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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.06.2025

Ein packendes, vielschichtiges Drama

Before we were innocent
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In dem Buch geht es um die Freundschaft zwischen Joni, Bess und Evangeline, die vor 10 Jahren auf tragische Weise gestorben ist. Was als scheinbar entspannter Urlaub unter Freunden beginnt, entwickelt ...

In dem Buch geht es um die Freundschaft zwischen Joni, Bess und Evangeline, die vor 10 Jahren auf tragische Weise gestorben ist. Was als scheinbar entspannter Urlaub unter Freunden beginnt, entwickelt sich bald zu einem dunklen Albtraum, als verborgenes Misstrauen und manipulative Spielchen ans Licht kommen, was zuletzt im tragischen Tod von Evangeline endet. 10 Jahre nach dem Tod steht Joni vor Bess Tür und fragt sie nach einem Alibi. Ab diesem Zeitpunkt begleiten wir Bess und erfahren in Rückblenden, wie es zu Evangelines Tod kam.
Bess scheint in der Vergangenheit in einer komplexen und emotional aufgeladenen Freundschaft zu Evangeline und Joni gefangen zu sein. Anfangs erscheint Evangeline als die ideale Freundin – selbstlos und charmant, was sich jedoch im Verlauf des Buches ändert. Die Art, wie sie Bess mit völliger Ignoranz behandelt und sich sehr egozentrisch und kontrollierend zeigt, haben mich erschüttert und eine starke Abneigung gegen sie geweckt.
Bess ist eine sehr vielschichtige und authentische Protagonistin. Ihre inneren Konflikte, vor allem in Bezug auf ihre Unsicherheit, ihre Wut und die Frage, ob sie ein "schlechter Mensch" sei, machen sie unglaublich nachvollziehbar. Ihre Emotionalität und ihre Stärke, sich aus der toxischen Dynamik zu befreien, ziehen sich durch die Geschichte.
Joni bleibt die größte Rätsel-Figur im Buch. Ihr Verhalten wirkt oft widersprüchlich und undurchsichtig. Ihre Rolle im gesamten Geschehen sorgt für ständige Unsicherheit und steigert die Spannung enorm.
Das Buch ist insgesamt von einer düsteren, beinahe erdrückenden Atmosphäre durchzogen. Die Themen Verrat, Vertrauen und die Manipulation innerhalb von Freundschaften sind zentrale Aspekte. Besonders gefallen hat mir auch der Schreibstil. Die innere Zerrissenheit der Protagonisten wird auf eindringliche Weise vermittelt, was eine große emotionale Tiefe schafft.
Insgesamt war dieses Buch für mich ein sehr packendes, vielschichtiges Drama, das mit komplexen Charakteren überzeugt hat. Ich mochte die Mischung aus True-Crime ähnlichen Elementen und der Beleuchtung der menschlichen Dynamiken und Innenwelt unheimlich gerne und möchte jetzt unbedingt mehr in die Richtung lesen. Für mich war dieses Buch, unerwarteterweise, ein ganz großes Highlight.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Ein berührendes Buch darüber, Verantwortung für das eigene Leben und Glück zu übernehmen!

No Hard Feelings
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"Wenn er Nein gesagt hat, warum zum Teufel solltest du ihm dann noch texten? Warum solltest du mit jemandem zusammen sein wollen, der nicht mit dir zusammen sein will?"

In dem Buch "No Hard Feelings" ...

"Wenn er Nein gesagt hat, warum zum Teufel solltest du ihm dann noch texten? Warum solltest du mit jemandem zusammen sein wollen, der nicht mit dir zusammen sein will?"

In dem Buch "No Hard Feelings" geht es um Penny, die mit ihrem Leben mehr als unzufrieden ist. Zwischen der Hoffnung auf eine feste Beziehung mit ihrem unverbindlichen Lover Max und ihrem langweiligen Job in dem sie sich gleichzeitig durch ihre Chefin nie gut genug fühlt sucht sie nach einem Weg um ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Auch ihre Freundschaften sind nicht immer leicht - während Annie genau wie sie dauerhaft datet hat Bec ihren "Partner für immer" gefunden, verbringt alle Zeit lieber mit ihm als mit ihren Freundinnen und möchte nur noch über ihre Hochzeit reden🫣
Zu Beginn fiel es mir etwas schwer in das Buch reinzukommen. Das könnte zum einen daran gelegen haben, dass ich ähnliche Bücher schon gelesen habe und mir nicht sicher war ob mich dieses hier abholen kann, zum anderen sicher auch an Penny, der Protagonistin, die sich so schmerzhaft oft in ungesunde Situationen und Beziehungen bringt - weil sie glaubt es nicht anders verdient zu haben. Aber nach den ersten 50 Seiten war ich drin und habe Penny in ihrer Realität begleitet. Zeitweise habe ich mich gefragt wie sie das alles aushält - wie sie von Max, ihrer Chefin und Bec behandelt wird. Sie sucht sich eine Therapeutin, da sie nicht das Gefühl hat ihrem Leben noch gewachsen zu sein und auch die Therapiesitzungen fand ich gut dargestellt.
Je mehr ich in Pennys Welt eingetaucht bin, desto mehr habe ich mit ihr mitgefühlt: all die Wut, die Traurigkeit und vor allem sehr präsent: die Verzweiflung und Ratlosigkeit. Sehr eindrucksvoll vermittelt die Autorin was es heißt, sich nie genug zu fühlen, das eigene Glück von anderen abhängig zu machen und sich allem ausgeliefert zu fühlen Das Ende war für mich zuletzt etwas vorhersehbar, aber trotzdem nicht schlecht. Insgesamt hat das Buch mich emotional abgeholt und mir sehr viel Freude am Lesen gegeben.
Ich würde es jedem in seinen 20-ern empfehlen zu lesen

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Schmerzlich, authentisch und berührend

Crushing
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Ich muss sagen, dass mir der Einstieg in dieses Buch schwergefallen ist. Die Handlung kam mir irgendwie schleppend und die Charaktere etwas nervig vor (interessanterweise ähnlich wie in dem ersten Buch ...

Ich muss sagen, dass mir der Einstieg in dieses Buch schwergefallen ist. Die Handlung kam mir irgendwie schleppend und die Charaktere etwas nervig vor (interessanterweise ähnlich wie in dem ersten Buch der Autorin). Die Zweifel und Ängste, die Gedanken und Handlungen der Protagonistin sind schmerzhaft, weil ich vieles davon selber kenne und es zudem wehtut ihr bei "falschen Entscheidungen" zuzusehen. Mit den ersten 150 Seiten war ich immer mehr in dieser, teilweise ja doch sehr traurigen, Gedankenwelt der Protagonistin drin und wollte wissen wie es weitergeht. Der Schreibstil war sehr flüssig, leicht und gut zu lesen. Und ab der Hälfte des Buches hat auch die Handlung mehr Fahrt aufgenommen, bis zum Ende hin die Protagonistin und einige andere Charaktere eine Entwicklung durchgemacht haben.
Insgesamt war es für mich ein Buch, was die Gefühlswelt von emotionaler Abhängigkeit und Einsamkeit schmerzlich authentisch dargestellt hat - und ein versöhnliches, hoffnungsvolles Ende bietet.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Humorvolle und leichte Gesellschaftskritik

Hustle
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Herrlich leicht und mit viel Humor schreibt Julia Bähr über Leonie, die es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Auch kleine Racheaktionen führt sie gerne durch, jedoch beides nur wenn es einen ...

Herrlich leicht und mit viel Humor schreibt Julia Bähr über Leonie, die es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Auch kleine Racheaktionen führt sie gerne durch, jedoch beides nur wenn es einen guten Grund dazu gibt. Als Leonie nach München zieht und merkt, wie absurd teuer dort alles ist, baut sie sich einen lukrativen Nebenverdienst auf - die Moral ist dabei etwas flexibler zu sehen.
Ich habe dieses Buch mit viel Freude gelesen. Die Figuren waren mir sympathisch und greifbar - auch wenn ihre Tätigkeiten das nicht immer waren. Ich mochte den Schreibstil und die subtile Gesellschaftskritik, denn letztendlich könnte man Leonies Nebenjob als eine kleine Rebellion gegen den Kapitalismus und ein Engagement für Gerechtigkeit sehen. Lediglich zum Ende hin hätte mir noch irgendwas gefehlt, eine Wendung oder ein Höhepunkt. Alles in allem war es für mich aber ein sehr rundes, humorvolles und empfehlenswertes Buch!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Intensiv, grausam und raffiniert

Madwoman
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In dem Roman "Mad Woman" von Chelsea Bieker geht es um Clove. Nach außen hin führt sie ein tolles Familienleben, hat viel Zeit für ihre Kinder, ernährt sich gesund und hat einen liebevollen Ehemann. Doch ...

In dem Roman "Mad Woman" von Chelsea Bieker geht es um Clove. Nach außen hin führt sie ein tolles Familienleben, hat viel Zeit für ihre Kinder, ernährt sich gesund und hat einen liebevollen Ehemann. Doch als sie Post von ihrer Mutter aus dem Frauengefängnis bekommt holt ihre Vergangenheit sie immer mehr ein.

Das Buch war für mich von Anfang an sehr spannend. Die Erzählung in der Du-Form ist ungewöhnlich, aber passt sehr gut zum Buch – sie richtet sich an die Mutter und macht die ganze Verstrickung zwischen Vergangenheit und Gegenwart deutlich.
Clove beschreibt ihre schreckliche Kindheit, was oft schwer auszuhalten ist. Spannend fand ich zudem, wie sie sich eine neue Identität aufbaut und ihr ganzes Leben um diese neue Rolle konstruiert – absurd und nachvollziehbar zugleich. Als Jane, eine vorher unbekannte Frau, in ihr Leben tritt entwickeln die beiden eine Beziehung zwischen Abhängigkeit und tiefer Freundschaft. Bis zum Schluss habe ich gerätselt wohin diese Beziehungen führt.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht lesbar, auch wenn die Themen schwer und grausam sind. Ich konnte die Wut und die Qualen, das Gefängnis in dem sich Clove in ihrer Kindheit befand, hautnah nachempfinden. Einige Dinge habe ich zwar geahnt, aber der finale Plottwist hat mich komplett überrascht und die Geschichte für mich abgerundet.
Für mich war es ein sehr intensives, toll geschriebenes Buch!

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