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Veröffentlicht am 15.09.2025

Nicht ihr bester Fall

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. ...

Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Doch dann steht eines Tages Verity Beresford vor Judiths Tür und bittet sie, bei der Suche nach ihrem Ehemann Oliver zu helfen, der am Vorabend bei einer Schifffahrt mit einigen Gästen spurlos verschwunden ist. Kurz darauf wird dessen Leiche entdeckt und Judith muss einfach ermitteln – immerhin stecken sie und ihre Freundinnen schon mitten in all dem Chaos.

„Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ist bereits der vierte Band der Reihe um die drei ermittelnden Freundinnen. Autor Robert Thorogood ist vor allem bekannt für „Death in Paradise“, eine Buch- und inzwischen auch Fernsehserie, die in der Karibik spielt. Die deutsche Übersetzung verfasste Katharina Herzberger. Die Handlung folgt hauptsächlich Judith als Protagonistin, springt aber auch hin und wieder zu anderen Figuren, wenn etwas geschildert werden soll, bei dem sie nicht anwesend war.

Auch dieser Band lebt wieder von dem starken Band der drei Freundinnen und ihrer Begabung dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Weil der Tote ein Mitglied der lokalen Theatergruppe war, ergattert Judith dort eine kleine Rolle, um zu spionieren. Suzie sieht sich bei der Ermittlung auf einmal ihrem Exfreund gegenüber und Becks misstraut dem neuen Partner ihrer Tochter. Doch gemeinsam können die drei alles überwinden!

Der eigentliche Mordfall ist ein klassisches Rätsel, bei dem der Mord in einem abgeschlossenen Raum – hier auf einem Schiff – stattfindet. Im Laufe der Handlung decken Judith, Suzie und Becks dabei die Vergangenheit des Opfers und der Fahrgäste an Bord auf und irgendwie hat am Ende jeder ein Motiv. Die Auflösung empfand ich dann doch als etwas konstruiert und unrealistisch, was leider gar nicht zum Selbst-Mitraten einlädt. Auf den letzten Seiten erwartet Judith dann noch ein großer Cliffhanger, der wohl frühestens in Band 5 aufgelöst wird. Ein solider Fall, aber nicht der Beste der drei Freundinnen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Eine magische Confiserie

Der Laden in der Mondlichtgasse
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In der Mondlichtgasse, am Rande der Stadt der Geister, zwischen Diesseits und Jenseits, erscheint immer zwischen Vollmond und Neumond die magische Confiserie Kohaku. Sie taucht genau dann auf, wenn sie ...

In der Mondlichtgasse, am Rande der Stadt der Geister, zwischen Diesseits und Jenseits, erscheint immer zwischen Vollmond und Neumond die magische Confiserie Kohaku. Sie taucht genau dann auf, wenn sie von einem Menschen, dessen Daseins ins Wanken geraten ist, gebraucht wird. Hinter dem Tresen wartet der Inhaber Kogetsu, halb Mensch, halb Fuchsdämon, auf seine Kunden und die Chance, von ihnen etwas über menschliche Emotionen zu lernen.

„Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist das preisgekrönte Debüt der Autorin Hiyoko Kurisu, das in Japan bereits eine Fortsetzung erhalten hat. Die deutsche Übersetzung verfasste Charlotte Scheurer. Die Handlung umfasst die Geschichten von insgesamt 5 Kundinnen und Kunden, welche jeweils von ihnen selbst in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt werden. Die sechste und letzte Episode handelt schließlich von Kogetsu.

Jedes Konfekt, das in der Confiserie Kohaku verkauft wird, hat eine bestimmte Wirkung. So sucht sich beispielsweise die Schülerin Kana, die an ihrer Beziehung zweifelt, ein Konpeito aus. Wenn man es verzehrt, geschieht jeden Tag eine kleine gute Sache. Die junge Mutter Chika wählt hingegen einen Liebesapfel, der ihr erlaubt zu sehen, wie stark sie von den Menschen um sie herum geliebt wird. In jeder der Geschichten hat das ausgesuchte Konfekt eine Auswirkung auf das Leben der Kund*innen. Kana kann die Beziehung zu ihrem Freund vertiefen, während Chikas Mann erkennt, das er für die Liebe seiner Frau auch etwas tun muss. Über allem thront stets Kogetsu, der aus einem Versteck beobachtet, wie die Süßigkeit das Leben der Menschen verändert.

Besonders berührt hat mich Kogetsus eigene Geschichte über seine Freundschaft mit Akifumi Kohaku, der ihm das Confiserie-Handwerk beigebracht hat und nach dem das Ladengeschäft benannt ist. Von ihm lernte Kogetsu viel über Menschen, ihre Eigenheiten und Gefühle und für ihn brachte er das größte Opfer, das man sich in einer Freundschaft vorstellen kann. Die Grundhandlung hat mich inhaltlich sehr stark an die seit über 10 Jahren erscheinende Manga-Reihe „Die Schokohexe“ erinnert – möglicherweise war sie die Inspiration?

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Über koreanisches Gebäck und Trauer

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie ...

Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie das „Hwawoldang“ weiterführen und sie darf nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht öffnen. Noch dazu warten Schulden von 100 Millionen Won auf sie. Wie soll Yeonhwa die jemals abbezahlen? Was hat es mit den nächtlichen Öffnungszeiten auf sich? Und was hat es mit Sawol auf sich, der schon ihre Großmutter unterstützt hat und sich Yeonhwa gegenüber manchmal so seltsam verhält?

„Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ stammt aus der Feder einer – laut Verlagsmarketing – preisgekrönten Bestsellerautorin, die Lee Onhwa als ihr neues Pseudonym ausgewählt hat; die deutsche Übersetzung verfasste Alexandra Dickmann. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Yeonhwa in der Ich- und Vergangenheitsform, wobei aber auch die Lebensgeschichten der unterschiedlichsten Kunden und Kundinnen der Konditorei in die Handlung einfließen.

Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass es bei „Hwawoldang“ nicht um ein normales Ladengeschäft handelt, sondern einen Ort, an dem Verstorbene in ihr nächsten Leben hinübergehen. Demzufolge ist der Roman keine reine Wohlfühlgeschichte, sondern thematisiert auch Tod und Trauer. Gut hat mir dabei gefallen, dass wir ganz unterschiedliche Besucher*innen und ihre Angehörigen kennenlernen. So geht es beispielsweise um eine Mutter und ihre Tochter, um einen Mann und seine große Liebe, um Freundinnen oder Stiefgeschwister.

Diese sehr menschlichen Geschichten über die Schwere des Abschiednehmens haben mir gut gefallen, die Handlung um Yeonhwa selbst, ihre Großmutter und den mysteriösen Sawol, der im Laden aushilft, habe ich als deutlich schwächer empfunden. Die Autorin arbeitet im Prinzip das ganze Buch hindurch auf mehrere Szenen hin, die dann viel zu kurz ausfallen, zu konstruiert oder zu unspektakulär wirken. Somit bleibt die eigentliche Kernhandlung hinter den Schicksalen der Verstorbenen deutlich zurück – schade!

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Spannende Auflösung, zwischendurch Schwächen

We Were Liars. Solange wir lügen. Lügner-Reihe 1 (Best of BookTok & Roman zur Amazon-Prime-Serie)
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Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter ...

Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter Penny, Carrie und Bess sowie deren Kinder, also Cadence und ihre Cousinen und Cousins. Eine besonders enge Freundschaft verbindet sie dabei mit ihrem Cousin Johnny, ihrer Cousine Mirren und natürlich mit Gat, der – streng gesehen – nicht zur Familie gehört. Zusammen geben die vier ein starkes Team ab und nennen sich selbst „die Lügner“. Doch in ihrem 15. Sommer auf der Insel hat Cadence einen Unfall und kann sich danach an nichts erinnern. Ganze zwei Jahre nimmt keiner der „Lügner“ Kontakt zu ihr auf, doch nun ist Cadence wieder auf dem Weg nach Beechwood und sie wird herausfinden, was in diesem einen Sommer geschehen ist und was alle vor ihr verbergen wollen.

„We were Liars“ von E. Lockhart erschien bereits im Jahr 2015, die deutsche Übersetzung stammt von Alexandra Rak. Ich wurde erst durch die zugehörige Serie auf das Buch aufmerksam. Die Handlung wird von Cadence selbst in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir gemeinsam mit ihr herausfinden, was hinter ihrem Unfall steckt. Die Erzählweise ist dabei manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, da die Autorin Emotionen sehr bildreich beschreibt. Als Cadence Vater die Familie verlässt, beschreibt diese, dass er sich noch einmal zu ihr umdreht und ihr mitten in die Brust schießt – was eigentlich nur ihre Traurigkeit ausdrücken soll. Hier muss man manchmal zwei mal lesen, um die nicht ganz geglückten Beschreibungen einzuordnen.

Die Geschichte lebt definitiv vom Zusammenhalt der vier „Lügner“ untereinander. Gemeinsam lehnen sie sich gegen den Großvater auf, der ein strenges Regiment führt und seine drei Töchter pausenlos gegeneinander ausspielt. Besonders Gat mit seinen indischen Wurzeln hat es bei ihm schwer. Hier gelingt es, meiner Meinung nach, der TV-Serie noch etwas besser, die komplexen, festgefahrenen Familienverhältnisse darzustellen. Die Auflösung am Ende, was mit Cadence passiert ist, ist eine der besten, die ich bisher gelesen habe und gleicht aus, wo der Roman zwischenmenschlich und sprachlich seine Schwächen hat.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Holly Jacksons bisher schwächstes Buch

Not Quite Dead Yet
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Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch ...

Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch die Ärzte haben schlechte Nachrichten für: in ihrem Kopf steckt ein Knochensplitter, der in wenigen Tagen ein tödliches Aneurysma verursachen wird. Einzige Alternative ist eine OP, die weniger als zehn Prozent Erfolgschance hat. Jet entschließt sich gegen die OP und dafür, das Krankenhaus zu verlassen. Doch eines will sie in den verbliebenen Tagen unbedingt schaffen: ihren Mörder zu finden.

„Not Quite Dead Yet“ ist der sechste Roman der erfolgreichen Autorin Holly Jackson, die durch „A Good Girl’s Guide to Murder“ bekannt wurde, und ihr erster, der sich gezielt an Erwachsene wendet. Dennoch ist die 27-jährige Jet mit all ihren Fehlern und Schwächen sicherlich auch für Jugendliche eine Identifikationsfigur. Sie selbst ist es auch, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, so dass wir immer nur so viel wissen, wie Jet bis zu diesem Zeitpunkt herausgefunden hat, was zum Miträtseln einlädt.

Jets Familiensituation ist kompliziert. Ihre ältere Schwester Emily starb als Teenager und das Verhältnis zu ihrem Bruder Luke und dessen Frau Sophia (ehemals Jets beste Freundin) ist schwierig. Jets Mutter ist stets schroff und bestimmend, während der Vater darunter leidet, Jet seine Nierenkrankheit vererbt zu haben. Das alles führt auch dazu, dass Jet sich in ihren letzten Tagen von der Familie abwendet und Billy, ihren Freund aus Kindheitstagen, um Hilfe bei ihren Ermittlungen bittet.

Dass eine junge Frau mit einer solchen Kopfverletzung draußen herumspaziert und Detektivin spielt, ist zwar unrealistisch, das konnte ich als Prämisse der Handlung aber noch nachvollziehen, da ansonsten das Szenario, im Fall des eigenen Mordes zu ermitteln, nicht möglich gewesen wäre. Leider wirkt die letztendliche Auflösung dann sehr konstruiert und lässt viele Fragen völlig unbeantwortet. Auch fiel es mir schwer, zu Jet mit ihrem schwarzen Humor eine Beziehung aufzubauen. Für mich Holly Jacksons bisher schwächstes Buch.

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