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Veröffentlicht am 11.10.2025

Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie!

Wild Strawberry 01
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„Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie.“

Die Thematik von „Wild Strawberry“ ist nicht neu. Ein Virus überzieht die Welt, Pflanzen verschlingen die Zivilisation und erobern zudem die Körper der ...

„Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie.“

Die Thematik von „Wild Strawberry“ ist nicht neu. Ein Virus überzieht die Welt, Pflanzen verschlingen die Zivilisation und erobern zudem die Körper der Menschen. Doch das besondere an diesem Manga sind eindeutig die beiden Protagonisten Kingo und Kayano. Die beiden schlagen sich durch ein von Pflanzen überwuchertes Tokio. Kingo hält immer eine schützende Hand über die jüngere Kingo. Diese birgt ein Geheimnis, das nur Kingo kennt. In ihr wächst eine Jinka, ein parasitärer Organismus, der sich von den Nährstoffen des Wirtes nährt. Irgendwann wird sie erblühen - und der Wirtskörper wird das Erblühen nicht überleben.

Die Geschwisterbeziehung von Kingo und Kayano hatte mich vin den ersten paar Seiten an. Die beiden, im Waisenhaus aufgewachsen, halten zusammen wie Pech und Schwefel und Kingo will seine kleine Schwester immer nur beschützen. Dieses starke Band besteht durch den gesamten ersten Band hindurch und hat mich berührt. Der Gedanke, seine kleine Schwester zu retten, steht immer im Raum.

Das Erblühen der Pflanzen und der Schutz der Bevölkerung ist keine unblutige Angelegenheit. Die „Flower Funeral Force“ hat sich in anarchischen Strukturen bemächtigt und löscht alles aus, was auch nur entfernt zu blühen versucht. Sie hinterlassen eine Spur aus Blut und Vernichtung. Dieser starke Gegensatz zwischen Blut und Vernichtung und der starken Beziehung begleitet mich durch den Manga und fasziniert mich.

Die Zeichnungen sind atemberaubend detailgetreu. Vor manchen Vollformatzeichnungen saß ich minutenlang und habe sie angestarrt, da ich immer etwas neues darauf entdecken konnte. In den Zeichnungen erkennt man wirklich jeden Strich - und den Stil mag ich sehr.

Ein toller Auftakt, der mich hungrig auf mehr macht. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Süßer Slice of Life Manga

Mein Nachbar Yokai 02
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🐈 Buchios zweites Leben als Nekomata ist gar nicht so leicht. Er muss ich entscheiden, welchen Sinn er seinem Leben geben will, welchem Job er nachgehen möchte - ganz schön anstrengend. Yuri-san indessen ...

🐈 Buchios zweites Leben als Nekomata ist gar nicht so leicht. Er muss ich entscheiden, welchen Sinn er seinem Leben geben will, welchem Job er nachgehen möchte - ganz schön anstrengend. Yuri-san indessen beschäftigen unliebsame Erinnerungen, die sie eigentlich vergraben geglaubt hat. Derweil treten seltsame Phänomene in der Stadt auf …

Ich muss zugeben, dass ich für den zweiten Band zwei Anläufe gebraucht habe. Die Stimmung muss einfach passen - zu diesem niedlichen Manga mit so vielen leise geäußerten Wahrheiten für das Leben. Auch der zweite Band ist nicht laut. Er schreit seine Botschaften nicht von den Seiten - sondern teilt sie dem Leser in sanften Panels, leichter Strichführung und der ruhigen Art, die ich aus dem ersten Band kenne mit - beim zweiten Anlauf konnte mich „Mein Nachbar Yokai“ noch mehr verzaubern als der erste Band.

Fokus lag in diesem Band auf der Sinnsuche von Buchio - er nimmt Gelegenheitsjobs an, um das richtige für ihn zu finden - und trifft auf allerlei Yokai und Menschen, die ihn begleiten. Einige Begegnungen waren besonders witzig - und es steckt in jeder eine kleine Wahrheit.

Die Hintergrundgeschichte von Yuri-san hat mich gerührt. Es geht um den eigenen Weg, der gefunden werden muss, und um Ballast aus der Vergangenheit, mit dem sie kämpft.

Ich bin mit diesem zweiten Band richtig in die Stadt hineingewachsen. Die Kinder, die freundlichen (und manchmal nicht so freundlichen) Dämonen und die Erwachsenen leben einträchtig zusammen. Metaphorisch gesehen könnten wir uns für unsere Gesellschaft eine Scheibe davon abschneiden. Die eingeflochtenen Exkurse in die japanische Mythologie waren für mich bezaubernd.

Allen, die Lust auf einen leisen, aber umso niedlicheren Manga mit großen #SliceofLife Anteilen haben, denen kann ich diesen Band nur wärmsten ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Wunderbare düstere Fantasy

Moonstone
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Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das solche Vibes ausstrahlt. Viktorianische Zeit, irgendwie gefangen zwischen Camilles elitärer Erziehung und der Lebensrealität bei ihrer Tante, versetzt mit einem ...

Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das solche Vibes ausstrahlt. Viktorianische Zeit, irgendwie gefangen zwischen Camilles elitärer Erziehung und der Lebensrealität bei ihrer Tante, versetzt mit einem gruseligen Geheimnis, dem sie auf die Spur kommen muss.

Camille ist nach einem Ball ein gefallenes Mädchen, deshalb Wird sie zu ihrer Patentante und deren Tochter Lucy aufs Land geschickt. Lucy ist an einer merkwürdigen Krankheit erkrankt - und obendrein will sie Camille schnellstmöglich wieder aus dem verfallenen Jägerhaus vertreiben. Zudem birgt der Wald ein schreckliches Geheimnis …

Wir lernen Camille auf den ersten Seiten verändert und nach den Ereignissen in Feldwood kennen. Sie ist manisch, krank und hungrig - und wird von ihrer Familie gepflegt. Der Einstieg hat mich schon von den ersten Seiten an gefesselt. Ich wollte hinter das Geheimnis kommen, wie Camille von dem unbedarften Mädchen zu einer solchen Kreatur werden konnte. Unbedarft? Nun, ja - sie ist behütet aufgewachsen und wurde auf Heirat, Hausführung und Kinder vorbereitet. Sie tanzt vor Fellwood auf Bällen und lässt sich einen Kuss stehlen. Ihr Lebensinhalt drehte sich nur auf dieser Fläche - deshalb unbedarft. Dass hinter dem Kuss und hinter dem Mann mehr steckt, als Camille zunächst vermutet, war mir von Beginn an klar. Wir treffen im Verlauf des Buches mehrere Male auf Collin Rendell - Camilles Beziehung zu ihm bleibt zwar schwärmerisch, sie hinterfragt aber auch seine Absichten. Sie fliegt ihm also nicht blind in die Arme - worüber ich sehr froh war!

Moonstone hat natürlich Schauerelemente - und ich habe sie gefeiert. Herrlich traditionell kommen sie daher - ein Heulen in der Nacht, verdächtige Kräuter auf dem Küchentisch, mysteriöse Kratzspuren in den Türen und verbotene Orte. Über ganz Fellwood lag eine Atmosphäre, die mir wohlige Schauer über den Rücken hat laufen lassen. Befeuert wurde diese Atmosphäre noch durch Purcells Stil - er war so bildhaft, dass ich die schwarze Erde schmecken und die Anstrengung, die es erforderte, den Handkarren durch den Wald ins Dorf voller misstrauischer Bewohner zu ziehen, spüren konnte. Es ist wie Abtauchen in eine vergangene Welt.

Die aufblühende Freundschaft zwischen Camille und Lucy empfand ich als sehr schön. Die beiden waren nicht gleich beste Freundinnen - viel mehr musste Camille die Schale aus Einsamkeit und Vorsicht, die Lucy im Laufe der Jahre um sich herum errichtet hatte, aufmeißeln - dass dabei viel Characterbuilding mit einfließt ist selbstverständlich - das spielt mir in die Karten.

Auch ihre Patentante und Bridget, die versuchen, das schreckliche Geheimnis zu hüten und gleichzeitig für Lucy da zu sein, haben mir gut gefallen.

Eine Logiklücke gab es trotzdem noch - aber die war wohl für den Spannungsaufbau notwendig und hat mich kaum gestört. Der Fokus liegt in diesem schaurigen Roman auf der Freundschaft der beiden Mädchen und der wunderbar erschaffenen Atmosphäre von feuchten Blättern, Mondlicht und Wolfsgeheul.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Bewegend durch leise Töne

Das Geschenk des Meeres
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„Joseph weiß, der Sturm kommt. Er sieht den gelben Hof um den Mond und das eisige Glitzern des Winterhimmels, als er vom Strand hinaufgeht und ein paar Mal innehält um seinen schmerzenden Knien eine Pause ...

„Joseph weiß, der Sturm kommt. Er sieht den gelben Hof um den Mond und das eisige Glitzern des Winterhimmels, als er vom Strand hinaufgeht und ein paar Mal innehält um seinen schmerzenden Knien eine Pause zu gönnen.“

Das Geschenk des Meeres hat mir beim zweiten Anlauf mein Herz gestohlen. Es ist eine Geschichte über Verlust und Sehnen, über Anschuldigungen und die Wahrheit im Nicht-Gesagten. Über Liebe und Neid - und über die langsame Akzeptanz.

Schottland im Winter 1900 - ein Junge wird an den Strand eines Fischdörfchens gespült - auf Umwegen gelangt er zu Dorothy, die sich um ihn kümmert - er sieht Dorothys Sohn ähnlich, den sie vor vielen Jahren an die See verloren hat. Was ist in jener stürmischen Nacht wirklich passiert?

Ich hatte das Buch zuerst auf den Ohren - und hatte gleichzeitig meine Schwierigkeiten damit. Aber etwas an der Geschichte hat mich nicht losgelassen - und so fand es seinen Weg als Buch zu mir - und hat mich aufgewühlt wie die stürmische See in Schottland!

Es ist Dorothys Geschichte, die in ein kleines Fischerdorf kommt um dort zu unterrichten und sich ein Leben aufzubauen. Es ist die Geschichte von ihrer Beziehung zu Joseph, dem Fischer, vom Verhältnis zu William, ihrem späteren Ehemann und zu ihrem kleinen Sohn, dessen Tragödie ihr gesamtes späteres Leben überschattet.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Das Damals und das Jetzt, zu dem Zeitpunkt, an dem der Junge gefunden wurde, der Moses unheimlich ähnelt.

Es hat mich stark berührt, wie Dorothy ihr Trauma ausgelöst durch den Verlust ihres Sohnes weggeschlossen und all die Jahre nicht mehr angerührt hat. Sie hat weiter gelebt, weiter unterrichtet - aber die harte Schale, die sie um die Wunde gelegt hat, hat erst der verlorene Junge angerührt, den sie Jahre später aufgenommen hat - die Darstellung hat mich wirklich geschmerzt.

Generell stellt Kelly Schottlands raue Schönheit in einer klaren prägnanten Sprache dar. Ich konnte den Schnee unter meinen Füßen Knirschen hören oder den starken Tee auf meiner Zunge schmecken. Die Autorin hat einfach eine so starke Sprache - sie spricht schwierige Themen wie Trauer oder Verlust metaphorisch an - und wir wissen alle um welche Thematik es geht.

Das Dorfleben - das Leben einer verschworenen Gemeinschaft, in die eine Fremde eindringt, war eindringlich skizziert. Ich hätte mir an manchen Stellen gewünscht, dass man es Dorothy leichter gemacht hätte, sich zu integrieren. Das Buch entblätterte sich auf mehreren Zeitebenen in kurzen Kapiteln - sodass ich immer wissen wollte wie es weiter geht.

Ein Buch, das mich das Rauschen des Meeres hören und die Salzluft hat schmecken lassen! Ich empfehle es für alle, die leise dramatische Geschichte lieben und das Leben Anfang des 20, Jahrhunderts erleben möchten. Ich persönlich präferiere in diesem Fall das Buch, weil mich der rasche Zeitsprung immer wieder aus dem Hörbuch rausgeworfen hat.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Starker Manga über Ausgrenzung und Zusammenhalt

Die Narben, die uns einen 01
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„Wir wollten, dass dieser Moment ewig dauert. Aber nichts hält für die Ewigkeit.“

Der Manga ist keine einfache Kost - es geht um zwei Jugendliche. Der eine für sein Leben durch einen Autounfall gezeichnet, ...

„Wir wollten, dass dieser Moment ewig dauert. Aber nichts hält für die Ewigkeit.“

Der Manga ist keine einfache Kost - es geht um zwei Jugendliche. Der eine für sein Leben durch einen Autounfall gezeichnet, er wird für sein Aussehen gemobbt. Die andere ist ein trans Mädchen, die für ihre sexuelle Identität Schläge kassiert. In der Schule treffen sie aufeinander, lernen sich lieben und beschließen ihrem toxischen Umfeld zu entkommen.

Schon auf dem Cover - zart, fast schüchtern gezeichnet - wird klar, dass es im Manga um das Anderssein geht. Um das akzeptiert werden, darum, sich einen Platz in der Welt zu erkämpfen - und darum, dass man lernt, dass man ein recht darauf hat, glücklich zu sein und geliebt zu werden. So schüchtern das Cover auch daher kommt, merkt man schon nach wenigen Seiten, wie hart und gnadenlos die Geschichte ist. Das Mobbing eskaliert - es wird systematisch geprügelt und verbal missbraucht. Gerade dieser Gegensatz zwischen Zeichenstil und Inhalt macht für mich den Reiz des Mangas aus - und die beiden Protagonisten. Kyonosuke, der versucht mutig zu sein und seinen Eltern keinen Grund zur Sorge zu geben, und Akira, die versucht, ihre sexuelle Identität zu leben und gleichzeitig ihren Eltern keinen Grund zu geben, zornig zu sein.

Die Situation ist herzzerreißend und schockierend zugleich - insbesondere da alle Seiten gezeigt werden. Die Darstellung hat mich einige Male schlucken lassen, insbesondere da es nur wenige Szenen gab, in denen das Pärchen wirklich glücklich sein durfte.

Ich persönlich hätte mir vielleicht ein paar mehr Seiten für den Aufbau der Story gewünscht - so war mir das Tempo zu hastig. Aber das ist Geschmackssache

Ein eindringlicher Manga mit einem sehr aktuellen und sehr ernstem Thema. Unbedingt empfehlenswert, trotz des für mich etwas überhasteten Tempos.

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