erfrischend anders
Das erstaunliche Leben des A.J. FikryA.J. Fikry ist Anfang 40 und betreibt auf Alice Island die einzige Buchhandlung. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich völlig zurückgezogen, ertränkt seine Trauer in Alkohol und begegnet seinen Mitmenschen ...
A.J. Fikry ist Anfang 40 und betreibt auf Alice Island die einzige Buchhandlung. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich völlig zurückgezogen, ertränkt seine Trauer in Alkohol und begegnet seinen Mitmenschen knurrig und abweisend. Dies bekommt auch Amy zu spüren, die als Verlagsvertreterin arbeitet und ihm die Neuerscheinungen der kommenden Saison vorstellen möchte. A.J.s Leben nimmt eine entscheidende Wendung, als er eines Abends in seiner Buchhandlung etwas Überraschendes entdeckt...
Nach dem großen Erfolg von „Morgen, morgen und wieder morgen“ legt eichborn Gabrielle Zevins älteren Roman „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ (Erstveröffentlichung 2015) unter dem Titel „Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry“ neu auf.
Jedes Kapitel wird durch eine von A.J. verfasste kurze Notiz zu einem literarischen Werk eingeleitet, die inhaltlich einen Bezug zu nachfolgenden Text hat. Auch wenn ich kaum eines der Bücher kannte, mochte ich dieses Stilelement, weil es das Kapitel wie eine Textklammer umfängt und mir auch Einblicke in A.J.s Denken und Fühlen gab. Als aufmerksame:r Leser:in wird man allerdings hierin auch auf den einen oder anderen kleinen Spoiler zum Handlungsfortgang stoßen. Mich hat das Prinzip etwas an Ted Mosby erinnert, der die Episoden von „How I met your mother“ als Ich-Erzähler einrahmt.
Ich mochte A.J. von Anfang an sehr, auch trotz – oder gerade wegen – seines oftmals etwas schroffen und eigenwilligen Wesens, da mir Figuren mit Ecken und Kanten am liebsten sind. Gabrielle Zevin schreibt flott und eingängig, die Handlung schreitet schnell voran und überspringt immer wieder einige Jahre. Das hat einen ganz eigenen Charme und treibt den Plot vorwärts, allerdings bleibt manchmal die Charakterentwicklung etwas auf der Strecke. Dies fiel mir besonders bei A.J. auf, dessen Veränderungen für mich nicht immer nachvollziehbar waren. Andere Figuren wie seine Schwägerin Ismay bleiben recht blass, und insbesondere in der zweiten Hälfte hatte ich das Gefühl, dass die Autorin manches zu schnell abhandelt und hoppladihopp über einschneidende Ereignisse hinweggeht.
Ungeachtet dessen habe ich dieses Buch sehr genossen und als erfrischend anders empfunden. Sobald ich angefangen hatte zu lesen, wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen und unbedingt wissen, wie es weitergehen würde. Von mir eine klare Leseempfehlung!