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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2025

Thrill auf Sparflamme

Safe Space
5

Nachdem mich Happy End von Sarah Bestgen vollständig begeistert hatte, bin ich mit großer Vorfreude in das neue Buch „Safe Space“ gestartet. Schade nur, dass das Buch selbst meine hohen Erwartungen nicht ...

Nachdem mich Happy End von Sarah Bestgen vollständig begeistert hatte, bin ich mit großer Vorfreude in das neue Buch „Safe Space“ gestartet. Schade nur, dass das Buch selbst meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte.
Der Einstieg in die Geschichte verläuft eher verhalten. Ich hatte mir bereits zu Beginn mehr Spannung erhofft, mehr unerwartete Wendungen und falsche Fährten, die mich mitreißen und überraschen. Stattdessen war für mich schon früh absehbar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln würde und wer als Täter infrage kommt. Diese Vorhersehbarkeit nahm dem Thriller leider einen großen Teil seines möglichen Sogs. Erst ab etwa 2/3 des Buches, wenn erste Namen fallen, rätselhafte Verbindungen auftauchen und Anna immer tiefer in Vorgänge im Hochsicherheitsgefängnis hineingezogen wird, kommt endlich jene Atmosphäre auf, die ich mir von Beginn an gewünscht hätte.
Ein weiterer Aspekt, der mich etwas enttäuscht hat, betrifft die Perspektive auf den Täter. Ich persönlich brauche gar nicht so viel Täterpsychologie. Mir gefällt es besser, wenn die Spannung aus dem Ungewissen entsteht und man mit den Figuren durch die Handlung jagt, begleitet von wenigen kurzen Einblicken in die Gedankenwelt des Täters, statt immer wieder dieselben Hintergrundgeschichten serviert zu bekommen. In vielen Thrillern wiederholen sich ähnliche Muster: schwierige Kindheit, frühe Gewalt, ein entstehender Kreislauf aus Trauma und Täterschaft. Auch hier nimmt diese Ebene wieder relativ viel Raum ein, was für meinen Geschmack nicht nötig gewesen wäre.
Besonders am Ende gibt es zudem einen kleinen zusätzlichen Twist rund um eine Nebenfigur, der für einen kurzen Überraschungsmoment sorgt. Auch wenn es kein großer Knall war, war es dennoch ein gelungenes Detail. Auch Annas abschließende Reflexionen über das Erlebte fand ich stimmig und emotional nachvollziehbar.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch den angenehmen, flüssigen Schreibstil. Die Autorin schafft es, eine subtile Grundspannung aufzubauen. Diese sorgt dafür, dass man trotz mancher Längen gut durch die Kapitel kommt.

Insgesamt hinterlässt "Safe Space" bei mir einen gemischten Eindruck. Der Roman hat starke Momente und interessante Ansätze, nutzt sein Potenzial aber nicht immer vollständig aus. Zu viele Entwicklungen waren zu früh absehbar und der Nervenkitzel, den ich mir von einem Psychothriller erhoffe, stellte sich erst spät ein. Deshalb würde ich das Buch mit etwa drei bis dreieinhalb Sternen bewerten. Eine solide Geschichte, aber sie reicht für mich nicht an die Wucht und Intensität von Happy End heran.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 18.09.2025

Geteilt zwischen Gott und Selbst

Monstergott
0

Caroline Schmitt legt mit „Monstergott" einen eindringlichen Roman vor, der sich mit den Mechanismen einer streng religiösen Gemeinschaft und deren Auswirkungen auf das Leben junger Menschen auseinandersetzt. ...

Caroline Schmitt legt mit „Monstergott" einen eindringlichen Roman vor, der sich mit den Mechanismen einer streng religiösen Gemeinschaft und deren Auswirkungen auf das Leben junger Menschen auseinandersetzt. Dabei stehen die Geschwister Esther und Ben im Mittelpunkt, die beide auf ihre Weise versuchen, mit den rigiden Glaubensstrukturen aufzuwachsen.
Für mich war besonders Esthers Perspektive der stärkere Teil der Erzählung. Ihre Gefühle, ihr innerer Konflikt und die Suche nach Selbstbestimmung waren nachvollziehbar und berührend. Mir hat gefallen, dass sie sich für Belange der Frauen einsetzt. Bei Ben hingegen empfand ich manche Handlungen als sehr heftig und schwer nachzuvollziehen, was meinen Zugang zu seiner Figur erschwert hat.
Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob es sich bei der dargestellten Freikirche um „konfliktträchtige“ Gruppierungen spricht oder wo man hier die Grenze zwischen einer Freikirche und einer konfliktträchtigen Gruppierung zieht. Der Roman zeichnet gut nach, wie subtil und zugleich massiv solche Strukturen auf Einzelne wirken können. Dennoch hätte ich mir an einigen Stellen mehr Hintergrundwissen gewünscht, insbesondere zu den Eltern. Wie sehr sind sie selbst in diese Glaubensgemeinschaft eingebunden? Waren sie schon von Geburt an Teil davon? Welchen Druck haben sie – bewusst oder unbewusst – an ihre Kinder weitergegeben? Diese Leerstellen haben für mich Fragen offen gelassen, die den Roman noch stärker hätten machen können.
Hervorheben möchte ich allerdings den Schreibstil von Caroline Schmitt. Dieser ist klar, verständlich und flüssig. Ihre Sätze tragen den Text mit Leichtigkeit, sodass man sehr gut folgen kann und beinahe durch die Seiten fliegt. Dieses Leseerlebnis habe ich sehr geschätzt.
Insgesamt ist es ein packender, gut geschriebener Roman, der wichtige Themen anspricht, mich aber nicht in allen Figuren und in manchen offenen Fragen vollständig überzeugen konnte.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2024

Ein Countdown, der nicht zündet

Okaye Tage
0

Okaye Tage von Jenny Mustard begleitet die beiden Protagonisten Sam und Luc in einem Countdown, der durch das Buch führt. Die Idee, dass Tage heruntergezählt werden und die Lesenden sich fragen, was am ...

Okaye Tage von Jenny Mustard begleitet die beiden Protagonisten Sam und Luc in einem Countdown, der durch das Buch führt. Die Idee, dass Tage heruntergezählt werden und die Lesenden sich fragen, was am Ende dieser Zeit passiert, verspricht zunächst Spannung. Doch leider konnte mich die Umsetzung dieser Idee nicht ganz überzeugen.

Während der erste Teil des Buches noch ein gewisses Maß an Spannung aufbaut, bleiben die erwarteten Wendungen oft flach und wenig emotional. Der erste größere Plottwist hat zwar Potenzial, hätte jedoch mehr Tiefe und Detailreichtum vertragen können, um wirklich fesselnd zu wirken. Insgesamt fehlte mir die packende Spannung, die ein solcher Countdown hätte bieten können.

Ein weiterer Aspekt, der mich enttäuscht hat, war die Beziehung zwischen Sam und Luke. Obwohl es sich bei Okaye Tage um einen Roman für junge Erwachsene handelt, konnte ich mich nicht mit den Charakteren identifizieren. Ihre Liebesgeschichte wirkte auf mich eher oberflächlich und es fehlte das gewisse Etwas, das mich in ihren Bann gezogen hätte. Im Vergleich zu anderen Young Adult Romanen, die ich gelesen habe, blieb diese Liebesgeschichte blass und wenig eindringlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich aus dem Genre herausgewachsen bin, doch selbst für eine jüngere Zielgruppe hätte ich mir mehr Tiefgang und emotionales Engagement gewünscht.

Der Schreibstil von Jenny Mustard war zwar angenehm und leicht lesbar, doch auch hier hätte ich mir mehr Farbigkeit und Tiefgründigkeit gewünscht. Die Sprache bleibt oft an der Oberfläche, ohne die Charaktere oder Situationen wirklich lebendig wirken zu lassen.

Insgesamt bleibt Okaye Tage für mich ein Buch, das einige interessante Ansätze bietet, diese jedoch nicht vollständig ausnutzt. Die fehlende emotionale Tiefe und die eher flache Handlung sorgten dafür, dass es mich nicht vollends fesseln konnte. Deshalb vergebe ich 3 Sterne.

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