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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2025

Marietta

Herbstgeschichte
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Ein neues Buch des inzwischen 83jährigen Schriftstellers Sten Nadolny ist ein Ereignis. Die Erzählweise ist überwiegend zurückerinnernd.
Ausgangspunkt ist die Begegnung zweier Männer (ein Schauspieler ...

Ein neues Buch des inzwischen 83jährigen Schriftstellers Sten Nadolny ist ein Ereignis. Die Erzählweise ist überwiegend zurückerinnernd.
Ausgangspunkt ist die Begegnung zweier Männer (ein Schauspieler und ein Schriftsteller) mit einer jungen Studentin, die in Schwierigkeiten ist.
Daraus entwickelt sich die Handlung über eine längere Zeit und mit Zeitsprüngen.
Der Erzählton ist ruhig und abgeklärt. Ehrlich gesagt, wirkt es auch ein wenig altmodisch, aber für Sten Nadolny-Leser wird das sehr in Ordnung sein.
Das Geschick und die Raffinesse des Autors sorgen für eine außergewöhnliche Handlung.
Diese junge Frau, um die es geht, Marietta, ist rätselhaft und wird es lange bleiben. Das trägt den Roman.

Veröffentlicht am 17.09.2025

Widerstand

Badjens. Roman
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Badjens ist ein Buch, dass von der Kindheit und Jugend eines Mädchens im Iran erzählt und wie sie die vielen Beschränkungen im Land gegen Frauen wahrnimmt.
Badjens ist 2006 geboren. Es wird konsequent ...

Badjens ist ein Buch, dass von der Kindheit und Jugend eines Mädchens im Iran erzählt und wie sie die vielen Beschränkungen im Land gegen Frauen wahrnimmt.
Badjens ist 2006 geboren. Es wird konsequent aus ihrer Perspektive erzählt.
Es zeigt sich ein Stimmung der Jugend gegen Kopftuch und Einschränkung der Rechte von Frauen, die zu Widerstand führt. Nach dem Tod von Mahsa Amini 2022 kommt es zu deutlichen Protesten und Badjens schließt sich an.
Delphine Minoui wählt eine moderne Sprache, um ihre Hauptfigur lebendig werden zu lassen und es gelingt ihr.

Veröffentlicht am 13.09.2025

Schwestern

Wilder Honig
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Ein ruhiger, aber intensiver Roman, angesiedelt in Wales, der die Beziehung von drei Frauen zeigt. Hannah, deren Mann John gerade gestorben ist, ihre Schwester Sadie und die junge Megan. Megan ist die ...

Ein ruhiger, aber intensiver Roman, angesiedelt in Wales, der die Beziehung von drei Frauen zeigt. Hannah, deren Mann John gerade gestorben ist, ihre Schwester Sadie und die junge Megan. Megan ist die geheime Tochter Johns, von der die Schwestern erst nach seinem Tod erfahren.
Megan sucht sie auf, um sie kennen zu lernen und bleibt eine ganze Weile.
Es geht sehr um die Figurenkonstellation, wie sich diese drei sehr unterschiedlichen Frauen besser kennen- und verstehen lernen. Megan ist natürlich als Fremde in einer besonderen Situation und die Autorin versteht es, diese Lage gut und nachvollziehbar zu schildern.
Die walisische Umgebung sorgt für viel Atmosphäre.
Zwischen den Kapiteln gibt es Briefe von John, bei denen es hauptsächlich um Bienen geht. Er war leidenschaftlicher Imker. Und so prägen die Bienen auch das Leben der Frauen. Es ist ein sensibel geschriebenes Buch.

Veröffentlicht am 09.09.2025

Der Weg zum Mitläufer

Chamäleon
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Yishai Sarid ist ein Autor, der in seinen Büchern über gesellschaftspolitische Themen in Israel schreibt. So auch hier in seinem neuen Roman über einen durchschnittlichen Mann, der sich zur falschen Seite ...

Yishai Sarid ist ein Autor, der in seinen Büchern über gesellschaftspolitische Themen in Israel schreibt. So auch hier in seinem neuen Roman über einen durchschnittlichen Mann, der sich zur falschen Seite hin verführen lässt.
Shai ist ein Journalist, der nach kurzen Erfolg in die Mittelmäßigkeit versank. Durch einen Zufall bekommt er Kontakt in politische Kreise und ist von der Aufmerksamkeit begeistert. Er ist bereit sich dem rechtsgerichteten Premierminister anzudienen und in dessen Sinne zu agieren. Er wird ein Mitläufer.

Der Autor zeigt diesen Prozess langsam, Schritt für Schritt und daher gründlich und nachvollziehbar. Da man als Leser dicht bei der Figur ist, lernt man, dessen Handeln zu verstehen, ohne es akzeptieren zu müssen.
Das ist meisterhaft gemacht. Ein intensives Buch eines klugen Autors!

Veröffentlicht am 06.09.2025

Theatertext

Blutbrot
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Miriam Unterthiner ist eine Dramatikerin, die aus Südtirol stammt und ihr Text behandelt den Umstand, dass über die sogenannte Rattenlinie am Ende des Kriegs vielen Kriegsverbrechern die Flucht über den ...

Miriam Unterthiner ist eine Dramatikerin, die aus Südtirol stammt und ihr Text behandelt den Umstand, dass über die sogenannte Rattenlinie am Ende des Kriegs vielen Kriegsverbrechern die Flucht über den Brenner ermöglicht wurde. Darunter waren u.a. Barbie, Eichmann, Mengele.
Mit der Aufarbeitung der Schuld dieser Fluchthilfe tut sich die Figur, die hier DasDorf betitelt wird, schwer.
Trotz des ernsten Themas bringt die Autorin Leichtigkeit und einen ironischen Humor mit hinein. Zu Anfang durch ein vor ihr selbst als pathetisch benanntes Vorwort und später im Stück schaltet sie sich selbst als agierende Figur ein und ironisiert die zeitgenössischen Umstände der Theaterwelt.
Der Text wirkt frisch, hat mich thematisch interessiert und mit der Ausführung überzeugt.