Eine düstere, feministische Neuerzählung
MedeaMedea wächst mit der Gabe der Magie auf, die sie von klein auf zur Außenseiterin macht. Ihre Hexerei bedeutet Macht, aber auch Angst, Kontrolle und Einsamkeit. In ihrer eigenen Familie findet sie keinen ...
Medea wächst mit der Gabe der Magie auf, die sie von klein auf zur Außenseiterin macht. Ihre Hexerei bedeutet Macht, aber auch Angst, Kontrolle und Einsamkeit. In ihrer eigenen Familie findet sie keinen Halt. Als Jason in Kolchis auftaucht und das Goldene Vlies fordert, erkennt Medea darin eine Chance: auf Freiheit, auf ein anderes Leben, vielleicht sogar auf Liebe. Doch diese Entscheidung hat einen hohen Preis.
Diese Neuerzählung rückt Medea konsequent ins Zentrum. Sie ist hier weder Randfigur noch bloßes Mittel zum Zweck für die Heldentaten eines Mannes, sondern eine kluge, verletzliche, wütende und zutiefst menschliche Frau. Sehr eindrücklich wird erzählt, wie sehr Jasons Ruhm auf ihrem Wissen, ihrer Magie und ihren Opfern beruht. Ein Blickwinkel, der sich deutlich von der klassischen Überlieferung abhebt. Der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig, allerdings fehlte mir eine ganz eigene Handschrift. Ton und Aufbau erinnern stark an andere Neuerzählungen, was gut funktioniert, aber irgendwie fehlte mir trotzdem etwas.
Trotzdem mochte ich die düstere Atmosphäre der Geschichte und Medeas emotionale und persönliche Entwicklung. Nicht die stärkste Neuerzählung der griechischen Mythologie, aber definitiv eine lesenswerte, die Medea eine Stimme gibt.