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Veröffentlicht am 13.10.2025

Ford-Bremse

Wild Love
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Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben ...

Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben so viel an ihren Erzählungen, das mich reizt und mitzieht, sodass ich ihre Chestnut Springs-Reihe treu begleitet habe. Die Rose Hill-Reihe ist nun die nächste der Autorin. Auch wenn ich länger etwas gezögert habe, ob ich im Überangebot an guten Geschichten dabei bleiben möchte, habe ich doch wieder viele Stimmen von begeisterten Fans gelesen, die ich sehr schätze, weswegen jetzt an „Wild Love“ kein Weg vorbeiführte.

„Wild Love“ ist das erste Buch von Silver, das ich als Hörbuch hatte. Ich war echt gespannt, wie es gerade wegen der expliziten Szenen sein wird, denn sie zu lesen und sie zu hören, sind zwei Paar Schuhe, aber zunächst möchte ich betonen, dass Emilia Weinert und Tom Schönfelder zwei sehr angenehme Stimmen für die Aufgabe waren. Ich habe dann auch im Verlauf nie ein Unbehagen gespürt, weil beide die Charaktere echt toll verkörpert haben und alles zueinander passte,

Silver geht bei „Wild Love“ clever vor, denn mit unserem ersten männlichen Protagonisten haben wir ein bekanntes Gesicht, denn es ist Ford, der Bruder von Willa, die wir schon aus Band 2 der Chestnut Springs-Reihe kennen. Das war auf jeden Fall gut, um die Fans sofort wieder einzufangen. Zum einen wird die Geschichte der Familie Grant aus einer anderen, ergänzenden Perspektive beleuchtet. Zum anderen hat Willa einen tollen Auftritt. Das war schon top gerade für die, die Silver so schon länger begleiten. Alles andere in Rose Hill ist dann völlig neu und das Bowlingteam der Single-Dads ist schon eine lustige Idee. Da ich immer wieder höre, wie viele den Trope Single Dad feiere, wird man hier in den bislang vier angekündigten Bänden wohl voll auf die Kosten kommen. Ich muss aber sagen, dass ich inhaltlich ein paar Stolperstellen hatte. Es ließ sich insgesamt schnell weghören und da waren viele typische Silver-Zutaten, aber die Reihe hat mich noch nicht so gekrallt, wie es „Flawless“ zu dem Zeitpunkt schon getan hat.

Für mich liegt das vor allem an Ford. Rosie und die Belmonts sind nämlich quasi der heimelige Faktor von Rose Hill und die ganze Dynamik dort war schon vielversprechend. Aber Ford war trotz seiner Freundschaft zu Weston eher abgeschirmt von allem. Ich fand auch die anfängliche Betonung mit dem hottesten Milliardär etwas anstrengend und übertrieben. Auch wenn solche Hypes in Zeiten von Social Media schnell entstehen, aber als Musikproduzent ist er sicherlich keine solche Nummer wie Sänger und Schauspieler, deswegen war das sehr übertrieben. Dass es für Ford etwas Privilegiertes brauchte, damit die Geschichte funktioniert, das war schnell klar, aber alles andere hätte man etwas runterfahren können. Weiterhin ist die Wahl, wie der Single Dad-Trope hier umgesetzt wurde, ungewöhnlich. Cora ist schon relativ ‚alt‘ und wie sie in Fords Leben tritt, noch verrückter. Auch wenn sich die Geschichte süß und mitreißend entwickelt hat, aber komplizierter konnte man es erstmal wohl nicht machen. Auch wenn Fords Fassade dadurch natürlich brechen soll, aber ich fand ihn als Charakter sehr schwer greifbar. Es gab genug Momente, um ihn richtig dolle zu mögen, dann wiederum fand ich ihn unnahbar beziehungsweise inkonsequent in seiner Darstellung. Auch wenn ich sagen muss, dass ich Silver fast mehr für ihre Frauenrollen mag, aber ihre Jungs möchte ich dennoch mögen und das war hier nicht so einfach, wie ich es gewohnt bin.

Was ich unfassbar geliebt habe, das waren die ausgetauschten E-Mail-Nachrichten. Das war zum Totlachen und gerade diese vorgelesen zu bekommen, herrlich! Das war mit Abstand das allerbeste am Buch, auch weil es durch Rosies Art in der Hauptsache getragen wird. Sie ist quirlig, sie ist wortgewandt, sie ist schlagfertig, da kommt viel zusammen, was mich sehr von ihr eingenommen hat. Ihre Situationship ist zwar auch seltsam, aber ich mochte sie von Anfang an und sie hat viel mitgezogen. Sie hat die Chemie zwischen den Figuren befeuert. Wegen Ford war dann am Ende die aufgebaute Dramatik auch etwas künstlich, also man merkt, alles schon typisch Silver, aber eine Komponente hat diesmal für mich nicht so gestimmt.

Fazit: „Wild Love“ ist ganz offensichtlich von Elsie Silver, weil dort alle typischen Zutaten von ihr zu finden sind. Gleichzeitig war aber Ford der erste Protagonist von ihr, der mich emotional sehr auf Abstand gehalten hat. Da wollte der Funken nicht so überspringen. Deswegen fällt hier meine Bewertung auch nur durchschnittlich aus. Das wird sicherlich eine Ausnahme gewesen sein und ich bin jetzt sehr gespannt, was die Reihe mir noch anbieten wird.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Rousseaus vs. Ellis

Variation – Für immer oder nie
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Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an ...

Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an Drama und Intensität.

Ich war auf „Variation“ sehr gespannt, auch weil der Titel bereits sehr auf den Inhalt anspielt, denn es spielt zum großen Teil in der Ballett-Welt. Ich mag dieses Setting richtig gerne, weswegen ich beispielsweise bei der Reihe von Anna Savas immer mal gemeckert habe, weil Ballett da auch schon mal untergegangen ist. Hier war das keinesfalls so, denn die Rousseau-Schwestern, ihre Mutter und wie alle in der Ballett-Welt ihre Bestimmung suchen, das ist ein großer Schwerpunkt. Es werden in der Company die schlechten Seiten gut herausgearbeitet, genauso wird aber beleuchtet, was einen zum Tanzen verführt. Es ist also die Einbettung eines Themas, wie ich es am liebsten habe. Weder schwarz, noch weiß, einfach herrlich grau.

Umgekehrt hatte das zur Folge, dass für mich die Rousseaus sehr viel dominanter waren als die Familie Ellis, also vom männlichen Protagonisten Hudson alle Verwandten. Gerade am Anfang war eher er als Rettungsschwimmer dominanter, aber dann hat sich die Handlung im völligen Ungleichgewicht entwickelt. Wir haben regelrechte Phasen, in denen ein Kapitel nach dem anderen von Allie rausgehauen wird. Auch wenn ihre Seite immer interessant war, aber ich hatte sofort Fragezeichen, was ist gerade bei Hudson los, was fühlt er? Wenn ich beide Perspektiven habe, dann muss es sich auch einfach gerecht anfühlen und das war hier leider nicht der Fall. Zumal dann Hudson einfach zu einer Randfigur verkommt, was er nicht verdient hat, weil es die Geschichte von beiden sein sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Fragen zu Juniper, aber auch zu Gavin als Bruder sich gar nicht richtig entwickeln konnten, geschweige denn dass es überhaupt Antworten gab. Gerade Juniper bringt die ganze Handlung überhaupt in den Gang, wirkt für Alter auch schon extrem reif, nur um dann nur noch eine Rolle zu sein, um die sich alles dreht, aber eigentlich auch gar nicht.

So sehr in der Ballett-Welt alles stimmte, so mehr habe ich gleichzeitig auch gemerkt, dass „Variation“ sich in der Liste der Standalones erstmal hinten einreihen muss. Ich habe zum Lesen schon unglaublich lange gebraucht, weil der Funke zu keiner Zeit restlos überspringen wollte. Es gab im Alltag immer Wichtigeres und das spricht nicht für das Buch. Endgültig klar wurde mir mein Urteil dann im hinteren Teil, als ich immer mehr auch dachte, gewisse Aspekte einfach nicht zu verstehen. Yarros hat einige Themen sehr ominös beschrieben, um Rätsel aufzugeben. Aber auch das passte für mich nicht in die Handlung, weil das Buch in der Art auch mit offenen Karten funktioniert hätte. So hatte ich eher den Eindruck, ich habe was verpasst, nur um dann ganz spät durchzublicken. Wenn man es wie ich gewöhnt ist, bei Yarros mehr zu fühlen als zu denken, dann war das echt Kontrastprogramm. Eine völlige Enttäuschung ist „Variation“ damit aber nicht. Es gab durchaus sehr schöne Stellen. Das ganze Ausflugwochenende war toll und es gab auch zwischendurch genug Sequenzen, die stimmten, sogar auch außerhalb des Liebespaares. Aber es war für die vielen Seiten insgesamt zu wenig.

Fazit: „Variation“ hat für mich den Funken nicht ausgelöst. Leider. Ich habe zwar zwischendurch durchaus Highlights bekommen, aber das große Korsett stimmte nicht. Die Handlung hat sich zu sehr in Einseitigkeiten verloren und mich dadurch nicht mehr mit allem mitreißen können.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Weihnachten mit der Lupe zu suchen

Good Spirits
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In den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch ...

In den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch etwas früh für Weihnachtsgedanken. Dennoch hat mich „Good Spirits“ angezogen, vielleicht weil mich das Cover an einem kalten Tag erwischt hat, denn ich war sofort interessiert. Die Autorin, B. K. Borison, ist in Deutschland auch keine Unbekannte. Ihre Cover habe ich öfters schon mal gesehen, gelesen habe ich bislang aber noch nichts von ihr. Aber mit so einem weihnachtlichen Standalone kann man ja nichts falsch machen.

Ich habe „Good Spirits“ als Hörbuch gehabt und bin dadurch von Martha Kindermann und Tobias Zorn durch die Geschichte geleitet worden. Gegen beide Stimmen hatte ich nichts, auch weil sie das reifere Alter von Nolan und Harriet für mich gut verkörpert haben. Dementsprechend ging der Hörgenuss mit den Stimmen im Ohr sehr flott und angenehm. Dieser Aspekt war also gut, aber inhaltlich muss ich einfach sagen, dass ich aufgrund des Covers und des Klappentextes wohl Erwartungen aufgebaut habe, die einfach nicht eingehalten werden konnten. Eine Liebesgeschichte habe ich erwartet und auch bekommen. Aber wegen der Geist-Thematik, die etwas Übernatürliches hat und der Weihnachtszeit habe ich so eine typische RomCom erwartet, die alle Klischees erfüllt und mich Ende September schon wie ein Weihnachtsgeist einfängt. Ich fand aber, dass es wenig Weihnachten gab und dazu auch wenig Humor.

Es gab sicherlich Momente, die zum Lachen einladen sollten, gerade bei den ersten Begegnungen, aber so vom Lesen kam der Spaß einfach nicht rüber, auch weil Nolan als heimsuchender Geist erstmal nicht so sympathisch rüberkommt. Er wirkt wirklich eher wie das Spukgespenst zu Halloween, dementsprechend ist er schon der Erste, der die erhoffte Stimmung zerstört. Relativ schnell hatte ich auch das Gefühl, dass die Liebesgeschichte extrem schnell vorangetrieben wird und dann noch gepaart mit expliziten Szenen, die ebenfalls viel Erzählzeit eingenommen haben. Das wird vermutlich generell dem Stil von Borison entsprechen und ich finde es in Weihnachtsgeschichten auch nicht fehl am Platz, aber die Mischung macht es. Umgekehrt positiv ist, dass die Erinnerungen in Harriets Leben helfen herauszufinden, was ihre Geschichte ist, was alles schief gelaufen ist, warum sie ist, wie sie ist und was möglicherweise Lösungen für sie sind. Das hatte durchaus viel Tiefgang. Ihre Familiengeschichte war authentisch, wenn auch nicht schön, aber man hat da mitfühlen können.

Dann wären wir noch bei Weihnachten. Ja, es spielt in der Adventszeit. Ja, Zuckerstangen spielen eine extrem dominante Rolle, aber das war es auch schon. Das Herausfinden, was Harriet angeblich Böses getan hat, hat sehr viel Raum eingenommen und dann schließlich die Liebesgeschichte und so hätte die Handlung eigentlich egal wann spielen können. An Weihnachten muss Weihnachten auch wichtig sein. Natürlich kann man argumentieren, dass letztlich Weihnachten-typische Botschaften rübergekommen sind, aber das gilt für viele Liebesgeschichten, dementsprechend war mir das zu wenig.

Fazit: „Good Spirits“ sollte die Chance bekommen, mich als erstes Buch der Saison auf Weihnachten einzustimmen, aber da sind meine Erwartungen völlig am letztlichen Ergebnis vorbeigegangen. Die Geschichte hatte durchaus Tiefgang und auch die Themenauswahl gefiel mir, aber es war zu wenig Humor, zu wenig Weihnachten und ein Aufbau einer Liebesgeschichte, die mir zu schnell ging. Da bleibe ich doch lieber erstmal in Herbststimmung.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Atmosphärisch vielversprechend, inhaltlich vorhersehbar

Coram House
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Wir haben Herbst und dementsprechend greife ich jetzt langsam wieder mehr zu Thrillern und den Anfang macht „Coram House“ von Bailey Seybolt, was mit dem Cover für mich sofort eine Atmosphäre erzeugt hat. ...

Wir haben Herbst und dementsprechend greife ich jetzt langsam wieder mehr zu Thrillern und den Anfang macht „Coram House“ von Bailey Seybolt, was mit dem Cover für mich sofort eine Atmosphäre erzeugt hat. Ich habe es als Hörbuch gehabt und mit Wolfgang Berger und Heidi Jürgens hatte ich zwei Sprecher, die ich noch nicht hatte. Sie passten für mich aber beide gut. Berger hat die Befragungen gesprochen, was für mich diese Passagen alleine stimmlich gut abgegrenzt. Jürgens wiederum ist zu Alex Kelley geworden, die damit die durchgängigste Begleitung gewesen ist. Sie ist schnell zu dieser Figur geworden.

Ich muss sagen, dass ich die grundsätzliche Erzählart sehr gut fand. Der Prolog macht zunächst Lust, weil wir Einblicke in das Leben der Waisenkinder bei denn Nonnen bekommen und es entsteht gleich so ein Unbehagen, wie schlimm das für sie alle gewesen sein muss. Danach haben wir das erste Mal die Befragungen, die im Verlauf immer mal wieder auftauchen. Sie unterstützen im Weiteren die Schrecken, die die Kinder erlebt haben. Auch wenn ich fand, dass sie weniger zur Lösungssuche beigetragen haben, aber gerade angesichts der ganzen Enthüllungen in den letzten Jahren zum Missbrauch in der Kirche hatte ich auch den Eindruck, dass es der Autorin ein Bedürfnis war, auf so ein dunkles Kapitel einen besonderen Blick zu werfen. Auch wenn es fiktionalisierte Berichte sind, aber es hat definitiv ein Schaudern ausgelöst, das zur Grundstimmung des Buchs entscheidend beigetragen hat.

Ansonsten begleiten wir Alex bei ihren Ermittlungen zu Coram House und speziell, wer Tommy ist und was ihm passiert ist. Parallel startet dann wie vom Klappentext schon angedeutet eine Mordserie, sodass es nicht nur um Schrecken der Vergangenheit geht, sondern um eine akute Gefahr. Das war auf jeden Fall clever, um auch in der Gegenwart Richtung Spannung aufzubauen. Was ich persönlich sehr schwierig fand, das war die Darstellung von Alex. Sie hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich und wir erfahren, dass ihr bei ihrem letzten Buch gewaltige Recherchefehler unterlaufen sind, weswegen sie umso verbissener ist, ihren Ruf zu rehabilitieren. Diese fast schon Besessenheit hat nicht unbedingt geholfen, Alex als Sympathieträgerin zu sehen. Es gab einige Stellen, in denen sie regelrecht von Wut überkommen war. Ich fand es seltsam, wie explizit das teilweise formuliert worden ist. Auch wenn sie mehrfach bewusst im Dunkeln gehalten wurde, was mich auch aufgeregt hätte, aber ihre Reaktionen waren sehr extrem. Ich habe Alex damit nie als hilflos wahrgenommen, aber sie hat sich gerne parallel so inszeniert. Da ich von der Motivik her gut verstehen konnte, warum sie Antworten finden will und dass sie auch den Unterdrückten eine Stimme geben wollte, aber die Art war wirklich etwas schwierig.

Ein zweiter Block, den ich etwas kritisch sehe, das ist die Vorhersehbarkeit. Das ist bei Thrillern im Grunde DAS Argument, was über die Qualität entscheidet. Auch wenn mir bewusst ist, dass Vorhersehbarkeit teilweise auch subjektiv ist, weil der eine die Puzzleteile zusammensetzt, der andere nicht, so glaube ich schon, dass hier die Hinweise zu offensichtlich waren. Es war eine konkrete Stelle, auf die Alex überhaupt nicht reagiert hat, als wäre das nicht eine interessante Info und zum anderen die Inszenierung der Figuren um sie herum. Das zusammengenommen hat mir etwas die Spannung genommen, auch weil ich gemerkt habe, wie die Autorin vorher noch Störfeuer legen wollte.

Fazit: Grundsätzlich finde ich die Themenwahl von „Coram House“ sehr interessant und die Atmosphäre wurde von Anfang an gut gefüttert. Für mich war es unter dem Strich aber nur ein durchschnittlicher Thriller, denn Alex war charakterlich etwa seltsam als Leitstern durchs Geschehen. Gleichzeitig war mir die Auflösung zu offensichtlich.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Pferde und Baustellen

Goldcrest Manor - Velvet Meadows
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Yvy Kazi habe ich bislang durch all ihre Reihen begleitet, wobei ich mich bei Magic und Moonlight irgendwann entschieden habe, diese abzubrechen, aber das hatte überhaupt nichts mit den Fähigkeiten als ...

Yvy Kazi habe ich bislang durch all ihre Reihen begleitet, wobei ich mich bei Magic und Moonlight irgendwann entschieden habe, diese abzubrechen, aber das hatte überhaupt nichts mit den Fähigkeiten als Autorin zu tun. Vielmehr war für mich die Thematik irgendwann nicht mehr richtig. Ich mag Magie, aber vielleicht gibt es einfach Phasen, in denen das besser passt. Als nun aber die Goldcrest Manor-Reihe angekündigt wurde, war ich sofort wieder hellwach.

Auch wenn ich nie eine Pferdenärrin durch und durch war, aber die edlen Tiere haben mich immer sehr fasziniert und die Wendy gehörte zu meiner Jugend dazu. Wenn ich gezockt habe, dann auch gerne Spiele, bei denen ich Pferde pflegen durfte. Dementsprechend ist da schon ein Faden zu erkennen, selbst wenn ich in echt lieber aus der Ferne zuschaue, als selbst auf den Rücken eines Pferdes zu steigen. Angesichts dieser Einleitung ist aber wohl deutlich geworden, dass ich es schon klasse fand, dass Kazi eine Pferdezucht mitsamt Polo-Spiel als Zentrum ihrer Handlung eingebaut hat. Ich muss auch sagen, dass die Thematik, wie alles dargestellt wurde, wie die Bedeutung von Pferden eingebettet wurde, wie dann auch das Polo-Spiel einen größeren Abschnitt bekommt, das ist für mich die große Stärke von „Velvet Meadows“. Sowas habe ich einfach ewig schon nicht mehr gelesen bzw. auch noch gar nicht, dementsprechend wirkte für mich dieser Aspekt frisch und anziehend.

Tropes sind in der Buchcommunity ein riesiges Thema. Sie werden offensiv beworben und dementsprechend sprechen auch so alle über Bücher, sodass das auch bei mir immer mehr übergegangen ist. Hier haben wir natürlich zentral Second Chance und es gibt viele, für die das zu den wenigsten beliebtesten Tropes gehört. Bei mir ist das nicht festgefahren, weil es bei mir immer auf die Machart ankommt. Leider muss ich sagen, Kazi hat mich hier mit ihrer zweiten Chance zwischen Kenzie und Julian nicht 100% gepackt bekommen. Zunächst würde ich vielleicht die Entscheidung für die Perspektiven am Anfang verantwortlich machen. Wir haben einen Prolog aus Julians Sicht, als die beiden 16 sind. Es hilft zunächst zu sehen, wie sehr er für sie schwärmt. Danach haben wir aber einen Cut und erstmal nur Kapitel aus Kenzies Sicht bekommen. Es hat geholfen, um Ereignisse aus den vergangenen Jahren zusammen zu bekommen, zudem ihr Leben und ihre Gefühle im Jetzt zu verstehen. Aber so geht es erstmal schleppend los und dann erleben wir Julian und es war sehr unangenehm.

Danach gibt es wieder einen Cut und alles, was zwischen dem Pärchen vorgefallen ist, wird ruckzuck abgebaut und wir sind wieder mittendrin. Auch wenn ich nach hinten heraus sagen kann, dass ich Kenzie und Julian irgendwann zusammen mochte, aber die Beobachtung ist stellvertretend für einige Baustellen. Denn ich hatte den Eindruck, dass Kazi sehr oft Konflikte simpel aufgelöst hat. Umgekehrt sind auch nicht alle Beziehungen in dem Buch für mich ausreichend aufgebaut worden. Ich fand es schwierig, Kenzie mit ihrer Mutter zu begreifen. Da ist Fürsorge, aber da war auch stets eine Distanz. Die ganze Darstellung der Mutter wirkte, als müsste sie mit der Zucht sich eigentlich von Anfang an schon längst überworfen haben. Das ist auch schade, weil wir von dem Vater erst gar nicht anfangen müssen, eine zutiefst suspekte Rolle, die zwar vielleicht nochmal in der Reihe auftauchen wird, die mich aber echt wütend gemacht hat. Aber auch Kenzie selbst war für mich nicht einfach. Es gab in dem Buch einige Szenen, die einfach seltsam wirkten. Ich kann das nicht mal richtig mit etwas Bestimmtem erklären. Aber gewisse Dialoge wirkten gezwungen und wenn Kenzie anschließend ihre Gedanken rekapituliert hat, da kam sie zu so vielen Wendungen, das war anstrengend.

Das Buch wirkt keinesfalls durchweg oberflächlich und es wirkt auch nicht inhaltsleer, weil unfassbar viel passiert. Aber vielleicht wäre eine andere Mischung besser gewesen. Etwas weniger Inhalt, dafür mehr Figuren- und Beziehungsarbeit. Umgekehrt will ich loben, dass zum Ende hin keine Dramatik für die Paarung erzwungen wurde. Stattdessen hatten wir Themenfelder, die gut ineinandergegriffen. Insgesamt kam viel geschickt zusammen und macht dann auch schon Lust auf die Folgebände. Zudem bleibe ich unter dem Strich auch dabei, dass Kazi sich für ein Setting entschieden hat, was sie konsequent bedient und was auch bei den anderen Bänden von Bedeutung sein wird. Das ist klasse, weil andere Autoren das schon mal aus den Augen verlieren. Einen Punkt will ich zuletzt noch aufgreifen. Kazi hat selbst eine chronische Erkrankung und wollte daher mit Kenzie dies aufgreifen. Grundsätzlich super, aber ich hätte mir die Epilepsie noch etwas besser eingebunden vorstellen können. Das wäre dann auch sehr echte Dramatik gewesen.

Fazit: Es ist extrem schwer, „Velvet Meadows“ als Auftakt der Goldcrest Manor-Reihe zu bewerten. Denn die Thematik und das Potenzial für die gesamte Reihe macht mich glücklich. Aber der erste Band für sich hatte auch viele Schwächen für mich. Die lagen vor allem in den Charakteren, wie Beziehungen aufgebaut wurden und wie gewisse Dialogen abliefen. Dementsprechend war der Leseprozess für mich nicht völlig geschmeidig, aber es war auch nicht so negativ, dass ich an ein Abbrechen der Reihe denken würde. Nein, wie auch die Betaleserinnen will ich Maeve und Archie ganz dringend zusammen erleben.

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