Ein Buch über Familienvielfalt mit Stolpersteinen
Muckdiwupp – Auf nach PifoMir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine ...
Mir ist wichtig, dass Kinderbücher nicht nur schön aussehen und eine spannende und interessante Geschichte beinhalten, sondern, dass die Kinder auch einen Mehrwert von der Geschichte haben. Da der kleine Leser in einem sehr homogenen Umfeld aufwächst und ich ihm gerne zeigen wollte, dass es auch noch andere Familienkonzepte gibt, haben wir uns für dieses Buch entschieden. Denn, obwohl es natürlich auch eine andere Handlung gibt, nämlich den Bau der größten Sandburg, liegt der Schwerpunkt des Buches auf der Vorstellung von verschiedenen Familienkonzepten.
Muckdiwupp macht mit seiner Familie, die aus zwei Müttern und einem Vater besteht Urlaub auf Pifo und möchte dort eine riesige Sandburg bauen. Da man dies aber nicht allein machen kann, macht er sich auf die Suche nach neuen Freunden und findet diese natürlich auch. Die Gemeinsamkeit der Kinder ist, dass sie alle in unterschiedlichen Familienkonstellationen leben. Da gibt es ein Kind mit zwei Vätern, Zwillinge mit zwei Müttern, den alleinerziehenden Vater und die klassische Vater-Mutter-Kind Konstellation. Auch wenn ich es großartig finde, dass hier auch mal ein alleinerziehender Vater dargestellt wird, vermisse ich den häufiger vorkommenden Fall, der alleinerziehenden Mutter. Mir ist bewusst, dass es selbstverständlich auch noch andere Konstellationen geben kann und man in so einem Buch nicht alles abdecken kann, auch wenn das im Umkehrschluss bedeutet, dass sich nicht jedes Kind in diesem Buch wiederfinden wird.
So gut gemeint das Buch auch ist, muss ich doch leider sagen, dass es sich nicht wirklich flüssig vorlesen lässt. Dies liegt einerseits daran, dass man nicht besonders kreativ war bezüglich der Benennung der Erwachsenen. Somit gibt es eine ständige Wiederholung der Worte Mama, Mami, Papa und Papi. Ich kann verstehen, dass man es für die Kinder nicht zu kompliziert machen möchte, aber die Worte gefühlt in jedem zweiten Satz vorkommen, wird es ein wenig mühsam beim Lesen. Andererseits wurde aber auch entschieden, dass Muckelino kein eindeutiges Geschlecht hat, und die Person, die das Buch vorliest, entscheiden darf, welches Pronom für Muckelino verwendet werden soll. Ich lehne diese Idee nicht prinzipiell ab, finde aber, dass dieses Buch durch das zusätzliche Thema ein wenig zu komplex und überladen wird.
Ein wenig seltsam finde ich auch, wie in diesem Buch mit dem Thema anders sein umgegangen wird. Denn auf der einen Seite wird gezeigt, dass es neben dem klassischen Vater-Mutter-Kind Konzept eben auch noch andere Familienkonstellationen gibt und dass dies nichts Schlimmes ist. Auf der anderen Seite wird aber immer wieder betont, wie anders doch die Familie von Muckelino ist. Dieses ständige Betonen finde ich irritierend, denn dies zerstört ein wenig die gute Botschaft des Buches, nämlich, dass wir alle anders sind, dies aber gut ist. Gerade in diesem Buch hätte ich mir gewünscht, dass die verschiedenen Lebensformen neutral betrachtet werden, aber durch dieses wiederkehrende darauf beharren, dass Muckelinos Familie anders ist, kommt für mich einer Wertung gleich.
Dieses Buch war eine interessante Erfahrung und ist sicherlich eine gute Möglichkeit, wenn man Kindern zeigen möchte, dass es unterschiedliche Familienkonstellationen gibt. Ich persönlich bevorzuge aber Bücher, in denen dies zwar auch gezeigt wird, es aber nicht das Hauptthema ist. Pina Gertenbach stellt in ihrem Buch „Schokotorte für alle!“ auch verschiedene Lebenskonzepte vor. Dort passiert dies aber auf eine stille und weniger aufdringliche Art und Weise und nimmt nicht den Hauptteil der Geschichte ein.
Der kleine Leser und ich werden das Buch zwar sicher noch mehrmals Lesen, aber ich denke nicht, dass es eines unserer Lieblingsbücher werden wird.