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Veröffentlicht am 30.12.2025

Es menschelt im Dritten Reich

Lebensbande
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Drei Frauen helfen sich in der NS-Zeit und werden zu Freundinnen. Krankenschwester Nora versucht Leo, den Sohn von Lene, zu schützen, als dieser auf ihre Station kommt. Lieselotte und Nora lernen sich ...

Drei Frauen helfen sich in der NS-Zeit und werden zu Freundinnen. Krankenschwester Nora versucht Leo, den Sohn von Lene, zu schützen, als dieser auf ihre Station kommt. Lieselotte und Nora lernen sich in Danzig kennen und versuchen, gemeinsam im Gulag zu überleben.
Mit sehr viel Emotionen, Menschlichkeit und freundschaftlichen Bindungen schildert uns die Autorin Mechtild Borrmann in „Lebensbande“ Auszüge aus den Leben von Lene, Nora und Lotte. Sie ist teilweise ganz nah an diesen Figuren dran, nimmt Anteil an ihrem Schicksal, ihrer Familie, der Liebe, Freud und Leid. Das ist schön und sorgt beim Lesen für Verbindung mit den Figuren. Die Hauptfiguren sind Heldinnen, die ich beim Lesen mag, mit denen ich mitfiebere, die ich gewinnen sehen möchte. Deren Leid ich fast selbst spüre. Das alles sorgt dafür, dass ich nur so durch die Seiten fliege und das Buch schnell beendet habe.
Doch zum Schluss bleibt bei mir dennoch ein schaler Geschmack zurück. Denn wir bewegen uns zu Beginn im Jahr 1931 und enden im Jahr 1993. Das Geschehen findet auf zwei Zeitebenen statt. Eine uns zu Beginn nicht bekannte weibliche Person schreibt ihre Erinnerungen an früher auf und schnell ergänzen diese Erinnerungen die zweite Zeitebene. Im Buch gibt es immer wieder Andeutungen, wenn es um die Gräuel der NS-Zeit geht. Sie werden jedoch nie in ihrer ganzen Härte und Grausamkeit benannt. Sehr viele HelferInnen in dieser Geschichte riskieren ihr Leben, um zu helfen. Das wird mir jedoch nicht deutlich genug herausgearbeitet. Wenn im Buch jemand erwischt wird, kommt er mit einem blauen Auge davon. Ob das wirklich realistisch war? Insgesamt finde ich, kann man schon fast von einer Romantisierung der Nazi-Zeit reden.
Böser werden da schon die Russen dargestellt. Die Vergewaltigungen werden zwar nicht als solche benannt, es wird jedoch klar, was den Frauen passiert. Und auch der Aufenthalt im Gulag ist schlimmer als alles, was im Deutschen Reich beschrieben wurde. So schön die Geschichte der drei Frauen ist, so verschleiernd erscheint mir das Bild, das hier von unserer Vergangenheit gezeichnet wird. Ja, der Arzt ist überzeugter Nazi. Ja, im zweiten Kinderpflegeheim sterben verdächtig viele Kinder an Lungenentzündung. Aber reicht das schon, um klarzustellen, was wirklich passiert ist? Mir nicht!

Veröffentlicht am 29.10.2025

Durchschnittlich

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
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Liv reist nach Korfu, wo regelmäßig ein Autorenwettbewerb stattfindet. Es geht um nicht weniger als den nächsten Weltbestseller. Denn, die Person, die hier gewinnt, landet in der Regel genau diesen. Doch ...

Liv reist nach Korfu, wo regelmäßig ein Autorenwettbewerb stattfindet. Es geht um nicht weniger als den nächsten Weltbestseller. Denn, die Person, die hier gewinnt, landet in der Regel genau diesen. Doch was als Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zu tödlichem Ernst.
„Palace of Ink & Illusions – Der Kuss der Muse“ ist genau das, was man erwartet, wenn man schon seit Jahren New-Adult-Romantasy liest. Es gibt heiße, gut gebaute Kerle und kurvige, leicht bekleidete Mädels, es liegt Liebe und Spice in der Luft. Aber natürlich auch Gefahr, Feinde, Neider, Verräter und Rätsel, die es zu lösen gilt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschieben sich immer wieder leicht. Am Ende von Band 1 wartet auch hier, wie fast immer, ein Cliffhanger auf uns Lesenden.
Die Figuren hätten gerne ausführlicher beschrieben werden dürfen, sodass ich eine tiefere Bindung zu ihnen hätte aufbauen können. Aber selbst die Hauptpersonen, Flame und Liv, sind mir zu oberflächlich geblieben, um wirklich mit ihnen mitfühlen zu können. Ich hoffe, in Band 2 kommen wir den beiden etwas näher.
Während der Prüfungen hätte das Tempo teilweise höher sein können, die Gefahr größer. Das Verschwinden der ausscheidenden Teilnehmer hätte deutlicher ausgearbeitet werden können, sodass ihr Schicksal mich mehr interessiert hätte.
Das Buch war nicht uninteressant, aber es hat mich auch nicht enorm gefesselt. Es war nett zu lesen und ich möchte auch wissen, wie die Geschichte von Flame und Liv ausgeht. Aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Veröffentlicht am 28.08.2025

Mir fehlt der Bezug zum Politischen

Heimat
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Auf Wunsch ihres Mannes zieht Jana mit ihm und den Kindern von der Stadt in ein eigenes Haus auf dem Land. Nach und nach schließt sie Freundschaft mit einer Gruppe Mütter aus dem Dorf. Schnell merkt sie, ...

Auf Wunsch ihres Mannes zieht Jana mit ihm und den Kindern von der Stadt in ein eigenes Haus auf dem Land. Nach und nach schließt sie Freundschaft mit einer Gruppe Mütter aus dem Dorf. Schnell merkt sie, dass hier ganz andere Werte wichtig sind als bei Müttern in der Stadt.
Die Autorin Hannah Lühmann schafft es sehr gut, Jana als Hauptfigur einzuführen. Jana wäre viel lieber in der Stadt geblieben. Das Leben auf dem Land ist für sie ein einsames Leben. Ihr Mann Noah ist Lehrer in der Stadt. Daher fährt er morgens früh in die Stadt und kommt erst abends spät wieder. Jana bringt die beiden Kinder Louis und Ella jeden Morgen in die Kita und holt sie später wieder ab. Ihren Job in der Stadt hat sie gekündigt, nachdem ihre Chefin nicht gut darauf reagiert hat, dass Jana nun zum dritten Mal schwanger ist und bald wieder ausfallen wird. Auch Noah ist nicht begeistert von der erneuten Schwangerschaft seiner Frau. Ebenso wenig, dass ihr Gehalt nun bei der Abzahlung des Hauses fehlt.
Als Leserin ist der Umzug der Familie aufs Land für mich von Anfang an ein Fehler. Als Jana dann endlich Kontakt zu Karolin und ihren Freundinnen bekommt, lernt sie ein ganz anderes Leben als das ihr bisher bekannte kennen. Die Kinder bleiben Zuhause, werden hier ins Kochen und Backen integriert, erhalten beim gemeinsamen Wandern im Wald Baumkunde, basteln mit den Müttern und spielen im Garten. Die Kita wird als Verwahrungsort für Kinder verstanden. Hilfreich nur für Mütter, die sich nicht mit ihren Kindern auseinandersetzen wollen. Es ist für mich verständlich, dass Jana dieser Idylle viel abgewinnen kann.
Was ich nicht verstehe, ist, dass sie die Meinungen der anderen Mütter in Bezug auf ihre Schwangerschaft über die Expertise der Ärztinnen stellt. So trinkt sie Rohmilch und lässt einen ärztlich angeratenen Blutzuckertest nicht machen, weil Karolin ihr davon abgeraten hat.
Sie nimmt an Mahnwachen für getötete Kinder teil, fährt mit ins Altenheim, um pflegebedürftigen Menschen, eine Freude zu machen. Dass die Mahnwache unmittelbar neben dem Stand der AFD abgehalten wird, die anderen Frauen nach dem Altenheim noch weiterfahren, um Unterschriften gegen ein im Ort geplantes Heim für Asylbewerber zu sammeln, hinterfragt sie ebenso wenig, wie die Hilfe der Frauen beim Verschicken von AFD-Post. Und hier setzt auch meine Kritik an. Die Autorin lässt diese politischen Aktivitäten nur in Nebensätzen anklingen. Weder sie selbst noch ihre Hauptfigur Jana rücken diese in einen Gesamtzusammenhang oder bewerten sie. Sie bleiben einfach unkommentiert. Das halte ich für schwierig und bedenklich.
Nachdem Jana immer mehr von der natürlichen und heimatverbundenen Lebensweise ihrer neuen Freundinnen eingenommen wird, hoffte ich auf eine Erlösung am Ende des Buches. Doch leider endet das Buch uneindeutig zweideutig und wir Lesenden können uns unter eigenes Ende ersinnen. Mir fehlt an dem Buch eine deutliche Positionierung der Autorin. Schriftsteller bzw. Schriftstellerinnen sollten sich meines Erachtens in ihrem Werk auch positionieren und nicht nur ihre Umwelt beobachten.

Veröffentlicht am 11.08.2025

Leider anstrengend statt lustig

Born to perform – Sei das Rad, nicht der Hamster
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Nach seinem BWL-Studium tritt Bo Martens seinen ersten Job an. Nach wenigen Tagen in dem Unternehmen nimmt ihn der Top-Manager Dr. Thomas Meermann unter seine Fittiche. Dr. Meermann zeichnet sich durch ...

Nach seinem BWL-Studium tritt Bo Martens seinen ersten Job an. Nach wenigen Tagen in dem Unternehmen nimmt ihn der Top-Manager Dr. Thomas Meermann unter seine Fittiche. Dr. Meermann zeichnet sich durch Schauspielerei und Phrasendrescherei aus. Als Bo sich in seine Zahnärztin verliebt, ist sein bester Freund Jan Berger fest davon überzeugt, dass die Ratschläge, die Bo von Dr. Meermann erhält, auch aufs Dating erfolgreich angewendet werden können.
Was nach einer lustigen Idee klingt und nach jede Menge Lesespaß, hat sich für mich schnell als anstrengende Lektüre entpuppt. Zum einen fand ich es bis zum Schluss nicht einleuchtend, dass die Phrasendrescherei von Dr. Meermann beim Dating funktioniert. Ich konnte mir schon nicht vorstellen, dass der Top-Manager damit erfolgreich seine berufliche Position erreicht hat.
Bo wirkte zu Beginn unglaublich naiv, schon fast dumm. Da stellte sich für mich zudem die Frage, wie so ein Nerd bei einer absoluten Traumfrau landen will. Bis zum Ende des Buches findet bei Bo jedoch eine enorme Entwicklung statt. Auch Dr. Thomas Meermann wird gegen Ende des Buches fast sympathisch. Für Bos besten Freund, Jan Berger, gilt jedoch das genaue Gegenteil. Ich fand ihn nervig, nerviger, am nervigsten. Er ist empathielos, distanzlos und dreht sich nur um sich selbst.
Es gab 2 oder 3 Szenen, die sich vom Rest des Buches positiv abhoben und die mir gefallen haben. Da ist zum einen das Essen im Haus von Herrn Dr. Thomas Meermann, seiner Ehefrau, der Assistentin des Managers und Bo. Lesenswert sind auch die Schlussszenen des Buches. Mehr davon hätte der Geschichte sehr gut getan.
Insgesamt fand ich das Buch eher ermüdend, statt lustig oder ironisch. Zugleich ist es recht oberflächlich. So erfahren wir z.B. keine Einzelheiten über das Unternehmen, in dem Bo arbeitet. Es wird nie erklärt, in welchem Bereich die Firma tätig ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2025

Das Erzähltempo hätte höher sein können

Neuanfang in Notting Hill
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Jess ist nach einer üblen Trennung in der Wohnung ihrer besten Freundin gelandet. Hier lebt sie in einer kleinen Kammer, die jedoch für das nächste Kind ihrer Freundin hergerichtet werden muss. Ein neues ...

Jess ist nach einer üblen Trennung in der Wohnung ihrer besten Freundin gelandet. Hier lebt sie in einer kleinen Kammer, die jedoch für das nächste Kind ihrer Freundin hergerichtet werden muss. Ein neues Zuhause für Jess muss also her. Als die achtzig jährige Joan über eine Zeitungsannonce nach einer Untermieterin in ihrem Haus in Notting Hill sucht, stellt Jess sich kurzerhand vor. Schnell finden die beiden Frauen, nachdem Jess eingezogen ist, einen Draht zueinander und lassen sich auf eine Challenge ein. Joan lernt mit einem Smartphone und einem Laptop umzugehen. Im Gegenzug geht Jess offline und lernt, ihr Leben wieder im Hier und Jetzt zu gestalten.
Ich mag die Figuren, die die Autorin Norie Clarke erschafft, sehr gerne. Sie sind alle sehr liebenswert. Natürlich haben sie alle irgendwelche Macken und Eigenheiten, aber sie entwickeln sich weiter, lernen dazu und zum Ende des Buches hatte ich alle ins Herz geschlossen. Jess, die in einem Kino arbeitet, hat hier ihre Freunde gefunden, die für sie im Laufe der Jahre zu einer Familie geworden sind. Die Autorin zeigt uns, wie sich im Laufe der Jahrzehnte das Leben der Gesellschaft geändert hat und was das für Konsequenzen für unser Zusammenleben hat. Kinos waren einst der Mittelpunkt des Ortsteils und verlieren im Zeitalter von Film- und Serienstreaming an Bedeutung.
In ihrem Buch „Neuanfang in Notting Hill“ hat die Autorin direkt zwei Liebesgeschichten in die Handlung verwoben. Die Geschichte von Joan und ihrer großen Liebe ist wunderschön und herzzerreißend. Doch zum Ende hin hätte ich mir hier mehr gewünscht. Die Geschichte von Jess war mir zu leise und langsam angelegt. Diese Liebe hätte gerne schneller kommen können, weniger vorhersehbar sein dürfen und wesentlich mehr Raum im Rahmen des Buches einnehmen sollen.
Das Buch war schön, aber es wäre mehr drin gewesen. Das Leben hier war oft ein zu langer, zu ruhiger Fluss und ich hätte mir mehr Action gewünscht.