Weihnachten mit der Lupe zu suchen
Good SpiritsIn den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch ...
In den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch etwas früh für Weihnachtsgedanken. Dennoch hat mich „Good Spirits“ angezogen, vielleicht weil mich das Cover an einem kalten Tag erwischt hat, denn ich war sofort interessiert. Die Autorin, B. K. Borison, ist in Deutschland auch keine Unbekannte. Ihre Cover habe ich öfters schon mal gesehen, gelesen habe ich bislang aber noch nichts von ihr. Aber mit so einem weihnachtlichen Standalone kann man ja nichts falsch machen.
Ich habe „Good Spirits“ als Hörbuch gehabt und bin dadurch von Martha Kindermann und Tobias Zorn durch die Geschichte geleitet worden. Gegen beide Stimmen hatte ich nichts, auch weil sie das reifere Alter von Nolan und Harriet für mich gut verkörpert haben. Dementsprechend ging der Hörgenuss mit den Stimmen im Ohr sehr flott und angenehm. Dieser Aspekt war also gut, aber inhaltlich muss ich einfach sagen, dass ich aufgrund des Covers und des Klappentextes wohl Erwartungen aufgebaut habe, die einfach nicht eingehalten werden konnten. Eine Liebesgeschichte habe ich erwartet und auch bekommen. Aber wegen der Geist-Thematik, die etwas Übernatürliches hat und der Weihnachtszeit habe ich so eine typische RomCom erwartet, die alle Klischees erfüllt und mich Ende September schon wie ein Weihnachtsgeist einfängt. Ich fand aber, dass es wenig Weihnachten gab und dazu auch wenig Humor.
Es gab sicherlich Momente, die zum Lachen einladen sollten, gerade bei den ersten Begegnungen, aber so vom Lesen kam der Spaß einfach nicht rüber, auch weil Nolan als heimsuchender Geist erstmal nicht so sympathisch rüberkommt. Er wirkt wirklich eher wie das Spukgespenst zu Halloween, dementsprechend ist er schon der Erste, der die erhoffte Stimmung zerstört. Relativ schnell hatte ich auch das Gefühl, dass die Liebesgeschichte extrem schnell vorangetrieben wird und dann noch gepaart mit expliziten Szenen, die ebenfalls viel Erzählzeit eingenommen haben. Das wird vermutlich generell dem Stil von Borison entsprechen und ich finde es in Weihnachtsgeschichten auch nicht fehl am Platz, aber die Mischung macht es. Umgekehrt positiv ist, dass die Erinnerungen in Harriets Leben helfen herauszufinden, was ihre Geschichte ist, was alles schief gelaufen ist, warum sie ist, wie sie ist und was möglicherweise Lösungen für sie sind. Das hatte durchaus viel Tiefgang. Ihre Familiengeschichte war authentisch, wenn auch nicht schön, aber man hat da mitfühlen können.
Dann wären wir noch bei Weihnachten. Ja, es spielt in der Adventszeit. Ja, Zuckerstangen spielen eine extrem dominante Rolle, aber das war es auch schon. Das Herausfinden, was Harriet angeblich Böses getan hat, hat sehr viel Raum eingenommen und dann schließlich die Liebesgeschichte und so hätte die Handlung eigentlich egal wann spielen können. An Weihnachten muss Weihnachten auch wichtig sein. Natürlich kann man argumentieren, dass letztlich Weihnachten-typische Botschaften rübergekommen sind, aber das gilt für viele Liebesgeschichten, dementsprechend war mir das zu wenig.
Fazit: „Good Spirits“ sollte die Chance bekommen, mich als erstes Buch der Saison auf Weihnachten einzustimmen, aber da sind meine Erwartungen völlig am letztlichen Ergebnis vorbeigegangen. Die Geschichte hatte durchaus Tiefgang und auch die Themenauswahl gefiel mir, aber es war zu wenig Humor, zu wenig Weihnachten und ein Aufbau einer Liebesgeschichte, die mir zu schnell ging. Da bleibe ich doch lieber erstmal in Herbststimmung.