Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
online

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2025

Zwischen Asche und Aperol – ein Gefühlsrausch der besonderen Art

Let’s Talk About Feelings
0

Gefühle. Ein Wort, das in meinem Kopf immer ein bisschen klingt wie ein ironischer Ratgeber-Podcast, den keiner hören will – und dann kommt Leif Randt daher und macht daraus ein literarisches Feuerwerk. ...

Gefühle. Ein Wort, das in meinem Kopf immer ein bisschen klingt wie ein ironischer Ratgeber-Podcast, den keiner hören will – und dann kommt Leif Randt daher und macht daraus ein literarisches Feuerwerk. Da läuft ein Typ namens Marian Flanders durch Berlin und die halbe Welt, und während er mit Designerklamotten jongliert, Halbgeschwister bestaunt und Flirts auslotet, stolpere ich als Leser in eine Zwischenwelt aus Trauer, Sehnsucht, absurdem Alltag und einem unfassbar trockenen Humor.

Es fängt mit einem Abschied an, und man denkt: okay, jetzt kommt die große Melancholie-Keule. Pustekuchen. Stattdessen wird auf einem Partyboot die Asche verstreut, es gibt eine Rede, die so entwaffnend ehrlich ist, dass man gleichzeitig weinen und schmunzeln will. Und genau so geht’s weiter: Randt schafft es, das Leben in all seiner bittersüßen Schrägheit einzufangen, ohne jemals kitschig zu werden. Ich schwöre, manchmal hatte ich das Gefühl, er beschreibt den inneren Monolog von jemandem, der gerade im Späti überlegt, ob er Club-Mate oder Bier kaufen soll – nur auf 200 Seiten verdichtet und mit mehr Stil.

Was mich komplett gekriegt hat: diese Mischung aus Optimismus und Trotz. Marian lässt sich nicht in die klassische Midlife-Crisis-Schublade stecken, er erfindet seine eigene Version davon. Zwischen Wolfsburg und Sapporo, zwischen modischer Sinnkrise und echter Nähe passiert etwas, das man schwer benennen kann, aber umso mehr spürt. Und genau dafür lese ich Bücher: nicht, um perfekte Antworten zu bekommen, sondern um das Chaos des Lebens in Worte gefasst zu sehen.

Leif Randt hat hier kein klassisches Drama, keinen schnulzigen Roman und auch keine seichte Comedy geschrieben. Er hat einen Spiegel aufgestellt, in dem man sich selbst ertappt – mit einem schiefen Grinsen und ein bisschen Herzklopfen. Ganz ehrlich: selten so viel Spaß beim Mitfühlen gehabt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Von Mauern, die bröckeln, und Herzen, die aufblühen

Tage wie Buchstabensuppe
0

Nicht zu fassen, wie ein Buch mit so einem Titel gleich so tief in die Gefühlswelt rauscht! „Tage wie Buchstabensuppe“ klingt erstmal nach Wohlfühlkost mit ein paar Nudeln im Suppentopf – in Wahrheit steckt ...

Nicht zu fassen, wie ein Buch mit so einem Titel gleich so tief in die Gefühlswelt rauscht! „Tage wie Buchstabensuppe“ klingt erstmal nach Wohlfühlkost mit ein paar Nudeln im Suppentopf – in Wahrheit steckt aber ein komplettes Menü fürs Herz dahinter. Da sitzt man als Leser plötzlich in einer bunten WG im Ostallgäu, wird mit schrulligen, liebenswerten Figuren bombardiert und merkt, wie schnell die eigenen Mauern zu bröckeln beginnen. Kayla, die Goldschmiedin mit dem Rucksack voller Vergangenheit, hat mich echt gepackt. Manchmal wollte ich ihr einen Schubs geben, manchmal hätte ich ihr am liebsten nen Kaffee hingestellt und gesagt: „Mädel, es wird schon!“

Und dann kommt Josch um die Ecke, charmant und mit einer Engelsgeduld, die man heutzutage echt suchen muss. Ich hab mich köstlich amüsiert, wie er Stück für Stück die Schutzschilde niederreißt. Aber das Sahnehäubchen des Romans ist für mich Lio – diese obdachlose, ältere Frau mit beginnender Alzheimererkrankung. Ihre Lebensweisheit hat mich mehrmals schlucken lassen. Zwischen Chaos, Witz und tiefen Fragen haut sie Sätze raus, die einen direkt ins Herz treffen.

Elisabeth Büchle schafft es, das schwere Thema Vergangenheit, Verletzungen und Neubeginn mit einer Leichtigkeit zu verbinden, die weder kitschig noch oberlehrerhaft wirkt. Stattdessen liest sich das wie eine göttlich gewürzte Mischung aus Lebensfreude, Melancholie und Humor. Ich hab so viel gelacht, geseufzt und zwischendurch gedacht: „Ja, genau das ist es – Beziehungen sind das, was zählt.“

Ein Roman, der zeigt, wie Gott manchmal Menschen in unser Leben schickt, die alles durcheinanderwirbeln – und uns gerade dadurch den wahren Wert des Lebens vor Augen führen. Für mich: Lese-Highlight, Herzöffner und Seelensuppe in einem. 🍲✨

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Warum wir viel netter sind, als die Nachrichten behaupten

Verbinden statt spalten
0

Kein Mensch braucht noch ein Buch, das uns erklärt, wie schlimm alles ist – davon gibt’s schon genug in den Nachrichten. Aber ein Buch, das zeigt, wie viel besser wir eigentlich drauf sind, als uns eingeredet ...

Kein Mensch braucht noch ein Buch, das uns erklärt, wie schlimm alles ist – davon gibt’s schon genug in den Nachrichten. Aber ein Buch, das zeigt, wie viel besser wir eigentlich drauf sind, als uns eingeredet wird? Genau das hat Gilda Sahebi hier hingelegt. Und ganz ehrlich: Ich habe beim Lesen ständig genickt, geschmunzelt und mich gefragt, warum wir uns eigentlich so gern einreden lassen, dass Deutschland ein riesiger Streitclub ist.

Die Autorin haut die Fake Stories auseinander, die uns tagtäglich um die Ohren fliegen. Von Migration bis Gender-Debatten, von Corona bis Kriegsdiskussionen – Sahebi zeigt, wie geschickt da an der Eskalations-Schraube gedreht wird. Und zwar nicht, weil das Volk so unfassbar zickig wäre, sondern weil bestimmte Leute politisches Kapital daraus schlagen. Klingt düster, ist aber sauklug und auch noch gut lesbar verpackt.

Was mich richtig gekickt hat: Sie stellt dem ganzen Theater die Realität gegenüber. Studien und echte Beispiele, die beweisen, dass wir im Alltag gar nicht so zerstritten sind, wie es immer heißt. Im Gegenteil: Die meisten Menschen sind hilfsbereit, kooperativ und wollen einfach in Ruhe ihr Leben leben. Da steckt mehr Miteinander drin, als man denkt – und genau das vergisst man oft, wenn man sich von Talkshows berieseln lässt.

Das Buch ist kein moralischer Zeigefinger, sondern ein Reality-Check mit Humor und Biss. Es zeigt, dass Verbindung nicht nur ein esoterisches Buzzword ist, sondern tatsächlich in uns allen steckt. Und dass wir die Macht haben, uns nicht ständig in den künstlichen Kampfmodus treiben zu lassen. Nach der letzten Seite war ich gleichzeitig schlauer, entspannter und sogar ein bisschen optimistischer.

Kurz gesagt: Pflichtlektüre für alle, die keinen Bock mehr auf künstlich aufgeblasenes Drama haben – und endlich wieder sehen wollen, dass wir mehr gemeinsam haben, als uns irgendein Schlagzeilen-Kasper weismachen will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2025

365 Gebete, die wirklich ins Leben passen

Mit der Bibel für deine Kinder beten
0

Gebete für Kinder klingen erstmal nach einem frommen Pflichtprogramm – so nach dem Motto: Hände falten, Klappe halten. Aber dieses Buch hat mich komplett überrascht. Nancy Guthrie schafft es, die trockene ...

Gebete für Kinder klingen erstmal nach einem frommen Pflichtprogramm – so nach dem Motto: Hände falten, Klappe halten. Aber dieses Buch hat mich komplett überrascht. Nancy Guthrie schafft es, die trockene Theorie von „man müsste ja mehr beten“ in echte Alltagspraxis zu verwandeln. Und das Ganze nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern so, dass man sich denkt: Ach krass, das kann ich wirklich sofort ausprobieren.

365 Andachten und Gebete – klingt erstmal nach einer Menge Holz, ist aber wie ein spiritueller Werkzeugkasten. Jeden Tag ein Bibelvers, ein Gedanke dazu und dann ein Gebet, das man direkt für seine Kinder sprechen kann. Keine Floskeln, kein Kitsch. Sondern ehrlich, klar und manchmal richtig herausfordernd. Ich ertappe mich regelmäßig dabei, wie ich denke: „Stimmt, darum bete ich viel zu selten!“ Und plötzlich wird der Blick nicht nur auf die Kids gerichtet, sondern auch auf mein eigenes Herz. Ziemlich clever, wie die Autorin das hinbekommt.

Was mir gefällt: Es ist nicht dieser Zuckerwatte-Glaube, der nach drei Tagen in sich zusammenfällt. Die Texte haben Substanz. Es geht um Weisheit, Glauben, Beziehungen – kurz: um die Dinge, die im echten Leben zählen. Und selbst an Tagen, an denen ich komplett platt auf dem Sofa liege, reichen drei Minuten mit diesem Buch, um meine Perspektive wieder gerade zu rücken.

Am Ende merke ich: Ich bete nicht nur für meine Kinder, sondern wachse selber dabei. Vielleicht das coolste Nebenprodukt überhaupt. Für alle Väter und Mütter, die sich manchmal fühlen wie spirituelle Anfänger im Survival-Modus: Dieses Buch ist wie ein Navi mit göttlichem GPS. Und das Beste: Man muss sich dafür nicht verbiegen, man darf einfach ehrlich mit Gott reden – so wie man ist. Genau so soll’s sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2025

Wilde Ferien – wilder Buddyread!

Woodwalkers & Friends/Seawalkers & Friends. Wilde Ferien
0

Kaum hat man die letzte Seite umgeblättert, hängt man schon wieder wie ein Fisch an der Angel und will mehr. Diese wilden Ferien haben uns komplett reingezogen – mich und meine Tochter. Wir haben abwechselnd ...

Kaum hat man die letzte Seite umgeblättert, hängt man schon wieder wie ein Fisch an der Angel und will mehr. Diese wilden Ferien haben uns komplett reingezogen – mich und meine Tochter. Wir haben abwechselnd gelesen, diskutiert, gelacht und ein bisschen gezankt, wer jetzt schneller weiterlesen darf. Einer von uns (ich sag nicht wer) hat heimlich vorgeblättert. Verrat pur!

Die Kombi aus Regenwald-Action mit Carag, Holly und Brandon und der Ozean-Expedition mit Tiago, Shari und Chris hat uns richtig in Urlaubsstimmung katapultiert – mit Schweißperlen auf der Stirn und Salz in der Nase. Ständig neue Gefahren, freche Sprüche und dann diese typischen „Oh nein!“-Momente, wo wir beide gleichzeitig laut aufgestöhnt haben. Buddyread in Stereo, quasi.

Holly hat uns immer wieder zum Kichern gebracht, Brandon sorgt für Herz, und Tiago ist sowieso unser gemeinsamer Held. Die Mischung aus knalligen Abenteuern, Freundschaftsmomenten und Naturschutzthemen passt einfach perfekt. Meine Tochter hat beim Lesen plötzlich angefangen, Delfingeräusche nachzumachen, während ich ernsthaft überlegt habe, ob ich als Puma wirklich im Regenwald überleben könnte (Spoiler: wahrscheinlich nicht lange).

Besonders cool: die Extra-Kurzgeschichte mit den Kojoten-Jungs James und Joe – da haben wir uns sofort neue Spitznamen gegeben. Und die Illustrationen von Claudia Carls sind wie immer ein Highlight, die Figuren springen einem direkt entgegen.

Am Ende hatten wir beide das Gefühl, dass diese „Ferien“ eigentlich viel zu schnell vorbeigingen. Aber genau so muss ein Abenteuerbuch sein: ein wilder Ritt (oder besser gesagt Sprung, Tauchgang, Sprint) durch Fantasie, Natur und jede Menge Kopfkino. Fazit: Wilde Ferien = wilde Begeisterung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere