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Veröffentlicht am 02.09.2025

Alte Konflikte

Die Töchter von Usedom - Das Geheimnis in den Dünen
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Zwanzig Jahre sind vergangen, die nächste Generation mit Lore, Paul und Karl ist herangewachsen. Während die Pension Büchner um ein drittes Haus direkt am Strand erweitert wird, tritt Unerwartetes ein ...

Zwanzig Jahre sind vergangen, die nächste Generation mit Lore, Paul und Karl ist herangewachsen. Während die Pension Büchner um ein drittes Haus direkt am Strand erweitert wird, tritt Unerwartetes ein und bringt alte Konflikte ans Licht.

Beschwingt wie bereits gewohnt, erzählt Jessica Weber weiter aus dem Leben der Büchners, die mittlerweile auch Michelsens und Pagels sind. Dass jetzt noch Bekannte aus einer gemeinsamen, zwei Jahrzehnte zurückliegenden Zeit auftauchen, damit hat niemand mehr gerechnet. Was zum Wohle aller geheim gehalten worden ist, drängt an die Oberfläche, aber nicht nur die „Alten“, auch die „Jungen“ hüten ihre Geheimnisse. Stimmungsvolle Bilder aus Swinemünde wechseln diesmal ab mit jenen aus einem pulsierenden Berlin, lebendige und detailgetreue Szenen lassen die Zeit um 1890 besonders erlebbar werden.

Spannend und voller Gefühl beschreibt die Autorin die Suche nach den Wurzeln, die nicht immer klar sind und die Angst um eine Zukunft, welche erträumt wird, aber nicht ohne Hürden gelebt werden kann. Turbulente Zeiten stehen der Pension Büchner ins Haus, ich war wieder gebannt dabei und bin schon neugierig, was bei der Rückkehr nach Swinemünde (Band 3) geschehen wird. Die Familie kann doch nichts mehr erschüttern, oder doch? Ich bleib dran … und vergebe vorerst einmal je fünf verdiente Sterne für die ersten beiden Teile der Ostsee-Familiensaga.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Die Büchner-Frauen

Die Töchter von Usedom - Im Sturm der Zeiten
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Swinemünde an der Ostsee, 1870: Das Schicksal hat entschieden: Nach einem Unfall bleiben Großmutter Elfriede und die Cousinen Ella und Lina Büchner allein zurück und führen fortan gemeinsam eine kleine ...

Swinemünde an der Ostsee, 1870: Das Schicksal hat entschieden: Nach einem Unfall bleiben Großmutter Elfriede und die Cousinen Ella und Lina Büchner allein zurück und führen fortan gemeinsam eine kleine Pension, in welcher sie drei Zimmer an Gäste vermieten. Während Lina immer den Kopf in den Wolken hat und vom Theater träumt, ist Ella die bodenständige, die stets das Geschäft vor Augen hat, ja sogar expandieren möchte. Jede der drei Büchner-Frauen hat eigene Träume und Vorstellungen vom Leben, dieses bringt aber manchmal etwas ganz anderes.

Dieser großartige Roman erzählt höchst lebendig von den beiden jungen Fräulein Ella und Lina, die nach dem Tod ihrer Eltern wie Schwestern bei der liebevollen aber doch gestrengen Großmutter aufwachsen. Als der fahrende Zirkus in den Ort kommt, steht für Lina das Leben auf dem Kopf. Und auch Ella muss weitreichende Entscheidungen treffen. Voller Bilder und Emotionen sprüht diese Geschichte, offenbart tiefe Gefühle und weht ab und zu auch einmal eine steife Brise von der Ostsee ins Land. Anfangs wohlbehütet, müssen die Cousinen sich aber bald der mitunter rauen Lebensrealität stellen und mit den Herausforderungen wachsen.

Jessica Weber packt mit viel Liebe zum Detail historische Begebenheiten aus der Kaiserzeit in einen flotten, unterhaltsamen Roman und weckt Neugierde auf mehr rund um die Büchner-Frauen Lina, Ella und Elfriede. Schön, dass die Fortsetzung bereits bereitliegt, denn Band 1 der Ostsee-Familiensaga kann ich schon einmal guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Deutschenmädchen

Die verlorenen Kinder vom Fjord
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Während des Zweiten Weltkriegs wird auch das norwegische Narvik von Deutschen besetzt, und – obwohl es natürlich verboten ist – kommt Laila dem sympathischen Josef näher und verliebt sich in ihn. Er sieht ...

Während des Zweiten Weltkriegs wird auch das norwegische Narvik von Deutschen besetzt, und – obwohl es natürlich verboten ist – kommt Laila dem sympathischen Josef näher und verliebt sich in ihn. Er sieht großzügig weg, wenn sie im Widerstand aktiv ist, verliebt sich umgekehrt in Laila. Bald nach seiner Versetzung an die Ostfront stellt Laila fest, dass sie schwanger ist. Von ihrer Familie als Deutschenmädchen geächtet, sucht die junge Frau Hilfe in einem Heim für ledige Mütter und kommt dabei grausamen Machenschaften auf die Spur.

„Die verlorenen Kinder vom Fjord“ gliedert sich in drei große Abschnitte und besticht durch Realitätsnähe und Lebendigkeit, Helen Parusel gelingt es mit Leichtigkeit, die Gefühle und Gedanken ihrer Figuren in Worte zu fassen und dem Leser näher zu bringen. Die Bedrohung durch die deutschen Soldaten, welche anfangs nur durch die Straßen patrouillieren, später Widerstandskämpfer und Juden festnehmen, ist spürbar, die angespannte Stimmung im Lebensborn-Heim greifbar, wer sich nicht anpasst, hat schon verloren. Historische Fakten hat die Autorin bestens recherchiert und großartig in einen bewegenden Roman verpackt. Auch wenn man das Thema Lebensborn schon kennt, ist es doch immer wieder unfassbar, wie die Lehre der nationalsozialistische Rassenhygiene hier dazu gedient hat, die Geburtenrate an „guten arischen“ Kindern zu steigern.

Kurzweilig vom Anfang bis zum Ende schreibt Helen Parusel diesen Roman ebenso spannend wie einen Krimi, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, um so schnell wie möglich zu erfahren, wie es Laila wohl ergehen wird als unverheiratete norwegische Frau, die das Kind eines Deutschen unter dem Herzen trägt. Eine berührende und fesselnde Geschichte, die ich gerne all jenen empfehle, die sich für Frauenschicksale im Krieg interessieren, lesenswert ist dieses Buch auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Stahlskelett

Hier oben sind wir unendlich
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1930: Ein gigantisches Stahlskelett erhebt sich über den Dächern New Yorks, das Empire State Building wächst mit hoher Geschwindigkeit Stockwerk für Stockwerk dem Himmel entgegen. Furchtlose Männer, oder ...

1930: Ein gigantisches Stahlskelett erhebt sich über den Dächern New Yorks, das Empire State Building wächst mit hoher Geschwindigkeit Stockwerk für Stockwerk dem Himmel entgegen. Furchtlose Männer, oder solche, die schlicht und einfach ihre Familie ernähren müssen, betreten tagtäglich schmale Stahlträger und vollbringen ihr erstaunliches Werk in schwindelerregender Höhe. Darunter Patrick O’Connell, der sich eines Tages so verletzt, dass er unmöglich am nächsten Morgen weiterarbeiten kann. Miete und Medikamente für die jüngere Schwester sind aber dennoch zu bezahlen, der Vater ist bereits beim Arbeiten an den Docks umgekommen, er also verantwortlich für die Mutter und die Geschwister. Ein irrwitziger Plan nimmt Gestalt an: Patricks Zwillingsschwester Grace, die bislang als Tänzerin aufgetreten ist, soll an seiner Stelle sechs Wochen lang als Stahlarbeiter das vierköpfige Team ergänzen. „Du könntest es machen.“ „Ich könnte deinen Platz einnehmen.“ [Patrick und Grace O’Connell, kindle, Pos. 882]

Auf überaus detaillierte und lebendige Weise erzählt Gemma Tizzard aus den 1930er-Jahren in New York, beschreibt die aus der Wirtschaftskrise resultierende Armut und Not der Bevölkerung. Auf engstem Raum wohnen kinderreiche Familien, für wenig Geld nimmt man jede auch noch so anstrengende Arbeit an, man lebt von einem Tag auf den anderen, hofft darauf, auch im nächsten Monat noch die hungrigen Mäuler stopfen zu können und das Geld für die schäbigen Zimmer aufzubringen. Grace und Patrick aus einer irischen Einwandererfamilie stehen neben den Italienern Francesco und Guiseppe Gagliardi im Mittelpunkt und lehren die Leser das Fürchten, denn es geht mit dem Aufzug hinauf in den 21. Stock, hinaus auf nackte Stahlträger, ein einziger falscher Schritt kann den Tod bedeuten. Auch mit festem Boden unter den Beinen fühlt man Schwindel in sich aufsteigen beim Lesen, hält den Atem an ob der komplizierten Arbeiten mit glühend heißen Nieten, jedem Wind und Wetter ausgesetzt. Einer muss sich auf den anderen verlassen können, diese Regel gilt ausnahmslos, nun ist es eine als Mann verkleidete Frau, die diese verantwortungsvolle Rolle ohne mit der Wimper zu zucken übernimmt, denn verlassen können muss sich auch die Familie, welche keinen anderen Ausweg sieht. Tanzschuhe im Austausch gegen Stahlkappen, Zirkuserfahrung gegen Höhenangst, das ist es, was Grace bieten kann und auf bewundernswerte Weise am Stahlskelett des Empire State Buildings unter Beweis stellt.

Großartig recherchiert, verknüpft Gemma Tizzard die Geschichte des damals höchsten Stahlkonstruktes der Welt mit einer einfühlsamen Erzählung über den Kampf ums nackte Überleben, über Mut, Freundschaft, Vertrauen und die Liebe. Ein phantastisches Buch, welches mir mitunter Gänsehaut beschert hat und das ich uneingeschränkt weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Mörderische Schatten

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Endlich fährt der Umzugswagen Richtung Spessart in die Neubausiedlung Auf Mons, Ines und Marco Winkler richten sich mit Töchterchen Emilia und Labradoodle James im neuen Heim ein und auch die Nachbarn ...

Endlich fährt der Umzugswagen Richtung Spessart in die Neubausiedlung Auf Mons, Ines und Marco Winkler richten sich mit Töchterchen Emilia und Labradoodle James im neuen Heim ein und auch die Nachbarn scheinen fast alle sehr freundlich zu sein. Das Glücksgefühl ändert sich jedoch rasch, als Ines in der Nacht einen Schatten im Zimmer sieht und ein Licht im noch unbewohnten Nachbarhaus wahrgenommen haben will. Leidet sie unter Alpträumen oder überbordender Phantasie? Wohl nicht, obwohl die Polizei Entwarnung gegeben hat, denn tags darauf entdeckt Marco eine tote Frau im Haus nebenan.

Eine unheimliche Stimmung liegt von Anfang an über dem Neubaugebiet, wo die Bewohner einen lockeren Umgang untereinander pflegen, insbesondere das Ehepaar Mannstein freundet sich überraschend schnell mit der Familie Winkler an. Der Mord ändert die Lage schlagartig, die Bewohner fühlen sich unsicher und richten eine eigene Bürgerwehr ein, da der Polizei einfach die nötigen Kapazitäten fehlen. Dennoch geht die Mordserie weiter, niemand kann sich erklären, wie das möglich ist. Mitten im Buch bin ich völlig verblüfft, Arno Strobel erwischt mich kalt mit den Szenen, die sich während der Nachtwache einiger entschlossener Bürger im Siedlungsgebiet abspielen. Ist die Handlung bisher schon packend, wird es nun noch ein wenig aufregender, die Nerven liegen blank, denn es geht jetzt wohl auch um die Zeit. Raffiniert führen Strobel und der Mörder alle an der Nase herum, am Ende gibt es eine so knappe wie logische Auflösung.

Nervenkitzel, wie man es von Arno Strobel gewohnt ist, Seiten, die nur so dahinfliegen und die Angst um die Familie als Ausgangsbasis für mitreißende Lesestunden. Ich sperre gleich alle Türen ab und lausche nach den geringsten Geräuschen!

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