Weit gefehlt. Was John Snowley uns hier auftischt, ist dann doch viel mehr. Im Kern geht es um die Frage, ob die Menschheit überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat.

Der Einstieg ist speziell: Adam und Eva, Gott, die Schlange. Und die These: der Mensch ist ein Fehler. Der perfekte Aufschlag für die eigentliche Story, denn die führt uns ins Jahr 2055, wo die Welt längst am Abgrund steht. Klimakatastrophen, Krieg, autoritäre Regime. Und ein dunkler Wanderer, der die Nase voll hat. Er will die Menschheit endgültig vernichten. Seine Waffe: ein junger Mann namens Anthony. Die, die sich ihm in den Weg stellen sollen: eine Gruppe Jugendlicher, Rekruten mit reichlich innerem Ballast. Im Zentrum: Joshua, ein stummer Außenseiter.

Snowley erzählt abwechselnd aus der Sicht der Jugendlichen und des Wanderers. Und die Kapitel des Antagonisten? Überraschend vielschichtig. Ich hatte stellenweise fast Sympathie. Die Gruppe rund um Joshua wächst langsam zusammen, mitten in der Härte einer Militärakademie. Vertrauen, Zusammenhalt, Widerstand, darum geht’s hier genauso wie um Schweigen als Schutz und Sprache. Joshua sagt nichts, aber wirkt trotzdem stark. Seine Figur ist, neben dem Wanderer, mein persönliches Highlight.

Einziger Kritikpunkt: Die realpolitischen Elemente (z. B. #fckafd) fand ich etwas zu drüber. Fiktive Elemente hätten hier stärker gewirkt. Trotzdem: Konflikt ist ein richtig starker Auftakt. Düster, psychologisch, überraschend tief. Wie sagte eins Agent Smith aus Matrix so schön: „Der Mensch ist eine Krankheit, das Geschwür dieses Planeten. Ihr seid wie die Pest.“ Und die Frage bleibt: Ist der Mensch wirklich ein Parasit, oder doch noch zu retten? Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Gelungen

Der Tower
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Was machst du, wenn plötzlich alles schiefgeht: Job weg, Freund weg, Wohnung weg und dir dann jemand ein Jahr mietfreies Luxusleben in einem Berliner Hightech-Tower anbietet? Klar, du sagst ja, oder? Genau ...

Was machst du, wenn plötzlich alles schiefgeht: Job weg, Freund weg, Wohnung weg und dir dann jemand ein Jahr mietfreies Luxusleben in einem Berliner Hightech-Tower anbietet? Klar, du sagst ja, oder? Genau das tut Nova in „Der Tower“ von Ivar Leon Menger. Anfangs wirkt alles wie die perfekte Rettung: stylisch, modern, komplett KI-gesteuert. Nur blöd, wenn die KI irgendwann anfängt, dein Leben zu bestimmen. Und du merkst: Du kommst hier nicht mehr raus.

Der Roman packt genau die Fragen aus, die sich viele gerade stellen: Wie viel Technik ist eigentlich noch gut für uns? Wann wird’s zu viel? Und was passiert, wenn das System plötzlich nicht mehr für dich arbeitet, sondern gegen dich? Nova gerät in einen Strudel aus Kontrolle, Überwachung und digitaler Abhängigkeit und du liest mit wachsendem Unbehagen, weil das alles gar nicht so weit weg wirkt.

Die Story zieht schnell an, manchmal vielleicht zu schnell, aber sie trifft einen Nerv. Keine langen Erklärungen, kein unnötiger Schnickschnack, einfach ein richtig guter, moderner Thriller mit einem Szenario, das gar nicht so futuristisch wirkt, wie man es gern hätte. Wer auf smarte Wohnungen steht, sollte sich danach vielleicht zweimal überlegen, wer da eigentlich wen steuert.

9/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/26/rezension-der-tower-wenn-ki-zur-bedrohung-wird/

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