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Aglaja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2025

Das Schwanenhotel

Schwanentage
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Bei Literatur aus China muss man immer bedenken, dass die Autoren sich auf einer Gratwanderung befinden, vieles muss "durch die Blume" gesagt werden, eher subtil als direkt. Hinter jedem Satz kann sich ...

Bei Literatur aus China muss man immer bedenken, dass die Autoren sich auf einer Gratwanderung befinden, vieles muss "durch die Blume" gesagt werden, eher subtil als direkt. Hinter jedem Satz kann sich eine versteckte Welt befinden. Die Autoren aus den Ländern in denen Zensur herrscht sind Meister darin, in der Andeutung liegt die Kunst, wer will, der verstehe.
So hat auch die junge Autorin Zhang Yueran ihr Buch "Schwanentage" so leicht und locker geschrieben, dass keine Zensur was darin finden könnte.
Sie hat einfach eine kleine Geschichte erfunden, um eine der superreichen Familien herum, die wie alle anderen ihrer Klasse Bedienstete haben.
Mit ihrem Kindermädchen vom Lande hat diese Familie großes Glück gehabt.
Yu Ling kümmert sich hingebungsvoll um den kleinen Sohn und macht auch sonst mehr als sie müßte - und sie ist loyal. Nach chinesischer Art zeigt man ihr natürlich keine Dankbarkeit oder gar freundschaftliche Zuwendung, im Gegenteil, man wahrt den Abstand.
Das Buch gewährt einen kurzen Blick auf viele Aspekte der chinesischen Gesellschaft, die für uns Menschen des Westens nicht so einfach nachzuvollziehen sind.
Es ist ein Vergnügen dieses kleine Buch zu lesen, leicht, locker, unterhaltsam, aber nicht trivial.
Es lohnt sich die chinesische Gesellschaftsstruktur tiefer zu ergründen.

In ihrer Danksagung weißt die Autorin daraufhin, dass der Originaltitel des Buches "Schwanenhotel" und nicht "Schwanentage" lautet. Sie sagt dazu:"Einmal geht es um Zeit, einmal um Raum. Aber auch die Zeit ist ein Raum; intimer, weiter,"

Ich finde es sehr schade, dass zu dem wunderbaren Umschlagentwurf keine Quelle angegeben ist, außer das Ashmolean museum Oxford.
Da kann ich lange suchen.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

"Ich hasse meinen Bruder"

Der Absturz
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Von katharina.51

"Ich hasse meinen Bruder",ein schwerwiegender Satz, der einen zum Erschrecken bringt und zum Nachdenken. Was kann es sein, das den Menschen zum Hass gegen den eigenen Bruder bringen kann? ...

Von katharina.51

"Ich hasse meinen Bruder",ein schwerwiegender Satz, der einen zum Erschrecken bringt und zum Nachdenken. Was kann es sein, das den Menschen zum Hass gegen den eigenen Bruder bringen kann? Der Autor Édouard Louis beschreibt in seinem Buch "Der Absturz" seine Familiengeschichte, in der er nach einer Erklärung sucht, warum der Bruder so geworden ist, wie er ist. Sind es familiäre oder soziale Determinationen, ein Klassenschicksal, er weiß es nicht. Ihn quälen Fragen wie: "Ab welchem Moment wird aus Handlungen ein Schicksal? Bis zu welchem Moment hätte jemand, zum Beispiel meine Eltern die Richtung beeinflussen können, die sein Leben nahm? Ab wann ist es zu spät?"
Er hat Schuldgefühle, hätte er seinem Bruder helfen können oder müssen, wenn ja, aber wie. Seine eigene Rettung ist die Distanz.
Der Autor lässt den Leser ratlos zurück, er muss sich seine eigene Meinung bilden. Hätte er diesen Bruder auch gehasst, oder wäre er zu retten gewesen?
Ein lesenswertes Buch, dass einen schmerzenden Haken im Herzen zurück lässt.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Wunderwaffe Geist

Junge Frau mit Katze
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Ela, eine junge Frau, schon fast zehn Jahre im Wissenschaftsbetrieb ihrer Universität bereitet sich auf die Disputation ihrer Arbeit vor. Doch sie hat Angst davor zu versagen. Gequält von vielerlei krankhaften ...

Ela, eine junge Frau, schon fast zehn Jahre im Wissenschaftsbetrieb ihrer Universität bereitet sich auf die Disputation ihrer Arbeit vor. Doch sie hat Angst davor zu versagen. Gequält von vielerlei krankhaften Körperzuständen, denen kein Arzt auf die Spur kommt, ist sie der Verzweiflung nahe, bis sie endlich einen Doktor findet, der ihr den entscheidenden Rat erteilt. Sie sollte die Wissenschaft an den Nagel hängen und Schreiben.
Und sie schreibt, erlebt die Befreiung im Schreiben, beginnt zu sehen und zu begreifen. All das was ihr das Leben schwer gemacht hat fällt von ihr ab.
Die mit Preisen bedachte Autorin hat einen autofiktionalen Roman geschrieben. Ihre bildgewaltige Sprache malt dem Leser Bilder direkt in die Augen und in die Seele. Ihr virtuoser Umgang mit Sprache ist gespeist aus Wissen und Fühlen, aus Beobachtung des Inneren und des Äußeren.
Der Umgang und das Spiel mit Worten und Sätzen, ihre eigenwillige Kombination begeistern. Die in den Text eingestreuten Wörter aus Grimms Wörterbüchern kennt und benutzt heute wahrscheinlich niemand mehr, um so bezaubernder sind sie.
Für manche Leser geht es in diesem Buch vielleicht zu viel um Krankheiten und deren Ausblühungen, es ist ein Buch für Textliebende und Wortbegeisterte.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ngozi - gesegnet

Wohin du auch gehst
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Der Kongo, heute Demokratische Republik Kongo, hieß auch schon Zaire und hatte auch schon andere Namen. In fünfzehn Jahren hatte es drei Präsidenten, drei Flaggen, unzählige Rebellentruppen und unzählige ...

Der Kongo, heute Demokratische Republik Kongo, hieß auch schon Zaire und hatte auch schon andere Namen. In fünfzehn Jahren hatte es drei Präsidenten, drei Flaggen, unzählige Rebellentruppen und unzählige Multis gegeben, die sich an Coltane, Diamanten und Holz bereichert haben. Eine Flut von Flüchtlingen war die Folge.
In dieser Zeit hat die Autorin die Geschichte ihres Buches angelegt.
1981 in Kinshasa. Mireille ist die schöne Tochter eines wohlhabenden Mannes, dem zukünftigen Gouverneur. Sie ist gut erzogen, besucht das Gymnasium mit der Aussicht auf die Kunstakademie. Sie wird von ihren Eltern sehr geliebt, vor allem hängt sie an ihrem Vater. Noch nicht sechzehnjährig wird sie neugierig auf die Liebe. Nachdem sie schwanger geworden ist, wird sie vom Vater verstoßen und verläßt Afrika.
Die afrikanischen Traditionen und Ehrbegriffe sind streng und patriarchalisch, wehe ein Mädchen wagt es seinen eigenen Weg zu gehen. Es muss die Konsequenzen mit aller Härte tragen.
Einige Jahre später gibt es wieder ein Mädchen in der Familie von Mireille, das sich außerhalb der Norm bewegen will.
Ihre lesbische Neigung soll sogar durch einen Exorzismus ausgetrieben werden.
Schweigen und Verschweigen ist das große Thema in der Familie, wie bei vielen anderen auch, die sich nicht an die schrecklichen Kriegserlebnisse erinnern wollen, die und andere persönliche Verletzungen werden tief im Inneren vergraben, sind aber immer dabei und beeinflussen das ganze Leben.
Quälende Schuldgefühle beherrschen die beiden Protagonistinnen.

Die junge Autorin hat ein Buch geschrieben, dass Einblick gibt in afrikanisches Leben. Modern, informativ, unterhaltsam und hochdramatisch. Sie hat diese Familiengeschichte ineinander verwobenen, kunstvoll wie die afrikanischen Braids, erst am Ende sieht man, wie es wirklich ist.

Das Cover des Buches ist ein typisches Diogenes-Cover. Ein Gemälde von Tamara Tashna Downes mit dem Titel "Ngozi" von 2022. Ngozi ist ein viel gebrauchter Name in der Sprache der Igbo und bedeutet "gesegnet"
Besser hätte es der Verlag nicht auswählen können.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Politsatire

Das Geschenk
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Eine kleine Änderung in einem deutschen Gesetz, dass den Normalbürger nicht betrifft, der es gar nicht wahrnimmt, weil es in seiner Lebenswirklichkeit nicht stattfindet, hat Auswirkungen in einem Land ...

Eine kleine Änderung in einem deutschen Gesetz, dass den Normalbürger nicht betrifft, der es gar nicht wahrnimmt, weil es in seiner Lebenswirklichkeit nicht stattfindet, hat Auswirkungen in einem Land zehntausen Kilometer entfernt und hat dort Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit der Menschen die dort wohnen. Ein Danaergeschenk folgt darauf, dass die Augen öffnen soll.
Das geschieht aber nicht. Die Wahrheit, das Erkennen geht unter in der uns hinlänglich bekannten Parteienpolitik.
Die Idee zu diesem Buch fand die Autorin in einer liegengelassenen Zeitung im Zug. Der Präsident von Botswana hat Deutschland zwanzigtausen Elefanten angeboten, weil Detschland das Importgesetz für Elfenbein verschärft hatte.

Eine Politsatire, die leider nur allzuwahr die Realität des politischen Geschehens aufs Korn genommen hat. Die Autorin, deren Vater Politiker war, hat schon früh einen Einblick in das tatsächliche Geschachere der Parteienpolitik gewonnen. Man könnte verzweifeln an dem was tatsächlich hinter den Kulissen geschieht und dem Volk mit widerlicher Propaganda verkauft wird.
In ihrem Buch hat die Autorin dem Leser den Ausweg des Lachens angeboten, wie es die Aufgabe der Satire ist.

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