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Veröffentlicht am 17.09.2025

Zuckerbrot und Peitsche

Die Assistentin
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„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen ...

„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen mochte.“ (S. 192)
Charlotte wollte eigentlich Musik studieren. Doch auf Drängen ihres Vaters bewirbt sie sich stattdessen als Assistentin beim Verleger, sie soll unbedingt Karriere machen. Dafür muss sie nach München ziehen, wo sie niemanden kennt, in eine Wohnung, in der sie sich nicht wohl fühlt.
Ihr Chef ist narzisstisch, kontrollierend, übergriffig. Er interessiert sich ständig für intime Details aus ihrem Privatleben, die ihn nichts angehen. Zwar überschreitet er dabei körperlich nie eindeutig sexuelle Grenzen, aber auch das gelegentliche Berühren ist unangemessen. Immerhin gelingt es Charlotte, sich körperlich klar abzugrenzen. Doch sie verliert die Kontrolle über ihr Leben: steht immer früher auf, arbeitet bis spät in die Nacht, sammelt bis zu 70 Überstunden im Monat. Ihr Chef kontaktiert sie ständig – im Urlaub, am Wochenende, nach Feierabend. Und egal was schiefgeht, Schuld sind immer die anderen. Der Verleger hat immer recht. Seine ständig wechselnden Assistentinnen hält er mit Zuckerbrot und Peitsche klein: mal überschüttet er sie mit Lob oder teuren Geschenken, dann kündigt er ihnen aus heiterem Himmel. Es ist entwürdigend. In Nachrichten und Mails nennt niemanden beim Namen, sondern vergibt Kürzel und dazu Frucht- oder Gemüsesymbole, mit denen auch er seine ellenlangen Aufgabenlisten versieht. Diese Aufgaben dürfen sie selten eigenständig erledigen – alles wird mehrfach von ihm kontrolliert, korrigiert, „verbessert“. Aber fertig werden sie bei der Methode natürlich nur selten.
Doch Charlotte hält durch und kämpft. Sie will es sich, ihren Kollegen, vor allem aber ihrem Vater beweisen: „Und sie wird es schaffen, als einzige von den Assistentinnen, weil sie mit ihm zurechtkommt.“ (S. 131) Dafür stellt sie ihr Privatleben zurück. Ihre Beziehung zu Bo scheitert, bevor sie überhaupt richtig beginnen kann. In ihrer knappen Freizeit geht sie joggen (sie läuft buchstäblich vor ihren Problemen davon) und macht Musik, um alles zu verarbeiten. Und ihre Eltern? Die reagieren nur auf Erfolge. Gibt es etwas Negatives, muss die Schuld bei Charlotte liegen.

Ich mochte Caroline Wahls ungewöhnlichen Erzählstil sehr, ihre knappen, pointierten, manchmal bewusst sperrigen Sätze. Auch, dass sie sich im Text selber lektoriert und die Handlung kommentiert, ihr an einigen Stellen vorgreift, hat für mich einen besonderen Reiz. Denn dass Charlotte auf eine Katastrophe zusteuert, wird immer deutlicher, doch wie, wann und in welcher Form sie eintritt, bleibt lange ungewiss.
Besonders spannend finde ich auch, dass der Verleger fast nie beim Namen genannt wird – er bleibt „der Verleger“. Vielleicht eine Form der Rache für seine Kürzel und Symbole? Oder ein Versuch, emotionale Distanz zu wahren, um beim Erinnern nicht erneut in seinem Wahnsinn hineingezogen zu werden?
Sie zeigt, wie leicht man von Vorgesetzten oder Kollegen tyrannisiert werden kann, und wie schwer es oft ist, die Situation richtig einzuordnen. Man zweifelt an sich selbst, fragt sich, ob das Verhalten der anderen wirklich übergriffig ist oder ob man einfach nur zu empfindlich reagiert. Sie schreibt über Abhängigkeiten, subtile Formen psychischer Gewalt und darüber, wie man schleichend in eine ungesunde Dynamik hineingerät, ohne es rechtzeitig zu bemerken – und dabei trotzdem hofft, irgendwie wieder herauszukommen.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Und täglich grüßt das Murmeltier?

Finale
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Herberts Leben verläuft in ruhigen Bahnen, zu ruhigen, meint sein bester Kumpel Hans. Dabei ist er froh, dass sein Foodtruck und Anjas Café Zuckerrübe so gut laufen. Söhnchen Oskar macht in der Schule ...

Herberts Leben verläuft in ruhigen Bahnen, zu ruhigen, meint sein bester Kumpel Hans. Dabei ist er froh, dass sein Foodtruck und Anjas Café Zuckerrübe so gut laufen. Söhnchen Oskar macht in der Schule keine Probleme und ihr kleines Häuschen mit Garten reicht ihnen völlig. Ok, er hätte statt Kater Stupsi lieber einen Hund, aber da haben ihn Anja und Oskar leider überstimmt. Außerdem nervt der neue Nachbar mit seiner Vorzeigefamilie inkl. Labrador und den ständigen Verbesserungsvorschlägen zum nachhaltigen Wohnen, aber das Problem wird Herbert auch noch irgendwie lösen.
Aber dann will Hans unbedingt wieder einen richtigen Männerurlaub machen. Nur leider hat Herbert dafür nun wirklich kein Geld übrig. Doch er entdeckt ein Plakat. In wenigen Tagen findet eine Grillmeisterschaft statt. Neben dem eigenen Grillkochbuch bekommt der Gewinner 20.000 €! Damit könnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sein Foodtruck würde noch berühmter und das Geld nicht nur für den Urlaub mit Hans, sondern auch für ein paar Anschaffungen fürs Haus reichen. Also meldet er sie beide kurzentschlossen an. Was soll schon schief gehen, schließlich grillt er jeden Tag die besten Burger Münchens?!

Nach 6 Jahren Pause sind Herbert und Hans endlich zurück! Herbert ist immer noch etwas blauäugig, aber die Alltagsprobleme lassen sich nicht ewig ignorieren. Plötzlich mahnen die Lehrer an, dass sich Oskar in der Schule zu schnell ablenken lässt, wenn ihn etwas nicht interessiert. Die Tierärztin meint, Stupsi ist zu fett und sie sollen mit ihm Gassigehen, damit er sich mehr bewegt. Und die Schwiegereltern mischen sich aus Ibiza in alles ein – zum Glück, denn diesmal kann Herbert ihre Hilfe echt gebrauchen.
Hans hält sich weiterhin für den Schwarm aller Frauen und besten Freund, den es geben kann. Dass er dabei leider oft übers Ziel hinausschießt und Herbert verprellt, sieht er nicht ein. Er stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe, weil er sich nicht zurücknehmen kann, sondern immer in den Vordergrund rücken muss. Es wird doch nicht zum endgültigen Zerwürfnis zwischen ihnen kommen?!

Auch beim Grillwettbewerb scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Und dann lässt sich Herbert auf eine Zusatzwette mit einem Konkurrenten ein, die seine berufliche Grundlage zerstören könnte.

Mit viel Wortwitz und Situationskomik beschreibt Friedrich Kalpenstein auch diesmal sämtliche Fettnäpfchen und Katastrophen, in die die Freunde geraten. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert und hoffe, dass es weitere Bücher der Reihe geben wird.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Die Spur der grünen Leichen

Das Bierkomplott
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„Es ist nicht schön, unterschätzt zu werden. Aber manchmal kann es verdammt hilfreich sein.“ (S. 219)
Mit 32 muss Evi wieder in ihr Kinderzimmer auf den Hof ihrer Eltern ziehen, weil sie endlich eine Stelle ...

„Es ist nicht schön, unterschätzt zu werden. Aber manchmal kann es verdammt hilfreich sein.“ (S. 219)
Mit 32 muss Evi wieder in ihr Kinderzimmer auf den Hof ihrer Eltern ziehen, weil sie endlich eine Stelle als Staatsanwältin in ihrer Heimat Franken bekommen hat. Eigentlich würde sie die Einliegerwohnung bevorzugen, aber darin bunkert ihre Mutter alles, was man für die nächste Pandemie brauchen könnte.
Auch ihr erster Arbeitstag läuft stressiger als erwartet. Ihr Vorgesetzter feiert krank und sie muss seine Fälle übernehmen. In ihrem Büro stapeln sich die Akten sogar auf ihrem Stuhl. Ihr einziger Lichtblick ist der Mann mit den grünen Augen, der ihr in einer Verhandlungspause einen Müsliriegel ausgibt. Zum Glück sieht sie ihn am nächsten Tag wieder, an einem Tatort. Die grünen Augen gehören Gerichtsmediziner Dr. Niklas Rosenbeet. Doch nicht nur Niklas, auch der Tatort ist sehr interessant. Er riecht intensiv nach Malz und die Leiche ist mit einem merkwürdigen grünen Flaum überzogen, später stellt man noch eine neue Droge in ihr fest. Leider machen die Ermittlungen kaum echten Fortschritte, obwohl weitere grüne Leichen auftauchen.

Evi strandet im Dorf ihrer Kindheit, wo jeder jeden kennt und man nichts Geheimhalten kann. Einen Wecker braucht sie nicht, ihre Mutter brüllt sie jeden Morgen rechtzeitig wach, aber ein Auto wäre ganz praktisch, weil der Bus nur ein paar Mal am Tag in die Stadt und damit zu ihrer Geschäftsstelle fährt. Zum Glück gibt es Peter, einen Schulfreund ihrer Schwester, der ebenfalls Staatsanwalt ist und sie oft im Auto mitnimmt. Leider hält er sich für unwiderstehlich und macht sich an alle verfügbaren Frauen ran, auch an Evi, aber bei ihr beißt er auf Granit.
Ihre beste Freundin kümmert sich um Evis Partyleben und schleppt sie zur Kerwa, Schwarzbieranstich und Junggesellinnenabschieden, ihre Schwester zwingt sie zu Kindergeburtstagen und Frauenabenden, ihr Vater in den Wald zum Holz machen – Dorfleben eben.

Im Job muss sich Evi den Respekt ihrer Kollegen und Vorgesetzten erst verdienen. Wie üblich, häuft man ihr als „der Neuen“ die unbequemsten Fälle über. Aber sie hat Biss und lässt sich nicht einschüchtern, abschrecken oder beeinflussen, sondern folgt ihrem moralischen Kompass und Bauchgefühl. Auch bei den Ermittlungen zu den grünen Leichen, deren Spuren sie in die Mälzereien der Bierstadt führen.

Carina Heer schreibt sehr witzig, unterhaltsam und spannend, der Slogan „Cosy Crime meets Romcom“ passt perfekt. Ich kann mir das Buch super verfilmt vorstellen und bin sehr gespannt auf den hoffentlich nächsten Band.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Das West-Traumschiff unter Ost-Flagge

Ein grenzenloser Sommer
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„Auf den Messern, Gabeln und Löffeln der Arkona prangte immer noch der Schriftzug Astor – so hatte das Schiff geheißen, als es noch unter Westflagge gefahren war.“ (S. 23)
Für Ronni geht ein Traum in ...

„Auf den Messern, Gabeln und Löffeln der Arkona prangte immer noch der Schriftzug Astor – so hatte das Schiff geheißen, als es noch unter Westflagge gefahren war.“ (S. 23)
Für Ronni geht ein Traum in Erfüllung, als er 1988 als Restaurantstewart auf der MS Arkona anheuert, dem Kreuzfahrtschiff der DDR. Obwohl er aus Dresden stammt, hat er immer von der Seefahrt geträumt. Dank harter Arbeit und Beziehungen (sein Onkel Alex ist ein hohes Tier in der Partei) wird dieser Traum Realität.
Bereits auf seiner dritte Fahrt geht es nach Skandinavien. Die DDR verchartert das Schiff samt Besatzung regelmäßig an die TUI, um dringend benötigte Devisen zu erwirtschaften. Die Arkona ist im Westen äußerst beliebt, da sie früher unter dem Namen Astor als Originalschauplatz für die beliebte ZDF-Serie „Das Traumschiff“ diente.
An Bord lernt Ronni die Frankfurter Jurastudentin Sabine kennen. „Sie fiel auf durch ihre Bescheidenheit und Unangepasstheit, dass imponierte ihm.“ (S. 33) – und weil sie im Gegensatz zu den anderen Gästen fast ausschließlich Schwarz trägt. Sie reist in Begleitung ihrer Tante Hilde, die schnell erkennt, dass sich zwischen den beiden jungen Menschen etwas entwickelt. Doch eine Beziehung zwischen Ost und West ist offiziell verboten – und die Stasi hat auch auf See ihre Spitzel.

Ralf Günther hat den Titel für seinen Roman perfekt gewählt, denn grenzenlos erscheinen Ronni und Sabine die 10 Sommertage auf See wirklich. Sie sind jung und verliebt, aber ihnen ist auch klar, dass sie nie mehr als diese eine gemeinsame Fahrt haben werden. Also nutzen sie jede kostbare Minute. „Es gibt nicht viele Orte auf diesem Schiff, wo man einigermaßen unbeobachtet sein kann.“ „Dann teilen wir eine Vorliebe. Ich bin auch gern allein. Und unbeobachtet.“ (S. 50) Doch das bleibt nicht unbemerkt. Ronnis Brigadeleiter meldet die sich anbahnende Beziehung dem Politoffizier. Trotz seines Schutzes durch Onkel Alex gerät Ronni unter Druck: Er soll Sabine, und vor allem Tante Hilde, aushorchen, deren Vergangenheit für die DDR von besonderem Interesse ist.

Bis zu dieser Begegnung hat Ronni die DDR nie infrage gestellt. Doch die Begegnung mit Sabine eröffnet ihm einen neuen Blick auf die Realität, und ihre vorsichtige, stille Annäherung verändert seine Perspektive. Im Bordkino zeigt er ihr heimlich „Die Legende von Paul und Paula“, damit sie ein Gefühl für seine Welt bekommt. Zwischen ihnen entspinnt sich eine zarte, glaubwürdige Liebesgeschichte, gefördert von der lebenserfahrenen Hilde. Sie fungiert als Vermittlerin zwischen den beiden Welten und macht Sabine deutlich, wie gefährlich die Situation für Ronni werden kann. Aber sie will auch, dass diese Liebe eine echte Chance hat – trotz der wachsamen Augen der Stasi.

Sabine und Ronni machen in der kurzen Zeit eine spürbare Entwicklung durch, aber mein heimlicher Star ist Hilde mit ihren bunten Flattergewändern, ihrer forschen Art und ihrer Lebenderfahrung. Auch Ronnis Onkel ist eine faszinierende Figur. Erst spät habe ich erkannt, wen Ralf Günther mit ihm meint – dabei waren die Hinweise für ein Kind der DDR eigentlich unübersehbar.
Die historischen Hintergründe, von der Devisenbeschaffung über politische Strukturen bis hin zur subtilen Überwachung durch die Stasi, sind klug in die Handlung verwoben und geben dem Roman Tiefe und Authentizität.

Fazit: Eine berührende Liebesgeschichte vor dem eindrucksvoll geschilderten Hintergrund eines geteilten Landes. Sie verbindet persönliche Schicksale mit politischer Realität – sensibel, spannend und voller Atmosphäre.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Eine zweite Chance für die Liebe?

Sommernächte unter dem Eiffelturm
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„Ich habe mich in den letzten Jahren ganz gut damit eingerichtet, allein zu sein.“ (S. 140) sagt Aurélie, wenn man sie nach der Liebe fragt. Auch mit dem Schreiben läuft es in letzter Zeit nicht richtig, ...

„Ich habe mich in den letzten Jahren ganz gut damit eingerichtet, allein zu sein.“ (S. 140) sagt Aurélie, wenn man sie nach der Liebe fragt. Auch mit dem Schreiben läuft es in letzter Zeit nicht richtig, dabei erwartet ihr Verlag ausgerechnet eine sommerliche Liebesgeschichte. Wie soll das gehen, wenn sie seit Jahren keine Verabredung mehr hatte? Der Versuch mit einer Dating App erweist sich als Fehlschlag, aber dann schenkt ihr der Buchhändler Mathieu das alte Tagebuch einer Widerstandskämpferin aus Nizza, welches er im Antiquariat entdeckt hat. Aurélie hatte mal erwähnt, dass ihr ein historisches Thema vorgeschwebt. Die Geschichte der Unbekannten und ihres Partners lässt sie nicht mehr los. Soll sie den Wunsch des Verlages ignorieren?

Aurélie hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Sie wohnt in einer winzigen, dringend sanierungsbedürftigen Dachgeschosswohnung im Quartier Montmartre, unterrichtet Ausländer in Französisch und schreibt Romane – wenn sie denn endlich eine neue Idee hat. Der große Durchbruch ist ihr zwar noch nicht gelungen, aber sie hat eine kleine, treue Fangemeinde, zu der auch Mathieu gehört. Mit ihm gab es vor Jahren einen Moment, in dem es kurz so aussah, als würde aus ihnen ein Paar, doch dann verliebte er sich in eine andere. Inzwischen ist er leider schon Witwer, trauert aber immer noch um seine Frau.

„Sommernächte unter dem Eiffelturm“ ist der dritte Band der Paris-Reihe von Lily Martin, dem Pseudonym der Autorin Anne Stern. Er dreht sich um die Autorin Aurélie, die längst mit der Liebe angeschlossen zu haben scheint. Doch wenn sie ehrlich ist, hofft sie insgeheim auf Mathieu, in dessen Laden sie regelmäßig einkauft. Auch er hat Gefühle für sie, verbietet sich diese aber, weil er seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau nicht untreu werden oder sie zu schnell zu ersetzen will. Lieber joggt er stundenlang durch Paris, um seinem Gedankenkarussell wenigstens kurz zu entkommen. „Von Aurélie ging ein Leuchten aus, das ihn an eine Mondnacht am Meer denken ließ, wenn der Himmel sternenklar war ...“ (S. 149/150)

Der Roman versprüht einen ganz bezaubernden Charme, lässt Erinnerungen und Sehnsüchte wach werden. Ich habe mich beim Lesen nach Paris versetzt gefühlt, wo wir vor vielen Jahren eine ähnlich winzige Wohnung für den Urlaub gemietet hatten.

Ich habe mich über das Wiederlesen mit den Protagonisten aus den ersten Bänden gefreut: Lola und Fabien, Pierre Leco, Liliane und Nadim und Jacobine Simenon. Neu waren Aurélies beste Freundin Marwa und deren Mann Farid – ich bin gespannt, ob sich der nächste Band um sie dreht, denn „Paris, das ist für immer.“ (S. 318)

Eine zarte, hinreißende Liebesgeschichte mit viel Pariser Flair.

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