Schade
Hey guten Morgen, wie geht es dir?✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag
📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin ...
✨ REZENSION zu „Hey, guten Morgen, wie geht es dir?“ von Martina Hefter, erschienen im @klettcottaverlag
📖 Inhalt (spoilerfrei): Juno ist Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater, und ist Lebenspartnerin von Jupiter, einem schwerkranken Mann, dessen Alltag sie maßgeblich mitträgt. Während sie tagsüber probt, organisiert und funktioniert, kann sie nachts nicht schlafen, weshalb sie beginnt, auf Instagram mit sogenannten Love Scammern zu schreiben (Männern, die online Frauen Liebe vorspielen, um an ihr Geld zu kommen). Juno durchschaut die Masche und spielt mit, indem sie sie ebenso belügt und die Kontrolle dabei genießt, sich selbst völlig neu zu erfinden, bis sie dann auf Benu trifft.
🖋️ Erzählweise und -struktur: Hefters Roman ist literarisch ungewöhnlich, denn es gibt irgendwie keinen linearen Plot, eher ein Fluss aus Eindrücken, Gedankenfetzen, kurzen Momenten oder Chatverläufen. Vieles bleibt unausgesprochen, manches bewusst vage. Der Text arbeitet mit Flattersatz und Absätzen, die das Gefühl von Fragmentiertheit verstärken und die
poetische Sprache rahmen. Manchmal schreibt Hefter nüchtern, manchmal sehr verletzlich. Der Lesefluss ist ausgezeichnet.
👥 Figuren: Ich finde, die Protagonistin Juno ist ein sehr runder und spannender Charakter. Sie wirkt wunderbar authentisch; getrieben und zugleich kontrolliert. Sie reflektiert über Alter, Sichtbarkeit, Körper und die Frage, wer sie heute noch sieht, jenseits der Rolle der „helfenden Partnerin“. Jupiter, ihr kranker Partner, bleibt als flache Figur eher im Hintergrund. Die Scammer sind eher Projektionsflächen, um schließlich die leise Diskrepanz zu Benu darzustellen, einem Mann, der Junos Spiel durchschaut, aber sich nicht von ihr abwendet. Es ist spannend, wie die distanziere Verbindung zwischen ihnen über ihrem Alltag zu schweben scheinen. Es ist völlig unklar, wohin Hefter hier möchte.
💡 Kurz & Knapp: viele Ideen fühlten sich stellenweise recht zufällig an. Manche Themen wie Rassismus, mentale Gesundheit, oder auch digitale Abhängigkeit, Armut, Care-Arbeit, Identität im Alter werden nur oberflächlich angerissen. Am Ende war das Buch für mich leider eher nett als nachhaltig berührend.
2,5|5 ⭐️