Toller Prequel der Hexer-Reihe
Kreuzweg der RabenAndrzej Sapkowski bleibt auch mit Kreuzweg der Raben seiner ganz eigenen Handschrift treu – und das ist eine große Stärke dieses Buches. Der Schreibstil hebt sich spürbar von der modernen Fantasy ab, ist ...
Andrzej Sapkowski bleibt auch mit Kreuzweg der Raben seiner ganz eigenen Handschrift treu – und das ist eine große Stärke dieses Buches. Der Schreibstil hebt sich spürbar von der modernen Fantasy ab, ist bildreich, atmosphärisch und mit herrlichen Dialogen. Es ist wie immer düster und brutal; jedoch so trocken, zynisch und süffisant dass es Spaß macht zu lesen.
Besonders interessant ist, dass wir hier einen jüngeren Geralt kennenlernen: idealistischer, naiver, oft auch unsicherer. Damit wird nachvollziehbar, wie sich sein späteres Weltbild entwickelt – seine Distanz zu menschlichen Intrigen, seine Belesenheit, seine oft ernüchterte Sicht auf die Politik. Gerade dieser Aspekt macht den Roman zu einer wertvollen Ergänzung des Hexer-Universums.
Auf den ersten Blick wirkt die dargestellte Welt rau und sexistisch, (Frauen werden meistens als „Weiber“ betitelt) doch Sapkowski positioniert seinen Protagonisten klar dagegen. Zwischen den Zeilen zeigt sich ein Autor, der trotz seines Alters und Hintergrunds sehr progreussiv schreibt: pro Frauenrechte, pro Abtreibungsrecht, sex-worker positiv – und dabei kritisch gegenüber Macht, Reichtum und männlichen Privilegien.
Trotz aller Brutalität ist Kreuzweg der Raben überraschend positiv. Da wir wissen, dass Geralt diese Geschichte überlebt, liest sich der Roman fast wie eine düstere „Slice of Life“-Episode im Hexer-Universum, in dem sich die zuerst einzelnen Episoden dann zu einem Großen und Ganzen zusammenfügen. Anders als in den späteren Büchern steht hier nicht das Schicksal ganzer Welten auf dem Spiel, sondern eher das einzelner Figuren.
Ich persönlich könnte jedes Jahr solch ein Buch lesen, von mir also eine klare Empfehlung.