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Veröffentlicht am 22.12.2025

Cozy Kleinstadt, dunkle Geheimnisse

Harpers Ferry. Lose Me Once
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In "Harpers Ferry. Lose Me Once“ von Christina Kaspar kehrt Emery nach Harpers Ferry zurück, einen Ort, den sie vor Jahren verlassen hat – nicht freiwillig, sondern weil ein tragisches Ereignis alles verändert ...

In "Harpers Ferry. Lose Me Once“ von Christina Kaspar kehrt Emery nach Harpers Ferry zurück, einen Ort, den sie vor Jahren verlassen hat – nicht freiwillig, sondern weil ein tragisches Ereignis alles verändert hat. Der Tod eines jungen Menschen hat tiefe Spuren hinterlassen und Emery ebenso wie Luke geprägt. Als Emery nun zurückkommt, trifft sie nicht nur auf ihre eigene Vergangenheit, sondern auch auf Luke, zu dem sie eine intensive, komplizierte Verbindung hat, die nie wirklich abgeschlossen wurde. Doch hat ihre Liebe nach allem, was passiert ist, überhaupt noch eine Chance?

Der Reihenauftakt von Christina Kaspars neuer Romance-Suspense-Reihe hat mich vor allem durch seine Handlung und die konsequente Entwicklung der Geschichte überzeugt. Die Autorin nimmt sich Zeit, ihre Geschichte aufzubauen, und genau das zahlt sich aus. Die Handlung entfaltet sich Schicht für Schicht und wirkt dabei durchgehend durchdacht. Ich hatte nie das Gefühl, dass Wendungen nur um ihrer selbst willen eingebaut wurden. Vielmehr fügen sie sich logisch in das Gesamtbild ein, auch wenn sie mich beim Lesen mehrfach komplett überrascht haben.

Der Schreibstil und die Atmosphäre greifen für mich zudem perfekt ineinander. Die Sprache ist ruhig, bildhaft und emotional. Vieles bleibt bewusst unausgesprochen, wodurch zwischen den Zeilen eine dichte, fast greifbare Spannung entsteht. Diese zurückhaltende Erzählweise passt hervorragend zur melancholischen Grundstimmung des Romans.

Harpers Ferry wird dabei nicht nur beschrieben, sondern fühlbar gemacht: als Ort voller Erinnerungen, kleiner Gesten und unausgesprochener Geschichten. Gleichzeitig liegt über allem eine leise Schwere, die zeigt, dass unter der gemütlichen Oberfläche etwas Dunkles verborgen ist. Besonders dieses Cozy-Kleinstadtsetting habe ich sehr geliebt. Harpers Ferry wirkt wie eine Stadt, in der man sofort ankommen möchte: mit kleinen, niedlichen Geschäften, vertrauten Straßen und Bewohnern, die sich kennen, füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen. Diese herzliche, fast idyllische Atmosphäre macht es umso eindringlicher, dass ausgerechnet hier so ein tragisches Ereignis geschehen ist.

Luke und Emery als Protagonist*innen sind äußerst vielschichtige Figuren, deren Entwicklung mich emotional sehr abgeholt haben. Emery ist geprägt von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, gleichzeitig aber reflektiert und sensibel. Ihre innere Zerrissenheit wird sehr feinfühlig dargestellt, sodass ich ihre Entscheidungen – selbst die schmerzhaften – gut nachvollziehen konnte. Luke hingegen ist loyal und gleichzeitig aber auch tief verletzt. Besonders bei ihm fand ich die langsame Öffnung und die schrittweise Enthüllung seiner Gedanken und Motive sehr gelungen.

Die Dynamik zwischen Luke und Emery ist intensiv und emotional aufgeladen. Man spürt in jeder Begegnung die gemeinsame Vergangenheit, die unausgesprochenen Gefühle und das, was verloren gegangen ist. Ihre Beziehung lebt von Spannung, Nähe und Distanz zugleich.

Was mich allerdings wirklich nachhaltig beeindruckt hat, waren die vielen Wendungen und Enthüllungen. Ich habe beim Lesen ständig mitgerätselt, Theorien aufgestellt und überlegt, wer wie in den Tod verstrickt sein könnte und was damals tatsächlich passiert ist. Zwar empfand ich den Mittelteil stellenweise etwas langgezogen, doch selbst dort blieb ich gedanklich immer bei der Geschichte. Ich wollte verstehen, wie alles zusammenhängt, und hatte permanent das Gefühl, dass noch etwas Entscheidendes fehlt. Besonders stark fand ich, dass nach einer Wendung sofort die nächste folgte – oft überraschend, teilweise schockierend und absolut nicht erwartbar. Das Ende kam für mich komplett anders, als ich es mir ausgemalt hatte, und genau das hat den Roman für mich so wirkungsvoll gemacht.

Fazit

Insgesamt ist „Harpers Ferry. Lose Me Once“ von Christina Kaspar für mich ein emotionaler, spannender Roman, der von seiner dichten Atmosphäre, einer starken Handlung und glaubwürdigen Figuren lebt. Trotz kleiner Längen im Mittelteil überwiegen die vielen überraschenden Enthüllungen, die intensive Figurenentwicklung und das wunderschöne Kleinstadtsetting deutlich. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf Band 2!

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Veröffentlicht am 21.11.2025

tief berührend und authentisch

Lebensbande
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Der neue Roman von Mechthild Borrmann „Lebensbande“ verwebt mehrere Zeitebenen und Perspektiven miteinander, um die Folgen von Schuld, Schweigen und familiären Geheimnissen sichtbar zu machen. Im Zentrum ...

Der neue Roman von Mechthild Borrmann „Lebensbande“ verwebt mehrere Zeitebenen und Perspektiven miteinander, um die Folgen von Schuld, Schweigen und familiären Geheimnissen sichtbar zu machen. Im Zentrum stehen drei junge Frauen, deren Leben durch historische Ereignisse – insbesondere durch politisch verursachtes Unrecht im 20. Jahrhundert – und durch die Entscheidungen ihrer Familien nachhaltig geprägt werden. Während die Gegenwartshandlung das langsame Enthüllen eines lange verdrängten Verbrechens beschreibt, folgt die Vergangenheitsebene den Menschen, die schuldig wurden, wegschauten oder überlebten.
Die Verbindung zwischen diesen Schicksalen kristallisiert sich erst spät heraus und bildet den Kern des Romans: Wie wirken Verletzungen über Generationen hinweg fort und welche Verantwortung trägt man für eine Wahrheit, die man nicht kennt, aber deren Folgen man spürt?

Schon nach den ersten Seiten des Buches hatte ich das Gefühl, in eine sehr besondere Stimmung einzutauchen – eine Atmosphäre, die gleichzeitig leise und gespannt ist, als wäre etwas Ungesagtes im Raum, das sich nur sehr vorsichtig zeigt. Genau diese Feinheit in der Erzählweise hat mich sofort abgeholt. Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit ringen, "Lebensbande" gehört für mich jedoch im Gegenteil dazu zu denen, die flüstern und gerade deshalb so eindringlich wirken.

Borrmanns Sprache ist für mich klar, konzentriert und niemals überladen. Ich mag, wie sie mit wenigen, präzisen Sätzen eine Stimmung aufbauen kann, die ich während des Lesens fast körperlich gespürt habe. Alles wirkt bewusst gesetzt, nichts wirkt künstlich oder erzwungen.
Was mich besonders fasziniert hat, sind die Perspektiv- und Zeitebenenwechsel, da sie mir das Gefühl geben, aus verschiedenen Blickwinkeln auf dieselbe Geschichte zu schauen. Diese Switches sind für mich wie kleine Fenster, die sich öffnen: mal in eine andere Zeit, mal in das Innere einer Figur, mal an einen Ort, über den man vorher nur eine Ahnung hatte. Diese Wechsel machen den Roman für mich unglaublich lebendig und authentisch. Ich hatte nie das Gefühl, aus dem Fluss gerissen zu werden, sondern eher, dass das Erzählen dadurch an Tiefe gewinnt. Als würde ich Stück für Stück in ein Geflecht hineinschauen, das erst durch diese unterschiedlichen Einblicke überhaupt als Ganzes erkennbar wird.

Die Handlung entfaltet sich langsam, beinahe tastend, und gerade das mochte ich sehr. Es geht nicht um schnelle Wendungen, sondern um das allmähliche Aufdecken von Zusammenhängen. Ich habe beim Lesen immer gespürt, dass die wahren Konflikte nicht spektakulär sind, sondern versteckt in Momenten des Schweigens, der Angst, der Unwissenheit oder der falsch verstandenen Fürsorge. Genau dieser leise Spannungsbogen hat mich gefesselt. Die Geschichte wirkt nie überdramatisiert. Sie vertraut darauf, dass menschliche Schicksale für sich sprechen. Und das machen sie hier definitiv.

Die Figuren waren für mich das emotionale Herz des Romans. Sie sind nicht heroisch oder idealisiert, sondern wirken verletzlich, widersprüchlich und sehr menschlich. Gerade diese Unvollkommenheit hat sie mir so nah gebracht. Viele handeln aus Überforderung, aus Liebe, aus Angst oder aus Unwissenheit und ich konnte all das gut nachvollziehen.

Das Buch hat mich insgesamt auf eine sehr stille, aber nachhaltige Weise getroffen. Es ist keines dieser Werke, die man zuklappt und sofort abhakt. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass die Gedanken erst nach dem Lesen nachhallen, sich ordnen, wieder aufsteigen. Ich musste mehrfach kurze Pausen machen, nicht wegen Schwere, sondern wegen der Intensität des Menschlichen, das zwischen den Zeilen liegt.

Fazit

„Lebensbande“ von Mechthild Borrmann ist für mich alles in allem ein tief berührender, eindringlicher Roman, der sich nicht durch Lautstärke, sondern durch Genauigkeit und Feingefühl auszeichnet. Die Perspektivwechsel und unterschiedlichen Einblicke machen ihn lebendig und vielschichtig. Die Geschichte wirkt nach – ruhig, aber kraftvoll. Für mich gehört das Buch zu jenen, die einen noch eine ganze Weile begleiten, auch wenn man sie längst aus der Hand gelegt hat.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

gemütlich einnehmend

Winterherzen in Chanting Hills
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In „Winterherzen in Chanting Hills“ von Clara Sanders kehrt Isla, eine alleinerziehende Mutter, mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn Ben in das verschneite Dorf Chanting Hills zurück, das früher ihre Heimat ...

In „Winterherzen in Chanting Hills“ von Clara Sanders kehrt Isla, eine alleinerziehende Mutter, mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn Ben in das verschneite Dorf Chanting Hills zurück, das früher ihre Heimat war. Sie übernimmt das alte Cottage ihrer Eltern, um dort eine Tagesmutter-Tätigkeit aufzubauen („Fairyland“), während Ben sich in dieser vertrauten Umgebung neu orientiert. Doch nicht alle Dorfbewohner sind von ihrem Vorhaben begeistert: Besonders Harry, ihr mürrischer Nachbar, kritisiert den Lärm und fordert die Schließung des Kindergartens. Zusätzlich gerät Isla in eine komplizierte Beziehung zu Harrys Neffen Oliver, einem besonnenen Schreiner, dessen wahre Absichten nicht sofort klar sind.

Der Einstieg in das Buch ist mir unglaublich leichtgefallen; ich bin quasi sofort in die winterliche Welt des Buches hineingefallen. Die Autorin schafft es, die Atmosphäre von Chanting Hills so lebendig und zugleich behutsam zu zeichnen, dass ich beinahe das Gefühl hatte, selbst durch den Schnee zu laufen, den Atem in der Kälte zu spüren und das warme Licht des Cottage vor mir aufleuchten zu sehen.

Ihr Schreibstil ist angenehm flüssig, sehr gefühlvoll, aber ohne Übertreibungen oder unnötigen Kitsch. Gerade die leisen Zwischentöne, die kleinen Gesten und die unausgesprochenen Momente haben mich mitgerissen. Man merkt, dass Clara Sanders ihre Figuren ernst nimmt und ihnen Raum gibt, sich zu entfalten, anstatt sie in starre Rollen zu pressen.

Isla als Protagonistin hat mich ebenfalls schnell für sich eingenommen. Sie ist weder überstark noch hilflos, sondern eine Frau, die mit Mut und Unsicherheit zugleich versucht, ein neues Kapitel zu beginnen. Für mich die perfekte Mischung für Authentizität. Besonders berührt hat mich zudem die Beziehung zu ihrem Sohn Ben. Er ist meiner Meinung nach für sein Alter sehr glaubwürdig dargestellt: manchmal trotzig, manchmal verletzlich, dann wieder erstaunlich reif. Ihre Interaktionen wirkten absolut authentisch, mit allen kleinen Spannungen und großen Gefühlen, die dazugehören.
Auch Oliver, der Schreiner und Neffe des grummeligen Nachbarn, hat mir sehr gefallen. Er wirkt zu Beginn fast schon zu unkompliziert, doch nach und nach zeigt sich, dass hinter seiner Ruhe eine ganze Menge Verantwortung und auch familiäre Belastung steckt. Diese sanfte Enthüllung seiner Hintergrundgeschichte hat ihm Tiefe gegeben, und ich mochte besonders, dass die Autorin ihn nicht als glatten „Perfekt-Mann“ schreibt, sondern als jemanden, der sich ehrlich müht und Fehler macht.
Harry selbst, mit seinem mürrischen Auftreten und seinen harschen Worten, hätte leicht ein eindimensionaler Antagonist werden können, aber selbst bei ihm blitzen Momente durch, die zeigen, dass sein Widerstand aus Sorgen und Verletzungen entsteht und nicht aus reiner Bosheit.

Die Handlung entwickelt sich ruhig, aber beständig. Ich mochte dieses Tempo sehr, weil es den Charakteren Zeit gibt, ihre eigenen Kämpfe auszutragen. Es geht nicht nur um Romantik, sondern genauso um Neuanfänge, Verantwortung, Elternschaft, Vertrauen und die Frage, wie man mit der Vergangenheit leben kann, ohne sich von ihr bestimmen zu lassen.

Dass der Roman gerade in der Vorweihnachtszeit spielt, verstärkt die emotionale Stimmung: Die Lichter, die Traditionen, das Zusammenrücken der Dorfgemeinschaft – all das verleiht dem Buch eine Wärme, die ich beim Lesen sehr genossen habe. Zugleich wirken die Konflikte niemals künstlich; alles ergibt sich nachvollziehbar aus den Lebenswegen der Figuren.
Was mir besonders gefallen hat, ist, dass „Winterherzen in Chanting Hills“ ein echtes Wohlfühlbuch ist, ohne oberflächlich zu werden. Die Emotionen wirken aufrichtig, die Gespräche lebendig, und die Liebesgeschichte wächst organisch, mit Unsicherheiten, Annäherungen und Zweifeln. Auch das „Fairyland“, Islas liebevoll gestaltetes Kinderprojekt, ist nicht nur eine Nebenidee, sondern ein Symbol für das, was Isla sucht: einen Ort, an dem sie Wurzeln schlagen und gleichzeitig etwas geben kann. Das hat dem Roman für mich eine zusätzliche Tiefe verliehen.

Natürlich gibt es auch Momente, die vorhersehbar sind – das gehört zur Art dieser Geschichten einfach dazu –, doch der Stil der Autorin sorgt dafür, dass selbst erwartbare Wendungen sich gut und stimmig anfühlen. Für mich war das weniger ein Nachteil als vielmehr ein Teil des charmanten Leseerlebnisses, das mir das Gefühl gegeben hat, mich in einer warmen Decke einzukuscheln und den Schnee draußen leise fallen zu hören.

Fazit

Alles in allem hat mich „Winterherzen in Chanting Hills“ von Clara Sanders nicht nur mit seiner winterlichen Atmosphäre verzaubert, sondern auch mit seinen liebevoll gezeichneten Figuren und der warmen, unaufdringlichen Emotionalität. Es ist ein Buch, das sich perfekt für die Adventszeit eignet, das Herz berührt, ohne aufdringlich zu sein, und das mir am Ende das Gefühl gegeben hat, ein kleines, leises Weihnachtswunder miterlebt zu haben.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Jahreshighlight - hochemotional

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Nikola Hotel erzählt in "Lost Girls - Breathing for the First Time" die Geschichte von Darcy Sullivan, welche äußerlich in Luxus lebt: einen Star als Mann, ein Haus am Strand, Status, Bewunderung von außen ...

Nikola Hotel erzählt in "Lost Girls - Breathing for the First Time" die Geschichte von Darcy Sullivan, welche äußerlich in Luxus lebt: einen Star als Mann, ein Haus am Strand, Status, Bewunderung von außen – doch innerlich ist ihr Leben eingezwängt. Ihr Ehemann, Jason, kontrolliert sie zunehmend: über ihre Ernährung, ihre Kleidung, ihre Kontakte, ihre Bewegung.
Während Darcy sich immer mehr isoliert und überwacht fühlt und kaum noch weiß, wer sie selbst noch ist, beginnt sie, Fluchtpläne zu schmieden. Parallel dazu tritt Ellis in ihr Leben – jemand, der mehr sieht als das Bild, das Darcy nach außen aufrechterhalten muss.
Doch kann sie es schaffen zu fliehen und endlich wieder sie selbst werden?

"Lost Girls - Breathing for the First Time" hat mich insgesamt unglaublich bewegt und mitgenommen. Ich habe so sehr mit Darcy mitgefühlt, dass ich ein ständiges Gefühl von Beklemmung und Unwohlsein hatte. Stellenweise musste ich mich regelrecht zwingen, weiterzulesen, weil es einfach so krass intensiv, bedrückend und emotional war. Gerade dieses „kaum Aushalten-Können“ zeigt für mich aber, wie meisterhaft Nikola Hotel diese Gefühlswelt transportiert hat. Es ist selten, dass mich eine Geschichte so stark körperlich und emotional erreicht.

Nikola Hotel schreibt so, dass man gleichzeitig loslassen und festhalten will. Ihre Sprache ist eindringlich: kurze, präzise Sätze in Momenten der Angst; leicht poetisch in Momenten, in denen Darcy erinnert, träumt oder Hoffnungen spinnt. Besonders gelungen fand ich, dass ich beim Lesen nie das Gefühl hatte, dass künstlich Dramatik erzeugt wird – alles wirkte organisch, echt und tief.

Die Atmosphäre ist aufgrund der Situation Darcys und der Vorkommnisse durchgehend beklemmend – nicht auf Horror oder Extreme angelegt, sondern auf Dauerstress, Isolation und Ohnmacht. Es sind die kleinen Gesten, die den größten Druck erzeugen: ein Blick, der zu lange dauert, eine unerwartete Bemerkung, eine winzige Abweichung von Jasons Regeln. Diese unterschwellige Bedrohung ließ mich nie los. Gleichzeitig gab es seltene, kleine Lichtblicke, zum Beispiel wenn Darcy mit ihrem Hund Cashew am Strand sitzt. Diese Momente fühlten sich an wie Atempausen zwischen zwei Sturmwellen – notwendig, um überhaupt weiterlesen zu können.

Darcy ist eine Protagonistin, die mich sehr bewegt hat. Ich konnte ihre Ängste, ihre Unsicherheit und ihre inneren Kämpfe so nachvollziehen, dass ich stellenweise fast meinte, selbst in ihrer Lage zu sein.
Jason hingegen hat mich mit seiner manipulativen Art zutiefst wütend gemacht. Gerade, weil er nicht als „klassischer Bösewicht“ daherkommt, sondern seine Kontrolle in kleinen, subtilen Handlungen zeigt, war es so bedrückend realistisch.
Ellis und auch Darcys neue Freundinnen waren für mich im Gegensatz dazu ein Hoffnungsschimmer - die mir - und auch Darcy - das Gefühl gaben, dass es einen Ausweg geben könnte.

Das zentrale Thema von psychischer Kontrolle, Manipulation und der Suche nach Freiheit ist schonungslos ehrlich dargestellt. Gerade weil die Autorin nichts beschönigt, hat mich das Buch so getroffen. Es zeigt eindringlich, wie sehr unsichtbare Narben das Leben bestimmen können, und wie schwer es ist, sich daraus zu befreien. Gleichzeitig macht es aber auch Mut: schon kleine Schritte können ein Anfang sein.
Genau dazu hat für mich auch das Ende gepasst, es war nicht perfekt bzw. so, wie man es sich für Darcy vielleicht gewünscht hätte, aber gerade deswegen realistisch. Es wurde auch hier nichts beschönigt und kein „Friede-Freude-Eierkuchen“-Schluss geschaffen. Stattdessen bleibt Raum für Hoffnung, aber eben auch für die Erkenntnis, dass Heilung, Freiheit und Gerechtigkeit ein langer, steiniger Weg sind.

Fazit:

"Lost Girls - Breathing for the First Time" hat mich zutiefst berührt, gefordert und manchmal sogar überfordert. Es war kein leichtes, „schnelles“ Lesen, sondern eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich sehr beschäftigt hat. Ich habe mit Darcy gelitten, gehofft und gezittert – und genau diese Nähe zur Protagonistin macht das Buch für mich so besonders. Für mich ist es ganz klar ein absolutes Jahreshighlight – und darüber hinaus eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

sehr emotional und tiefgreifend

Vancouver Dreams Reihe / When it Rains
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"When It Rains" von Juna Grey erzählt die Geschichte von Frey, die nach einem doppelten Tiefschlag – dem Verlust ihres Studienplatzes und dem Rauswurf aus ihrer Band – am Boden angekommen ist. Gemeinsam ...

"When It Rains" von Juna Grey erzählt die Geschichte von Frey, die nach einem doppelten Tiefschlag – dem Verlust ihres Studienplatzes und dem Rauswurf aus ihrer Band – am Boden angekommen ist. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Ash, für den sie heimlich mehr empfindet, wagt sie einen Neuanfang in Vancouver. Während Ash dort voller Tatendrang seinen Traumjob beginnt, fällt es Frey schwer, neuen Halt zu finden, denn ein schmerzhaftes Geheimnis lastet schwer auf ihr und beeinflusst ihr Handeln. Der Roman begleitet sie auf ihrem Weg, wieder Vertrauen zu gewinnen, ihre eigene Stimme zurückzufinden und herauszufinden, ob aus Freundschaft mehr werden kann.

Als ich "When It Rains" von Juna Grey gelesen habe, war ich sofort mitten in Freys Welt. Schon früh habe ich gespürt, dass in der Freundschaft von Frey und Ash viel mehr steckt, als die beiden zunächst zulassen, doch gleichzeitig war da von Anfang an diese Schwere, dieses Geheimnis, das Frey mit sich herumträgt und das wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihr und Ash steht. Für mich war das die treibende Kraft der Handlung – die Frage, ob Frey den Mut finden wird, sich zu öffnen, und ob die beiden eine gemeinsame Zukunft haben können.

Möglicherweise Spoiler:

Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie Juna Grey die eher harten Themen wie Tierschutz, Depressionen, Suizidgedanken und Vergewaltigung in die Geschichte eingeflochten hat. Diese Themen sind ohne Frage schwer und emotional belastend, doch die Autorin behandelt sie mit einer großen Sensibilität und Ernsthaftigkeit. Sie werden weder beschönigt noch reißerisch dargestellt, sondern in einer Tiefe und Authentizität, die mich als Leserin betroffen gemacht, aber auch zum Nachdenken angeregt hat. Gerade weil diese Aspekte so realistisch geschildert werden, konnte ich Freys innere Kämpfe nachvollziehen und verstehen, warum sie so handelt, wie sie handelt. Für mich war das ein großer Pluspunkt, denn es zeigt, dass New-Adult-Literatur auch schwierige, gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und verantwortungsvoll darstellen kann.

(Spoilerende)

Die Atmosphäre, die dabei entsteht, hat mich stark berührt, weil sie immer wieder zwischen Melancholie und Hoffnung pendelt. Am Anfang war da dieses Gefühl von Leere und Verlust, aber gleichzeitig blitzte immer wieder etwas Helles durch – die Aussicht auf Freundschaft, neue Begegnungen, die Kraft der Musik. Ich habe das Buch oft mit einem Kloß im Hals gelesen, aber nie mit dem Gefühl, dass alles aussichtslos ist. Diese Mischung hat für mich den besonderen Reiz ausgemacht.

Ein echtes Highlight waren für mich zudem die Charaktere.
Frey als Protagonistin hat mich emotional sehr berührt – ich habe mich ihr verbunden gefühlt und mit ihr ihre Emotionen gelebt und gefühlt. Es hat sich für mich einfach echt angefühlt. Sie ist keine makellose Heldin, sondern eine Figur mit Ängsten, Zweifeln und Fehlern, die dadurch unglaublich nahbar wurde. Ash war für mich der Gegenpart – der Fels in der Brandung: super sympathisch, geduldig und fürsorglich, dabei jedoch nie aufdringlich, sondern immer auf die gute Art für sie da – unterstützend, ohne Druck aufzubauen oder sie zu stressen. Diese Dynamik hat sich so stimmig und warm angefühlt, dass ich die beiden und ihre Beziehung sofort ins Herz geschlossen habe.
Auch die Nebencharaktere haben mir unglaublich gut gefallen. Sie waren nicht bloß Statisten, sondern allesamt toll und liebenswert, jede und jeder von ihnen hat auf seine Weise zur Atmosphäre beigetragen. Durch sie wurde Freys Welt lebendig und vielseitig, und ich hatte das Gefühl, wirklich Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Der Schreibstil hat zusätzlich dazu beigetragen, dass ich so tief in die Geschichte eintauchen konnte. Juna Grey schreibt emotional, aber nie kitschig, und schafft es, schwierige Themen mit viel Sensibilität zu behandeln. Gerade weil der Fokus so stark auf den teils wirklich krassen Themen lag, war ich überrascht, wie nahtlos sich die Liebesgeschichte eingefügt hat. Sie hat nicht den Blick auf das Wesentliche verschoben, sondern die Auseinandersetzung mit den Problemen sogar noch unterstützt und verstärkt.
Besonders mochte ich die vielen kleinen Momente, in denen es nicht um große Wendungen geht, sondern um innere Kämpfe, um die Bedeutung von Musik, um die Wärme einer WG-Küche oder die leisen Gesten zwischen zwei Menschen, die sich besser kennen, als sie es zugeben wollen.

Fazit

Insgesamt hat mich „When It Rains“ sehr berührt. Es ist ein intensives, berührendes Buch, das ernste Themen sensibel und authentisch darstellt, ohne die Hoffnung aus den Augen zu verlieren. Absolut lesenswert!

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