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Annafrieda

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2026

Drei Frauen auf Mördersuche

Ein guter Blick fürs Böse
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In diesem Krimi gegeben wir uns in den 1960er Jahren nach Kalifornien. Beverly, Margot und Elsie teilen sich das gleiche Schicksal, jahrelang ahnungslos an der Seite eines Frauenmörders gelebt zu haben. ...

In diesem Krimi gegeben wir uns in den 1960er Jahren nach Kalifornien. Beverly, Margot und Elsie teilen sich das gleiche Schicksal, jahrelang ahnungslos an der Seite eines Frauenmörders gelebt zu haben. Durch diese Gemeinsamkeit haben sie sich gefunden und versuchen nun, die Traumata ihrer Vergangenheit zu bewältigen und sich zu behaupten, jede auf ihre Art und Weise. Das ist keine leichte Aufgabe, sie fühlen sich ausgegrenzt und Mitschuld-Zuweisungen an den Taten ihrer Männer sind an der Tagesordnung. Jetzt treibt wieder ein Frauenmörder sein Unwesen und die drei Frauen setzen alles daran, ihn zu entlarven. Drei mutige Frauen, zu der Zeit eher ungewöhnlich, da die Rolle der Frau noch eine ganz andere war.
Mir hat die Figurenentwicklung richtig gut gefallen. Es ist der Autorin gut gelungen, die unterschiedlichen Charaktere der Frauen herauszuarbeiten und konsequent zu halten. Das Zusammenspiel und Ziel der drei ist trotz ihrer Andersartigkeit und mit Höhen und Tiefen immer erkennbar. Der psychologische Aspekt war für mich gut erkennbar.
Der Plot hat mich neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Außergewöhnlich die Vorgehensweise, den Krimi auf diesen drei Frauen aufzubauen die Polizeiarbeit spielt eher eine untergeordnete Rolle. Es ist viel Aufmerksamkeit in die Figurentwicklung geflossen, daher dauert es ein bisschen, bis die Story an Tempo gewinnt. Für mich war das in Ordnung. Es gab tolle Twists und zum Ende hin eine überraschende Auflösung.
Klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Neubeginn

Wilder Honig
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In diesem Roman geht es um Innehalten, Trauerbewältigung und Neuanfang. Beschrieben wird das Leben einiger Menschen in einem wallisischen Dorf. Es rankt sich um drei Frauen, einen Obstgarten und imbesonderen ...

In diesem Roman geht es um Innehalten, Trauerbewältigung und Neuanfang. Beschrieben wird das Leben einiger Menschen in einem wallisischen Dorf. Es rankt sich um drei Frauen, einen Obstgarten und imbesonderen um Bienen. Hannah steht vor der Wand der Trauer um ihren Mann John und es gelingt ihr nur schwerlich, Zugang dazu zu finden. Als würde das nicht genügen, erfährt sie von einem großen Geheimnis ihres Mannes. Ein großer Vertrauensbruch tut sich auf und es muss wahnsinnig schwer sein zu begreifen, dass der Mensch, den man dachte in und auswendig zu kennen, ein 2. Leben hatte. Ihr blieb das Geschenk eines eigenen Kindes verwehrt, was diese Erkenntnis noch erschwert. Auch ihre Schwester und Johns Kind tragen einen Kummer und zögerlich entwickelt sich eine neue Sicht auf die Dinge.
Hannah entdeckt ihre Leidenschaft zu ihrem Obstgarten, die sie früher nicht ausleben konnte. Johns große Liebe zu seinen Bienenvölkern spricht aus Briefen, die er Hannah hinterlassen hat. Eine Offenheit scheint zu Lebzeiten nicht möglich gewesen zu sein.
Es ist grausam, wie falsche Entscheidungen soviel Traurigkeit im Leben aller Beteiligten verursachen können, vielleicht hätte durch eine andere Abbiegung Leid verhindert werden können. Aber so spielt das Leben.
Auch Hannah und ihre Schwester haben sich im Laufe der Jahre voneinander entfernt und suchen einen neuen Weg miteinander. Geheimnisse spielen auch da eine große Rolle. Gesellschaftliche Normen und familiäre Gegebenheiten formen unser Leben, das wird hier deutlich.
Mich haben insbesondere in Johns Briefen die Vergleiche der Bienen zu ihrem gemeinsamen Lebensweg sehr berührt. Die wunderbar gefundenen Worte der Autorin tragen zugleich eine Leichtigkeit als auch eine bedeutsame Schwere in sich. Sie sagen so unendlich viel aus und lassen erkennen, wie der Druck von außen sie beide verstummen ließ. John's Beschreibung der Bienen ist der Vergleich zu ihrer Sprachlosigkeit, denn es wird deutlich, dass sich ab der Zeit der Abtreibung auch in Hannah was verändert hat. Die Offenheit zueinander und die Träume in eine selbstbestimmte Zukunft haben sich Stück für Stück entfernt. Ich kann mir vorstellen, dass Geheimnisse so entstehen können.
Die Autorin schafft es hier feinfühlig das Zusammenwachsen der Protagonisten zu beschreiben. Es ist ein "leises" Buch, doch für mich stecken wir alle darin. Unsere Leben, unsere Zweifel und verpassten Chancen. So manch einer würde sich wünschen, eine zweite Chance zu bekommen. Wenn man die Zusammenhänge erkennt. Eine tolle Geschichte!

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Ein ungewöhnliches Ermittlerteam bei der Arbeit

Bodenfrost
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Das Buch von Andreas Föhr ist das 12., für mich das erste dieser Krimi-Reihe um Wallner und Kreuthner.

Der Veranstaltungsort eines Kindernachmittags der Polizei wird zu einem Tatort. Ein kleines Mädchen ...

Das Buch von Andreas Föhr ist das 12., für mich das erste dieser Krimi-Reihe um Wallner und Kreuthner.

Der Veranstaltungsort eines Kindernachmittags der Polizei wird zu einem Tatort. Ein kleines Mädchen findet den ermordeten Vitus Zander. Schnell wird klar, dass der Tote für viele in seiner Umgebung ein unangenehmer Zeitgenosse war. Besonders für seine Frau Isabell, die sehr unter seiner narzistischen Art gelitten hat. Die Kriminalisten Wallner und Kreuthner verfolgen mehrere Spuren, doch nur eine ist die richtige und führt am Ende zum Täter.

Der Autor hat mit Kreuthner eine unverwechselbare Figur geschaffen. Kauzig kommt er daher und hat für seine Mitmenschen so manche "Überraschung" parat. Seine Ermittlungsmethoden bewegen sich oft am Rande der Legalität. Er meint, Hauptsache das Ergebnis stimmt. Und das tut es. Dennoch hat er sein Herz am richtigen Fleck. Wallner ist ein Mensch mit scharfem Verstand, er hat alles im Blick. Ich empfand ihn als angenehm und umgänglich.

Es hat mir sehr gefallen, dass auch die persönliche Seite der Akteure mit einfloss. Dadurch sind sie mir näher gekommen und alles ergab ein rundes Bild. Das Buch lebt auch durch seine Regionalität und der (abgespeckte) bayrische Dialekt gibt ihm durchaus ein Alleinstellungsmerkmal.

Selbst mir als norddeurschem Urgestein fiel es leicht, dem zu folgen. Ich fand es äußerst charmant.

Den Plot fand ich außergewöhnlich, die Charaktere auch. Hier und da blieb für mich am Ende die eine oder andere kleine Frage offen. Zum Schluss hin kam mir die Auflösung etwas schnell daher, doch das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Alles in allem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und warte nun gespannt auf den nächsten Fall von Kreuthner und Wallner. .

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Reise in eine schlimme Vergangenheit

Die Verlorene
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Das Buch würde von mir 10 Sterne bekommen, wenn es denn möglich wäre. Selten hat mich ein Buch so gefangen genommen und so nah berührt.

Die Geschichte von einer Familie wird hier auf zwei Zeitebenen erzählt. ...

Das Buch würde von mir 10 Sterne bekommen, wenn es denn möglich wäre. Selten hat mich ein Buch so gefangen genommen und so nah berührt.

Die Geschichte von einer Familie wird hier auf zwei Zeitebenen erzählt. Das ist der Autorin gut gelungen, ich hatte keine Mühe, dem zu folgen. In der Gegenwart: Ellen und Laura haben den Tod ihrer Mutter bzw. Großmutter zu beklagen. Änne starb im hohen Alter von 93 Jahren. Zu ihrer Enkelin hatte sie ein sehr inniges Verhältnis, das zu ihrer Tochter Ellen war eher unterkühlt. In ihren Unterlagen findet Laura Hinweise, die darauf schließen lassen, dass es in Ännes Vergangenheit Geheimnisse geben musste, über die sie nie gesprochen hat und für die es keine Erklärung gibt. Laura macht sich auf, um Licht in Ännes Vergangenheit zu bringen. Die Reise führt sie nach Schlesien. Dort ist Änne aufgewachsen. Und tatsächlich findet Laura den Geburtsort ihrer Großmutter und Menschen, die ihr behilflich sind, Licht ins Dunkel zu bringen.

Auf der zweiten Zeitebene lernen wir Ännes Leben, das ihrer Zwillingsschwester Luise und ihrer Familie zur Zeit des zweiten Weltkriegs kennen. Sie bewirtschafteten ein großes Gut. Die Zwillinge sind eng miteinander verbunden, doch aufgrund nationalsozialistischer Vorgaben musste Änne einige Jahre, versteckt vor den anderen, auf dem Dachboden verbringen. Während für Luise das normale Leben auf dem Hof weiter ging, forderten diese Bedingungen ihren Tribut. Das entbehrungsreiche Leben, Angst, Verrat und falsche Entscheidungen führen zu folgeschweren Konsequenzen, die was weitere Leben Aller prägen werden.

in dieser Geschichte geht es im Grunde um das Schweigen einer ganzen Generation. Das Grauen ihrer schlimmen Erfahrungen im Krieg , sei es an der Front, auf der Flucht, in Gefangenschaft oder als Zurückgebliebene in der Heimat hat die Menschen verstummen lassen. Ein Reden darüber war ihnen oft nicht mehr möglich, Hilfe gab es zu der Zeit keine. Geblieben sind "schwarze Flecken" in der Historie vieler Familien, die bis in folgende Generationen hineinreichen.

Das Buch ist im gesamten eine große Bereicherung. Der wundervolle, gefühlvolle Schreibstil lässt innere Bilder aufsteigen und es ist der Autorin wunderbar gelungen, reale Ereignisse mit dem Leben der Familie im Buch zu vereinen. Der Spannungsbogen ist straff gespannt und es gibt immer wieder Überraschungen. Ich möchte dieses tolle Buch jedem wärmstens empfehlen. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Wenn das Leben zusammenbricht

Alice und das Blau des Wassers
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Alice muss erleben, dass wegen des Seitensprungs ihres Mannes Michael ihre Welt von heute auf morgen in Trümmern liegt. Nur durch einen Zufall erfährt sie von der Schwangerschaft ihrer Nebenbuhlerin.

Für ...

Alice muss erleben, dass wegen des Seitensprungs ihres Mannes Michael ihre Welt von heute auf morgen in Trümmern liegt. Nur durch einen Zufall erfährt sie von der Schwangerschaft ihrer Nebenbuhlerin.

Für Alice bricht ad-hoc ihre Welt zusammen. Ihre Tochter kümmert sich um sie, hält den Zustand ihrer Mutter aus und gibt ihr letztendlich den Anstoß für einen Haustausch. Und so geht's nach Guernsey in ein fremdes Leben.

Im Laufe der Geschichte gelingt es Alice immer mehr zu sich selbst zu finden, so dass die Wunde der Verletzung langsam heilen kann. Das Leben hat ihr Fragen vor die Füße geschmissen, die sie sich jetzt getraut anzuschauen.

In diesem Buch wird Augenmerk auf die Rolle der Frau gelegt. Auf die körperlichen Veränderungen im Leben. Auf ihre Stärken und Möglichkeiten und die Kraft der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. Ein Buch, das Mut macht.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, wobei die männlichen Figuren hier oft nur angerissen sind. Ich denke, dass ist so gewollt und es passt in dieser Geschichte.

Das Sinnbild des Wassers als tragende Element passt wunderbar. Guernsey 's Landschaft, die Flora und Fauna, die Historie der Insel sind gut recherchiert und gekonnt in diesem Roman verpackt. Ein wahrhaft aufmunterndes Buch, das uns zeigt, dass es immer möglich ist, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, Dinge zu hinterfragen und neue Wege zu finden. Trotz der inhaltlichen Dramatik ist es für mich ein angenehm "ruhiges" Buch, was der sprachlichen Umsetzung der Autorin zu verdanken ist. Es hat mich sehr beeindruckt.

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