Profilbild von hasirasi2

hasirasi2

Lesejury Star
offline

hasirasi2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hasirasi2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2025

Herzergreifende Geschichte mit Taschentuchgarantie

Versprich mir, dass du tanzt
0

„Du weißt genau, warum Adam mich hierhergeschickt hat, und noch bevor der Schnee schmilzt und wir von hier fortkommen, wirst du mir die Wahrheit sagen.“ (S. 147) Vor einem Jahr hat Lily ihren Mann Adam ...

„Du weißt genau, warum Adam mich hierhergeschickt hat, und noch bevor der Schnee schmilzt und wir von hier fortkommen, wirst du mir die Wahrheit sagen.“ (S. 147) Vor einem Jahr hat Lily ihren Mann Adam nach nur 6 Jahren Ehe verloren. Sein letzter Wunsch war, dass sie ihren Jugendfreund Josh aufsucht und sich mit ihm ausspricht. Doch erst, als der Ahornbaum im Nachbarsgarten ihrer Eltern gefällt wird, jener Baum, auf dem sie und Josh sich vor 20 Jahren kennengelernt haben, findet Lily den Mut, sich auf die Suche nach ihm zu machen.
Mit viel Mühe spürt sie Josh auf, doch er weigert sich, mit ihr zu sprechen. Dann zieht ein Schneesturm auf und schneidet sie von der Außenwelt ab. Je mehr Zeit sie zusammen verbringen, desto mehr bröckelt die Mauer, die Josh um sich errichtet hat.

Das war mein erstes Buch von Dani Atkins, aber garantiert nicht mein letztes, denn Lilys Geschichte hat mich extrem berührt. Mit nur 31 Jahren wird sie Witwe und ist überzeugt, dass sie nie wieder lieben kann. Sie hatte zwei große Lieben: Adam und Josh. Um sich abzulenken, stürzt sie sich in ihre Tortenmanufaktur, während sie Trost bei Adams Hund Fletcher findet.

Der Roman ist wunderbar flüssig geschrieben und hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Dani Atkins erzählt eine bewegende Dreiecksgeschichte: Lily und Adam verbindet zunächst nur Freundschaft, die sich langsam in Liebe verwandelt. Eine Liebe, die jedoch nie ausgesprochen wird. Ausgerechnet am Vorabend ihrer Hochzeit mit Adam eskaliert die Situation und Josh und Lily beschließen, den Kontakt abzubrechen.

Adam hatte eine schwere Kindheit. Erst als Pflegekind bei Lilys Nachbarn erfährt er, was Familie und ein Zuhause bedeuten. Aber da ist er schon so traumatisiert, dass er selber nie Kinder will, obwohl Lily sich genau das wünscht: ein Zuhause mit Kind(ern), Haus und Hund. Adam teilt ihren Traum – und hat sogar schon den Hund. Er ist das ganze Gegenteil von Josh, umwirbt Lily und sagt ihr jeden Tag, wie sehr er sie liebt. Lily ist sich sicher: Er ist der Eine ist, mit dem sie ihr ganzes Leben verbringen will, auch wenn sie Josh nie ganz vergessen kann.

„Versprich mir, dass du tanzt“ ist eine herzergreifende Geschichte mit Taschentuchgarantie, voller Drama und Verluste, Freundschaft, Liebe und dem Mut, neu anzufangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2025

Die Mumie war‘s nicht!

Mumien morden mittwochs nie
0

… sagt Polly (Dr. Appolonia Obermoser) wie ein Mantra immer wieder immer lauter, wenn die Sprache auf den Toten kommt, der bei der Pressekonferenz zur ersten von ihr kuratierten Ausstellung aufsehenerregend ...

… sagt Polly (Dr. Appolonia Obermoser) wie ein Mantra immer wieder immer lauter, wenn die Sprache auf den Toten kommt, der bei der Pressekonferenz zur ersten von ihr kuratierten Ausstellung aufsehenerregend gestorben ist. Aber langsam fällt es ihr selber schwer, daran zu glauben. Dabei hatte das der Anfang ihrer steilen Karriere werden sollen, schließlich hatte sie wichtige archäologische Artefakte zu Pharao Teti III. und den Sarkophag der geheimnisvollen Seschepset entdeckt. Aber erst hat Museumsdirektor Pucci ihre Präsentation in eine multimediale Peep-Show verwandelt, dann passiert der „Unfall“ und kurz darauf aktiviert jemand den Lockdown-Modus und riegelt das Museum von der Außenwelt ab. Eigentlich hätten die Polizei und die Sicherheitsfirma automatisch informiert werden sollen, aber niemand kommt zu ihrer Rettung. Dafür passieren weitere Morde – aber wie gesagt: Die Mumie war´s nicht! Auf keinen Fall! Weil der ausgestellte Sarkophag nämlich leer ist! Wenn das Daphne, die überdrehte High-Society-Tochter der Museumsbesitzerin nur endlich einsehen würde! Aber die ist überzeugt: „Es war der Geist der Mumie, der in jemanden von uns gefahren ist. Und er wird weiter morden!“ (S. 47)

Polly hatte es nie leicht. Im Gegensatz zu Daphne ist sie kein dürres It-Girl und Barbie-Imitat in Designerkleidung, sondern hat Kurven an den richtigen Stellen und trägt selbstgeschneiderte Kostüme von ihrer Tante. Ihre Eltern und Brüder sind Fleischer, aber sie hat sich schon immer für Ägypten interessiert und eine akademische Laufbahn angestrebt. Mit der Ausstellung hätte sie es endlich allen beweisen können, und jetzt dieses Desaster. Museumsmitarbeiter werden ermordet (ok, um einige ist es in Pollys Augen nicht sooo schade), Daphne steigert sich in den Mumienfluch und selbst Polly fängt an, wandelnde Mumien, lebende Pharaonen und exotische tödliche Tiere zu sehen. Außerdem taucht ein alarmgesichertes Ausstellungsstück an immer neuen Stellen auf – was technisch eigentlich unmöglich ist! Ein Wettlauf mit dem Mörder beginnt. Kann Polly ihn stellen, bevor sie alle tot sind?!

Tatjana Kruse ist für mich ein Garant für beste, unterhaltsamste Krimödien. „Mumien morden mittwochs nie“ ist zusätzlich mit einer ordentlichen Portion Horror gewürzt. Ich liebe die skurrile Protagonisten und ungewöhnlichen Schauplätze. Und da ich von ihr einiges gewöhnt bin, habe ich zwischendurch spekuliert, dass Polly irgendwann einfach aufwacht und alles nur ein ganz schlechter Alptraum war, so abgedreht wird die Handlung. Die „Krimikruse“ hat es wieder geschafft, mich zu überraschen und begeistern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2025

Es kann nur einen (Weihnachtsmann) geben!

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
0

„Frau Merkel, eins muss man Ihnen lassen: Ihre Leichen werden immer origineller.“ (S. 21) Eigentlich wollten Angela und Achim Weihnachten und Silvester mit den Obamas auf Hawaii verbringen, aber als diese ...

„Frau Merkel, eins muss man Ihnen lassen: Ihre Leichen werden immer origineller.“ (S. 21) Eigentlich wollten Angela und Achim Weihnachten und Silvester mit den Obamas auf Hawaii verbringen, aber als diese das „Fest der Liebe“ zu wörtlich genommen haben, sind die Merkels vorzeitig abgereist. Doch in Klein Freudenstadt wartet eine böse Überraschung auf sie: In ihrem Schornstein hängt kopfüber ein toter Weihnachtsmann. Während Kommissar Hannemann und die Pathologin Fr. Dr. Radszinski überzeugt sind, dass Egon Kerner (genannt: der Weihnachtsfreak) bei einem Unfall ums Leben kam, hat Angela starke Zweifel. Warum ist der Weihnachtsmann von Bauch bis Kopf nass? Im Schornstein ist es doch trocken! Schnell stößt sie auf mehrere Verdächtige, die von ihm erpresst wurden, denn er wollte der einzige Weihnachtsmann des Städtchens sein! Kann Angela den Fall noch vor Heiligabend lösen?

Auch der 5. Band der Miss-Merkel-Reihe von David Safier hat mich wieder bestens unterhalten und war bis zum Schluss spannend. Ich mag den Humor, die Neckereien und Wortgefechte zwischen Angela und Achim, die diesmal vor dem Problem stehen, dass Hannemann und Radszinski nicht nur ein Paar sind, sondern ihre Spitznamen Puffel und Puffeline okkupiert haben und ihnen eindeutig zu viele Einblicke in ihren Liebesurlaub gewähren, anstatt zu ermitteln.
„Und immer, wenn man denkt, mit der Merkel kann es nicht noch irrer werden …“ (S. 44) Auch Mike steckt in der Klemme. Er hat das Weihnachtsgeschenk für Söhnchen Adrian auf Hawaii vergessen und kann Angelg nicht davon abhalten, im Zuge der Ermittlungen ein Kampftrinken zu veranstalten und dabei ein ikonisches Lied zu Grölen. Außerdem begibt sie sich in einem Fitnessstudio in ganz andere Gefahren, als von ihm erwartet.
Währenddessen sucht Achim verzweifelt nach neuen Spitznamen für sie und kann nicht verhindern, dass er und Mops Pupsi für ein etwas zu modernes Krippenspiel zwangsverpflichtet werden.

„Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum“ ist ein Angriff auf die Lachmuskeln mit ganz viel Spannung, Liebe und Weihnachtszauber.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Zuckerbrot und Peitsche

Die Assistentin
0

„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen ...

„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen mochte.“ (S. 192)
Charlotte wollte eigentlich Musik studieren. Doch auf Drängen ihres Vaters bewirbt sie sich stattdessen als Assistentin beim Verleger, sie soll unbedingt Karriere machen. Dafür muss sie nach München ziehen, wo sie niemanden kennt, in eine Wohnung, in der sie sich nicht wohl fühlt.
Ihr Chef ist narzisstisch, kontrollierend, übergriffig. Er interessiert sich ständig für intime Details aus ihrem Privatleben, die ihn nichts angehen. Zwar überschreitet er dabei körperlich nie eindeutig sexuelle Grenzen, aber auch das gelegentliche Berühren ist unangemessen. Immerhin gelingt es Charlotte, sich körperlich klar abzugrenzen. Doch sie verliert die Kontrolle über ihr Leben: steht immer früher auf, arbeitet bis spät in die Nacht, sammelt bis zu 70 Überstunden im Monat. Ihr Chef kontaktiert sie ständig – im Urlaub, am Wochenende, nach Feierabend. Und egal was schiefgeht, Schuld sind immer die anderen. Der Verleger hat immer recht. Seine ständig wechselnden Assistentinnen hält er mit Zuckerbrot und Peitsche klein: mal überschüttet er sie mit Lob oder teuren Geschenken, dann kündigt er ihnen aus heiterem Himmel. Es ist entwürdigend. In Nachrichten und Mails nennt niemanden beim Namen, sondern vergibt Kürzel und dazu Frucht- oder Gemüsesymbole, mit denen auch er seine ellenlangen Aufgabenlisten versieht. Diese Aufgaben dürfen sie selten eigenständig erledigen – alles wird mehrfach von ihm kontrolliert, korrigiert, „verbessert“. Aber fertig werden sie bei der Methode natürlich nur selten.
Doch Charlotte hält durch und kämpft. Sie will es sich, ihren Kollegen, vor allem aber ihrem Vater beweisen: „Und sie wird es schaffen, als einzige von den Assistentinnen, weil sie mit ihm zurechtkommt.“ (S. 131) Dafür stellt sie ihr Privatleben zurück. Ihre Beziehung zu Bo scheitert, bevor sie überhaupt richtig beginnen kann. In ihrer knappen Freizeit geht sie joggen (sie läuft buchstäblich vor ihren Problemen davon) und macht Musik, um alles zu verarbeiten. Und ihre Eltern? Die reagieren nur auf Erfolge. Gibt es etwas Negatives, muss die Schuld bei Charlotte liegen.

Ich mochte Caroline Wahls ungewöhnlichen Erzählstil sehr, ihre knappen, pointierten, manchmal bewusst sperrigen Sätze. Auch, dass sie sich im Text selber lektoriert und die Handlung kommentiert, ihr an einigen Stellen vorgreift, hat für mich einen besonderen Reiz. Denn dass Charlotte auf eine Katastrophe zusteuert, wird immer deutlicher, doch wie, wann und in welcher Form sie eintritt, bleibt lange ungewiss.
Besonders spannend finde ich auch, dass der Verleger fast nie beim Namen genannt wird – er bleibt „der Verleger“. Vielleicht eine Form der Rache für seine Kürzel und Symbole? Oder ein Versuch, emotionale Distanz zu wahren, um beim Erinnern nicht erneut in seinem Wahnsinn hineingezogen zu werden?
Sie zeigt, wie leicht man von Vorgesetzten oder Kollegen tyrannisiert werden kann, und wie schwer es oft ist, die Situation richtig einzuordnen. Man zweifelt an sich selbst, fragt sich, ob das Verhalten der anderen wirklich übergriffig ist oder ob man einfach nur zu empfindlich reagiert. Sie schreibt über Abhängigkeiten, subtile Formen psychischer Gewalt und darüber, wie man schleichend in eine ungesunde Dynamik hineingerät, ohne es rechtzeitig zu bemerken – und dabei trotzdem hofft, irgendwie wieder herauszukommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2025

Und täglich grüßt das Murmeltier?

Finale
0

Herberts Leben verläuft in ruhigen Bahnen, zu ruhigen, meint sein bester Kumpel Hans. Dabei ist er froh, dass sein Foodtruck und Anjas Café Zuckerrübe so gut laufen. Söhnchen Oskar macht in der Schule ...

Herberts Leben verläuft in ruhigen Bahnen, zu ruhigen, meint sein bester Kumpel Hans. Dabei ist er froh, dass sein Foodtruck und Anjas Café Zuckerrübe so gut laufen. Söhnchen Oskar macht in der Schule keine Probleme und ihr kleines Häuschen mit Garten reicht ihnen völlig. Ok, er hätte statt Kater Stupsi lieber einen Hund, aber da haben ihn Anja und Oskar leider überstimmt. Außerdem nervt der neue Nachbar mit seiner Vorzeigefamilie inkl. Labrador und den ständigen Verbesserungsvorschlägen zum nachhaltigen Wohnen, aber das Problem wird Herbert auch noch irgendwie lösen.
Aber dann will Hans unbedingt wieder einen richtigen Männerurlaub machen. Nur leider hat Herbert dafür nun wirklich kein Geld übrig. Doch er entdeckt ein Plakat. In wenigen Tagen findet eine Grillmeisterschaft statt. Neben dem eigenen Grillkochbuch bekommt der Gewinner 20.000 €! Damit könnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sein Foodtruck würde noch berühmter und das Geld nicht nur für den Urlaub mit Hans, sondern auch für ein paar Anschaffungen fürs Haus reichen. Also meldet er sie beide kurzentschlossen an. Was soll schon schief gehen, schließlich grillt er jeden Tag die besten Burger Münchens?!

Nach 6 Jahren Pause sind Herbert und Hans endlich zurück! Herbert ist immer noch etwas blauäugig, aber die Alltagsprobleme lassen sich nicht ewig ignorieren. Plötzlich mahnen die Lehrer an, dass sich Oskar in der Schule zu schnell ablenken lässt, wenn ihn etwas nicht interessiert. Die Tierärztin meint, Stupsi ist zu fett und sie sollen mit ihm Gassigehen, damit er sich mehr bewegt. Und die Schwiegereltern mischen sich aus Ibiza in alles ein – zum Glück, denn diesmal kann Herbert ihre Hilfe echt gebrauchen.
Hans hält sich weiterhin für den Schwarm aller Frauen und besten Freund, den es geben kann. Dass er dabei leider oft übers Ziel hinausschießt und Herbert verprellt, sieht er nicht ein. Er stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe, weil er sich nicht zurücknehmen kann, sondern immer in den Vordergrund rücken muss. Es wird doch nicht zum endgültigen Zerwürfnis zwischen ihnen kommen?!

Auch beim Grillwettbewerb scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Und dann lässt sich Herbert auf eine Zusatzwette mit einem Konkurrenten ein, die seine berufliche Grundlage zerstören könnte.

Mit viel Wortwitz und Situationskomik beschreibt Friedrich Kalpenstein auch diesmal sämtliche Fettnäpfchen und Katastrophen, in die die Freunde geraten. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert und hoffe, dass es weitere Bücher der Reihe geben wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere