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Kinderbuch-Detektive

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

Graphic Novel für Jugendliche ab 14

Heartbreak Hotel
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Vier Jugendliche, die unterschiedlicher kaum sein könnten, treffen aufeinander. Sie haben eine Gemeinsamkeit: alle vier leiden unter Liebeskummer.

Maya trifft ihre ehemals beste Freundin Laura aus frühen ...

Vier Jugendliche, die unterschiedlicher kaum sein könnten, treffen aufeinander. Sie haben eine Gemeinsamkeit: alle vier leiden unter Liebeskummer.

Maya trifft ihre ehemals beste Freundin Laura aus frühen Kindheitstagen wieder und verliebt sich in sie. Inzwischen hat Laura einen Freund aus der Oberstufe. An ihrem 16. Geburtstag kommen sich die beiden Mädchen dennoch näher und Maya erlebt das vollkommene Glück. Doch dieses endet abrupt.

Martin ist schwul, keiner in seinem Umfeld weiß davon, denn die Chance, einen passenden Freund zu finden, ist in seiner Kleinstadt nicht allzu groß. Über Instagram lernt er jemanden kennen und verliebt sich. Aber die Begegnung im realen Leben endet in einer emotionalen Katastrophe.

Die dritte im Bunde ist Fiona, die sehr behütet aufwächst und keine Ahnung davon hat, dass ihre beste Freundin und ihr Freund mit ganz anderen Herausforderungen im Leben zu kämpfen haben. Ihre Naivität wird Fiona zum Verhängnis, tief verletzt steht sie plötzlich alleine da.

Als letztes begegnen wir Finn, der Mayas Geschichte aus einer anderen Perspektive kennt und erlebt. Statt sich einander zu öffnen und zu bestärken, bekämpfen sie einander.

Diese vier Jugendlichen gelangen auf magische Weise ins Heartbreak Hotel, einen Ort fernab der Realität — eine Art Wohlfühloase und die perfekte Auszeit von quälenden Gedanken und Gefühlen. Als ihre Zeit im Hotel abläuft, haben sie gemeinsam eine einzige, sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen, an der sie beinahe scheitern.

Die Graphic Novel fängt den Liebeskummer der Jugendlichen eindrucksvoll ein und überträgt ihn in Bilder. Der Verlust der ersten großen Liebe schmerzt besonders intensiv. Und so verwundert es nicht, dass die vier Schwierigkeiten haben, dieses Erlebnis zu bewältigen. Währenddessen durchleben sie intensive Gefühle, reiben sich heftig aneinander und finden gemeinsam zurück ans Licht.

Während die Erzählung voranschreitet, unterbrechen Rückblenden zu den vorangegangenen Geschehnissen den Verlauf der Handlung. Die Erinnerungen der vier Protagonist:innen sind ebenso wie die Zeit nach dem Hotelaufenthalt farbig gehalten, da sie die Realität widerspiegeln. Davon setzt sich in monochromer Farbgebung, also eintönig, der fiktive Aufenthalt im Heartbreak Hotel ab, der einer Art Traum gleicht.

Gelungen sind hierbei auch die intertextuellen Bezüge zu Alice im Wunderland, die stimmig und passend wirken. Und obwohl man vermuten könnte, die Autorin habe es mit den unterschiedlichen sexuellen Identitäten ein wenig übertrieben, muss dem klar widersprochen werden. Nichts davon wirkt unglaubwürdig und aufgesetzt, ganz im Gegenteil. Dadurch können sich Lesende mit unterschiedlicher sexueller Orientierung in diesem Buch wiederfinden. Sehr schön!

Heartbreak Hotel ist eine sehr empfehlenswerte Graphic Novel für Jugendliche ab 14 Jahren.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Spukgeschichte in einem verlassenen Dorf aufgrund des Kohleabbaus

Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister
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Pünktlich vor Halloween ist im September 2025 „Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister“ von Sabrina Schmohl erschienen, in dem es von Geistern, Zombies und Gruseligem nur so wimmelt. Mit diesem Kinderbuch ...

Pünktlich vor Halloween ist im September 2025 „Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister“ von Sabrina Schmohl erschienen, in dem es von Geistern, Zombies und Gruseligem nur so wimmelt. Mit diesem Kinderbuch erhielt die Autorin den Kirsten-Boie-Preis der Hamburger Literaturstiftung, was mit einer Veröffentlichung im Oetinger Verlag verbunden ist.
Der 11 jährige Bodhi ist mit seiner Familie zwangsweise umgezogen, denn ihr Dorf Nebelheim muss den Kohlebaggern weichen. Für den Jungen wiegt dies schwer, da er seine bisherige Heimat mit all dem, was ihm lieb und teuer ist, verliert. Er hat einen Plan mit konkreten Listen verfasst, welche Dinge er noch ein letztes Mal sehen oder erledigen möchte, bevor die Bagger alles zerstören. Gesagt, getan, wäre da nicht seine Mutter, die sich plötzlich Sorgen um ihren Sohn macht und mit ihm Zeit verbringen möchte. Zeit, die er nicht hat, denn die Uhr tickt…
Trotz der Ernsthaftigkeit folgen hier bereits zu Beginn der Erzählung die ersten humorvollen Einschübe, was sich im weiteren Verlauf der Geschichte fortsetzt. In einer Mischung aus Spannung, Grusel, Humor und später auch Freundschaft geht Bodhi auf eine wahrhaft außergewöhnliche Mission und begegnet in dem verlassen Dorf nicht nur einem Mädchen aus komplett anderen Lebensumständen, sondern trifft neben seinem verstorbenen Kater Spooky auf zahlreiche weitere Geister, die ihm teils wohlgesonnen, teils aber richtig gefährlich sind. Der Handlungsort, das verlassene Dorf, ist ein originelles Setting für ein Kinderbuch und dient als außergewöhnliche Kulisse. Die Erzählung ist kurzweilig und unterhaltsam, hätte aber an der ein oder anderen Stelle gerne noch etwas tiefgründiger sein können. Diesbezüglich sind gute, aber ausbaufähige Ansätze vorhanden, beispielsweise die Beziehung zwischen Bodhi und Joe, durch die der Junge in Kontakt mit anderen Lebensrealitäten kommt und daran wächst. Für Kinder ab 9 Jahren empfehle ich das Buch insbesondere, aber nicht nur, als lesenswerte Spukgeschichte an Halloween.

Veröffentlicht am 28.08.2025

Spannende und düstere Detektivgeschichte im Jahr 1880

Mika Mysteries - Der Ruf des Nachtraben
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Dieses Kinderbuch entführt uns in eine historische Zeit, zurück ins Jahr 1880 in Stockholm. Hier begegnen wir Mika, einem taffen Mädchen, das zunächst selbst im Waisenhaus aufgewachsen ist und nun als ...

Dieses Kinderbuch entführt uns in eine historische Zeit, zurück ins Jahr 1880 in Stockholm. Hier begegnen wir Mika, einem taffen Mädchen, das zunächst selbst im Waisenhaus aufgewachsen ist und nun als Angestellte bei der täglichen Arbeit unterstützt. Es ist ein harter Winter, die Vorräte sind knapp und so manches Kind ist dem Tod näher als dem Leben. Durch die Lebensumstände, die für uns in der heutigen Wohlstandsgesellschaft kaum vorstellbar sind, ist Mika abgehärtet und kann einiges wegstecken. Doch der Mord, der ihre Stadt erschüttert und die ängstlichen Augen des Jungen, der mitten in der Nacht ein Neugeborenes bei ihr abgibt und vom Dunklen Engel spricht, lassen auch sie nicht kalt. Als Zeugin wird sie unfreiwillig zur Unterstützerin eines Kommissars, der entgegen der Widerstände innerhalb der Polizei seine Arbeit ernst nimmt und diesen Fall nicht vorschnell einstellt. Ein kluge aber ebenso riskante Entscheidung.

Entgegen des Ankündigung, die für mich nach einem mystischen Kriminalfall mit Fantasy-Elementen klingt, handelt es sich hierbei um eine Detektivgeschichte in einem anderen Zeitalter, ganz ohne Magie. Das historische Setting ist bildhaft und eindrucksvoll in die Erzählung verwoben. Für die Lesenden bietet dieser interessante Handlungsort und die unbekannte Handlungszeit Potential zum historischen Lernen und der Perspektivübernahme, denn allzu selbstverständlich nehmen wir unser gut abgesichertes Leben als selbstverständlich hin und in den Familien gibt es kaum noch Zeitzeug:innen, die Mangel erleben mussten. Insbesondere dadurch, dass wir Lesenden die Zeit und ihre Bedingungen nicht kennen, wird Spannung erzeugt, da Überraschungen auftauchen, die wir auf Basis unserer Erfahrungen nicht vorhersehen konnten. Inwieweit die fiktive Darstellung der Zeit in Stockholm der damaligen Realität entsprach, kann ich nicht beurteilen, halte vieles aber für möglich.

Das Buch eignet sich für Kinder ab 10 Jahren, die makabren Humor durch die Protagonistin und eine gewisse Brutalität bedingt durch die Lebensumstände ertragen können. Am Ende dieses 1. Bandes bleiben Dinge ungeklärt, damit ist die Grundlage für Fortsetzungen geschaffen. Auf Französisch erscheint im September der 4. Band der Mika Mysteries-Reihe, daher ist davon auszugehen, dass auch wir bald mehr von und über Mika erfahren dürfen. Sehr schön!

Veröffentlicht am 27.08.2025

Auftakt einer spannenden Fantasy-Reihe mit Seelentieren

Wilderland – Der Wald
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Der Name Gina Mayer ist vielen ein Begriff, immerhin gehört sie zu den bekannteren unter den aktuellen Kinderbuchautor:innen Deutschlands. Mit „Der magische Blumenladen“, der „Pferdeflüsterer-Academy“, ...

Der Name Gina Mayer ist vielen ein Begriff, immerhin gehört sie zu den bekannteren unter den aktuellen Kinderbuchautor:innen Deutschlands. Mit „Der magische Blumenladen“, der „Pferdeflüsterer-Academy“, dem „Internat der bösen Tiere“ sowie der „Stadt der bösen Tiere“ hat sie zahlreiche Kinderbuchreihen veröffentlicht, die sich offensichtlich gut verkaufen und dem Geschmack einer breiten Zielgruppe entsprechen.
Wilderland - Der Wald ist der 1. Band einer neuen Reihe, die ebenfalls das Zeug zum Publikumsliebling hat. Vier Heranwachsende - zwei Jungen und zwei Mädchen - werden aus unterschiedlichen US-amerikanischen Bundesstaaten zusammengewürfelt und in einer Wohngemeinschaft für elternlose Jugendliche in Maine nahe der kanadischen Grenze untergebracht. Ein unübliches Vorgehen der Behörden, wobei sich im Verlauf aufklärt, wie es dazu kam, denn wie drei von ihnen bereits ahnen, sind sie anders und keine normalen Kinder.
Alle vier haben eine besondere Verbindung zu einem Tier und können mit einem bestimmten Tier dieser Art in einer Art Gedankenübertragung Kontakt aufnehmen und darüber kommunizieren. Warum das so ist, erfahren die Vier während ihrer spontanen Flucht vor einer ihnen unbekannten Gefahr. So lassen sie alles stehen und liegen und fliehen gemeinsam, ohne zu wissen wohin und warum. Auf der Suche nach Unterstützung müssen die erfahren, dass vermeintlich Verbündete Teil eines Komplotts gegen sie sind und sie es mit mächtigen Gegnern zu tun haben, denn selbst das CIA und die US-amerikanischen Streitkräfte sind in die Angelegenheit involviert.
Mit Andeutungen, dem Unwissen der Protagonist:innen und einer übermächtigen, recht nebulösen Gefahr wird Spannung erzeugt. Die individuellen Schicksale der Jugendlichen mit den Fragen nach der eigenen Identität berühren, wodurch sie sich mit ihren Gefühlen und Stimmungen als Identifikationsfiguren für die Lesenden eignen. Das Motiv der Freundschaft ist stark vertreten, immerhin entwickelt sich diese nicht nur unter den Jugendlichen, sondern auch zwischen jedem von ihnen und ihrem zugehörigen Seelentier. Mit dem Wald und der unberührten, wilden Natur kommt ein aufregender Handlungsort hinzu, den die Jugendlichen mit Hilfe ihrer Tiere erkunden und zunehmend als Schutzraum erleben dürfen. Das Ende des Buches lässt vermuten, dass auch im 2. Band die Natur als Gegenentwurf zum städtischen Leben und ihren wissenschaftlichen Auswüchsen eine wichtige Rolle spielt. Es ist leider nicht möglich, das näher auszuführen, ohne zu viel zu verraten.
Mit Spannung, sympathischen Protagonisten, fantastischen Elementen und einer lebendigen Sprache kann dieses Buch Kinder ab 10 Jahren überzeugen. Der grüne Farbschnitt in Kombination mit dem Cover sieht schick aus und bis zur Veröffentlichung des 2. Bandes im Oktober 2025 dauert es zum Glück nicht lang.

Veröffentlicht am 04.08.2025

Humorvoller Comic mit einer schrägen Familie

Franky 1: Meine schräge Zombie-Familie, Schrumpfdrachen und andere Katastrophen
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Franky, der 10-jährige Ich-Erzähler dieser Geschichte, ist streng genommen kein richtiger Zombie. Aufgrund der etwas komplizierten Familienverhältnisse mit einer Oma, die zu den Lebenden gehört und einem ...

Franky, der 10-jährige Ich-Erzähler dieser Geschichte, ist streng genommen kein richtiger Zombie. Aufgrund der etwas komplizierten Familienverhältnisse mit einer Oma, die zu den Lebenden gehört und einem Opa, der seiner Frau sein Zombiedasein verheimlicht hatte, ist Franky nur ein 3/4 Zombie. Doch das macht gar keinen Unterschied und fällt in Sarghofen, seiner Heimat nicht weiter auf. Mit seiner Familie lebt er glücklich an diesem Ort, bis seine schreckliche Oma nach einem Sturz ihre Hilfe einfordert und Franky mit seinen Eltern, dem großen Bruder und der kleinen Schwester zur Oma in die Welt der Lebenden einzieht.
Dort fordert er sein eigenes Geistertier ein, wofür er zunächst seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen muss. Keine leichte Aufgabe, denn irgendetwas geht nicht mit rechten Dingen zu. Erst können die Schreckschraubenraupen entkommen, weil die Käfigtür offen stand. Dann kackt der dreiköpfige Höllenhund auf Omas Terrasse, weil ihn etwas weggelockt hat. Franky ist verzweifelt, denn so bekommt er wohl nie ein eigenes Geistertier. Und der Schrumpfdrache, den er als Übergang von seinen Eltern erhalten hat, kann weder Feuer spuken noch andere spektakuläre Zauberdinge. Doch oftmals sind es die kleinen Dinge, die im Leben wirklich zählen und so lernt Franky durch den Drachen Odi, dass Freundschaft, Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung viel mehr wert sind, als herausragende Eigenschaften.
Dieses Buch ist der 1. Band einer mindestens dreiteiligen Comicreihe mit Franky und seiner verrückten Familie. Durch die teils widersprüchlichen Aussagen zwischen Text und Bild, Situationskomik und skurrilen Personen, deren Charakterisierung in den Bildern noch auf die Spitze getrieben wird, ist dieser Comic sehr unterhaltsam und humorvoll. Die sich entwickelnde Freundschaft zwischen dem etwas uncoolen Jungen und seinem noch weniger coolen Drachen ist niedlich, wirkt aber zu aufgesetzt und pädagogisch. Es wäre gut gewesen, hierbei etwas weniger offensichtlich und mit mehr Fingerspitzengefühl ans Werk zu gehen. Dabei ist die Botschaft, die vermittelt werden soll, gut und richtig und spricht auch die Zielgruppe, Kinder ab 8 Jahren, an. Mit Cliffhanger, einem tollen Schleim-Rezept und witzigen Illustrationen kann das Buch zusätzlich überzeugen und eignet sich auch für Lesemuffel, die sich sonst eher schwer tun beim Lesen.