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Veröffentlicht am 19.09.2025

Holly ist zurück!

Kein Zurück
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Bei der Polizei geht ein anonymes Schreiben ein, ein Unbekannter kündigt an, Menschen umbringen zu wollen. Er schreibt unter anderem: »Ich werde 13 Unschuldige und 1 Schuldigen töten. Damit werden alle ...

Bei der Polizei geht ein anonymes Schreiben ein, ein Unbekannter kündigt an, Menschen umbringen zu wollen. Er schreibt unter anderem: »Ich werde 13 Unschuldige und 1 Schuldigen töten. Damit werden alle leiden, die für den Tod des Unschuldigen verantwortlich waren. Dies ist ein Akt der SÜHNE.« Das erste Opfer ist eine unbeteiligte Frau, die in der Hand einen Zettel hält mit dem Namen einer Geschworenen, die mit anderen Geschworenen dazu beigetragen hat, dass ein Unschuldiger verurteilt wurde, der nun im Gefängnis erstochen worden ist. Die zuständige Ermittlerin zieht Holly Gibney hinzu, die allerdings gerade damit beschäftigt ist, eine berühmte Feministin zu schützen, die auf Tournee ist.

Holly Gibney ist ein Charakter, der mir anfangs mehr als unsympathisch war, mittlerweile aber zu meinen absoluten Favoriten im King-Universum zählt. Die kleine unscheinbare, grauhaarige zarte Person, die sich am liebsten im Hintergrund hält, was im Privatdetektiv-Gewerbe sicherlich von Vorteil ist, hat in den letzten Büchern mein Herz erobert, sodass ich das vorliegende Werk ungeduldig erwartet habe und nicht enttäuscht worden bin.

Wie bereits im letzten Teil, wurde auch hier der Täter bereits früh verraten, was allerdings eher mehr zum Nervenkitzel beigetragen hat, als andersherum. Weitere lieb gewonnene Figuren aus vorherigen Büchern sowie neue, faszinierende Persönlichkeiten kamen hinzu, vervollständigt durch eine weitere verbrecherische Person, die mitgemischt und erheblich zur Unterhaltung beigetragen hat. Der feine Humor fehlte auch hier nicht und zusammen mit den mal mehr und mal weniger überraschenden Wendungen ergab sich eine Geschichte, die mich einfach nur begeistert zurückließ und bereits jetzt ungeduldig auf weitere Abenteuer von Holly und ihren Gefährten warten lässt. Für mich persönlich war keine Seite zu viel, der Meister hat abgeliefert und mich restlos glücklich gemacht.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Phänomenal gut!

Gym
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Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen ...

Die sechsunddreißigjährige Protagonistin braucht einen Job. Aus Gründen. Eher zufällig als zielgerichtet stellt sie sich im MEGA GYM vor, erklärt ihre heruntergekommene Erscheinung mit einer spontan erfundenen Entbindung und bekommt die Stelle, der Inhaber Ferhat ist Feminist und gibt ihr eine Chance. Die Arbeit am Tresen, das Training im Studio und das nicht vorhandene Kind wachsen ihr bald über den Kopf. Als die Bodybuilderin Vick ins Spiel kommt, verschwimmen die Grenzen und ans Licht kommt eine ungesunde Obsession.

»Es war ungewohnt, wieder den ganzen Tag unter Menschen zu sein, ich hatte vergessen, wie sehr man sich dafür zusammenreißen musste. Ständig verspürte ich den Drang, mich an Stellen zu kratzen, an denen man sich in der Öffentlichkeit nicht berührte, und musste aufpassen, mir beim Gähnen die Hand vor den Mund zu halten.« (Seite 14)

Dieses Drama in drei Akten lässt mich restlos begeistert zurück. Die namenlose Ich-Erzählerin war fürchterlich unzuverlässig, das merkte ich schnell. Schon früh gab es Andeutungen, dass etwas geschehen war, was sie aus der Bahn geworfen hatte, aber erst allmählich kam ich dahinter, was genau dies war. Schleichend und unaufhaltsam schlitterten wir gemeinsam auf einen ungewissen Höhepunkt zu, der Weg dahin abstoßend und faszinierend, ihr Verhalten völlig losgelöst, der Abgrund ganz nah. Der feine Humor, mehr verzweifelt als lustig, ergänzte das Bild, es kam wie es kommen musste. Aber lest selbst. Große Empfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Art Mayer ist zurück

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen ...

Der BKA-Ermittler Art Mayer macht sich erneut auf die Suche nach seiner Nachbarin Dana Karasch, die vor eineinhalb Jahren verschwand. Ihre mittlerweile achtjährige Tochter Milla hat Art um den kleinen Finger gewickelt, wegen der Demenz der Großmutter, mit der sie lebt, spitzt sich die Situation zu. Art fordert einen Gefallen ein und kurze Zeit später bekommt er einen anonymen Hinweis, dem er mit seiner Kollegin Nele Tschaikowski folgt. In einer verlassenen Wohnwagensiedlung finden sie einen Toten, bei dem es sich um einen bekannten Berliner Richter handelt. Bald beginnen die Rangeleien darum, wer die Ermittlungen führen soll, nach dem BKA schaltet sich das LKA sowie die Terrorabwehr ein. Anscheinend hat Art mit seinen Nachforschungen ins Wespennest gestochen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Reihe mit Art Mayer und seiner mittlerweile nicht mehr als Anfängerin geltenden Kollegin Nele Tschaikowski. Man muss die ersten beiden Bücher nicht unbedingt gelesen haben, um folgen zu können, zum besseren Verständnis und weil es großartige Thriller sind, würde ich allerdings dazu raten. Die Beziehungen der Personen zueinander und auch deren Lebensumstände erschließen sich zudem erst, wenn das Gesamtbild vollständig ist.

Nun also Art Mayer zum Dritten und wieder einmal konnte mich Marc Raabe so sehr ans Buch fesseln, dass ich alles andere um mich vergaß. Diese unglaublich komplexe Geschichte zog mich sofort in ihren Bann, der Einfallsreichtum des Autors kannte keine Grenzen. Zwischen der laufenden Ermittlung gab es Rückblenden aus der Sicht der Verschwundenen, die so detailliert waren, dass es mich verrückt machte, weil ich es nicht erwarten konnte, endlich zu erfahren, was seinerzeit vor sich ging. So einfach hat es Marc Raabe mir aber nicht gemacht, denn das letzte Stück des Weges blieb mir nichts anderes übrig, als mit Art und Nele zu ermitteln, um die Lösung zu finden. Mein Verdacht bestätigte sich natürlich nicht - man stelle sich vor, wie ich mit den Augen rollte, weil ich auf eine falsche Fährte reingefallen bin. Das Ende war genial, die Wendung gleichermaßen überraschend wie perfide, ein Showdown, der mich begeistert hat. Insgesamt ein grandioser Thriller, der mich bereits jetzt auf die Fortsetzung nächstes Frühjahr hinfiebern lässt. Lesen!

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Großartiges Debüt

Amphibium
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»Meine Aufgabe ist auch, Mou vor dem zu beschützen, was andere Leute von ihr denken. Ich weiß, dass Mou mich eigentlich nicht vergessen sollte.« (Seite 42)

Die elfjährige Sissy ist mit ihrer psychisch ...

»Meine Aufgabe ist auch, Mou vor dem zu beschützen, was andere Leute von ihr denken. Ich weiß, dass Mou mich eigentlich nicht vergessen sollte.« (Seite 42)

Die elfjährige Sissy ist mit ihrer psychisch labilen alleinerziehenden Mutter kürzlich nach Südwestengland gezogen, ein Neuanfang musste her. Nun ist sie die Neue an der Schule, den Anschluss zu finden fällt ihr schwer. Als sie sich mit der ein Jahr älteren Tegan anfreundet, werden beide ziemlich schnell beste Freundinnen, erkunden zusammen ihren Körper, flüchten sich in eine Scheinwelt, in der alles möglich ist. Als in ihrer Umgebung Mädchen verschwinden, malen sie sich aus, welche Fotos von ihnen auf den Suchplakaten hängen könnten. Welche Konsequenzen dies zur Folge hätte, ist beiden nicht klar, sie unterschätzen die Gefahr.

»Ich weiß, dass es Kinder gibt, deren Eltern sich nicht um sie kümmern können, sodass sie ihnen weggenommen werden und bei anderen Leuten aufwachsen, die nicht ihre richtigen Eltern sind. Das weiß ich, solange ich denken kann. Das ist unsere größte Angst.« (Seite 113)

Auf dem Weg zur Frau, kein Kind mehr, aber ein Mädchen, bald erwachsen, aber noch nicht jetzt. Auf der Suche nach Identität, nach Geborgenheit und Liebe, den eigenen Körper entdeckend, noch nicht wissend, was erlaubt ist, was richtig und was falsch. Mit einer Mutter, die sich selbst wie ein Kind benimmt, nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, geschweige denn für ein Kind. Einerseits so unreif, andererseits so stark, sich kümmernd, eine Mauer hochziehend, wenn dies notwendig ist. Dies alles und noch viel mehr ist die Ich-Erzählerin und dies ist so authentisch, dass es wehtut. Dieses Debüt hat mich eingesogen, mich durchgeschüttelt und ergriffen, es war lebendig, erschütternd und echt. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, worauf wir zusteuern, aber der gewählte Abschluss war perfekt. Für alle, die nah an der Realität bleiben wollen und sich daran erinnern, wie es war, erwachsen zu werden. Lesen!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Wunder- und hoffnungsvoll

Das schöne Lächeln von Riambel
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In einem Fischerdorf namens Riambel im Süden von Mauritius lebt die fünfzehnjährige Noemi zusammen mit ihrer Mutter in einer Barackensiedlung. Bald ist sie gezwungen, ihrer Mutter zur Hand zu gehen, indem ...

In einem Fischerdorf namens Riambel im Süden von Mauritius lebt die fünfzehnjährige Noemi zusammen mit ihrer Mutter in einer Barackensiedlung. Bald ist sie gezwungen, ihrer Mutter zur Hand zu gehen, indem sie im Haushalt der reichen Familie De Grandbourg mithilft, statt zur Schule zu gehen.

»Wir leben in einer Cité, oder Kan Kreol (so nennen sie hier unsere Elendsviertel). Es ist auch unter dem Namen Africa Town bekannt - ein Slum, wo die Armen und Unerwünschten in hastig errichteten Baracken zusammengepfercht leben. Wie dicht aneinandergereihte Sardinenbüchsen.« (Seite 16)

Alle Menschen sind gleich, manche aber ein bisschen gleicher. Mit Hin- und Verweisen auf die Geschichte Mauritius sowie die mit der Sklavenhaltung verbundene Kolonialzeit folgen wir Noemi, deren Lebensweg förmlich vorgezeichnet zu sein scheint, wie bereits bei ihrer Schwester, Mutter, Großmutter und all den Frauen davor. Die Armut und der Rassismus, schlecht versteckt oder ganz offen nach außen getragen, sind allgegenwärtig und ein Entkommen nicht in Sicht. Da ein Wunsch, dort etwas Hoffnung, ein Funke Glück, und schon schwirren Träume umher, die nach und nach platzen und aufzeigen, dass es Wunder nicht gibt. Ein leises Buch, das umso lauter schreit. Ein großartiges Debüt, das nachhallt. Lesen!

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