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Veröffentlicht am 04.09.2025

Vertrauen

Kleine Monster
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Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert.

Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin ...


Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert.

Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin unsittlich näher gekommen sein. Die Eltern mögen ihr Kind unverzüglich abholen kommen. Was genau passiert ist, will sich nicht aufklären lassen. Luca schweigt. Andere Eltern gehen auf Distanz. Luca‘s Mutter Pia wird aus der schulinternen WhatsApp Gruppe entfernt.

Das alles ist sehr unangenehm und da Luca sich nicht äußert, wachsen bei Pia erste Zweifel an seiner Unschuld.

Ihr eigenes unverarbeitetes Familientrauma drängt in den Vordergrund und beeinflusst ihr weiteres Handeln. Ihre eigene Familie ist am Tod ihrer jüngsten Schwester zerbrochen. So wie Luca jetzt schweigt, umgibt auch der tragische Todesfall von Linda in ihrem eigenen Elternhaus ein Schweigen. Die Autorin entwirft ein hochspannendes Psychogramm einer verzweifelten Frau und Mutter. Pia möchte alles besser machen als ihre Eltern, aber macht sie nicht automatisch die gleichen Fehler?

Ihr Mann kann ihr Mißtrauen in Luca nicht nachvollziehen, aber er ist auch in einer glücklichen Familie aufgewachsen.

Abgesehen von einem etwas unbefriedigenden Ende , es bleiben viele Fragen offen, fand ich die Geschichte sehr interessant und habe sie regelrecht verschlungen. Ich konnte mich gut in Pia einfühlen , auch wenn ich einige ihrer Handlungen mißbilligt habe. Negative Muttergefühle werden ja gerne totgeschwiegen, sind aber normal. Mütter sind keine Heiligen und Erziehung ist oftmals anstrengend.

Ein beklemmendes Psychogramm mit Sogwirkung! Ich fand es sehr lesenswert und gut geschrieben.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Erschütternd und schwer auszuhalten

Während die Welt schlief
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2010 ist dieser Debütroman von Susan Abulhawa erschienen und 2023 noch mal neu aufgelegt worden. Das Thema, der Nahostkonflikt leider aktueller denn je!

Endlich bekommen wir in diesem Buch die Geschichte ...

2010 ist dieser Debütroman von Susan Abulhawa erschienen und 2023 noch mal neu aufgelegt worden. Das Thema, der Nahostkonflikt leider aktueller denn je!

Endlich bekommen wir in diesem Buch die Geschichte mal aus palästinensischer Sicht erzählt. Amal‘s Familie wurde mit der Gründung des Staates Israel, wie viele andere Familien auch, aus ihrem Haus im Heimatort vertrieben. Amal selbst wurde im Flüchtlingscamp geboren und konnte später dank guter Noten ein Stipendium für ein Studium in den USA ergattern.

In dem Buch erfahren wir ganz konkret, wie die Menschen unter dem Verlust der Heimat leiden, wie der Hass auf beiden Seiten zu einem endlosen Konflikt und einer furchtbaren Gewaltspirale führen.

Trotzdem erlebt Amal im Lager eine relativ glückliche Kindheit und empfindet die schwierigen Gegebenheiten und die Armut als normal. Die Menschen geben aufeinander acht und gehen sehr liebevoll miteinander um. Über vier Generationen verfolgen wir die Geschichte der Familie, die immer wieder Repressalien der Israelis erleben muss. Viele Familienmitglieder werden einfach erschossen, so wie Amal‘s Großvater der sich heimlich zurück in sein Heimatdorf schleicht, um seine Orangenbäume zu besuchen.

Wenn die israelischen Scharfschützen in das Flüchtlingscamp eindringen und wild auf alles schießen was sich bewegt, weil sie sich für Terroranschläge rächen wollen, ist das kaum aushaltbar und einfach nur erschütternd und traurig.

Eine interessante Wendung bekommt das Buch durch ein entführtes arabisches Baby, dass in Israel aufwächst und als junger Mann auf seinen arabischen Bruder trifft.

Ich möchte für keine der beiden Seiten Partei ergreifen, ich denke das steht mir auch nicht zu, aber meine Motivation dieses Buch zu lesen, war den Konflikt ein bißchen besser zu verstehen. Die Berichterstattung findet ja meistens aus der Perspektive Israels statt.

Ich fand die Geschichte unendlich traurig, aber gut erzählt. Ein bißchen hat mich die sehr blumige, ein wenig schwülstige Sprache gestört, deshalb gibt es einen Stern Abzug. Trotzdem ist das Buch eine große Empfehlung und unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Fein beobachtet

Ja, nein, vielleicht
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Ich mag die lebensklugen Bücher von Doris Knecht. Auch in „Ja, nein, vielleicht“ , bringt die Autorin ihre Gedanken bezüglich Vergänglichkeit und Selbstbestimmung auf den Punkt. Ihre reife Protagonist ...

Ich mag die lebensklugen Bücher von Doris Knecht. Auch in „Ja, nein, vielleicht“ , bringt die Autorin ihre Gedanken bezüglich Vergänglichkeit und Selbstbestimmung auf den Punkt. Ihre reife Protagonist (ü50) hat endlich die eigene Freiheit zurück, nachdem die Kinder ausgezogen sind. Sie ist geschieden und kann selbstbestimmt ihren Alltag gestalten. Macht es da Sinn sich neu zu binden? Diese Frage stellt sie sich kurz, als sie einen alten Jugendfreund zufällig wiedertrifft, bei dem dann aber doch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Ich konnte mich auf jeden Fall gut mit der Icherzählerin identifizieren. Es ist interessant, wie sich die Perspektive auf das Leben im Laufe der Jahre verschiebt. Das Buch von Doris Knecht regt zum Nachdenken an und ist zugleich sehr unterhaltsam. Sie schreibt mit einem feinen Humor und gibt ihrer Hauptperson eine gehörige Portion Selbstironie mit auf den Weg. Das gefällt mir sehr. Der Ausgang der Geschichte ließ mich zufrieden und optimistisch zurück, da die Protagonistin nach einer Ausnahmesituation eine gute Entscheidung für ihr Leben treffen konnte.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Bedrohliches Tierverhalten - Ein spannender Umweltthriller

Die Herde
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„Die Herde“ ist ein Umweltthriller, in dem es um ungewöhnliches Tierverhalten geht, dass für den Menschen zur Bedrohung wird.

Sofort hat man Filme wie „ Die Vögel“ von Alfred Hitchcock im Kopf, oder auch ...

„Die Herde“ ist ein Umweltthriller, in dem es um ungewöhnliches Tierverhalten geht, dass für den Menschen zur Bedrohung wird.

Sofort hat man Filme wie „ Die Vögel“ von Alfred Hitchcock im Kopf, oder auch „Der Schwarm“ von Frank Schätzing.

Und auch diesen Roman von Thilo Winter könnte ich mir sehr gut als Actionfilm vorstellen.

Der schwedische Zoologe Peter Danielsson ist eigentlich mit einer Mission für die Zwerggänse in China unterwegs. Er will unbedingt ein geplantes Staudammprojekt verhindern, um die selten gewordenen Tiere zu schützen.

Doch ein anderes Ereignis rückt in den Vordergrund. Eine Herde Elefanten hat ihr ursprüngliches Habitat verlassen und wandert unkontrolliert vom Südwesten China‘s in den Norden. Das zwangsläufige Eindringen in den Lebensraum des Menschen wird zur Gefahr, so dass der Gouverneur der Region Kunming beschließt die Herde abzuschießen, eine Großwildjagd, die Peter unbedingt verhindern will. An seiner Seite hat er die chinesische Ingenieurin Dayan Sui und deren Mutter Bao, eine Schamanin.

Weitere ungewöhnliche Tierwanderungen rund um den Globus lassen die Wissenschaft aufhorchen.

Peter‘s Vater, der Archäologe Abel, erforscht derweil in México die Ursache für die Aufgabe der heutigen Ruinenstadt Teotihuacán.

Irgendwann werden die Handlungsstränge zusammengeführt und es ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild.

Die kurzen Kapitel und die vielen Sprünge in die verschiedenen Handlungsorte ist gerade zu Beginn etwas anstrengend, da sich dem Leser die Zusammenhänge noch nicht erschließen. Zum Ende wird es aber immer spannender und auch das Nachwort verdient Beachtung. Hier klärt der Autor auf, welche wahren Begebenheiten ihn inspiriert haben und was er phantasievoll ergänzt hat.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, bringen einen Romane, die wissenschaftlich untermauert sind doch immer auch zum Nachdenken. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet. Besonders die Entwicklung der Ingenieurin hat mir gut gefallen. Der Roman liest sich dank des fesselnden Schreibstils des Autors schnell weg. Lediglich die Auflösung für das ungewöhnliche Tierverhalten fand ich ein bisschen unbefriedigend, vorstellbar ja, aber auch etwas unspektakulär.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Schönes Sommerbuch

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Schon das Cover mit dem perfekten Sonnenuntergang zog mich magisch an. Die Geschichte, eine Kombination aus Liebesroman und Kriminalfall erinnert vage an „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens.

Auch ...

Schon das Cover mit dem perfekten Sonnenuntergang zog mich magisch an. Die Geschichte, eine Kombination aus Liebesroman und Kriminalfall erinnert vage an „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens.

Auch hier gibt es wunderbare Naturbeschreibungen. Das Setting in der Kleinstadt Point Orchards am pazifischen Puget Sound, in der Nachbarschaft zu Seattle gelegen, könnte schöner nicht sein.

Es geht um Elijah Leith und seine Jugendliebe Nakita Mills. Elijah kehrt als Gescheiterter in seine Heimatstadt zurück. Das Buch, dass er hat schreiben wollen, das sogar verlegt wurde, ist gefloppt, sein Traum ein Schriftsteller zu werden, geplatzt. In der Zwischenzeit ist sein Vater gestorben und hat ihm seine Waldhütte hinterlassen. Elias versucht sich eine neue Existenz aufzubauen und Nakita, die er immer noch liebt zurückzuerobern.

Die Leiche der ortsansässigen Ärztin wird ausgerechnet auf seinem Grundstück gefunden und macht ihn zum Hauptverdächtigen, denn das Drehbuch zu diesem Mord liefert die Handlung aus seinem Buch.

Die Geschichte ist flüssig und atmosphärisch geschrieben, und ich bin mehr oder weniger durch das Buch geflogen. Die Charaktere waren gut gezeichnet, und ich fühlte mich schnell mit ihnen verbunden. Bei den Nebencharakteren ist der väterliche Freund Chitto , der sich nach Elijah‘s Rückkehr um ihn kümmert, wie um einen Sohn, besonders zu erwähnen. Das Buch legt im letzten Drittel des Buches an Tempo und Spannung nochmal deutlich zu. Man wusste gar nicht mehr was man noch glauben sollte. Die Geschichte kratzt aber zugegebenermaßen oft auch an die Kitschgrenze.

Ich mochte es trotzdem. Für mich ist es ein tolles Sommer-Sonnen-Freibadbuch , dass auch gut in den Urlaubskoffer passt.

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