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Kobina

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2025

Überbordend, queer und opulent

The Pairing
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Ich habe mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut – Casey McQuiston ist schließlich ein Name, der in der Queer Romance kaum wegzudenken ist. Aber selten war ich so hin- und hergerissen. Einerseits: queere ...

Ich habe mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut – Casey McQuiston ist schließlich ein Name, der in der Queer Romance kaum wegzudenken ist. Aber selten war ich so hin- und hergerissen. Einerseits: queere Figuren überall, Foodie-Vibes, Sommer in Europa, Second-Chance-Romance. Klingt nach einer perfekten Mischung. Andererseits hat mich die Umsetzung stellenweise regelrecht wahnsinnig gemacht.

Theo (btw einer meiner absoluten Lieblingsnamen), unser Hauptcharakter, kämpft mit dem „Nepo-Baby-Dasein“ – aber eben auf eine Art, die schwer ernstzunehmen ist, wenn im Hintergrund eine reiche, liebevolle Familie steht, die jederzeit mit großzügiger Unterstützung winkt. Gleichzeitig stolpern wir durch eine europäische Reise, die sich mehr nach „Instagram-Filter“ als nach echter Welt anfühlt: Yachten, makellose schöne Menschen, jeder bisexuell, jeder flirtbereit – und das Ganze ohne Ecken, Kanten oder Überraschungen. Selbst die (sehr ausführlichen) Beschreibungen von Essen und Wein, die eigentlich Genuss pur versprechen, haben für mich irgendwann nur noch das Tempo rausgenommen.

Auch die Liebesgeschichte selbst konnte mich nicht packen. Second-Chance-Romances leben für mich davon, dass man als Leser*in versteht, warum zwei Figuren trotz Vergangenheit wieder zueinander finden. Hier blieb vieles im Off: Wir erfahren, dass Theo und Kit früher eine gemeinsame Geschichte hatten, dass es wehgetan hat, dass da Leidenschaft ist – aber warum genau sie jetzt die große Liebe füreinander sein sollen, hat sich für mich nie richtig transportiert. Vieles wirkte eher wie ein Spiel mit Sex, Mutproben und Flirts als wie echte Nähe.

Das klingt jetzt alles sehr negativ – aber ich sehe auch, warum andere das Buch lieben werden. Es ist sehr queer, sehr sinnlich, sehr hedonistisch. Wer Lust auf eine wilde, üppige, sexy Reise voller Wein, Essen und schönen Menschen hat, wird hier sicher glücklich. Wer sich allerdings eine tiefere, glaubwürdige Liebesgeschichte wünscht, könnte wie ich eher enttäuscht zurückbleiben.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Worldbuilding besser als die Lovestory

Fae Isles − Der Henker der Königin
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Zuerst mal: Das Cover ist richtig cool – diese bunten, verlaufenen Sand-Schlieren sehen nicht nur toll aus, sondern ergeben zusammen mit den anderen Bänden ein großes Gesamtbild. Allein dafür will man ...

Zuerst mal: Das Cover ist richtig cool – diese bunten, verlaufenen Sand-Schlieren sehen nicht nur toll aus, sondern ergeben zusammen mit den anderen Bänden ein großes Gesamtbild. Allein dafür will man die Reihe im Regal stehen haben (auch wenn ich’s dank NetGalley als Hörbuch gehört habe).

Apropos Hörbuch: Ich habe es wegen Corinna Dorenkamp gehört und das war die absolut richtige Entscheidung. Seit Blood of Hercules bin ich ein Fan ihrer Stimme. Sie ist einfach perfekt für Protagonistinnen mit Humor und einer ordentlichen Portion Sarkasmus. Außerdem verstellt sie ihre Stimme so gut, dass man nie durcheinanderkommt, selbst wenn mehrere Figuren in einer Szene sprechen. Große Empfehlung!

Inhaltlich ist die Welt von Fae Isles eine echte Überraschung gewesen; die Magie über Farben ist total originell und mal was anderes als das übliche Elementar-Gedöns. Selbst die klassische „böse Königin“ ist nicht so klassisch wie man es kennt.

Riesen-Pluspunkt: Der Love Interest ist stumm. Und lernt Gebärdensprache! Mehr muss ich nicht sagen. Ich liebe das einfach.

Aber … und das ist ein großes Aber: Die inneren Monologe der Protagonistin waren wirklich schwer zu ertragen. Über weite Strecken denkt sie in Endlosschleifen: „Er ist so böse … aber auch so heiß …“ again and again. Es ist kein Slow Burn, sondern eher Instalust mit Extrasteps, und das nervt mit der Zeit ziemlich. Auch ihre Naivität ist hart an der Grenze. Warum sie so sehr an ihrer Familie hängt - obwohl wir von Anfang an wissen, wie mies sie sie behandelt haben - bleibt mir ein Rätsel.

Trotzdem: Ich höre weiter! Die Welt, das Magiesystem und die Sprecherin reißen es raus. Ich hoffe einfach, dass der innere Monolog im nächsten Band leiser wird und wir uns mehr auf das konzentrieren können, was Fae Isles richtig gut kann: Originelle Fantasy mit einer spannenden Welt.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Immerhin ist die Protagonistin queer

Hunt on Dark Waters
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Hexen, Vampire, Portale, Piraten, Selkies – Hunt on Dark Waters wirft alles in einen Topf, was Fantasy so hergibt, und würzt das Ganze mit einer ordentlichen Prise Spice. Klingt nach einem wilden Ritt? ...

Hexen, Vampire, Portale, Piraten, Selkies – Hunt on Dark Waters wirft alles in einen Topf, was Fantasy so hergibt, und würzt das Ganze mit einer ordentlichen Prise Spice. Klingt nach einem wilden Ritt? Ist es auch. Leider aber nicht nur im besten Sinne.

Die Geschichte beginnt vielversprechend: Evelyn, eine etwas nervige, aber durchaus interessante Hexe mit Hang zum Chaos, flieht vor ihrer Vampir-Exfreundin durch ein Portal und landet auf dem Schiff eines Piratenkapitäns namens Bowen. Der ist natürlich groß, düster, magisch begabt und... ziemlich blass. Im Sinne von: kaum erinnerungswürdig. Zwischen Evelyn und Bowen soll es dann ordentlich knistern – aber was man bekommt, ist eher ein laues Lüftchen. Insta-Love, wenig echte Chemie, und alles viel zu schnell und unglaubwürdig. Schade, denn Potenzial war da.

Die große Stärke des Buchs liegt eindeutig im Worldbuilding. Robert hat ein Händchen dafür, bekannte Mythen zu vermischen und etwas Eigenes daraus zu machen. Die Idee von magischen Meeren, durch die man zwischen Welten reist, ist cool – ebenso wie der Vibe von Fluch der Karibik meets romantasy. Nur leider bleibt vieles oberflächlich. Die Welt wird angerissen, aber nie wirklich greifbar. Auch die Nebenfiguren bleiben blass; OBWOHL ES EINEN NEBENCHARAKTER MIT SCHUPPEN GIBT. Es war mein absolutes Highlight und trotzdem wurde nicht viel mehr draus. Hmpf.

Der Plot schwankt zwischen actionreich und zäh. Teilweise passiert alles gleichzeitig, dann wieder gefühlt gar nichts. Und obwohl die Liebesgeschichte viel Raum einnimmt, fehlt es an Tiefgang. Evelyn und Bowen verlieben sich einfach... irgendwann? Man verpasst den Moment. Das Spicy-Level ist gewohnt hoch, aber ohne echte emotionale Verbindung wirkt auch das irgendwie leer. Gut geschrieben waren sie trotzdem.

Wer Lust auf eine leicht verdauliche Fantasy-Romanze mit queerem Cast, Piratenromantik und einem Hauch düsterer Magie hat, könnte hier gut unterhalten werden. Nur darf man keine ausgefeilte Story oder tiefgreifende Figurenentwicklung erwarten.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Humor top, Loveinterests flop

Blood of Hercules
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Ich bin etwas zwiegespalten, was Blood of Hercules angeht.

Auf der einen Seite: Der Humor ist absolut fantastisch. Ich habe selten so viel beim Lesen gelacht. Trocken, sarkastisch und einfach voll mein ...

Ich bin etwas zwiegespalten, was Blood of Hercules angeht.

Auf der einen Seite: Der Humor ist absolut fantastisch. Ich habe selten so viel beim Lesen gelacht. Trocken, sarkastisch und einfach voll mein Ding. Auch die Welt und die Figuren haben mir grundsätzlich sehr gefallen, insbesondere die Schlange als Sidekick.

Aber dann gibt’s eben auch die andere Seite: Die beiden Hauptloveinterests in diesem Band sind eider maximal unspannend. Nicht nur, dass sie hoch toxisch sind; ihr Verhalten geht auch durchgehend in eine sehr unangenehme und zugleich langweilige Richtung (non-con vibes). Ihre Dynamik mit der Protagonistin ist eher anstrengend als elektrisierend.
Die beiden anderen Loveinterests hingegen wirken sehr anziehend, insbesondere da sie bereits in ihrer Liebe zu einander gefestigt sind. Bete wirklich dafür, dass sie sehr viel mehr Auftritt in Band zwei haben!

Was sich für mich wirklich gezogen hat, war das Spartaner-Bootcamp. Klar, es soll hart sein, aber das war’s dann auch: "Alles tut weh, alle sind grausam, bitte lasst mich einfach sterben." Und das in Dauerschleife. Vielleicht war das sogar handwerklich clever, immerhin fühlt man mit der Protagonistin. Aber angenehm zu lesen war's nicht.

Am Ende werden einige frühere Szenen noch mal aus anderen Perspektiven gezeigt. An sich cool – aber diese Rückblicke hätten an der ursprünglichen Stelle sehr viel mehr Sinn gemacht. So waren die ursprünglichen Szene leider trocken und nicht wie verhofft spannend.

Fazit: Super Humor, tolle Nebencharaktere, aber leider auch toxische Loveinterests und ein langatmiger Mittelteil. Ich hoffe sehr, dass Band zwei die Stärken stärker ausspielt – das Potenzial ist definitiv da.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Starke Welt, schwächelnde Tiefen

Guardian 1. Seelenwächter
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Eins vorweg: Das hier ist eine Rezension aus westlicher Sicht. Leider habe ich nicht viel Ahnung von asiatischen Begebenheiten (weder in der Sprache, noch in der Kultur), also seht es mir bitte nach.

Was ...

Eins vorweg: Das hier ist eine Rezension aus westlicher Sicht. Leider habe ich nicht viel Ahnung von asiatischen Begebenheiten (weder in der Sprache, noch in der Kultur), also seht es mir bitte nach.

Was sofort heraussticht: die Welt. Richtig cool gemacht! Allein schon eine medusa-ähnliche Figur als Nebencharakter? Liebe ich. Auch das ganze Konzept rund um Seelenwächter ist angenehm anders als das, was man sonst so aus westlicher Fantasy kennt. Große Stärke des Buchs!

Leider fehlt’s den beiden Hauptfiguren an Tiefe. Sie sind zwar beide von Anfang an ganz offensichtlich heiß aufeinander, aber das war’s dann auch schon fast mit der Dynamik. Slowburn ist hier Fehlanzeige – außer man ist schon zufrieden, wenn sie’s nicht direkt im ersten Kapitel miteinander treiben.

Die Sprache ist recht simpel gehalten – fast schon so, als wäre das Buch für Kinder oder sehr junge Teenager geschrieben. Das steht für mich im starken Kontrast zu den erwachsenen Themen, die behandelt werden. Vielleicht ist das typisch für Light Novels, da fehlt mir der Vergleich. Aber für meinen Geschmack hat das nicht gut zusammengepasst.

Ein kleiner Übersetzungsfehler ist mir auch aufgefallen: Der Begriff „Nachname“ wurde genutzt, obwohl Familiennamen in der chinesischen Kultur vorne stehen (wie es im Buch auch der Fall ist).

Und dann gibt’s da noch einen Comic-Relief-Charakter mit eigener POV. Die hätte man sich ehrlich sparen können. Seine „witzigen“ Szenen wirken platt, aufgesetzt und unterbrechen den Rest der Story eher als dass sie was beitragen.

Fazit: Tolle Welt, spannende Idee – aber sprachlich und charakterlich leider nicht überzeugend umgesetzt. Wer sich aber an der Oberfläche wohlfühlt und einfach was Frisches sucht, könnte trotzdem seinen Spaß haben.

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