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Veröffentlicht am 11.09.2025

Veränderungen

Das glückliche Leben
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Seit ich „Charlotte“ von David Foenkinos zu meinen Lieblingsbüchern zähle, ist mir der Name des Autors ein Begriff. Kein Wunder also, dass ich dieses neu erschienene Buch von ihm unbedingt lesen wollte. ...

Seit ich „Charlotte“ von David Foenkinos zu meinen Lieblingsbüchern zähle, ist mir der Name des Autors ein Begriff. Kein Wunder also, dass ich dieses neu erschienene Buch von ihm unbedingt lesen wollte. Die Inhaltsangabe machte mich zudem neugierig. Denn was hat das Erleben der eigenen Beerdigung mit einem glücklichen Leben zu tun?

Der erste Teil des Romans hat meine Frage nicht beantwortet. Da lernte ich einen ausgepowerten Vierzigjährigen kennen, der so gut wie nicht lebte, sondern nur funktionierte. Ebenso wie seine ehemalige Klassenkameradin, die ihn für einen Job angeheuert hat, der ihm eine Reise nach Seoul beschert. Seine Chefin hat große Ansprüche an ihn, die er bisher immer zu erfüllen bereit war. Doch auf einem Spaziergang in Seoul erlebt er mit dem Ritual seiner eigenen Beerdigung Unvorstellbares und wird aus seinem Leben katapultiert.
Der geschiedene Vater eines Sohnes, immer etwas träge und unschlüssig, gibt seinen Job auf und beginnt etwas ganz Neues. Plötzlich empfand ich das Buch spannend. Die totale Veränderung zu einem tatkräftigen Mann und liebevollen Vater habe ich mit Interesse verfolgt. Èric beginnt, sein Seouler Erlebnis in seiner Heimat zu etablieren und erhält viel Lob und Anerkennung dafür.

Der dritte Teil zeigt dann, wie er mit seiner Geschäftsidee auch seiner ehemaligen Chefin ermöglicht, ihr festgefahrenes Leben zu ändern.


Das Buch, das in der Zeit zwischen 2017 und 2024 angesiedelt ist, erinnert unter anderem an die Coronakrise und wie sie das Leben beeinflusst (durcheinandergebracht) hat. Da waren diejenigen, die wie Èric ein finanzielles Polster angesammelt hatten, eindeutig im Vorteil.

Ich muss gestehen, dass ich mit dem ersten Teil des Buches am wenigsten anfangen konnte. Mir kamen die Figuren langweilig und nichtssagend vor – während sie sich selbst als wichtig sahen. Doch als zur Hälfte des Buches der Bruch stattfand, konnte ich es nicht mehr zur Seite legen.
Insgesamt zeigt der 1974 geborene französische Schriftsteller in seiner lakonischen Schreibweise, die mir des öfteren ein wissendes Lächeln entlockte, wie Zufälle das Leben beeinflussen. Wenn man die zu nutzen weiß, kann man es weit bringen.


Fazit: Gute Unterhaltung mit einigen Episoden über die es sich lohnt, nachzudenken. Die Weisheiten sind meines Erachtens vor allem für Menschen in der Lebensmitte geeignet.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Landleben

Hier draußen
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Lara und Ingo sind mit ihren Kindern von Hamburg aufs Land gezogen, um ein beschaulicheres Leben zu führen. Doch für Ingo bedeutet es mehr Stress als je zuvor, muss er doch täglich mindestens drei Stunden ...

Lara und Ingo sind mit ihren Kindern von Hamburg aufs Land gezogen, um ein beschaulicheres Leben zu führen. Doch für Ingo bedeutet es mehr Stress als je zuvor, muss er doch täglich mindestens drei Stunden Arbeitsweg in Kauf nehmen. Und nun ist dem Softwareingenieur auch noch eine weiße Hirschkuh vors Auto gelaufen. Laut Aberglaube im Dorf bedeutet das, dass ein am Tod des Tieres Beteiligter innerhalb eines Jahres ums Leben kommt.

Martina Behm erzählt das Landleben recht hübsch und authentisch. Wir lernen die Nachbarn und deren Geschichte kennen, freunden uns mit Jutta und Tove an, erfahren von den Schwierigkeiten der Hofbesitzer und frieren mit Lara im winterlich kalten Haus. Ganz so idyllisch, wie sie sich das Leben hier draußen vorgestellt hat, ist es halt nicht. Auch das von zu Hause aus arbeiten mit zwei schulpflichtigen Kindern klappt nicht so, wie sie sich das erhofft hatte.

Martina Behm hat mit diesem Buch einen wundervolle Charakteristik des Landlebens geschaffen. Das Hörbuch eignet sich zum Herunterkommen vom Alltagsstress und zum Träumen von einem ruhigeren Leben. Doch es verheimlicht auch nicht die damit verbundenen Probleme. Was mir besonders gefallen hat, waren die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln, die ohne Brüche stattfanden.

Julia Nachtmanns Stimme ist die genau die richtige für dieses Buch. Sie trägt uns 14 Stunden lang gekonnt ruhig durch dieses Dorfjahr. Ich bin ihr gerne gefolgt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

War nicht meins

Das Haus der Türen
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Ehrlich gesagt war ich froh, als ich das Buch beendet hatte. Teilweise habe ich mich durchgequält und war kurz vorm Einschlafen. Dann gab es aber auch Abschnitte, die ich durchaus interessant fand. Und ...

Ehrlich gesagt war ich froh, als ich das Buch beendet hatte. Teilweise habe ich mich durchgequält und war kurz vorm Einschlafen. Dann gab es aber auch Abschnitte, die ich durchaus interessant fand. Und einen Lieblingssatz fand ich auch: „Falter sind die Seelen der Verstorbenen, die wir geliebt haben, und sie wachen über uns.“

Warum ich dieses Buch gewählt habe? Weil ich gerne mal in Malaysia reisen wollte. Auch wenn die Reise vor 100 Jahren stattfand. Dass ich dabei den berühmten britischen Schriftsteller William Somerset Maugham kennenlernte, war ein netter Nebeneffekt. Ebenso wie die traurige Geschichte einer Mörderin. Oder der Besuch im Haus der vielen Türen, wo ich amourösen Begegnungen beiwohnte. Zudem lernte ich viel über die chinesische Geschichte.

Also alles in allem lohnte es sich, das Buch zu lesen, das 2023 auf der Longlist des BookerPrice stand. Ich persönlich hatte allerdings Probleme mit dem Schreibstil des 1972 geborenen Schriftstellers. Schon zu Beginn hätte ich das Buch fast ungelesen zugeschlagen, weil es mich so gelangweilt hat. Dann wurde es allerdings interessant und meine Neugier auf das, was der Autor erzählen wollte, wurde geweckt. Schade, dass er in seiner poetischen Sprache viel zu ausführlich erzählt. Die Gründlichkeit machte mich ungeduldig und nervös.

Dass ich trotzdem vier Sterne vergebe, liegt an meiner anschließenden Recherche. Ich fand es spannend, wie Tan Twang Eng Tatsachen in seinen Roman eingebaut hat – und wenn es nur eine Gerichtsverhandlung ist, über die William Somerset Maugham in „The Letter“ geschrieben hat. Plötzlich bewunderte ich die Phantasie des Schriftstellers, seine Art, Anspielungen über Dinge zu machen, von denen zwar gemunkelt wird, die aber nicht bewiesen sind. Das empfand ich im Nachhinein als Kunst. Ob ich aber nochmal ein Buch von ihm zur Hand nehme, weiß ich beim besten Willen nicht.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Im Zwiespalt

Im Leben nebenan 
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Was dieses Buch mit mir macht? Ich bin hin und her gerissen. Es gibt Szenen, in die ich mich hineinfallen lassen kann, und Szenen, mit denen ich so gar nichts anfangen kann. Es geht mir mit der Einschätzung ...

Was dieses Buch mit mir macht? Ich bin hin und her gerissen. Es gibt Szenen, in die ich mich hineinfallen lassen kann, und Szenen, mit denen ich so gar nichts anfangen kann. Es geht mir mit der Einschätzung ähnlich wie der Protagonistin, die nicht weiß, was sie will. Ein Kind oder kein Kind?

Voller Mitleid verfolge ich Tonis Leben, die erfolglos und verzweifelt versucht, mit ihrem Freund Jakob ein Kind zu bekommen und schon im nächsten Kapitel befinde ich mich bei Antonia und Adam. Da ist sie gerade Mutter geworden und kann es nicht glauben. Sie fällt in eine Wochenbettdepression und träumt davon, nur noch wegzulaufen.

Diese Perspektivwechsel irritieren mich ebenso wie die Protagonistin. Mal bin ich abgestoßen, mal fühle ich mich zu ihr hingezogen. Ich freue mich mit ihr über die Freundinnen Senta und Thea, die sie an ihrem eigenen Leben teilhaben lassen und ihr damit helfen, mit ihrer jeweiligen Situation klar zu kommen.

Das Experiment, das die Autorin Anne Sauer hier praktiziert, indem sie zwei verschiedene Leben einer einzigen Frau erlebbar macht, ist außergewöhnlich. Es regt zum Nachdenken an, auch wenn – oder gerade weil ? – manche Szenen kaum nachvollziehbar erscheinen. Wer träumt sich nie fort in ein anderes Leben? Aber: wäre das tatsächlich besser?

Eine sehr gute Wahl zu diesem Debüt ist das Cover. Denn welche Frau kennt das Gefühl nicht, im nächsten Moment zu ertrinken? In den eigenen Gefühlen, in der Arbeit, in der Zerrissenheit.

Chantal Busse liest die das Hörbuch gute sechs Stunden lang sehr einfühlsam vor. Zwar brauchte ich ein wenig, mit der Story an sich warm zu werden, genoss sie dann aber über einen langen Zeitraum ohne Unterbrechung und ohne irgendeine Ablenkung.

Fazit: Für mich war das konzentrierte Zuhören etwas ganz besonderes. Nach langem Ringen mit mir gebe ich diesem Hörbuch vier Sterne und empfehle es gerne Frauen mit Kinderwunsch und denen, die sich nochmal daran erinnern wollen.

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Veröffentlicht am 03.10.2024

Über die Liebe

Die schönste Version
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Dieses Buch zu lesen schmerzt. Es hat in meinem Kopf viele Fragen entstehen lassen. Wieso gieren Jugendliche so sehr nach Liebe, dass vor allem Mädchen alles mit sich machen lassen? Warum bringt ihnen ...

Dieses Buch zu lesen schmerzt. Es hat in meinem Kopf viele Fragen entstehen lassen. Wieso gieren Jugendliche so sehr nach Liebe, dass vor allem Mädchen alles mit sich machen lassen? Warum bringt ihnen niemand rechtzeitig bei, sich gegen tätliche Übergriffe zu schützen?

Doch von vorn: Jella glaubt in Yannick den Menschen gefunden zu haben, mit dem echte Liebe möglich ist. Bis er sie während eines Streites würgt. Da flieht sie zurück ins Elternhaus.
In den nächsten Tagen lässt sie ihre Vergangenheit Revue passieren. Sie denkt zurück an ihre Jugend, an ihre Freundin, mit der sie sich extra schön hergerichtet hat, um Jungs zu gefallen. Und an ihre ersten Erfahrungen, die mir vor Entsetzen die Atemluft raubten.
Yella ist nicht dumm, sie studiert und verdient sich in einer Bibliothek ihren Unterhalt. Als Yannick in ihr Leben tritt, fühlt sie sich geliebt. Ihr Leben verändert sich, sie ziehen zusammen. Er, der erfolglose Künstler, Sohn reicher Eltern, engt sie aber auch ein. Gesteht ihr weniger Freiraum zu. Immer öfter kommt es zu Auseinandersetzungen, die mit eine Versöhnung enden. Bis alles eskaliert und sie in ein Trauma reißt.

Es ist nicht das erste Buch, das ich in letzter Zeit über toxische Beziehungen las. Das scheint augenblicklich eines der Modethemen zu sein. Wahrscheinlich reichen Zeitungsmeldungen über Familiendramen nicht aus, um die Gesellschaft aufzurütteln. Können Bücher mehr bewirken? Erreichen sie die richtigen Adressaten? Können sie Mädchen einen Spiegel vorhalten und sie dazu auffordern, nicht alles mit sich machen zu lassen? Wie kann man Jugendlichen näherbringen, wie wichtig Respekt für ein gelingendes Leben ist?

Fazit: Dieses Buch lässt mich aufgewühlt zurück.

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