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Veröffentlicht am 15.09.2025

Wenn der Zeitgeist sich dreht

Die Frauen jenseits des Flusses
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Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, ...

Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, auch sie wäre gerne eine Heldin und sie ahnt nicht, dass für Frauen in ihrer Familie dieser Weg nicht vorgesehen ist. Sie macht eine Ausbildung als Krankenschwester und meldet sich für den Krieg in Vietnam. Kurz vor ihrer Abreise erhält die Familie die Nachricht, dass ihr Bruder in Vietnam gefallen ist. Ihren Eltern fällt es nun umso schwerer, auch sie noch ziehen zu lassen.

Dass der Weg zum Heldendasein aber ein sehr steiniger ist, gepflastert mit Toten, mit Verlusten, mit Enttäuschungen, mit Trauer, das hat niemand vorhergesagt.

Frankies Zeit in Vietnam ist geprägt von unsäglichem Leid, von Verletzungen und Sterben. Aber auf der anderen Seite ist da auch die Kameradschaft sowohl mit Ärzten als auch mit den Schwestern. Trotz dem Leid, das ihnen täglich begegnet, genießen sie die wenige freie Zeit, als ob es ihre letzte Stunde wäre.

Die Zeit in Vietnam macht aber nur die erste Hälfte des Buches aus. Irgendwann ist der Militärdienst vorbei und die Heimat ruft. Und die Rückkehr war für Frankie ganz anders, als sie es erwartet hatte und als es die Armeezeitungen, die man in Vietnam lesen konnte, vorhergesagt hatten.

In den USA hatte sich die Meinung in den 60er Jahren total gedreht. Aus Heldenverehrung war Verachtung geworden, die Soldaten, die nach Hause kamen wurden angespuckt und beschimpft. Sie wurden als Mörder gebrandmarkt. Sie hätten Befehle verweigern müssen, was bekanntlich während eines Krieges nicht ganz einfach ist. Die Politiker machen es sich leicht. Wenn sie ein Gewissen haben, treten sie zurück und zeigen sich nicht mehr ganz so oft in der Öffentlichkeit. Die Soldaten müssen ein ganzes Leben mit ihren Traumata leben, die Verletzungen quälen sie und keiner fühlt sich dafür zuständig. Den Frauen hat man nicht einmal eine Traumabewältigung zugestanden, offiziell gab es ja keine amerikanischen Frauen in Vietnam. Und gerade ihnen konnte man nicht den Vorwurf machen, Menschen erschossen oder Giftgas eingesetzt zu haben. Im Gegenteil: die Schwestern versuchten, sowohl vietnamesische als auch amerikanische Patienten zu behandeln und zu heilen.

Und so war es nur gut, wenn man Freundinnen hatte, mit denen man die schrecklichen Erinnerungen teilen konnte. Ethel und Barb begleiten sie über viele Jahre und sind ihr in ihren Depressionen eine wertvolle Stütze.

Für mich stand der Feminismus gar nicht so sehr im Vordergrund. Natürlich war der Vietnamkrieg mit allen seinen Facetten kein Ruhmesblatt für die USA. Aber dafür waren die Politiker und die militärische Führung verantwortlich und nicht die Soldaten. Die Soldaten wurden mit falschen Versprechungen in den Krieg gelockt und der Zeitgeist drehte sich während ihrer Abwesenheit. Fast 60.000 Soldaten starben während ihres Einsatzes, darunter auch eine kleinere Anzahl von Krankenschwestern und es war nicht fair, ihnen selbst die Schuld an ihrem Tod zu geben. Das Veteranendenkmal war das Mindeste, das man ihrer Erinnerung widmen konnte.

Ich fand es wichtig, dass Kristin Hannah dieses Buch geschrieben hat. Zum einen habe ich eine Menge über das Amerika der 60er Jahre und über den grausamen Krieg in Vietnam erfahren, zum anderen zeigt es aber auch, wie wankelmütig der Zeitgeist ist. Gerade verehrte man noch die Kriegshelden des 2. Weltkriegs und wenig später wurden Soldaten zu Mördern. Und so war das Buch für mich auch ein Anti-Kriegs-Epos, weil es den Soldaten und dem ärztlichen Personal Namen und ein Gesicht gab und die Einzelschicksale hinter dem großen Geschehen damit sichtbar machte. Ich habe über lange Passagen mit Frankie gelitten. Erst der Schluss hat mich ein wenig mit ihrem Schicksal versöhnt.

Für mich war es bislang das Lesehighlight dieses Jahres, ich mag es, wenn mich Bücher noch lange beschäftigen und ich hätte dem Buch auch 6 Punkte gegeben.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Auch der letzte Teil der Trilogie ist absolut lesenswert

Wir sehen uns wieder am Meer
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Es handelt sich hier um den letzten Teil einer Trilogie. Die beiden früheren Bände "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" sind seit Jahren Bestseller.

Schon der Titel ...

Es handelt sich hier um den letzten Teil einer Trilogie. Die beiden früheren Bände "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" sind seit Jahren Bestseller.

Schon der Titel drückt ganz viel Hoffnung aus. Hoffnung auf ein Wiedersehen, Hoffnung auf bessere Zeiten, auf Erholung, Urlaub, Spaß und das Titelbild unterstützt diesen Eindruck noch. Drei Frauen, die ihr Wiedersehen feiern, die gemeinsam tanzen und ihr Leben genießen. Die Grundstimmung und Farbgebung des Covers passt sich außerdem den beiden Vorgängerbänden an.

Diese Hoffnung zieht sich durch Birgits Leben. Der unbeschwerten Jugend und ihrer Freundschaft mit Tekla, die wir schon aus Band 1 kennen, folgt während des Krieges die Entscheidung, etwas Sinnvolles zu tun, Menschen in Not zu helfen und so lässt Birgit sich nach Nord-Norwegen versetzen an ein Krankenhaus in Bodø. Schnell stellt sie fest, dass die Deutschen gerade den Norden fest im Griff haben und dass es auch Norweger gibt, die sie dabei unterstützen.

Die Arbeit im Krankenhaus ist sinnvoll und erfüllend. Aber sie stellt auch fest, dass außerhalb des Krankenhauses Dinge passieren, von denen kaum jemand etwas weiß. Da gibt es Fremdarbeiter-Lager, in denen die Insassen täglich zur harten Arbeit in der Fischverarbeitung gezwungen werden und die Umgangsformen sind alles andere als höflich und zugewandt. Eine junge Frau fällt ihr auf, Nadia, die von den Deutschen aus der Ukraine nach Norwegen verschleppt wurde. Deren Freundin Daria wird mit einer akuten Blinddarmentzündung eingeliefert und operiert, Nadia hatte sie ins Krankenhaus begleitet. Da Birgit fließend Russisch spricht, wird sie die Ansprechpartnerin für russische Patienten, wenn die Deutschen tatsächlich einmal die Verlegung von Patienten in eine norwegische Klinik erlauben.

Das Buch ist, wie auch seine Vorgänger, so geschrieben, dass man es nur schlecht wieder aus der Hand legen kann. Man leidet mit den Lagerinsassen und Kriegsgefangenen und man leidet mit Birgit, als sie in den letzten Tagen des Krieges noch von den Nazis festgenommen wird. Die fanatischen Mitläufer wollen ihre Niederlage selbst dann noch nicht eingestehen, als international bekanntgegeben wird, dass Hitler Selbstmord begangen hat und sie quälen ihre Opfer weiter.

Sowohl Birgit als auch Nadia fällt es schwer, über die schlimmen Erlebnisse zu reden, sich jemandem anzuvertrauen. Birgit sehnt sich nach ihrer Freundin Tekla, von der sie nur weiß, dass sie Norwegen in Richtung Deutschland verlassen hat. So oft muss sie an Teklas Worte denken“ Wir können verurteilen, was sie tut, aber nicht sie selbst.“

Alle drei Freundinnen waren Opfer ihrer Zeit, der zweite Weltkrieg beendete alle ihre Träume, vereitelte ihre Pläne und die Nachkriegszeit bedeutete noch lange nicht das Ende ihres Leides. Trotzdem behielten sie sich ihre positive Grundeinstellung, tanzten im Regen und unterstützen sich gegenseitig. Trude Teiges Augenmerk liegt auf den Frauen, die während des Krieges an Stärke gewannen und über sich hinauswuchsen. Es waren starke Frauenfiguren, die sehr authentisch wirken.

Mir gefielen bereits die beiden Vorgängerbände ausgesprochen gut, sie ließen mich eine Menge über die Geschichte Norwegens während der Nazizeit lernen. Auch für diesen Band spreche ich gerne eine Leseempfehlung mit voller Punktzahl aus.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Zusammenstoß der Kulturen und Moralvorstellungen

Trophäe
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White Hunter – steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger hatte schon fast alles vor dem Lauf seines Gewehrs. Nur ein Nashorn fehlt ihm noch zu den Big Five und genau dieses bietet ihm sein Freund van ...

White Hunter – steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger hatte schon fast alles vor dem Lauf seines Gewehrs. Nur ein Nashorn fehlt ihm noch zu den Big Five und genau dieses bietet ihm sein Freund van Heeren zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, begibt sich auf die Jagd, aber ein Wilderer schnappt ihm das Nashorn vor der Nase weg. Seine Enttäuschung ist grenzenlos, aber van Heeren weiß einen Ausweg.

Das Buch ist sehr eindrücklich geschrieben. Jäger werden sich in den Schilderungen ganz oft wiederfinden, die Beschreibung der Jagd, der langen Verfolgung einer Beute und der Gefahr, die immer auch mit der Großwildjagd verbunden ist, nimmt sehr viel Raum ein. Man ist auf jedem Schritt der Jagd mit dabei, erlebt den Adrenalin-Schub mit, wenn das Wild sich plötzlich zeigt. Und man erlebt die Enttäuschung mit, wenn der Wind dreht und das Tier Witterung aufnimmt und flüchtet. Welcher Augenblick ist der perfekte, wann kann man das Tier so treffen, dass es mit einem Schuss getötet wird. Zögern kann bestraft werden, in Sekunden ist die einmalige Gelegenheit vorbei und ergibt sich auch nicht wieder. Hunter erinnert sich immer wieder an die Jagden zusammen mit seinem Großvater und seinem Vater. Alle waren begeisterte Großwildjäger, wobei die Herangehensweise sich in den letzten 70 Jahren grundlegend geändert hat.

Jagden sind heute eine Einnahmequelle für das Land, sie müssen teuer bezahlt werden, damit der restliche Tierbestand geschützt werden kann. Geschossen wird überdies nur das Wild, das entweder alt und schwach ist oder für die Herde nicht von Vorteil ist. Hege wird großgeschrieben. Und so sind Jagdlizenzen ein effizienterer Weg des Tierschutzes als der Naturschutz selbst, der viel zu oft von Wilderern ausgehebelt wird. Dem Tier muss ein Wert beigemessen werden, für den es sich lohnt, es zu schützen und das ist der Preis für eine Jagdlizenz.

Hunter ist wohlhabend genug, sich seinen Traum erfüllen zu können. Dennoch ist ihm das Nashorn vor der Nase weggeschnappt worden und er fühlt sich um seine Trophäe betrogen. Diese Situation nutzt van Heeren aus. Er schlägt Hunter vor, er möge anstatt der Big Five doch die Big Six anstreben. Und diese Alternative ist für Amerikaner und Europäer eine moralische Herausforderung und eigentlich undenkbar.

Umso verwirrter ist er, dass diese Option bei den Afrikanern auf Zustimmung trifft.

In Gaea Schoeters Buch treffen zwei ganz verschiedene Denkrichtungen aufeinander, man könnte es auch einen Clash of Cultures nennen und es ist erstaunlich, dass das Undenkbare dann doch so begründet wird, dass man dieser Begründung folgen kann.

Und doch hat sich immer wieder alles in mir dagegen gewehrt, solchen Gedanken überhaupt zu folgen. Den Ausgang des Buches empfand ich dementsprechend als ausgleichende Gerechtigkeit.

Das Buch ist ausgesprochen lesenswert, es konfrontiert uns Europäer mit der Tatsache, dass unser Blick auf Afrika noch immer von der Kolonialzeit geprägt ist. Unsere Vorfahren haben dafür gesorgt, dass die Menschen von ihrem Land vertrieben wurden, damit sie ungestört jagen konnten. Heute sehen wir die Menschen dort als Bewohner der Dritten Welt an, dabei haben wir eine Menge dazu beigetragen, dass sie das geworden sind. Unsere Moral ist ein Luxusprodukt, das sich in Afrika kaum jemand leisten kann. Hier herrscht Pragmatismus vor, auch wenn er gegen unsere Moralvorstellungen verstößt.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Zu viele Geheimnisse

Wie Risse in der Erde
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Das Geschehen spielt auf zwei Zeitebenen und wird aus Sicht von Beth erzählt, die zu Anfang, 1955, gerade 17 Jahre alt ist. Handlungsort ist der Ort Hemston in der Grafschaft Dorset, ein offenbar fiktives ...

Das Geschehen spielt auf zwei Zeitebenen und wird aus Sicht von Beth erzählt, die zu Anfang, 1955, gerade 17 Jahre alt ist. Handlungsort ist der Ort Hemston in der Grafschaft Dorset, ein offenbar fiktives Dorf.

1955 verliebt sich Beth in Gabriel, einen Jungen aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht. Seinen Eltern gehört das Herrenhaus, das sich in der Nachbarschaft von Beth‘ Elternhaus befindet. Die längste Zeit seiner Kindheit hat er in Internaten verbracht.

Sie verbringen zusammen einen berauschenden Sommer, doch ihr Glück zerbricht am Ende der Ferien, als Gabriel sein Studium in Oxford aufnimmt und seine Mutter die Beziehung der beiden hintertreibt.

1968 lebt Beth mit ihrem Mann Frank auf einer Farm. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um Land und Tiere und genießen ihre Liebe. Lediglich der drei Jahre zurückliegende Unfalltod ihres Sohnes Bobby trübt ihr Glück.

Eines Tages aber kehrt Gabriel in das Dorf zurück und Beth alte Gewissheit, diese Zeit hinter sich gelassen zu haben, gerät ins Wanken. Ein Chaos der Gefühle bricht mit Wucht über sie herein, zunächst vor allem ausgelöst durch Leo, Gabriels Sohn, der ihrem verstorbenen Sohn Bobby ähnelt.

Risse in der Erde entstehen dann, wenn es lange nicht geregnet hat, wenn Wasser fehlt.

Auch in der Ehe von Beth und Frank fehlt seit dem Tod des kleinen Bobby etwas, beide vermissen den Jungen und doch können sie sich nicht richtig darüber austauschen. Beth beschreibt es wie folgt:

„Frank und ich tanzen um unseren Kummer herum. Jedes Paar, das ein Kind verloren hat, wird dasselbe erzählen. Man sieht den Schmerz im anderen, aber es ist, als säße man auf einer Wippe der Trauer und wollte den anderen bloß nicht nach unten fallen lassen.“

Die Arbeit ist das, was beide ablenkt und so schuften sie von früh bis spät auf ihrer Farm, ohne dass wirklich viel dabei herumkommt.

Beth freundet sich langsam mit Leo, Gabriels Sohn an und damit beginnt sie auch unwillkürlich wieder den Kontakt mit Gabriel.

Frank sieht das überhaupt nicht gerne, aber er reißt sich zusammen. Er gibt sich die Schuld am Tod von Bobby und weiß, dass Beth in Leo einen Ersatz gefunden hat. Und am Anfang ist Beth sich auch sicher, dass ihre Beziehung zu Frank stärker ist als Gabriels Anziehungskraft. Aber so langsam tun sich Risse auf in ihrer Beziehung und sie werden tiefer, je häufiger Beth sich mit Gabriel und seinem Sohn trifft. Und so kommt es, wie es kommen muss und die alte Liebe zwischen den beiden flammt wieder auf.

Beth lüftet die Wahrheit scheibchenweise, sie ist die Einzige, die alles weiß. Weder Frank noch Gabriel sind in alle Geheimnisse eingeweiht und auch Beth Eltern, die ihr immer eine große Stütze waren, kennen nicht die ganze Geschichte.

Durch die Erzählung in der Ich-Form erleben wir als Leser ihre innere Zerrissenheit und ihre Gewissensbisse hautnah, aber natürlich auch das Glück und die Leidenschaft der jungen Liebe und der wiederaufgenommenen Beziehung. Wir können aber auch ermessen, dass sie auch Frank herzlich zugetan ist, sie spielt ihm kein Theater vor, wenn sie ihm sagt, dass sie ihn liebt.

Aber es geht nicht nur um eine Dreiecksbeziehung, das wäre viel zu kurz gegriffen. Tragische Ereignisse sind jeweils die Folge von Entscheidungen, die getroffen werden und sie waren zum Zeitpunkt ihrer Fällung nicht unbedingt falsch, sondern eher folgerichtig und für Beth eine gute und gangbare Lösung. Die letzte Entscheidung, die sie treffen muss, verlangt ihr einiges ab, aber ich denke, es ist die richtige Entscheidung.

Ich hatte das Buch in einem Rutsch gelesen, weil ich es flüssig und spannend geschrieben fand. Ich habe es dann aber ein zweites Mal zur Hand genommen, es bietet doch einiges mehr zum Nachdenken, als man mit einem schnellen Konsum erfassen könnte.

Ich gebe gerne eine Leseempfehlung und volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Wenn die Klügeren nachgeben, geschieht immer nur das, was die Dummen wollen

Marconi und der verschwundene Wattschützer
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Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, ...

Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, was ihm allerdings bei den Kompetenzen eine deutliche Einbuße beschert hat.
In einer Julinacht verschwindet der Wattschützer Piet Laurenzen. Die Tat scheint im Zusammenhang mit der umstrittenen Ölbohrinsel Mittelplate A zu stehen. Zur Klärung der Entführung werden Kollegen aus Flensburg angefordert, zwei arrogante Ermittler, die den „Dorfbullen“ in St. Peter Ording kaum eine Straßensperre zutrauen. Marconi sieht das naturgemäß anders und verhält sich auch entsprechend, was ihm den ein oder anderen Rüffel der übergeordneten Kollegen einbringt. Aber er und noch mehr die beiden ortsbekannten Kollegen, Jens und Eva kennen sich aus, wissen um die Zusammenhänge und finden auch viel einfacher Zugang zu den verschlossenen Peteranern.
Marconi hat die Erziehungsaufgabe für seine 13jährige Nichte Klara und ihren neunjährigen Bruder Stefano übernommen. Nach dem viel zu frühen Tod von Schwägerin und Bruder will man vermeiden, dass die Kinder ins Heim oder zu Pflegefamilien gegeben werden müssen. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes scheint allerdings auch von den Erziehungsqualitäten Massimo Marconis nicht überzeugt zu sein, sie taucht immer dann auf, wenn Marconi gerade gar nicht gut aussieht, bzw. sie gar nicht brauchen kann.
Gerade Klara ist als 13jährige in einer schwierigen Phase. Sie begehrt auf und lässt ihren Onkel nicht nur einmal wissen, dass sie mit seinen Erziehungsmethoden nicht einverstanden ist. Ihr Interesse gilt dem Schutz des Wattenmeers und sie hat sich einer Initiative junger Leute angeschlossen, die demonstrieren, die sich aber auch gerne am Rande der Legalität bewegen. Massimo hat alle Hände voll zu tun, sie aus den Akten herauszuhalten und ihr immer wieder klarzumachen, welche Art von Protest erlaubt ist und welche nicht.
Stefano ist hingegen noch ein Kind, spielt gern mit seinen Freunden und hat Angst, doch irgendwann aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Hier kann sich Massimo in Empathie üben, die bisher so gar nicht seine Sache war.
Der Fall ist ausgesprochen verzwickt und ganz oft müssen sich die drei Polizisten aus St. Peter Ording fragen, wer denn eigentlich aus welcher Sache Vorteile ziehen könnte. Die Kollegen aus Flensburg machen es sich da wesentlich einfacher, sie nehmen einfach jemanden fest, der ihnen verdächtig erscheint. Gut, dass Massimo nicht davor zurückschreckt, sich auch unbeliebt zu machen. Die Kollegen aus Flensburg sind ihm sowieso zutiefst unsympathisch. Tatsächlich weiter kommen die Ermittlungen erst, als die Leiche des Wattschützers gefunden wird. Die sich daran anschließenden Handlungen führen Marconi endlich auf die richtige Spur.
Der Fall schließt sich ziemlich nahtlos an den vorangegangenen Fall an, auf ihn wird oft Bezug genommen und somit ist es zumindest von Vorteil, ihn zu kennen. Dringend notwendig ist es aber nicht, denn auf vieles greift Daniele Palu zurück oder er stellt noch einmal die Personen vor, die auch in Band 1 eine Rolle gespielt haben.
Der Fall spielt zwar die Hauptrolle, die Bemühungen der Wattschützer, seien sie gesetzeskonform oder nicht, nehmen aber auch viel Raum ein. Marconi zeigt, dass es auch für Polizisten schwierig sein kann, selbst privat den Wattschützern zuzustimmen, ihre Handlungen aber auch oft genug als Polizist nicht gutheißen zu dürfen.
Daniele Palu hat auch mit dem zweiten Fall einen sehr lesenswerten Krimi geschrieben, der auch bis zuletzt spannend war und dessen Lösung sich nicht schon ab der Mitte abzeichnete. Aber das Buch profitiert eben auch von den Entwicklungen der einzelnen Personen. So ist es schön, zu beobachten, wie Marconi sich zwar oft nach der Einfachheit seines Lebens in München zurücksehnt, seine Nichte und seinen Neffen aber auf keinen Fall mehr missen möchte. Die Fabel mit dem Fuchspapa passte gut zu diesem Thema und gab dem kleinen Stefano einfach etwas mehr Rückhalt und Gewissheit, dass die Geborgenheit in der Familie auch weiterhin Bestand hat.
Der Autor hat auch in diesem Band italienische Rezepte, die auf den Norden angepasst sind, dem Buch hintangestellt. Den Spaghetti Crabbonara kann man nun eine Labskausagne folgen lassen.

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