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Veröffentlicht am 18.01.2018

Wunderschönes, warmherziges Buch

Mirabellensommer
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Marita ist glücklich in Frankreich in der Domaine de Lafleur im Hinterland von Nizza. Nachdem sie Lucien, den Sohn des Unternehmers George Lafleur, für den sie Amrun verließ, um seine Pflege zu übernehmen, ...

Marita ist glücklich in Frankreich in der Domaine de Lafleur im Hinterland von Nizza. Nachdem sie Lucien, den Sohn des Unternehmers George Lafleur, für den sie Amrun verließ, um seine Pflege zu übernehmen, geheiratet hat, geht sie förmlich in der Arbeit auf den Jasmin- und Rosenfeldern auf. Sie hat in Babette Babajou und Ségolène Verbier gute Freundinnen gefunden und auch die Familien verstehen sich sehr gut untereinander. Doch dann verstirbt George Lafleur und auf der Beerdigung taucht zum ersten Mal die Enkelin der Verbiers, Julie, auf. Rachid, der Sohn der Familie Babajou, die vor dreißig Jahren von der Elfenbeinküste kamen, verliebt sich in Julie und plötzlich spürt man, dass die Verhältnisse unter den Freunden viel angespannter sind, als je gedacht. Als Julie und Rachid nunmehr auf Unverständnis für ihre Beziehung stoßen, fliehen sie regelrecht aus Nizza und ihre Familien bleiben in Panik zurück.
Meine Meinung:
Mit Mirabellensommer erscheint bereits der zweite Band rund um die Familien Lafleur, Babajou und Verbier, doch ich muss sagen, dass man auch dieses Buch ohne jegliche Vorkenntnisse lesen kann und trotzdem keinerlei Verständnisprobleme auftauchen. Die Autorin hat einen wirklich wunderschönen, sehr warhmherzigen Schreibstil, mit dem sie schnell den Leser in ihren Bann zieht und man sich mitten in Frankreich wieder findet. Man spürt regelrecht die Sommersonne und riecht den Duft der Jasmin- und Rosenfeldern und alles in allem hat dieses Buch einfach nur ganz viel Charme und Wärme, aber auch Tiefgang.
Mit ihrem Buch greift Marie Matisek unterschiedliche Themen auf, wie z. B. die zunächst gar nicht spürbaren, doch immer stärker werdenden sozialen Gegensätzlichkeiten zwischen der alteingesessenen Familie Verbier und der eingewanderten Familie Babajou. Wo man zunächst nur Freundschaft vermutet, klafft nach Meinungsverschiedenheiten der Familienväter plötzlich eine tiefe Kluft und es beginnt eine Zeit, in der es darum geht umzudenken und sein eigenes Handeln zu überdenken. Aber auch sonst greift die Autorin vieles auf, Freundschaft, das Leben als Paar, trotz erwachsener Kinder und vieles mehr, fließt hier in das Geschehen.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wobei hier deutlich Babette Babajou aus ihrer Sicht erzählt. Der Erzähler ist ein personeller Erzähler in der dritten Person, der dem Leser einen gelungenen Einblick in die Erlebnisse, aber auch in die Gefühlswelt der Charaktere gibt. Gleichzeitig erlebt man aber auch alles und spürt die ganze Atmosphäre, die das Buch ausstrahlt. Gelungen fand ich die Perspektive durch den kürzlich verstorbenen George Lafleur, der das Geschehen ab und an aus seiner Sicht über dem Ganzen schildert und dabei seine Meinung deutlich kund tut. Dadurch erfährt man auch über ihn noch aus seiner Vergangenheit und auch durch Babette Babajou erfährt man mehr über ihre Herkunft.
Besonders viel Liebe hat die Autorin in der Ausarbeitung der Charaktere gesteckt, die einfach alle viel Lebendigkeit ausstrahlen und absolut glaubwürdig und authentisch wirken. Jeder Einzelne ist etwas besonderes, wobei hier wirklich das Hauptaugenmerk auf Babette liegt. Man lernt sie und auch ihre Herkunft kennen, erfährt, dass ihr Leben oft hart war und aus viel Arbeit bestand und auch die langjährige Beziehung zu ihrem Mann oft nur nebenbei läuft. Es fehlt so oft die Zeit für Zweisamkeit, die man sich doch unbedingt nehmen sollte.
Mein Fazit:
Ein Buch, das einfach ganz viel Wärme ausstrahlt, mit einem sehr schönen, gefühlvollen Schreibstil, der Begebenheiten und Personen lebendig werden lässt. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere und eine Geschichte mit Tiefgang runden das gesamte Bild des Romans ab. Ein wohlfühl Sommerbuch, das ich gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 18.01.2018

Unerwartetes Highlight

Marthas Widerstand
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Gerade einmal sechzehn Jahre alt ist Martha Honeydew, als sie einen Mann auf offener Straße erschossen haben soll. Nun sitzt sie den ersten von sieben Tagen in Zelle eins von sieben, denn genau sieben ...

Gerade einmal sechzehn Jahre alt ist Martha Honeydew, als sie einen Mann auf offener Straße erschossen haben soll. Nun sitzt sie den ersten von sieben Tagen in Zelle eins von sieben, denn genau sieben Tage lang darf die Bevölkerung Englands per Telefonvoting darüber abstimmen, ob Martha Leben darf oder hingerichtet werden soll. Schon die Umfragewerte zeigen, dass Martha sehr schlechte Chancen auf ein Überleben hat und doch plädiert sie noch nicht einmal auf unschuldig. Aber auch das hat seine Gründe, denn Martha möchte dem Völk die Augen öffnen, vor den Ungerechtigkeiten einer solchen Abstimmung.
Meine Meinung:
Der Klappentext und auch das Cover dieses Buches machten mich sehr neugierig, trotzdem hatte ich zu Beginn des Buches gar keine großen Erwartungen, doch schon nach kurzer Zeit war ich wie gebannt von Martha und ihrer Geschichte. Der Schreibstil der Autorin ist sehr schmucklos, die Sätze sind knapp und hämmern sich dabei aber während des Lesens regelrecht in den Kopf. Mir kam die Sprache hier genau richtig vor, denn das Thema, das die Autorin hier aufgreift ist leider nur allzu gut vorstellbar und dadurch noch um einiges erschreckender. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und durchlebte während des Lesens eine wahre Gefühlsachterbahn, mal war ich einfach nur wütend, auf Grund der geradezu schreienden Ungerechtigkeit, dann spürte ich Marthas Trotz, aber auch ihre Angst und ihre Liebe zu den Menschen, die ihr nahe standen und im nächsten Moment wurde es so spannend, dass der Adrenalinspiegel nur so nach oben schoß. Von Hoffnung über Angst, über Wut und Fassungslosigkeit, wirklich alles an Gefühlen war dabei.
Das Thema der Geschichte klingt sehr abgeschmackt, doch dabei absolut aktuell, denn es ist für uns doch gar nichts besonderes mehr, wenn man z. B. über Z-Promis "Abendessen" per Telefonvoting abstimmen darf. Wie weit ist es dann hergeholt, dass das Volk über die Todesstrafe abstimmen darf? Natürlich ist das noch kein richtiger Vergleich und doch kann ich mir vorstellen, wie sehr solch eine Sendung anziehen kann, die Sensationslüsternheit ist doch heutzutage nichts ungewöhnliches und dem Leiden eines anderen zuzusehen unterhaltsam. Die Einschaltquoten eines solchen TV-Spektakels dürften gigantisch hoch sein, doch wo ist da noch die Gerechtigkeit? Genau darum geht es hier in dieser Geschichte.
Die Spannung steigt hier mit dem Fortschreiten der Geschichte, so wie Martha täglich die Zelle wechseln muss, um ihrem Urteil näher zu kommen, wechseln auch die Abschnitte im Buch. Dabei hängt das Urteil wie ein Damoklesschwert über dem Leser und auch wenn es hoffnungslos scheint, spürt man doch permanent, wie sehr man Martha einen guten Ausgang wünscht. Die Frage nach Marthas Schuld oder Unschuld ist dabei noch nicht einmal ausschlaggebend, denn diese Frage kann man sich selber sehr schnell beantworten.
Die Perspektiven des Buches sind vielseitig, denn man bekommt hier einen kompletten Rundumblick. Wir erleben manches Geschehen aus Marthas Sicht und die Erzählform schwankt dabei zwichen der Ich-Erzählung und Momenten, in denen sich Martha in Gedanken an andere Personen wendet. Dabei erfährt man, was bisher überhaupt geschehen ist, wer der Mann war, den Martha getötet hat und wie sie bisher aufgewachsen ist. Aber wir erleben hier auch noch andere Sichtweisen, zum einen kommt Eve, Marthas psychologische Betreuerin während der Haft, zur Sprache, mal Marthas Nachbarin, mal ein ausgemusterter Richter. Dann gibt es Szenen der Fernsehshow, die so richtig realistisch herüber kamen und bei denen ich beinahe platzen konnte vor Ärger über die Moderatorin, die ihre Rolle hier perfekt spielt.
Die Charaktere der Geschichte sind relativ überschaubar, dabei wird hier eines sehr schnell glasklar: die Kluft zwischen arm und reich, zwischen denen, die den Ton angeben und die, die nichts dagegen machen können. Diese Kluft ist auch heute schon gegeben und dementsprechend ist dieses Zukunftsbild, das Kerry Drewery hier entwirft, absolut vorstellbar. Die Vielschichtigkeit der Charaktere ist hier sehr gut gelungen und greifbar. Man entwickelt schnell Sympathien oder Antipathien und Martha, aber auch die Psychologin Eve und noch einige weitere Charaktere sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Daneben gibt es aber auch Personen, die geradezu Überheblichkeit, Ignoranz und Arroganz aus jeder Pore ausstrahlen und mich beinahe vor Ärger über ihre Art schreien ließen.
Ich könnte hier noch Ewigkeiten über mein Gefühlsspektrum beim Lesen schreiben, aber ich würde dann einfach viel zu viel über diese Geschichte, deren Ende übrigens offen ist, verraten. Ich hoffe sehr, dass die Geschichte eine Fortsetzung erhält, wobei ich mir dann durchaus die Handlung vorstellen kann, aber äußerst gespannt auf deren Umsetzung bin.
Mein Fazit:
Ein Buch, das mich mit auf eine regelrechte Reise durch die Gefühlswelt mitnahm und mich kaum zur Ruhe kommen ließ. Ein durchaus vorstellbares Szenario und überzeugende Charaktere ließen mich regelrecht durchs Geschehen fliegen und konnten mich fesseln. Der Schreibstil mag für manch einen gewöhnungsbedürftig erscheinen, aber ich fand ihn hier perfekt,kurz, knapp, beinahe kalt und dadurch realistisch. Ein offenes Ende lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen. Ich habe mit Marthas Widerstand ein unerwartetes Highlight erhalten, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Lebendiges Mittelalter

Die fremde Königin
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Achtung: da Band 2 könnte es in der Inhaltsbeschreibung zu Spoilern kommen.

Wir schreiben das Jahr 951 nach Christus. Nachdem der Ehemann von Königin Adelheid einem Giftanschlag zum Opfer fiel, wird die ...

Achtung: da Band 2 könnte es in der Inhaltsbeschreibung zu Spoilern kommen.

Wir schreiben das Jahr 951 nach Christus. Nachdem der Ehemann von Königin Adelheid einem Giftanschlag zum Opfer fiel, wird die junge Frau nebst ihrer Tochter, ihrer Magd und dem Priester und Benediktiner Bruder Guido in einem Turm gefangen gehalten. Doch durch einen Tipp durch einen jungen Mann, gelingt ihnen die Flucht und ihnen wird durch dem Panzerreiter Gaidemar, der zu ihrer Befreiung gesandt wurde, geholfen. So gelangt Adelheid an König Ottos Hof und auch an seine Seite. Gaidemar, der übrigens ein Bastard ist, dessen Herkunft erst später Aufklärung findet, schlägt noch so manch eine Schlacht an der Seite Ottos und seiner Königin.
Meine Meinung:
Dieses Buch besticht durch ein wunderschönes Äußeres, das mich magisch anzog und da ich in letzter Zeit doch ein wenig auf den Geschmack historischer Romane gekommen bin, war ich auch hier sehr neugierig. Auch wenn es sich hier um den zweiten Band rund um König Otto und seiner Geschichte handelt, kann dieses Buch durchaus auch eigenständig gelesen werden, da man immer wieder Einblicke erhält, was zuvor geschah. Sprachlich konnte mich Frau Gablé schon von der ersten Seite an in ihre Geschicht ziehen, so bleibt es durchaus der Zeit, in der der Roman spielt angepasst und trotzdem so leicht und flüssig, dass selbst dieser umfangreiche Roman viel zu schnell wieder vorbei war. Die Autorin vermischt hier perfekt historische Begebenheiten mit fiktiven Charakteren und Situationen und man fühlt sich einfach in die Zeit des Mittelalters versetzt. So lebendig, wie alles geschildert wird, macht es einfach Spaß, dieses Buch zu lesen.
Auch die Spannung ist hier vom ersten Moment an gegeben und so lebt dieses Buch regelrecht von Intrigen, Verrat, Spannung, Liebe, Treue, Kämpfe und noch vielem mehr. Man merkt einfach, dass hier gut recherchiert wurde und die historischen Ereignisse geschickt mit eingebaut und verflochten wurden. So erleben wir hier sehr lebendig, wie König Otto zu seiner zweiten Frau, der italienischen Königin Adelheid kam. Wie dieser mit ihr an seiner Seite bis zur Kaiserkrönung gelangt und mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hat. So gibt es immer wieder Krieg mit Ungarn oder Slawen, Missgunst und Neid in der eigenen Familie und Intrigen.
Die Geschichte erleben wir aus verschiedenen Perspektiven, Adelheid, Otto, Gaidemar, Luidolf und noch einige mehr werden hier in den Mittelpunkt gerückt. Dadurch wird die Geschichte noch einmal mehr lebendig und fesselte bis zum Schluss. Ja, ich gebe durchaus zu, dass ich so manches Mal, gerade zu Beginn, überlegen musste, wer da gerade erzählte, bzw. wo ich diese Person einzuordnen hatte, doch je mehr die Geschichte fortschritt, desto vertrauter wurde ich auch mit den Personen.
Richtig gelungen sind hier wieder die Verknüpfungen zwischen fiktiven und realen Charakteren. So gab es schnell Charaktere, denen man verfiel und natürlich auch Charaktere, die man gar nicht mag. Adelheid hat mich vom ersten Moment an beeindruckt und sie ist ja auch durchaus als eine der einflussreichsten Frauen in die Geschichte eingegangen. Sie ist eine sehr kluge Frau und hat eine ganz eigene Art, geschickt die Menschen in ihrer Umgebung zu lenken. Mag sein, dass sie dadurch an manch einer Stelle eher kalt wirkt, jedoch war dieses Auftreten für mich niemals fragwürdig, sondern eher sehr glaubwürdig.
Mein Held der Geschichte ist dann der fiktive Charakter Gaidemar geworden. Dieser ist ein Mann, der einfach alles mitbringt, um ein wahrer Held zu sein. Seine Entwicklung von einem Panzerreiter zu einem regelrechten königlichen Berater war interessant mitzuerleben und ich hätte mir vorstellen können, dass es Gaidemar wirklich gegeben hat. Trotz aller Rückschläge oder Fehlschlägen kämpft er weiter und wächst dadurch.
Auch sonst gibt es hier natürlich noch eine große Anzahl weiterer Charaktere, die auf die Handlung Einfluss nehmen und auf das Geschehen einwirken. Jeder einzelne davon wirkt glaubwürdig und lebendig und man sieht sie direkt vor sich.
Mein Fazit:
Ein wirklich toll erzählter Roman, der sehr geschickt historisches mit fiktivem vermischt und ein großartiges Epos entstehen lässt. Gut verständlich wird der Leser in die Zeit des Mittelalters katapultiert und nimmt an dem Leben damals teil. Ich bin in der Geschichte dieser Zeit nur wenig bewandert, waren mir doch diese ganzen Ausführungen im Unterricht doch viel zu trocken, doch Rebecca Gablé erzählt alles Geschehene so lebendig, dass es einfach Spaß macht. Ach, wäre doch der Unterricht früher auch so lebendig gewesen, ich hätte einfach viel mehr von historischen Begebenheiten gehalten. Eine klare Leseempfehlung für diesen wundervollen Roman!

Veröffentlicht am 18.01.2018

Hochspannung - wie immer!

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
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Bei einem Polizeitraining für Leichenspürhunde entdeckt einer von diesen eine Leiche, vergraben unter einem Baum und das schon seit längerer Zeit. Kommissar Dühnfort wird zu den Ermittlungen hinzugezogen ...

Bei einem Polizeitraining für Leichenspürhunde entdeckt einer von diesen eine Leiche, vergraben unter einem Baum und das schon seit längerer Zeit. Kommissar Dühnfort wird zu den Ermittlungen hinzugezogen und die Suche nach der Identität der halb verwesten Leiche beginnt. Neben der Leiche entdeckt Dühnfort einen Figur eines Affen, der sich den Unterleib hält - ein Symbol, das bedeutet, dass man nichts böses tun soll. Ein Hinweis? Doch worauf? Die Spuren führen Dühnfort zu einer seit längerer Zeit vermissten, jungen Frau und noch weiteren Geheimnissen. Doch nicht nur während der Ermittlungen wird Dühnfort vor Problemen gestellt, auch im Privatleben gibt es so einiges, womit der Kommissar zu kämpfen hat.
Meine Meinung:
Ich habe bereits einige von Inge Löhnigs Krimis gelesen und ich muss sagen, dass die Autorin immer wieder aufs Neue beweist, was für ein Händchen sie dafür hat, schon von der ersten Seite an für Spannung zu sorgen. Auch mit ihrem neuen Buch - Sieh nichts böses - konnte sie mich wieder vom ersten Moment an, an ihre Geschichte fesseln. Der Schreibstil ist einfach nur extrem mitreißend und flüssig und dank einer klaren Sprache wird das Buch zu einem Pageturner. Aber auch durch die vielen Bände fühlte ich mich gleich vom ersten Moment an mit Dühnfort wohl, er ist ja doch schon ein guter Bekannter geworden und ich mag ihn und seine Art sehr.
Die Spannung ist, wie man es gewohnt ist, gleich vom ersten Moment an wieder hoch. Mit vielen Perspektivenwechseln und somit auch unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin immer wieder, den Verdacht in andere Richtungen zu lenken und jedes Mal, wenn man glaubt, man weiß, wer hier der Täter ist, lenkt sie den Verdacht wieder auf eine andere Person. So verfliegen auch hier wieder die Seiten auf der Suche nach dem Mörder und der Raum für eigene Spekulationen ist vorhanden.
Wie auch in den Vorgängern erfährt man hier vieles über das private Leben des Kommissars Dühnfort und seiner Frau Gina. Dieses Mal stehen die Beiden vor einer unglaublich schweren Entscheidung und aus persönlichen Gründen habe ich da sehr viel Mitgefühl für aufbringen können. So fühlte ich mich auch dieses Mal einmal mehr und intensiver mit den Protagonisten verbunden und habe immer wieder sehr für sie gehofft.
Wie immer setzt sie hier den personellen Erzähler ein, der den Leser bei den Geschehnissen zuschauen lässt und durch den man immer wieder Einblicke hinter die Kulissen bekommt. Doch auch wenn man durchaus mehr weiß, als die Ermittler, kommt man als Leser trotzdem nicht dahinter, wer der Täter ist.
Die Charaktere der Geschichte sind wieder absolut mitreißend und teilweise war ich wirklich entsetzt, was sich so alles hinter den Kulissen bei so manch einer "vornehmen" Familie abspielte. Mit nur wenigen Worten schafft Löhnig es, meine Gefühle durcheinander zu bringen, so war ich manches Mal geschockt, wie wenig Gefühl hier manch eine Person aufbrachte, konnte mitleiden und mit bangen. Vor allem mit Dünhoff und seiner Frau Gina, deren Erlebnisse mich sehr berührten. Kommissar Dühnfort ist und bleibt einer meiner liebsten Ermittler, denn er ist einfach ein herrlich unkomplizierter Charakter, der völlig normal ist und nicht die gängigen Klischees eines Ermittlers trägt. Ich mag ihn einfach so, wie er ist und freue mich immer wieder, wenn ich ein neues Buch mit ihm als Ermittler in der Hand halten darf.
Mein Fazit:
Wieder einmal ein spannender Krimi, den man kaum aus der Hand legen möchte und der für gute Unterhaltung sorgt. Wieder einmal zeigt Löhnig ihren Lesern, dass man doch nur selten hinter die Menschen, die man sieht, blicken kann und vieles nur schöner Schein ist. Ein Buch über Neid und Hass, aber auch über Gewalt gegenüber Menschen, die man eigentlich beschützen sollte. Rasant, undurchschaubar und spannend, meine Leseempfehlung für diesen Krimi.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Macht gute Laune

Kopf aus, Herz an
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"Es tut mir leid, ich kann nicht" - mit diesen kurzen sieben Worten auf einem Zettel, den er unter einer Tür durchschiebt, läßt Michael Edwarts seine Verlobte Lilly zehn Minuten vor der Hochzeit stehen. ...

"Es tut mir leid, ich kann nicht" - mit diesen kurzen sieben Worten auf einem Zettel, den er unter einer Tür durchschiebt, läßt Michael Edwarts seine Verlobte Lilly zehn Minuten vor der Hochzeit stehen. Lilly ist mehr als geschockt, doch am nächsten Morgen beschließt sie spontan, doch zu ihrer Hochzeitsreise aufzubrechen, denn immerhin ist schon bezahlt und Thailand bestimmt eine Reise wert. Noch auf dem Flug zu ihrem Traumziel lernt sie Damien kennen, diesen Mann, der rein optisch wie ein drogensüchtiger Drummer einer Gothicband aussieht, der mit seiner spontanen Art, den schwarzen Klamotten und den Tattoos genau der Typ Mann ist, dem sie sonst aus dem Weg geht. Doch irgendwie kommen sie durch Zufall immer wieder zusammen und so nach und nach merkt Lilly, dass man auch ruhig mal auf sein Herz und nicht immer nur auf seinen Kopf hören sollte.
Meine Meinung:
Ich muss sagen, dieses Buch kam genau richtig, um mich an einem trüben Tag wieder aufzuheitern und abzulenken, denn genau das ist Jo Watson mit ihrem Roman Kopf aus, Herz an von der ersten Seite an gelungen. Mit einem, vom ersten Moment an, lockeren und flüssigen Schreibstil konnte sie mich gleich in ihre Geschichte ziehen. Dabei trifft die Autorin mit ihrem Humor auch genau den meinigen und somit wurde das Buch zu einem reinen Lesevergnügen.
Jo Watson beschreibt die Ereignisse mit sehr viel Geschick, so dass die ganze Geschichte richtig lebendig wurde und auch wenn so manch eine Situationskomik etwas überzogen wirkte, war es einfach nur unglaublich lustig und ich hatte doch die meiste Zeit beim Lesen ein breites Grinsen im Gesicht.
Auch sonst wurde das ganze drumherum sehr intensiv, beginnend mit dem Moment, in dem sich Lilly regelrecht aus ihrem Brautkleid schneiden läßt, bis hin zu Szenen am romantischen Strand. Das ganze wird sehr lebendig geschildert und machte die Charaktere dabei ebenfalls sehr gut vorstellbar.
Die Liebesgeschichte rund um Lilly und Damien hat mir sehr gut gefallen. Ich mag es, wenn die Charaktere nicht gleich beim ersten Aufeinandertreffen wissen, dass sie hier dem einzigen gegenüberstehen. Aber auch gerade die Art, wie die beiden Protagonisten sich kennenlernen war einfach süß und äußerst witzig.
Lilly erzählt aus ihrer Perspektive und auch in der Ich-Form von dem Geschehen, so dass man hier auch alles genau durch Lilly verfolgen kann. Diese wird auch äußerst lebendig und ich konnte sie gut vor mir sehen. Sie ist eine sehr sympathische Protagonistin, die mich immer wieder zum Lachen brachte, denn Lilly besticht nicht nur durch ihren Wortwitz, sondern auch durch ihre Tollpatschigkeit. Wenn man meint, dass diese recht überzogen scheint, so kann ich sagen, manches Mal musste ich doch mit Lilly mitfühlen, da ich mich hier perfekt in sie hineinversetzen konnte. Ich habe da auch so mein Geschick mit Fettnäpfchen und somit hatte ich durchaus Verständnis für Lilly.
Damien ist sehr interessant, natürlich der große, dunkle Unbekannte, der optische Bad Boy, der so gar nicht zu Lilly passt. Aber trotzdem ist er ein sehr angenehmer Charakter, der durchaus weiß, wer er ist, wenn er auch noch nicht genau weiß, was er will. Er war mir gleich von der ersten Beschreibung an sympathisch und das Zusammentreffen mit Lilly ist hier einfach nur - seufz.
Nebencharaktere gibt es hier ein paar, welche aber keine allzu große Bedeutung in der Geschichte finden, welches aber so absolut passend ist. Die Autorin hat an den richtigen Stellen den passenden Charakter eingesetzt und konnte mich auch mit diesen gut unterhalten.
Mein Fazit:
Ein wunderbar unterhaltsamer, lustiger und auch romantischer Roman, der mir einfach gute Laune bereitet hat und für schöne Lesestunden sorgte. Besonders der Humor der Autorin hat mir sehr gut gefallen und so verflogen die Seiten sehr rasch beim Lesen. Wer gerne lockere und leichte Liebesgeschichten mag, ist mir Kopf aus, Herz an absolot richtig. Klare Leseempfehlung!