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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2025

Provokant, poetisch, fesselnd

Hundesohn
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Vorneweg: Ich denke, dieses Buch wird die Gemüter spalten. Mich hat es komplett in seinen Bann gezogen und ich habe es an einem Tag durchgelesen. Es ist jedoch keine gefällige Geschichte, die chronologisch ...

Vorneweg: Ich denke, dieses Buch wird die Gemüter spalten. Mich hat es komplett in seinen Bann gezogen und ich habe es an einem Tag durchgelesen. Es ist jedoch keine gefällige Geschichte, die chronologisch und klar verständlich erzählt wird. Vielmehr entfaltet sie sich durch das durchaus sprunghafte und teilweise verstörende Innenleben dass Ich-Erzählers. Zudem muss man als Leser*in bereit sein, sich auf die hässlichen, abstoßenden und schmerzhaften Abgründe des Lebens einzulassen. Das erste Kapitel handelt von Filzläusen in Schamhaaren und wir landen direkt im sehr aktiven und getriebenen Sexualleben des queeren Protagonisten. Dabei ist die Sprache roh und explizit, gleichzeitig sarkastisch-humorvoll, modern und vor allem auch poetisch. Diese Kombination empfand ich als einzigartig und beeindruckend – ich habe manche Stellen gleich mehrmals gelesen, weil ich die Worte so machtvoll und treffend fand. Überhaupt spielt Sprache eine große Rolle in dem Buch; es gibt viel Metaphorik, bildhafte Vergleiche, Bezüge zu Kafka und auch viele kurze Passagen in anderen Sprachen. Es scheint, als ob der traumatisierte Protagonist in seinem alles dominierenden Liebeskummer und seiner Zerrissenheit zwischen der deutschen und der türkisch-arabischen Kultur in sprachlichen Details eine Art Halt findet, ebenso wie (zumindest kurzfristig) in seinem regen Sexualleben. Wenn ich ehrlich bin, so hat die Sprache auch mich als Leserin gerettet in diesem kraftvollen Buch, indem ich mich an besonderen Ausdrücken und Formulierungen festhalten konnte wie an einer Boje, bis ich mich wieder in den Strudel der Geschichte habe reißen lassen. Der Ich-Erzähler offenbart uns schonungslos teilweise abstoßende und verstörende Wahrheiten über sich selbst, belässt dagegen anderes, wie die Geschichte seiner großen Liebe zu Hassan, lange seltsam vage. Dennoch habe ich nie eine Distanz zu ihm gespürt, sondern war im Gegenteil von Beginn an berührt von seinem Leid und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihm weitergeht. Dazu hat auch der ungewohnt sprunghafte Erzählstil geführt, der mittels unerwarteter Gedankensprünge, Fantasien und Erinnerungsfetzen eine starke Spannung erzeugt hat. Einen Stern Abzug gebe ich, weil ich mir zwischenzeitliche Auflockerungen der doch sehr schwermütigen Stimmung und ein aussagekräftigeres Ende gewünscht hätte. Fazit: Dieses Buch ist für mich ein beeindruckendes Debüt über die Suche nach der eigenen Identität, die zerstörerische Kraft von Liebe und Homophobie und die heilsame Wirkung von Freundschaft. Es ist keine leichte Kost und doch ganz leicht zu lesen. Ich kann es all jenen empfehlen, die die Macht der Sprache lieben, die gerne über poetische Formulierungen staunen und die bereit sind, sich provozieren zu lassen und bittersüßen Weltschmerz zu empfinden. Pari, die beste Freundin des Protagonisten, drückt es frei nach Kafka so aus: "Ich glaube, man sollte nur solche Bücher lesen, die einen stechen und beißen." (S. 206)

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Würdevoller Abschluss der Reihe

Dunbridge Academy - Anymore
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Ich habe mich sehr gefreut, dass Grace und Gideon eine eigene Geschichte bekommen haben. Besonders Grace war mir von Beginn der Reihe an sehr sympathisch und ihre Rolle als Verlassene tat mir leid. Das ...

Ich habe mich sehr gefreut, dass Grace und Gideon eine eigene Geschichte bekommen haben. Besonders Grace war mir von Beginn der Reihe an sehr sympathisch und ihre Rolle als Verlassene tat mir leid. Das Buch ist meiner Meinung nach ausnehmend gut geschrieben, sehr emotional und tiefgründig, aus wechselnden Perspektiven. Es hat mich sehr berührt und ich habe mit den beiden gefühlt und gelitten. Zwischendurch hat mir ein wenig Leichtigkeit zur Auflockerung gefehlt. Insgesamt war es für mich ein würdiger Abschluss der Reihe, die ich sehr geliebt habe

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Die Macht der Vergangenheit

Jonna - Tage wie Glaswolle | Mit wunderschönem limitierten Farbschnitt
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Cover und Farbschnitt sind wunderschön (mit Möwe und Krabbe auf letzterem!) und haben nicht direkt neugierig gemacht. Man hätte aufgrund des Titels einen seichten Urlaubs- oder Liebesroman erwarten können, ...

Cover und Farbschnitt sind wunderschön (mit Möwe und Krabbe auf letzterem!) und haben nicht direkt neugierig gemacht. Man hätte aufgrund des Titels einen seichten Urlaubs- oder Liebesroman erwarten können, aber weit gefehlt. Lene Hansen behandelt hier explizit Themen, die für die Ü35er unter uns von Bedeutung sind; mal schmerzhaft, mal wohltuend, immer authentisch und mit zartem Humor. Ich habe mich hier sehr wiedergefunden. Der Sprachstil ist ungewöhnlich schön und bildhaft und ich habe manche Sätze mehrmals gelesen. Jonna blieb für mich jedoch seltsam blass, ich konnte nicht wirklich ein Gespür für sie entwickeln und mich mit ihr identifizieren. Möglicherweise hat der bildhafte Sprachstil etwas von ihren ohnehin gedeckelten Emotionen abgelenkt oder der Zugvogel-Anteil in mir ist einfach nicht groß genug. Trotzdem fand ich sie sympathisch und freue mich auf die Fortsetzungen mit ihren beiden Schwestern!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Fesselnd und emotional

Preston Brothers, Band 1 - Loving Lucas
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Diese New Adult-Story hat mich durch ihre Emotionalität und Spannung von Anfang an gefesselt. Manchmal erscheinen mir die Charaktere in romantischen Büchern etwas flach und wenig greifbar, wodurch sich ...

Diese New Adult-Story hat mich durch ihre Emotionalität und Spannung von Anfang an gefesselt. Manchmal erscheinen mir die Charaktere in romantischen Büchern etwas flach und wenig greifbar, wodurch sich Längen ergeben. Das Gegenteil war hier der Fall. Die Autorin hat einen so eindrücklichen, emotionalen und zugleich flüssigen Sprachstil, dass ich direkt in das Geschehen hineingezogen wurde und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die Charaktere sind sehr liebevoll gezeichnet und ich habe mich direkt wohlgefühlt, auch wenn es auf eine emotionale Achterbahnfahrt geht und auch sehr ernste und schmerzhafte Themen behandelt werden. Generell hat mir auch der Aufbau des Buches mit dem dramatischen Prolog und der abwechselnden Erzählung aus Lucas' und Laneys Perspektive sowie den unterschiedlichen Zeitebenen gut gefallen. Die Missverständnisse zwischen den beiden und manche Handlungen erschienen mir teilweise nicht ganz nachvollziehbar (z.B. die Frauengeschichten von Lucas), weshalb ich einen Stern Abzug gebe. Abgesehen davon bin ich begeistert und froh, die Autorin entdeckt zu haben. Die nächsten beiden Bände stehen bereits im Regal. Fazit: Ich kann das Buch allen New Adult-Leser*innen ans Herz legen, die emotionale Bücher lieben und sich auch auf schwere Themen einlassen möchten. "Found Family"-Fans kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Leichte RomCom mit berührender Nebenstory

Great Big Beautiful Life
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Dies war mein erstes Buch von Emily Henry und es hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist leicht, anschaulich und humorvoll, mit schönen Formulierungen. Die Charaktere empfand ich als sympathisch ...

Dies war mein erstes Buch von Emily Henry und es hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist leicht, anschaulich und humorvoll, mit schönen Formulierungen. Die Charaktere empfand ich als sympathisch und durch ihren trockenen Humor und ihre Schlagfertigkeit ergaben sich spritzige Dialoge, über die ich oft lachen musste. Die Liebesgeschichte wird behutsam und liebevoll geschildert und hatte für mich genau die richtige Mischung aus ernsthaften Gefühlen und Leichtigkeit. Auch die erotischen Szenen fand ich gelungen – nicht zu viel Spice, aber eben doch ein bisschen. Die Nebenstory um Margaret hat mich anfangs gestört und irritiert, weshalb es in der Mitte des Buches zu einigen Längen kam. Am Ende hat sie mich jedoch ebenso wie die Hauptgeschichte fesseln und mit ihrer Botschaft sogar sehr berühren können. Fazit: Gut geschriebene, humorvolle RomCom mit einer Haupt- und einer Nebengeschichte, bei der es sich lohnt, zu Ende zu lesen.

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