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Veröffentlicht am 14.09.2025

Mit Tamina Kallert auf Kurzurlaub im Kopf

Die Füße im Sand, die Nase im Wind
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Sand zwischen den Zehen, Wind in der Nase und im Kopf eine wilde Mischung aus Fernweh und purem Lebenshunger – genau so hat sich dieses Buch beim Lesen angefühlt. Tamina Kallert schafft es, mit ihrer offenen, ...

Sand zwischen den Zehen, Wind in der Nase und im Kopf eine wilde Mischung aus Fernweh und purem Lebenshunger – genau so hat sich dieses Buch beim Lesen angefühlt. Tamina Kallert schafft es, mit ihrer offenen, erfrischenden Art nicht einfach nur Geschichten über Reisen zu erzählen, sondern ein ganzes Kopfkino anzuzünden. Es ist, als ob man beim Umblättern plötzlich in einer kleinen Seitenstraße in Lissabon steht, einen Kaffee in Rom schlürft oder in den Bergen völlig unerwartet ins Herz eines Fremden blickt.

Dabei geht es gar nicht darum, Kilometer zu fressen oder exotische Länder von einer Liste zu streichen. Viel mehr packt sie die Momente aus, die sonst im Alltag gerne untergehen: das Lächeln eines Fremden, das Geräusch der Wellen im Hintergrund, der Gedanke, dass man sich gerade selbst ein Stück näherkommt. Und das Ganze serviert mit einer Lockerheit, die einen gleichzeitig zum Schmunzeln und Nachdenken bringt.

Dieses Buch hat mich erwischt wie ein spontaner Sommerregen: plötzlich, überraschend und irgendwie befreiend. Man klappt es zu und hat das Gefühl, als hätte man nicht nur eine Reise um die Welt gemacht, sondern auch einmal quer durchs eigene Herz. Wer also Lust hat, sich vom Sofa aus eine Portion Optimismus, Leichtigkeit und Abenteuerlust zu gönnen, wird hier definitiv fündig.

Kurz gesagt: Kein trockenes Reisegequatsche, sondern eine Einladung, die Welt mit frischen Augen zu sehen – und vielleicht sogar die eigene Straße, das nächste Gespräch oder den eigenen Alltag. Tamina Kallert schenkt nicht nur Reiselust, sondern auch eine Prise Mut, die Nase in den Wind zu halten, selbst wenn es gerade mal nicht nach Urlaub riecht.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Staunen, Kichern, Lernen – Vögel für die ganze Familie

Wundervolle Welt der Vögel
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Federleicht und gleichzeitig schwer beeindruckt hat es mich mit meinem Neffen in die Seiten dieses prachtvollen Buches geweht. Man klappt es auf, und zack – sitzt gefühlt ein Ara im Wohnzimmer und schaut ...

Federleicht und gleichzeitig schwer beeindruckt hat es mich mit meinem Neffen in die Seiten dieses prachtvollen Buches geweht. Man klappt es auf, und zack – sitzt gefühlt ein Ara im Wohnzimmer und schaut dich an, als wollte er fragen: „Na, wo bleibt die Erdnuss?“ Schon beim ersten Durchblättern knallt einem die Farbenpracht entgegen, als wäre die Natur in einen Regenbogen gefallen und hätte beschlossen, einfach so zu bleiben.

Wir haben zusammen laut gestaunt, wenn der Kolibri fast schon wie ein kleiner Hubschrauber mitten in der Luft hängen bleibt oder der Albatros mit seiner absurden Lebensspanne von 50 Jahren daherkommt, als wäre er der Methusalem der Lüfte. Mein Neffe meinte irgendwann ganz trocken: „Onkel, die Vögel haben ein geileres Leben als wir.“ Und da musste ich ihm fast zustimmen. Dieses Buch macht einem klar, wie genial diese gefiederten Freaks eigentlich sind.

Besonders gefeiert haben wir die Mischung: wissenschaftlich fundierte Infos, aber so locker verpackt, dass man nicht das Gefühl hat, im Biologieunterricht gefangen zu sein. Die Illustrationen und Fotos sind so detailverliebt, dass man fast das Gefühl bekommt, man könnte das Federkleid anfassen. Die Gestaltung mit Goldschnitt und Lesebändchen macht das Ganze dann endgültig zu einem Schatz.

Kurz gesagt: Dieses Buch ist wie ein Überraschungsei in XXL – Wissen, Staunen und pure Schönheit, alles in einem. Wer Kinder hat, neugierig ist oder einfach mal was anderes sehen will als graue Stadttauben, sollte sich diesen Titel gönnen. Es macht nicht nur schlau, sondern auch richtig Spaß. Und mal ehrlich: Wer hat nicht Lust, beim Blättern kurz selbst Flügel auszuprobieren?

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Bunter Spaß mit einer ordentlichen Portion Pups

Mein erster Malblock
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Kaum hat man den Titel gelesen, grinst man schon wie ein Honigkuchenpferd. Furzipups – allein das Wort macht so viel Spaß, dass klar war: Das Teil muss her! Und was soll ich sagen? Genau so bekloppt, witzig ...

Kaum hat man den Titel gelesen, grinst man schon wie ein Honigkuchenpferd. Furzipups – allein das Wort macht so viel Spaß, dass klar war: Das Teil muss her! Und was soll ich sagen? Genau so bekloppt, witzig und schräg, wie man es sich wünscht. Ein Malblock, der nicht einfach nur ein Malblock ist, sondern pure Unterhaltung mit jeder Seite.

Die 32 Motive sind ein Fest für alle kleinen Nachwuchs-Künstler. Mal pupst da einer durch die Gegend, mal gibt es herrlich alberne Figuren, die zum Kichern einladen. Es ist dieser perfekte Mix aus Ausmalspaß und kindlichem Humor, den Eltern und Kids gemeinsam feiern können. Und ja, ich habe selbst ein paar Striche ausprobiert (rein zu Testzwecken natürlich) – macht richtig Laune.

Das Cover von Wiebke Rauers knallt sofort ins Auge, Lena Lackmann hat die Motive super umgesetzt und Kai Lüftners Humor blitzt durch jede Seite. Genau dieser Stil, der eben nicht langweilig brav daherkommt, sondern mit einem Augenzwinkern das Chaos feiert.

Das Beste: Unser Nachwuchs wird es lieben, die Seiten vollzukritzeln, und ich freue mich ehrlich darauf, wenn das erste Kunstwerk entsteht. Denn das Ding ist nicht nur Beschäftigung, es ist auch Erinnerung. Jede Seite wird zum kleinen Kunstprojekt, das man später nochmal anschaut und sich fragt: „Was zur Hölle hat das Kind sich da gedacht?“ Genau so muss Kindheit sein – bunt, wild, ein bisschen verrückt.

Für Eltern, die Humor haben und auch mal albern sein wollen, ist dieser Malblock ein Volltreffer. Furzipups macht seinem Namen alle Ehre und bringt Lachen, Farbe und gute Laune ins Haus. Absolute Empfehlung, mit ganz viel Glitzer, Pups und Herzchen drauf!

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Mitten im Fluss der Gefühle – Elizabeth Gilbert in Höchstform

All the Way to the River
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Wahnsinn, was für ein Brett von Buch! Elizabeth Gilbert wirft einen nicht nur ins kalte Wasser, sondern gleich mitten in den reißenden Fluss ihrer eigenen Geschichte. Man paddelt zwischen Hoffnung und ...

Wahnsinn, was für ein Brett von Buch! Elizabeth Gilbert wirft einen nicht nur ins kalte Wasser, sondern gleich mitten in den reißenden Fluss ihrer eigenen Geschichte. Man paddelt zwischen Hoffnung und Schmerz, zwischen Liebe und Abgrund – und irgendwie schafft sie es, dass man gleichzeitig lachen, schlucken und am liebsten kurz durchs Zimmer rennen möchte, um die Emotionen loszuwerden. Das ist keine leichte Kost, klar. Aber genau deshalb trifft es mitten ins Herz.

Was mich komplett geflasht hat: Diese unverschämte Ehrlichkeit. Keine weichgespülte Hollywood-Romantik, sondern knallharte Realität. Eine Beziehung, die gleichzeitig Erlösung und Höllenritt ist. Zwei Menschen, die sich lieben, kämpfen, verlieren – und doch bleibt dieses Gefühl von Größe, weil Gilbert es schafft, das Dunkel nicht nur zu zeigen, sondern darin auch Licht zu finden. Respekt.

Es ist nicht dieses „Eat Pray Love“-Glitzer-Reise-Abenteuer, das einem die perfekte Selfcare-Postkarte liefert. Nein, „All the Way to the River“ ist wie ein schiefer Cocktail: süß, bitter, ein bisschen brennend – aber gerade deshalb unvergesslich. Ein Buch, das dich beim Lesen anschaut, als würde es sagen: „Na, hast du dich schon mal so richtig verlaufen?“ Und ehe man’s merkt, nickt man.

Am Ende bleibt eine Mischung aus Tränen, Dankbarkeit und dieser stillen Wucht, die einen verändert. Man klappt die letzte Seite zu, schaut kurz aus dem Fenster und denkt: Das hier, genau das, ist Leben. Chaotisch, schön, grausam, heilsam. Danke, Elizabeth Gilbert, für diesen wilden, ehrlichen Ritt. Und ja – volle fünf Sterne, weil weniger einfach lächerlich wäre.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Alte Wunden, neue Wahrheiten – Kutscher dreht auf

Westend
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Kein Krimi, sondern ein Zeitreise-Dauerfeuer, das so lässig wie gnadenlos durch die Jahrzehnte ballert. Volker Kutscher zieht hier keine Nummer mehr mit dem alten Kommissar Rath, er zieht gleich den Vorhang ...

Kein Krimi, sondern ein Zeitreise-Dauerfeuer, das so lässig wie gnadenlos durch die Jahrzehnte ballert. Volker Kutscher zieht hier keine Nummer mehr mit dem alten Kommissar Rath, er zieht gleich den Vorhang zur großen Lebensbeichte. Und das funktioniert erstaunlich gut – wie ein Tonbandgerät, das noch knarzt, aber dafür mehr Wahrheit liefert als jede Hochglanz-Doku.

Die Mischung aus Interview, Erinnerungen und unterschwelliger Bedrohung ist ein echter Lesetrip. Da sitzt man plötzlich mit im Seniorenheim, hört die Stimme von Gereon Rath, spürt die Kälte des Altenheims und gleichzeitig die Hitze der Vergangenheit. 1931, 1953, 1973 – alles verknüpft, alles voller Fallstricke. Hier gibt es kein einfaches „damals war’s“, sondern einen Strudel aus Rache, Verrat und Schweigen.

Besonders genial: Kat Menschiks Illustrationen, die wie kleine Schockmomente aus der Geschichte springen. Man klappt eine Seite auf und zack – Bild im Kopf, Atmosphäre verstärkt, fast schon ein visuelles Echo der Worte.

Das Ganze liest sich wie ein Mix aus Geschichtsstunde und Thriller, garniert mit dieser typisch lakonischen Kutscher-Sprache, die nie übertreibt und trotzdem alles trifft. Kein Actiongeballer, sondern subtile Spannung, die nachhallt. Manchmal sitzt man da, schmunzelt über eine trockene Bemerkung, und im nächsten Moment zieht’s einem den Magen zusammen.

Kurzum: Westend ist kein netter Nachschlag für Fans, sondern ein eigenständiges Biest, das noch einmal zeigt, wie viel Tiefe in Gereon Rath steckt. Keine Nostalgie-Show, sondern ein literarischer Schlagabtausch mit der Geschichte – und mit dem eigenen Gewissen. Hut ab, das ist kein Buch für nebenbei, sondern eins, das im Kopf bleibt.

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