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Veröffentlicht am 25.09.2025

Bewegend, düster, dramatisch!

Coram House
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Alex Kelley ist Schriftstellerin und hat sich hauptsächlich auf True Crime spezialisiert. Nachdem ihr letztes Buch gefloppt ist, versucht sie sich diesmal daran, die Geschehnisse des Coram House aufzuarbeiten. ...

Alex Kelley ist Schriftstellerin und hat sich hauptsächlich auf True Crime spezialisiert. Nachdem ihr letztes Buch gefloppt ist, versucht sie sich diesmal daran, die Geschehnisse des Coram House aufzuarbeiten. Das einstige Waisenhaus birgt eine dunkle Vergangenheit und das damalige Verschwinden des kleinen Tommy ist immer noch nicht aufgeklärt. Alex bekommt Unterstützung von der ansässigen Polizei und Akteneinsicht in die früheren Vernehmungen. Je näher sie den Geheimnissen kommt, umso mehr Leichen tauchen plötzlich auf. Wer wird der oder die Nächste sein?

Ich mochte Alex als Protagonistin sehr gerne. Die Story wird einstig aus ihrer Sicht erzählt, wobei einige Kapitel Vernehmungsprotokolle aus den 80er Jahren sind. Alex ist wissbegierig, ehrgeizig und voller Tatendrang. Die erschütternden Geschehnisse in dem damaligen Waisenhaus gehen ihr ziemlich nahe und lassen ihr einfach keine Ruhe. Mir ging es ähnlich, denn was da ans Tageslicht kam, war mitunter schon schwer zu verarbeiten. Dass die Kinder nicht beim Namen genannt wurden, sondern Nummern zugewiesen bekamen, fand ich erschreckend genug. Aber zu erfahren, welche Schäden die täglichen Misshandlungen und der Missbrauch durch Priester und Nonnen angerichtet haben, hat mir wirklich den Atem geraubt. Harte Kost!

»Wissen Sie, was ich die ganze letzte Woche gemacht habe? Aussagen gelesen. Von missbrauchten Kindern. Von Kindern, die gesehen haben, wie andere missbraucht wurden. Ich habe die Aussage einer Frau gelesen, die mit angesehen hat, wie ein Kind ins Wasser gestoßen wurde, wie man es ertrinken ließ – und niemand hat ihr geglaubt. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn man so was mit sich herumträgt?« (Zitat)

Seybolt hat die Story mit ihrem dramatischen und düsteren Schreibstil perfekt in Szene gesetzt. Sie hat es nicht nur geschafft, den Spannungsbogen konstant oben zu halten, sondern mich dank der durchweg bedrückenden Atmosphäre an die Handlung zu fesseln. Ich konnte es kaum erwarten, weitere düstere Geheimnisse aufzudecken und noch tiefer in die Geschichte des verruchten Waisenhauses einzutauchen.

PS: Ich könnte Heidi Jürgens stundenlang zuhören! Sie ist eine großartige Sprecherin. Ihre Stimme klingt angenehm und hat so eine gewisse beruhigende Wirkung, die stark im Kontrast zum Erzählten steht. Mega!

Fazit: Ein bewegender Thriller, der mich emotional mächtig herausgefordert hat. Die düsteren Geheimnisse rund um das Waisenhaus sind gewiss nichts für schwache Nerven, aber Seybolt hat hier eine tolle Story daraus geschaffen, die ihr unbedingt lesen oder hören solltet.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Spannendes Konstrukt aus Lügen und Intrigen

Wenn du wieder lügst
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Jared Crosby ist wahnsinnig attraktiv und zudem der neue Tennislehrer im Camp Pendleton. Die vier Mädchen Blakely, Grace, Meg und Thera haben direkt ein Auge auf ihn geworfen. Vor allem Blakely ist angetan ...

Jared Crosby ist wahnsinnig attraktiv und zudem der neue Tennislehrer im Camp Pendleton. Die vier Mädchen Blakely, Grace, Meg und Thera haben direkt ein Auge auf ihn geworfen. Vor allem Blakely ist angetan von seiner Schönheit und dem Reiz, etwas Verbotenes mit ihm zu tun. Doch genau das wird Jared zum Verhängnis und er wird kaltblütig ermordet. Die vier Freundinnen sind schockiert und beenden aufgrund der Ereignisse zunächst den Kontakt zueinander. Heute, sechsundzwanzig Jahre später, treffen sie aufgrund einer anonymen Nachricht wieder aufeinander. Dabei steht nur eine Frage im Raum: Wer spielt hier ein falsches Spiel?

Die Geschichte wird uns aus mehreren Perspektiven erzählt. So kommen alle vier Mädchen abwechselnd zu Wort und berichten über die Geschehnisse von damals und heute. Ein paar Kapitel sind auch Regina gewidmet – der Ehefrau von Jared. Die Auswahl der Protagonisten ist Berry hervorragend gelungen. Jede einzelne Figur hat ihr eigenes Schicksal, sei es Mobbing, Bulimie oder Homosexualität. Berry geht auf alle Themen sehr intensiv ein und spricht auch zu Beginn eine entsprechende Triggerwarnung aus. Die hätte es meiner Meinung nach aber gar nicht gebraucht.

Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend und mitreißend. Die stetigen Perspektivwechsel lockerten die Handlung auf und fesselten mich an die Seiten. Ich mochte die Zeitsprünge in die Vergangenheit sehr gern und habe mit Neugier die Geschehnisse rund um den Mord an Jared verfolgt. Aber auch die gegenwärtigen Ereignisse sind an Dramatik kaum zu überbieten. So gibt es im Schlussteil eine krasse Wendung, die ich zum einen niemals erwartet hätte und die gleichzeitig ein ganz anderes Licht auf die ein oder andere Person der Mädelsgruppe wirft.

Fazit: Lucinda Berry überzeugt mit einer spannenden Story, in der nichts ist, wie es zunächst scheint. Sie spinnt ein Konstrukt aus Lügen und Intrigen und macht es damit fast unmöglich, die wahre Realität im Auge zu behalten. Cooler Plot!

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Nervenkitzel, Drama - und eine wichtige Botschaft

Himmelerdenblau
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Zwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. ...

Zwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. Zwanzig Jahre, ein wunderbarer Zeitpunkt, um den Vermisstenfall in einem True Crime Podcast neu aufzurollen und alte Geister heraufzubeschwören, die besser auch weiterhin geruht hätten.

Romy Hausmann versteht es, Phänomenen unserer Zeit bewusst Raum zu geben, ohne dabei den Blick für unsere Gesellschaft und deren schwerwiegenden Probleme zu verlieren. Dabei fasziniert sie mich immer wieder mit ihrer klaren, schnörkellosen Sprache und ihrem Talent, eine unterschwellig schaurige Atmosphäre zu schaffen.

„Himmelerdenblau“ erzählt die Geschehnisse aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Figuren. Auch die Gegenüberstellung der strukturierten Recherchearbeit der Podcasterin Liv und Theos verzweifeltem Versuch, sich zu erinnern, schaffen einen Gegensatz, der die Dramatik der Story nur noch umso deutlicher unterstreicht.

Wirklich tief berührt hat mich Theo, mit all seinen Ecken und Kanten, vor allem mit seiner Demenz. Er ist ein authentisch gezeichneter Charakter, mit dem man bangt, der unglaublich niedlich ist und in seiner Verzweiflung die Leserschaft mit sich in eine tiefe Traurigkeit zieht. Romy Hausmann hat mit Theo eine Figur erschaffen, die man sofort ins Herz schließt - und auch lange nach Zuklappen der Buchdeckel nicht gehen lassen kann.

Bis kurz vor Schluss hatte ich keine Ahnung, worauf die Story eigentlich hinauslaufen soll. Ideen, wie das Ganze ausgehen könnte? Fehlanzeige! Ich wusste nur, wie es sehr wahrscheinlich nicht enden wird. Und mit diesen Vermutungen lag ich auch richtig. Tatasche ist, der Twist am Ende hat mich vollends geplättet! Gleichzeitig erzählt die Autorin so schlüssig und überzeugend, dass es nie anders hätte ausgehen können. Das ist Erzählkunst der Spitzenklasse!

Fazit: Spannung, Gänsehaut, eine emotionale Achterbahnfahrt - all das bietet „Himmelerdenblau“ und reißt dabei tiefe Wunden in die Seele. Ein Buch zum Nachdenken, Mitfühlen und Erschaudern. Wer es nicht liest, ist selber schuld!

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Hat mich emotional völlig durcheinandergebracht

Ich hol mir dein Leben
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Im Prolog lernen wir die Zwillinge Tim und Tom kennen, die im Kinderheim leben. Das Verhältnis der beiden ist nicht rosig, und schnell wird klar, dass Tom die Oberhand hat. Als eine mögliche Adoption bevorsteht, ...

Im Prolog lernen wir die Zwillinge Tim und Tom kennen, die im Kinderheim leben. Das Verhältnis der beiden ist nicht rosig, und schnell wird klar, dass Tom die Oberhand hat. Als eine mögliche Adoption bevorsteht, sticht Tom seinen Bruder fies aus und ergaunert sich den Platz in der Pflegefamilie. Jahre später treffen die beiden Brüder wieder aufeinander und sind sich sicher, dass der jeweils andere ihnen das Leben geklaut hat. Während Tims Leben den Bach runter ging und er sogar ins Gefängnis musste, hat Tom ein viel schlimmeres Schicksal ereilt. Er litt Höllenqualen unter seiner Adoptivmutter - und dieses Trauma hat ihn zu einem echten Monster gemacht.

„Der Tag an dem ich Tim zurückließ, war der Beginn meines nie enden wollenden Albtraums.“ (Zitat)

Die Rückblicke in Toms Kindheit nach der Adoption sind erschütternd und haben mir emotional einiges abverlangt. Auf grauenvolle Art und Weise werden wir Zeuge, wie der kleine Tom von seiner neuen Mama gedemütigt und misshandelt wird. Ich war sprachlos über ihre selbst erfundenen Spiele, denen Tom nicht entkommen konnte. Jedes Mal schöpfte er aufs Neue die Hoffnung, dass dieses Spiel das letzte sein möge. Da hatte ich eine fette Gänsehaut, ehrlich! Er wurde gebrochen, und auch jetzt als reicher, erwachsener Mann hat er noch mit den Folgen dieses schweren Traumas zu kämpfen. Wäre sein Leben anders verlaufen, wenn Tim statt seiner adoptiert worden wäre?

Tim hingegen hatte gar keine andere Wahl, als auf die schiefe Bahn zu geraten. Nachdem sein Bruder ihn im Stich gelassen hat, ging Tims Leben nur noch bergab. Drogen, Gefängnis und ein gebrochenes Herz. Erst als er sich mit Maja anfreundet, die gegenüber von ihm wohnt, scheint sein Leben wieder Sinn zu haben. Maja zeigt Tim, wie schön das Leben sein kann und wie unfair es ist, dass sein fieser Bruder in einer prunkvollen Villa lebt und er in diesem Sozialbau sitzt. Sie überzeugt Tim davon, dass Tom ihm sein Leben geraubt hat und es Zeit ist, es sich zurückzuholen.

Der Schreibstil von Jana Martin ist mitreißend, hoch emotional und wendungsreich. Ich habe die beiden Erzählperspektiven der Brüder geliebt und auch ihre Entwicklung mit Neugier verfolgt. Gerade die Passagen aus Toms schlimmer Kindheit gingen mir sehr nahe. Die Mischung aus Wut, Neugier und Faszination machen dieses Buch so einzigartig. Ich habe selten so viele Emotionen auf einmal durchlebt und bin immer noch fix und fertig von dieser Handlung!

Fazit: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und dennoch muss ich es einfach weiterempfehlen! Es hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und emotional völlig durcheinandergebracht. Ich liebe Stories über Geschwister - und diese hier hat mich ganz besonders gepackt. Müsst ihr selbst lesen!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Nervenaufreibender Krimi, gut ausgetüftelt

Halloweenkind
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Es ist der Albtraum jeder Familie – das eigene Kind wird entführt. So erging es auch Tom und Amir. An Halloween vor genau zwei Jahren verschwand ihr Adoptivkind Vincent spurlos. Bis heute gibt es keinen ...

Es ist der Albtraum jeder Familie – das eigene Kind wird entführt. So erging es auch Tom und Amir. An Halloween vor genau zwei Jahren verschwand ihr Adoptivkind Vincent spurlos. Bis heute gibt es keinen Hinweis auf sein Verbleiben. Mit der Angst im Nacken wollen die Familien in Neuss dennoch an diesem Halloween wieder um die Häuser ziehen und Süßes oder Saures sammeln. Doch die Freude hält nur kurz, denn plötzlich ist der elfjährige Joshua verschwunden. Er trug genau wie Vincent damals ein Geisterkostüm. Ist ihm das zum Verhängnis geworden? Wer macht Jagd auf die unschuldigen Kinder? Und gibt es noch Hoffnung auf eine Rückkehr?

Direkt zu Beginn der Story stellt uns Engels alle Charaktere detailliert vor. Auf den ersten Blick ist es eine Vielzahl an Protagonisten, doch diese sind tatsächlich leicht auseinanderzuhalten. Wir erleben die Story auf zwei Zeitebenen. Zum einen wird das Verschwinden von Vincent vor zwei Jahren beleuchtet, während auf der anderen Ebene die aktuellen Geschehnisse rund um Joshua Thema sind. Ich mochte beide Perspektiven sehr gerne und habe die tragischen Ereignisse mit Neugier verfolgt. Ich war dankbar, dass wir die Geschichte hauptsächlich aus Leas Sicht geschildert bekommen, denn als Ex-Journalistin hat sie einfach ein Händchen für detaillierte Berichterstattungen.

Der Schreibstil von Engels ist mitreißend, düster und pointiert. Er hat nicht nur eine angespannte Atmosphäre geschaffen, sondern mich mit geschickten Wendungen mehrmals hinters Licht geführt. Irgendwann war ich so skeptisch, dass ich einfach niemandem mehr getraut habe. Aus gutem Grund, wie sich herausstellte! Das Ende ist dem Autor hervorragend gelungen. Ich hatte bis dahin absolut keine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, und wurde positiv überrascht.

Steffen Rössler macht als Sprecher einen tollen Job! Er weiß genau, wann er Pausen setzt und bestimmte Nuancen, zum Beispiel für dramatische Szenen, einfließen lässt. Ich habe gern seiner Stimme gelauscht.

Fazit: Ein nervenaufreibender Krimi über das Verschwinden zweier Kinder und dunkle Familiengeheimnisse. Hier ist nicht nur die Spannung von Anfang bis Ende präsent, sondern auch das Misstrauen gegenüber den Protagonisten. Genial ausgeklügelt und daher wärmstens zu empfehlen!

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