Profilbild von minaslibraries

minaslibraries

Lesejury Profi
offline

minaslibraries ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit minaslibraries über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2025

Schade

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
0

✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin ...

✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin von Jupiter, einem schwerkranken Mann, dessen Alltag sie maßgeblich mitträgt. Während sie tagsüber probt, organisiert und funktioniert, kann sie nachts nicht schlafen, weshalb sie beginnt, auf Instagram mit sogenannten Love Scammern zu schreiben (Männern, die online Frauen Liebe vorspielen, um an ihr Geld zu kommen). Juno durchschaut die Masche und spielt mit, indem sie sie ebenso belügt und die Kontrolle dabei genießt, sich selbst völlig neu zu erfinden, bis sie dann auf Benu trifft.

🖋️ Erzählweise und -struktur: Hefters Roman ist literarisch ungewöhnlich, denn es gibt irgendwie keinen linearen Plot, eher ein Fluss aus Eindrücken, Gedankenfetzen, kurzen Momenten oder Chatverläufen. Vieles bleibt unausgesprochen, manches bewusst vage. Der Text arbeitet mit Flattersatz und Absätzen, die das Gefühl von Fragmentiertheit verstärken und die
poetische Sprache rahmen. Manchmal schreibt Hefter nüchtern, manchmal sehr verletzlich. Der Lesefluss ist ausgezeichnet.

👥 Figuren: Ich finde, die Protagonistin Juno ist ein sehr runder und spannender Charakter. Sie wirkt wunderbar authentisch; getrieben und zugleich kontrolliert. Sie reflektiert über Alter, Sichtbarkeit, Körper und die Frage, wer sie heute noch sieht, jenseits der Rolle der „helfenden Partnerin“. Jupiter, ihr kranker Partner, bleibt als flache Figur eher im Hintergrund. Die Scammer sind eher Projektionsflächen, um schließlich die leise Diskrepanz zu Benu darzustellen, einem Mann, der Junos Spiel durchschaut, aber sich nicht von ihr abwendet. Es ist spannend, wie die distanziere Verbindung zwischen ihnen über ihrem Alltag zu schweben scheinen. Es ist völlig unklar, wohin Hefter hier möchte.

💡 Kurz & Knapp: viele Ideen fühlten sich stellenweise recht zufällig an. Manche Themen wie Rassismus, mentale Gesundheit, oder auch digitale Abhängigkeit, Armut, Care-Arbeit, Identität im Alter werden nur oberflächlich angerissen. Am Ende war das Buch für mich leider eher nett als nachhaltig berührend.

2,5|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Uff

Umlaufbahnen
0

✨ REZENSION zu „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, übersetzt von Julia Wolf und erschienen im @dtv_verlag

„Sie denken viel darüber nach, wie es möglich sein kann, so schnell zu reisen und doch nirgendwo ...

✨ REZENSION zu „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, übersetzt von Julia Wolf und erschienen im @dtv_verlag

„Sie denken viel darüber nach, wie es möglich sein kann, so schnell zu reisen und doch nirgendwo anzukommen.“

📖 Inhalt (spoilerfrei): wir begleiten sechs Raumfahrende an Bord einer Raumstation, die innerhalb von 24 Stunden sechzehnmal die Erde umrundet. Im Zentrum steht die Frage, was das Menschsein unter extremer Abgeschiedenheit ausmacht, was in der Distanz vermisst wird, was Halt gibt, was plötzlich bedeutungsvoll erscheint.

🖋️ Erzählstil & -struktur: viele Passagen sind sehr poetisch und introspektiv geschrieben, die Perspektiven der sechs Raumfahrenden wechseln fließend (ohne sichtbare Trennung), die Gedanken scheinen nahtlos ineinander überzugehen und direkte Rede ist entweder gar nicht vorhanden oder nicht markiert. Oft bleibt unklar, ob etwas gesagt, gedacht oder lediglich imaginiert wird. Dadurch wirkt das ganze Geschehen traumartig und distanziert. Die autonomen inneren Monologe wirken wie ein lose zusammengehaltener Bericht; anspruchsvoll, aber auch ermüdend. Vorausdeutungen, Reflexionen und Details reihen sich aneinander, ohne spürbares Ziel oder dramaturgischen Höhepunkt.

👥 Figuren & Symbolik: obwohl sie unterschiedliche Herkunft, Aufgabenbereiche und persönliche Vergangenheiten mitbringen, bleiben die Figuren recht flach. Indirekte Gedankenrede thematisiert, was das Leben auf der Erde einzigartig macht. Manchmal war dies berührend, aber oft driftete es m.E. auch ins Beliebige ab. Es gibt eine Vielzahl an Aufzählungen ohne rhetorischen Anspruch, Beobachtungen, die sich zunächst bedeutungsschwer geben, entfalten ihre echte symbolische Tiefe nicht vollends.

💡Kurz & Knapp: viele Passagen haben mich fasziniert, aber insgesamt hat mich das Buch leider nicht abgeholt. Für meinen Geschmack war es zu experimentell und unzugänglich. Man arbeitet sich eher daran ab, als dass man in die Geschichte eintauchen kann. Wer Freude an fragmentarischer, poetischer Literatur und philosophischen Gedankenspielen hat, könnte hier aber fündig werden.

2|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Ach herrje

Die Schrecken der anderen
0

✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden ...

✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden Fund beginnt eine Geschichte über ein schweigendes Erbe, NS-Spuren, alte Drache-Legenden und Familiendrama.

🖋️ Erzählweise & -struktur: Die Geschichte wird in parallel verlaufende Erzählsträngen fragmentarisch aufgebaut, dabei wird in vielen kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Aus anfänglicher Zusammenhanglosigkeit wird später ein komplexes Gefüge, das sprachlich distanziert, bildgewaltig und surreal wiedergegeben wird. Stilistisch erinnert mich das Werk stark an Daniel Kehlmann, der ebenso bildlich eindrücklich und verwoben schreibt. Die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen hat mich ein wenig rausgebracht, viele Passagen fand ich sperrig und überflüssig, gleichzeitig tragen sie zur unangenehmen Atmosphäre bei. Fast schon psychedelisch wirken manche Absätze; überfrachtet mit Adjektiven, ungewohnt personifiziert. Ähnlich wie bei Kehlmann schafft Clavadetscher es, Ekel nicht plakativ, sondern ästhetisch unangenehm darzustellen.

👥 Charaktere: Alle Figuren sind über rätselhafte Verbindungen miteinander verwoben, dabei ist eine undurchsichtiger als die nächste, niemand wirklich greifbar, und die Bedeutung dessen, was geschieht, bleibt oft in Andeutungen hängen. Es ist schwer, sich mit ihnen zu identifizieren oder Nähe aufzubauen. Zwei Ausnahmen gab es für mich: Boll und Rosa. Beide wirken wie Freigeister, bringen Leichtigkeit, Spiel und sogar eine gewisse Lebensfreude in die düstere Szenerie.

💡 Kurz und Knapp: Viele Elemente, die die Handlung antreiben, werden selbst nicht zentral erklärt. Schon fast ironisch wirkt es, dass die Autorin einer Figur den Namen McGuffin gibt, laut Wikipedia ein durch Hitchcock geprägter Begriff, der dazu dienen soll, „[…] die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein.“ Für mich persönlich war es leider zu umständlich und zu wenig zugänglich, um mich wirklich abzuholen 🙈

2|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

No, definitely not

Single Mom Supper Club
0

✨ REZENSION zu „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi erschienen im Rowohlt Verlag | als Hörbuch produziert vom Argon Verlag und gelesen von Britta Steffenhagen

📖 Inhalt (spoilerfrei): Die drei alleinerziehenden ...

✨ REZENSION zu „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi erschienen im Rowohlt Verlag | als Hörbuch produziert vom Argon Verlag und gelesen von Britta Steffenhagen

📖 Inhalt (spoilerfrei): Die drei alleinerziehenden Engländerinnen Keyla, Tamara und Lina treffen sich gemeinsam mit der (schrecklichen) deutschen Antje einmal im Monat zum Supper Club, um zu kochen und über ihr Leben zu sprechen. Als sich eine Gruppe extrovertierter Momfluencerinnen dazugesellt, die sich offen zu Drogen, Chaos und Exzessen bekennt, gerät die Dynamik völlig aus dem Gleichgewicht. Es geht um Sex, Ex-Partner, kulturelle Identität, Feminismus, Freundschaft und den Druck, eine “gute Mutter und Feministin“ zu sein.

🖋️ Erzählweise & -struktur: Es gibt keine klare Handlung, sondern nur nur einzelne Episoden, Monologe und Dialogfetzen. Die Sprache ist provokant, flapsig, oft wiederholend. Der Ton ist roh, wütend, oft sarkastisch, aber selten wirklich reflektiert.

👥 Charaktere: Die Frauen wirken überzeichnet, laut und oft unsympathisch. Statt komplexer Persönlichkeiten begegnet man Klischees, Polemik und viel gegenseitigem Groll. Es fällt schwer, Nähe zu ihnen aufzubauen.

💡 Kurz und Knapp: Trotz relevanter Themen bleibt das Buch für mich leider eher enttäuschend. Für mich hat es wenig Substanz und dafür zu viel Lärm. Die toxische Atmosphäre, das wiederkehrende Deutschland-Bashing und der leichtfertige Umgang mit Drogen lassen kaum Raum für Empathie oder echte Erkenntnis. Die Sprecherin Britta Steffenhagen hat's für mich zum Glück nochmal rausgerissen, sie hat dem Ganzen doch ein bisschen Leben und Humor einhauchen können.

1|5 Sterne ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Neeeeein

Die Vegetarierin
0

„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer ...

„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer zu ertragen.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, erzählt aus verschiedenen Außenperspektiven. Die Hauptfigur Yeong-hye (eine Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen) bleibt über weite Strecken stumm. Ihre Gedankenwelt bleibt diffus, verborgen hinter albtraumhaften Traumbildern. Im ersten Abschnitt erleben wir die Geschichte aus Sicht ihres Ehemannes; einem unfassbar unempathischen, respektlosen Mann mit patriarchalem Frauenbild. Noch befremdlicher wird es im zweiten Teil: Der Schwager (ein Künstler in der Krise) entwickelt eine sexuelle Obsession für Yeong-hye, während der dritte Teil aus der Perspektive von Yeong-hyes Schwester erzählt.

Ich fand das Buch vor allem verstörend, abstoßend und nur schwer auszuhalten. Die Punkte Selbstbestimmung, Körper und Kontrolle wurden grob und metaphorisch thematisiert, aber die Umsetzung war für mich zu oberflächlich und nüchtern. Es konnte aufzeigen, wie komplex psychische Zustände und gesellschaftliche Zuschreibungen ineinander greifen, aber eher als eine Art grotesker Kommentar auf Erwartungen, Rollenbilder und Identitätsverlust, nicht als feministisches Statement. Durch alle Figuren hindurch erlebt man innere Zerrissenheit und psychische Gewalt, was unglaublich intensiv und belastend ist, aber auch ein bisschen random, wodurch es in seinen Motiven irgendwie an mir vorbei ging. Ich kann kaum nachvollziehen, warum dieses Buch so gefeiert wird oder wie es einen Preis gewinnen konnte. Ich fand es keineswegs poetisch, nur abstrus, kontextlos, verstörend und extrem sexualisiert.

1|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere