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Veröffentlicht am 03.09.2025

Berührende Familiengeschichte voller Tiefe

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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“Du musst meine Hand fester halten” von Susanne Abel ist für mich bisher das beste Buch des Jahres.

Die Autorin erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und psychologischem Tiefgang von Hardy, der als Kind ...

“Du musst meine Hand fester halten” von Susanne Abel ist für mich bisher das beste Buch des Jahres.

Die Autorin erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und psychologischem Tiefgang von Hardy, der als Kind im Krieg seine Familie verliert und in Heimen aufwächst. Schon früh muss er lernen, sich anzupassen, zu überleben und mit Verlust und Gewalt umzugehen – Erfahrungen, die ihn sein ganzes Leben begleiten. Hardy wächst einem sofort ans Herz: sein Leid, seine stillen Momente der Geborgenheit und sein stiller Überlebenswille lassen einen mitfiebern und mitleiden.

Seine Beziehung zu Margret, ebenfalls ein Kriegswaisenkind, ist besonders berührend. Sie wird ihm zur großen Schwester und zum Schutz, während er für sie Halt und Nähe bedeutet. Beide brauchen einander – als Stütze, um die Härte ihrer Kindheit überhaupt ertragen zu können.

Die Autorin verwebt auf meisterhafte Weise zwei Zeitebenen: die Vergangenheit von Hardy und Margret, sowie die Gegenwart ihrer Familie, in der die Traumata der Vergangenheit noch immer spürbar sind und sich auf die drei nachfolgenden Generationen auswirken.

Besonders eindringlich schildert die Autorin, wie entwurzelte Kinder nach dem Krieg ohne Eltern und ohne Halt durchs Leben gehen mussten – und welche seelischen Narben diese Erfahrung hinterlassen hat.

Susanne Abels Sprache ist einfühlsam und nie übertrieben rührselig – sie zieht den Leser emotional in die Geschichte hinein. Für mich war es ein zutiefst berührendes Leseerlebnis und ich musste öfter Tränen verdrücken, was mir so eigentlich nur bei Filmen passiert.Taschentücher sollte man also bereithalten.

Der Roman behandelt universelle Themen wie Trauma, Verantwortung, Verbundenheit und Heilung über Generationen hinweg. Er zeigt, wie tiefgehend die Folgen von Krieg und Verlust sein können und wie wichtig Mitgefühl, Verständnis und Kommunikation innerhalb einer Familie sind - und was Schweigen anrichten kann.

Die Geschichte geht zu Herzen, öffnet den Blick für die Belastungen vergangener Generationen und zeigt die Kraft der Verbundenheit und des Verständnisses.

Ein Buch, das lange nachwirkt.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Ein Kaleidoskop des Lebens: Mut, Alltag und Zeitgeschichte

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Henning Sußebach rekonstruiert mit viel Empathie und Hingabe das Leben seiner Urgroßmutter. Er nutzt Fotos, Poesiealben, Postkarten und andere Erinnerungsstücke, um ein lebendiges Bild von Anna zu zeichnen ...

Henning Sußebach rekonstruiert mit viel Empathie und Hingabe das Leben seiner Urgroßmutter. Er nutzt Fotos, Poesiealben, Postkarten und andere Erinnerungsstücke, um ein lebendiges Bild von Anna zu zeichnen - auch wenn ich es schade finde, dass nicht mehr der beschriebenen Fotos abgebildet wurden. Dabei gelingt es ihm, Annas Leben als Geschichte von Mut, Selbstbestimmung und Widerstand gegen gesellschaftliche Normen zu zeigen.

Das Buch ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein Spiegelbild der Herausforderungen und Möglichkeiten von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Besonders schön und heilsam finde ich, wie der Autor eine klare Lanze für die Frauen bricht und ihre Leistungen, Herausforderungen und Lebenswege würdigt.

Mit dem Buch zeichnet er ein Kaleidoskop des Lebens: immer wieder wechselt er zwischen dem kleinen, alltäglichen Leben seiner Urgroßmutter und dem großen historischen Kontext, der ihre Zeit prägte. Beeindruckend ist auch, dass man nicht nur viel über Schule und Bildung erfährt, sondern weitere interessante Details aus dieser Zeit – wirklich gründlich recherchiert.

Als jemand, der selbst Ahnenforschung betreibt, kenne ich das Dilemma: Man hat ein paar Fakten, kennt aber die Menschen nicht. Sußebachs Annäherungsversuche an Annas Leben konnte ich daher sehr gut nachvollziehen. Es bleibt ein Annäherungsversuch, denn wie sie wirklich gedacht und gefühlt hat, können wir heute nicht wissen. So nimmt uns das Buch mit auf den Weg des Autors, der seine Urgroßmutter davor bewahrt, ins Dunkel der Ahnen zu verschwinden.

Das Buch hat mir geholfen, ein noch besseres Gespür für diese Zeit zu bekommen, und es inspiriert mich, mich vertiefter mit den Zeitgenossinnen Annas in meiner eigenen Familie zu befassen. Als Leser stellt man sich selbst Fragen: Was ist von meinen Vorfahren geblieben? Was wird von mir bleiben? Es regt zum Nachdenken an und lädt dazu ein, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu verbinden.

Ein informatives, gründlich recherchiertes und fesselndes Werk, das historisch wie biografisch überzeugt.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Ein Roman, der ins Herz trifft und bleibt

Als Großmutter im Regen tanzte
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„Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Teige ist ein unglaublich bewegender Roman, der tief unter die Haut geht. Die Geschichte handelt von drei Generationen von Frauen, deren Leben von Krieg, Geheimnissen ...

„Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Teige ist ein unglaublich bewegender Roman, der tief unter die Haut geht. Die Geschichte handelt von drei Generationen von Frauen, deren Leben von Krieg, Geheimnissen und Schweigen geprägt ist, und zeigt gleichzeitig, wie Lebensfreude und innere Stärke selbst in den dunkelsten Zeiten bestehen können.

Trude Teige schafft es meisterhaft, die kleinen und großen Momente des Lebens so zu erzählen, dass man das Herz der Figuren spürt. Besonders beeindruckend ist Tekla, die Großmutter, die trotz der Härten des Lebens ihre Freude bewahrt und im Regen tanzt – ein starkes Symbol für Resilienz, Lebenskraft und die unzerstörbare Würde des Menschen.

Ich bin der Autorin sehr dankbar, dass sie mit diesem Buch auf einfühlsame Weise stellvertretend all den Frauen eine Stimme gibt, die Gewalt oder Missbrauch erleben und darüber schweigen mussten. Es zeigt ihre Verletzlichkeit, aber auch ihre innere Kraft und ihr Durchhaltevermögen.

Für mich ist das Buch nicht nur eine literarische Erzählung, sondern auch ein Werk von großer gesellschaftlicher und seelischer Bedeutung. Es macht deutlich, wie Kriegstraumata und Familiengeheimnisse über Generationen wirken – und lädt ein, hinzusehen, Mitgefühl zu entwickeln und Heilung zuzulassen.

Ein Buch, das bleibt, bewegt und verändert. Für alle, die tiefgründige, sensible Familiengeschichten schätzen, eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Geschichte, Geheimnisse und Holunder – ein Leseerlebnis

Die Holunderschwestern
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„Die Holunderschwestern“ war für mich ein richtig spannendes und fesselndes Leseerlebnis – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte erzählt vom Schicksal zweier sehr unterschiedlichen ...

„Die Holunderschwestern“ war für mich ein richtig spannendes und fesselndes Leseerlebnis – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte erzählt vom Schicksal zweier sehr unterschiedlichen Schwestern im München von 1918 bis 1936, einer schwierigen und bewegten Zeit voller politischer Umbrüche. Parallel dazu begleitet man Katharina, die heute als Restauratorin arbeitet und nicht nur alte Möbel, sondern auch ihre eigene Familiengeschichte restauriert, indem sie nach und nach alte Familiengeheimnisse aufdeckt.

Besonders berührend für mich war die Einbindung des Holunders – ich bin mit einem Holunderbusch im Garten aufgewachsen, mit Holunderküchlein und Holundersaft. Die Heilwirkung und traditionelle Bedeutung des Holunders werden anschaulich vermittelt, dazu gibt es bayrische Rezepte, die dem Buch eine persönliche, authentische Note geben.

Wer historische Familiengeschichten mit Geheimnissen in einem schwierigen historischen Kontext und einem Hauch Natur liebt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Packende Spannung mit Tiefgang

Der Gott des Waldes
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Ich habe „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore regelrecht verschlungen – ein Roman, der mich gleichermaßen gepackt und nachdenklich zurückgelassen hat.

• Spannendes Setting: Die Geschichte beginnt im Sommer ...

Ich habe „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore regelrecht verschlungen – ein Roman, der mich gleichermaßen gepackt und nachdenklich zurückgelassen hat.

• Spannendes Setting: Die Geschichte beginnt im Sommer 1975, als die 13-jährige Barbara Van Laar unter mysteriösen Umständen aus einem Sommercamp verschwindet. Vierzehn Jahre zuvor verschwand ihr Bruder Bear auf ähnliche Weise – die Verbindung wirkt beunruhigend plausibel und treibt die Spannung voran.

• Gesellschaft im Blick: Moore verwebt geschickt Elemente eines Thrillers mit einem tiefgreifenden Gesellschaftsroman. Themen wie soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch und weibliche Selbstbestimmung stehen neben dem Fall und wirken so lange nach.

• Vielschichtige Perspektiven: Die Story wird aus mehreren Point-of-Views geschildert – etwa die junge Ermittlerin Judy, Camp-Betreuerin Louise oder Barbaras Mutter Alice. Durch diese Perspektivenwechsel entsteht ein lebendiges, vielschichtiges Bild der Handlung und der Umgebung.

• Stil und Wirkung: Die Sprache ist klar, der Erzählaufbau fesselnd – laut Pressestimmen ist der Roman ein „Pageturner“, der messerscharf in gesellschaftliche und persönliche Abgründe führt.

• Erfolge: Der Gott des Waldes zählt zu Barack Obamas Summer Reading List 2024, gewann den Jimmy Fallon Summer Book Club und landete monatelang in den deutschen Bestsellerlisten.

Fazit:

Liz Moore liefert einen Thriller, der weit mehr ist als Spannung: ein gefühlvoll erzähltes Gesellschaftsporträt mit leisen Mystery-Elementen, die sich wie feine Fäden durch die Geschichte ziehen. Wer starke Charaktere, atmosphärische Settings und psychologische Tiefe schätzt, wird diesen Roman lieben.

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