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Veröffentlicht am 17.12.2025

Clevere Idee, aber ein Aiden

Not in My Book
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Bei einigen klassischen Herbstbuchcovern bin ich dieses Jahr spät dran, umso besser, wenn man beim Lesen dann feststellt, dass es gar nicht an eine Jahreszeit gebunden ist. Das gilt für „Not in My Book“ ...

Bei einigen klassischen Herbstbuchcovern bin ich dieses Jahr spät dran, umso besser, wenn man beim Lesen dann feststellt, dass es gar nicht an eine Jahreszeit gebunden ist. Das gilt für „Not in My Book“ von Katie Holt, das ich nun per Hörbuch konsumiert habe.

Wir haben eine Stimme, Josephine Hochbruck, die uns durch das Geschehen leitet. Ich fand die Stimme angenehm, aber ich habe mich gefragt, ob es so clever war, alles nur durch eine Stimme erzählen zu lassen. Wir haben nämlich neben den Kapiteln, die aus Rosies Sicht sind, auch immer wieder Auszüge aus dem gemeinsamen Buch, das sie und Aiden schreiben müssen. Da beides aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, war es für das Hörerlebnis manchmal etwas irritierend, vor allem wenn man mal kurz die Konzentration verliert, was bei Hörbüchern ja durchaus mal passieren kann. Vor allem wusste bei den Auszügen aus dem Buch ja auch nie sofort, ob es nun Hunter oder Maxines Perspektive ist, das ist erst über die Wahl der Personalpronomen dann zu klären gewesen. Das war also etwas herausfordernd und wäre mit einer zweiten Stimme cleverer zu lösen gewesen. Aber als Hörbuch ist es deswegen keinesfalls nicht zu empfehlen.

Inhaltlich muss ich sagen, dass ich die Idee unglaublich toll fand. Ich mag Bücher, die sich mit der Buchwelt beschäftigen. Da fällt mir Anna Savas ein, die mit ihrer London is Lonely-Reihe in die Verlagswelt eingetaucht ist, aber natürlich auch Emily Henry mit „Book Lover“. Hier haben wir nun Rosie und Aiden, die gemeinsam studieren und in einem gemeinsamen Schreibkurs wie Feuer und Wasser sind, bis sie gemeinsam an einem Buch schreiben sollen. Es war schon herrlich, wie viel man widergespiegelt bekommen hat, wie so über verschiedene Genres gedacht hat. Genauso herrlich war aber auch diese Meta-Ebene, wie ein Buch zu schreiben ist, wenn wir genau gerade selbst ein solches Buch lesen/hören. Das war ein cleveres Zusammenspiel, was mein persönliches Highlight an der Geschichte ist.

Rosie ist mir aufgrund ihrer Einstellungen und ihrer Familienbande sofort emotional nahe gewesen. Sie war zwar sehr impulsiv und in ihre Reaktionen gerne mal drüber, aber sie fühlte sich in sich sehr schlüssig und nahbar an. Bei Aiden gibt es vielerlei Gründe, warum es da nicht so einfach war. Zum einen war es eine echte Ironie, dass die beiden ihr gemeinsames Buch in zwei Perspektiven schreiben, wir bekommen aber nur Rosie. Aiden bleibt so lange ein Buch mit sieben Siegeln. Zum anderen soll er anfangs unnahbar und abweisend sein, das entspricht seiner Mauer, die er um sich aufgerichtet hat. Aber er war auch nicht gleich die Figur, bei der ich sofort dahinter schauen wollte, weil er zu extrem und verbohrt wirkte. Aber er war dann Erste, der in dem gemeinsamen Schreiben die Gefühlsebene eingenommen und seine Gefühle für Rosie klar transportiert hat. Das war dann der Punkt, wo es doch langsam bei mir schmolz und ab da passten für mich Idee und Umsetzung dann gut zueinander.

Dennoch bin ich nicht glücklich aus dem Buch gegangen. Natürlich gibt es ein Happy End, das ist doch klar in dem Genre, aber gleichzeitig gab es auf einmal Baustellen, die mich gestört haben und wenn die so spät kommen, dann ist es niemals gut, unglücklich aus einem Buch zu gehen. Das ist hier aber passiert. Warum? Da wir Aiden aus seiner Perspektive nie erlebt haben, waren für mich die intimen Szenen unglaublich seltsam. Ich hatte den Eindruck, wir haben es mit zwei vollkommen verschiedenen Männern zu tun. Rosie war sich treu, aber Aiden, wie Welten und das hat mich durcheinandergebracht, weswegen ich die beschriebenen Szenen gerne schnell hinter mich gebracht habe. Dann haben wir zudem erzwungenes Drama, in dem Aiden ebenfalls total schlecht weggekommen ist. Es war insgesamt eine wilde Achterbahn mit ihm als männlichen Protagonisten. Es ging zäh los, dann wärmte sich alles auf, dann ging es wieder steil bergab.

Fazit: Katie Holt hat mit ihrer Idee zu „Not in My Book“ für mich einen Treffer gelandet. Der Prozess des gemeinsamen Schreibens und die Meta-Ebene, die möglich war, das war sehr amüsant. Was für mich irgendwann nicht mehr passte, das war die Darstellung von Aiden. Ich bin nicht glücklich aus der Lektüre gegangen und das ist schade, denn das hatte dieses frische Buch eigentlich nicht verdient. Aber es ist ein selbst gelegtes Ei.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Stimmungsvoll, aber auch holprig

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
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Als der Herbst losgegangen ist, war „Copenhagen Cinnamon“ von Stefanie Neeb eines der Bücher, die man nur noch überall gesehen hat. Inzwischen haben wir Dezember, alle sind in Weihnachtsstimmung, offiziell ...

Als der Herbst losgegangen ist, war „Copenhagen Cinnamon“ von Stefanie Neeb eines der Bücher, die man nur noch überall gesehen hat. Inzwischen haben wir Dezember, alle sind in Weihnachtsstimmung, offiziell haben wir aber noch Herbst, also von daher war es für mich nicht so spät, nun mir mal das dazugehörige Hörbuch vorzunehmen.

Gelesen wird das ganze Geschehen durch Louis Friedemann Thiele und Aileen Wrozyna. Ihn habe ich nun schon sehr oft gehört, bei ihr war es aber das erste Mal. Ich hatte aber nichts gegen beide Stimmen auszusetzen, weil der Hörfluss gut gelungen ist. Dennoch verbindet man die Stimmen irgendwie natürlich auch mit den Charakteren und da sind wir dann bei meinem Kritikpunkt an diesem Auftaktband. Mir passiert es öfters schon mal, dass ich entweder mit ihm oder mit ihr ein richtiges Problem habe, aber dass beide mich in den Wahnsinn treiben können, das ist schon selten. Ich möchte keinesfalls behaupten, dass ich durchgängig mit Jonna und Mads nicht klar gekommen wäre, aber beide hatten ihre Momente, die es schwierig gemacht hat.

Im Grunde ging es gut los. Die jeweiligen Lebenssituationen von Mads und Jonna sind uns anschaulich präsentiert worden. Bis die beiden überhaupt das erste Mal aufeinandertreffen, haben wir schon genug Basics an der Hand und das hat mir gut gefallen. So ein Café als Setting ist immer etwas, was mich anzieht. Gerade wenn es so familiär rüberkommt und nicht wie ein Großcafé nur mit Durchgangsverkehr. Das hat dann auch mit der Stimmung gut in den Herbst gepasst, denn ich kenne es von mir selbst, dass es mit kälter werdenden Temperaturen reizvoller wird, Warmes zu trinken und wieder mehr Gebäck zu essen. Also man merkt, die Ausgangslage war gut. Auch die erste Begegnung war völlig okay, denn sie treffen ein wenig ungünstig aufeinander, aber es hatte schon einen gewissen Humor, auch weil das Buch später viel damit arbeitet, einige Momente verbal nochmal zu kopieren.

Angesichts von Jonnas Rastlosigkeit war es auch spannend zu sehen, wie sie in dem Café Leidenschaft findet. Ich fand insgesamt alles rund um das Café gelungen, was für mich aber holprig war, das war das Zusammenfinden als Paar und daraus resultierende Charakterentscheidungen. Mir ist der Punkt zu früh umgesprungen, an dem merkte, die beiden haben nun eine Bedeutung füreinander, die über Kollegen hinausgehen. Denn mit dem Sprung ging auf einmal Eifersucht und emotional sprunghaftes Verhalten einher. Eifersucht ist sicherlich kein Gefühl, das man per se verurteilen sollte, aber hier fand ich es unfassbar kindisch dargestellt. Gerade Jonna hatte da einen Moment, da hat mich die Geschichte fast verloren, weil sie all ihre eigenen Gefühle und Sorgen einfach auf Mads umgelegt hat und daraus dann auf einmal emotional umzuschwenken, das hat mich nicht mitnehmen können.

Die Handlung bekommt durch die Geheimnisse aus Mads‘ Vergangenheit noch eine zweite Ebene, die auch eine gewisse Spannung mitgebracht hat, weil ich mich gefragt habe, was ist genau passiert. Es hat auch eine Seite von Jonna gezeigt, die ich wieder besser nachvollziehen konnte, weil es um ein inneres Gerechtigkeitsbedürfnis geht. Da war Mads dann an dem Punkt, wo es schwer wurde. Auch wenn Trauer und Verlust Gefühle sind, die wenig mit Rationalität zu tun haben, aber man hat der gesamten Familie von ihm angemerkt, wie viele falsche Entscheidungen daraus gefolgt sind. Ich fand es fast schon etwas zu viel, wie viel die Familie da untereinander falsch verstanden hat. Insgesamt würde ich daher sagen, dass für mich einiges etwas zu übertrieben und sprunghaft war. Umgekehrt stimmte aber die Stimmung und die Spannungselemente. Vielleicht hätte ich mir bei dem Kopenhagen-Setting auch noch mehr Einblicke in die Stadt erhofft.

Fazit: Ich bin mit „Copenhagen Cinnamon“ etwas später als andere dran, aber es passte für mich noch gut in die Stimmung. Das Café als Setting war da das große Plus. Ich hatte charakterlich und mit ein paar Entscheidungen in der Dramatik Probleme, aber es war eine Welt, in der ich gerne war und wo ich gerne überprüfen möchte, wie es sich bei einem anderen Paar gestaltet.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Phoenix aus der hohlen Luft

Of Flame and Fury
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Nachdem zuletzt die Drachen überall wieder Einzug gehalten haben, hat mich bei „Of Flame and Fury“ sofort die Phoenix-Thematik gereizt. Schon bei Harry Potter war ein Phoenix sehr bedeutungsvoll, wir nutzen ...

Nachdem zuletzt die Drachen überall wieder Einzug gehalten haben, hat mich bei „Of Flame and Fury“ sofort die Phoenix-Thematik gereizt. Schon bei Harry Potter war ein Phoenix sehr bedeutungsvoll, wir nutzen ihn für den Spruch ‚wie der Phoenix aus der Asche‘, aber trotzdem liest man echt wenig von ihnen. Dazu war das Cover des Debüts von Mikayla Bridge echt schön und passend gewählt. Da habe ich doch gerne mal reingelesen.

Zunächst war ich überrascht, dass es sich um einen Standalone-Roman handelt. Zwar soll das zweite Buch der Autorin, das nächstes Jahr erscheint, in derselben Welt spielen, unmittelbar gehören sie nicht zusammen. Wo erlebt man denn sowas noch, weil gerade im Fantasy-Bereich doch sehr gerne Welten ausgebaut werden. Ich fand es einerseits gut, dass die Geschichte hiermit auch gleich wieder abgeschlossen ist, aber andererseits kann ich leider nicht bestätigen, dass die Autorin es geschafft hätte, mit diesen etwa 400 Seiten alles rauszuholen. Ich bin extrem schwer nur reingekommen. Ich habe die ersten 100 Seiten glaube ich über eine Woche verteilt gelesen, weil es nie die Stelle gab, die ich mich richtig am Haken hatte. Das World Building ist zudem sehr einfach gehalten. Im Grunde ist der einzige Kniff, dass es Phoenixe gibt und fertig. Dementsprechend habe ich auch länger gebraucht, um zu verstehen, was die Geschichte eigentlich erzählen will.

Ich musste bei den Phoenix-Rennen ein wenig an Harry Potter und Quidditch denken, auch wenn es nicht absolut vergleichbar war, aber die Beschreibungen hatten recht ähnliche Effekte. Es war nur etwas schade, dass wir eine Perspektive haben, die von Kelyn. Das hat letztlich auch einen Grund, aber es wäre noch etwas anderes gewesen, die Rennen durchgängig durch die Augen des Reiters zu erleben. Die waren nämlich spannend, auch weil sie unterschiedlich aufgebaut waren und so immer wieder neue Elemente hinzukamen. Abseits der Rennen ist das Problem, was die Geschichte eigentlich will, lange erhalten geblieben. Irgendwann haben sich die Puzzleteile zum Glück besser zusammensetzen lassen. Doch auch dort war ich nicht unbedingt glücklich. Man hat zu viele Aspekte der Entwicklung vorhersehen können. Es gab letztlich eine Wendung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe oder ich war schon nicht mehr 100% aufmerksam, um die Andeutungen zu sehen, ich weiß es nicht. Aber das war nochmal etwas, was mich am Ende an die Geschichte gebunden hat, um im Showdown mitfiebern zu können.

Das Ende finde ich letztlich auch poetisch schön. Es kam alles gut zusammen, für die gewählte Gestalt des Phoenix, aber auch für die zentral vorgestellten Figuren. Die erzählte Liebesgeschichte ist nicht übertrieben dominant, wofür ich dankbar bin, weil es der Geschichte sonst noch mehr Nährboden entzogen hätte. Aber mir ist doch klar, dass von der Geschichte nicht lange etwas im Kopf bleiben wird und das hatte sie einfach besser verdient, weil sie auf dem Markt keine große Konkurrenz hat.

Fazit: „Of Flame and Fury“ stach für mich im Fantasy-Angebot heraus und so war ich gespannt, was ich bekommen würde. Leider ist das Endergebnis eine dünne Geschichte. Die beschriebenen Rennen waren spannend und die kann man sich für die große Leinwand toll vorstellen. Der Rest war aber einfach zu wenig. Wenn schon lange im Dunkeln bleibt, was eigentlich das Zeil ist, dann hätte der Rest schon Perfektion sein müssen. Es ist das Debüt der Autorin, dementsprechend halte ich mir offen, nochmal etwas von ihr zu lesen. Man lernt schließlich mit der Erfahrung. Aber so kann ich keine unbedingte Leseempfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Gewaltig und einschüchternd

Alchemised
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Forever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, ...

Forever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, wurden auch immer mehr gefeierte internationale Reihen eingekauft und dennoch stand Forever für mich immer hinter anderen Verlagen, wie Lyx beispielsweise, zurück. Als nun „Alchemised“ als Buch des Jahres angekündigt wurde, da war ich extrem skeptisch. Das deutet schon an, dass ein Hype erzeugt werden soll und wir kennen es alle, Hype-Bücher sind immer mit Vorsicht zu nehmen. Nach und nach sickerten dann mehr Infos für mich durch. Offenbar hat Autorin SenLinYu zunächst eine Harry Potter-Fanfiction geschrieben, die dann nochmal umgeschrieben und zu einer eigenständigen Fantasy-Geschichte umgewandelt wurde. Auch die Seitenzahl hat mich etwas geschockt. Ich habe echt schon ewig nicht mehr über 1000 Seiten gelesen, das waren tatsächlich die alten Harry Potter-Zeiten beziehungsweise Diana Gabaldon-typisch.

Letztlich habe ich mich für das Hörbuch entschieden, was ich im Nachhinein als halb richtig einschätzen würde. Vanida Karuns Stimme mochte ich, aber ich muss schon sagen, dass 40 Stunden damit im Ohr irgendwann zäh werden. Normalerweise haben die Hörbücher so 11 Stunden im Durchschnitt, teilweise haben wir mehrere Stimmen in einem, dementsprechend bin ich da schneller neueren Input gewöhnt. Auch wenn ich die 40 Stunden nicht an einem Stück, sondern über eine Woche gehört habe, aber manches Mal hätte ich mir gerne die Buchausgabe herbeigewünscht. Ein weiterer Punkt ist sicherlich, dass im Buch ein Glossar angegeben ist. Das fällt im Hörbuch leider völlig weg, dementsprechend musste ich mir online die Infos zusammensuchen, denn ohne Glossar geht es leider wirklich nicht. Ob nun das Hörbuch Einfluss auf meine abschließende Bewertung hat, das finde ich schwierig einzuschätzen, aber ich denke doch, dass vor allem der Inhalt den Eindruck verfestigt hat.

Ohne das Vorabwissen, dass es ursprünglich eine Geschichte von Hermine und Draco war, wäre ich da sicherlich nicht drauf gekommen. Mit dem Wissen habe ich aber doch immer mehr Parallelen erkannt. Es hat schon etwas Charme, sich vorzustellen, wenn sich sowas wirklich entwickelt hätte, aber ich habe mich an Hermine und Draco auch nicht zu sehr aufgehangen, denn Helena und Kaine waren für mich sehr eigenständige Figuren. Vor allem bei ihm finde ich auch, dass man Draco schnell vergisst, ich habe ihn charakterlich ganz anders empfunden. Ohne das Glossar war es schon schwierig, in die Geschichte hineinzufinden. Deswegen habe ich irgendwann einen Cut gemacht und mir online alles zusammengesucht, das hat sehr geholfen. Es hilft natürlich auch, ein wenig Wissen aus der Harry Potter-Welt mitzubringen, denn auch wenn es die Autorin nochmal deutlich komplexer ausgearbeitet hat, aber Grundideen sind dennoch wiederzuerkennen. Auch wenn ich „The Handmaid’s Tale“ selbst noch nicht gelesen habe, so kenne ich grob, worum es geht. Davon ist auch sehr viel in der Geschichte wiederzufinden. Der erste Teil ist schon relativ zäh aufgrund der Gefangenen-Situation, weil die Einflüsse sehr begrenzt sind und Helena auf nur wenige Figuren trifft. Das Tempo hilft umgekehrt, sich immer besser einzudenken.

Dennoch habe ich mir mal mehr Tempo gewünscht. Das wird mit Teil 2 erfüllt, weil da erstmal alles auf den Kopf gestellt wird. Hier war für mich Hogwarts omnipräsent, wir haben viele neue Charaktere kennengelernt, aber auch da setze sich irgendwie eine gewisse Zähigkeit durch. Gerade wenn ich weiß, wie viele Stunden ich vor mir habe, da brauche ich neuen Input und dadurch, dass die Geschichte sehr an Helena und dann auch an Kaine klebt, fehlte das einfach. Das Sichtfeld war mir oftmals zu eng, weil es da so viel zu entdecken gab, was ich gerne dann wirklich erkundet hätte, aber immer ging es wieder zur Ausgangssituation zurück. Eigentlich hat die Geschichte mich an diesem Punkt verloren und das ist auch mein Kritikpunkt. Auch wenn diese Liebesgeschichte sehr intensiv ausgearbeitet ist und ich sowas eigentlich immer gut finde, aber für die Seitenzahl war es zu viel, um mich durchgängig zu erhalten.

Zum Glück gab es dann auch einen Teil, der am meisten von Action lebte. Da passierte dann echt viel und dafür war ich sehr dankbar, weil sonst hätte ich vermutlich pausiert. So habe ich es aber durchgezogen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich drauf eingelassen habe. Es war mit der ganzen Vorgeschichte etwas Spezielles. Aber es ist kein Muss-Buch, auch weil ich beispielsweise eine Adaption nicht unbedingt sehen müsste.

Fazit: „Alchemised“ ist in aller Munde und wie üblich für ein Hype-Buch gibt es zwei große Lager. Ich gehöre zu den Skeptikern. Mit Hörbuch war es ohne Glossar sicherlich noch komplexer, aber auch ohne äußere Faktoren liegt mein Kritikpunkt an der fehlenden Menge an Action für die Seitenzahl. Die Autorin hat aber etwas geschaffen, was andere ihr erstmal nachmachen müssen, das ist auch klar. Sie hat sich etwas ausgedacht und es mit ihren Figuren richtig durchlebt. Ich habe auch mitgelitten, aber nicht so, wie ich es mir ursprünglich erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Ford-Bremse

Wild Love
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Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben ...

Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben so viel an ihren Erzählungen, das mich reizt und mitzieht, sodass ich ihre Chestnut Springs-Reihe treu begleitet habe. Die Rose Hill-Reihe ist nun die nächste der Autorin. Auch wenn ich länger etwas gezögert habe, ob ich im Überangebot an guten Geschichten dabei bleiben möchte, habe ich doch wieder viele Stimmen von begeisterten Fans gelesen, die ich sehr schätze, weswegen jetzt an „Wild Love“ kein Weg vorbeiführte.

„Wild Love“ ist das erste Buch von Silver, das ich als Hörbuch hatte. Ich war echt gespannt, wie es gerade wegen der expliziten Szenen sein wird, denn sie zu lesen und sie zu hören, sind zwei Paar Schuhe, aber zunächst möchte ich betonen, dass Emilia Weinert und Tom Schönfelder zwei sehr angenehme Stimmen für die Aufgabe waren. Ich habe dann auch im Verlauf nie ein Unbehagen gespürt, weil beide die Charaktere echt toll verkörpert haben und alles zueinander passte,

Silver geht bei „Wild Love“ clever vor, denn mit unserem ersten männlichen Protagonisten haben wir ein bekanntes Gesicht, denn es ist Ford, der Bruder von Willa, die wir schon aus Band 2 der Chestnut Springs-Reihe kennen. Das war auf jeden Fall gut, um die Fans sofort wieder einzufangen. Zum einen wird die Geschichte der Familie Grant aus einer anderen, ergänzenden Perspektive beleuchtet. Zum anderen hat Willa einen tollen Auftritt. Das war schon top gerade für die, die Silver so schon länger begleiten. Alles andere in Rose Hill ist dann völlig neu und das Bowlingteam der Single-Dads ist schon eine lustige Idee. Da ich immer wieder höre, wie viele den Trope Single Dad feiere, wird man hier in den bislang vier angekündigten Bänden wohl voll auf die Kosten kommen. Ich muss aber sagen, dass ich inhaltlich ein paar Stolperstellen hatte. Es ließ sich insgesamt schnell weghören und da waren viele typische Silver-Zutaten, aber die Reihe hat mich noch nicht so gekrallt, wie es „Flawless“ zu dem Zeitpunkt schon getan hat.

Für mich liegt das vor allem an Ford. Rosie und die Belmonts sind nämlich quasi der heimelige Faktor von Rose Hill und die ganze Dynamik dort war schon vielversprechend. Aber Ford war trotz seiner Freundschaft zu Weston eher abgeschirmt von allem. Ich fand auch die anfängliche Betonung mit dem hottesten Milliardär etwas anstrengend und übertrieben. Auch wenn solche Hypes in Zeiten von Social Media schnell entstehen, aber als Musikproduzent ist er sicherlich keine solche Nummer wie Sänger und Schauspieler, deswegen war das sehr übertrieben. Dass es für Ford etwas Privilegiertes brauchte, damit die Geschichte funktioniert, das war schnell klar, aber alles andere hätte man etwas runterfahren können. Weiterhin ist die Wahl, wie der Single Dad-Trope hier umgesetzt wurde, ungewöhnlich. Cora ist schon relativ ‚alt‘ und wie sie in Fords Leben tritt, noch verrückter. Auch wenn sich die Geschichte süß und mitreißend entwickelt hat, aber komplizierter konnte man es erstmal wohl nicht machen. Auch wenn Fords Fassade dadurch natürlich brechen soll, aber ich fand ihn als Charakter sehr schwer greifbar. Es gab genug Momente, um ihn richtig dolle zu mögen, dann wiederum fand ich ihn unnahbar beziehungsweise inkonsequent in seiner Darstellung. Auch wenn ich sagen muss, dass ich Silver fast mehr für ihre Frauenrollen mag, aber ihre Jungs möchte ich dennoch mögen und das war hier nicht so einfach, wie ich es gewohnt bin.

Was ich unfassbar geliebt habe, das waren die ausgetauschten E-Mail-Nachrichten. Das war zum Totlachen und gerade diese vorgelesen zu bekommen, herrlich! Das war mit Abstand das allerbeste am Buch, auch weil es durch Rosies Art in der Hauptsache getragen wird. Sie ist quirlig, sie ist wortgewandt, sie ist schlagfertig, da kommt viel zusammen, was mich sehr von ihr eingenommen hat. Ihre Situationship ist zwar auch seltsam, aber ich mochte sie von Anfang an und sie hat viel mitgezogen. Sie hat die Chemie zwischen den Figuren befeuert. Wegen Ford war dann am Ende die aufgebaute Dramatik auch etwas künstlich, also man merkt, alles schon typisch Silver, aber eine Komponente hat diesmal für mich nicht so gestimmt.

Fazit: „Wild Love“ ist ganz offensichtlich von Elsie Silver, weil dort alle typischen Zutaten von ihr zu finden sind. Gleichzeitig war aber Ford der erste Protagonist von ihr, der mich emotional sehr auf Abstand gehalten hat. Da wollte der Funken nicht so überspringen. Deswegen fällt hier meine Bewertung auch nur durchschnittlich aus. Das wird sicherlich eine Ausnahme gewesen sein und ich bin jetzt sehr gespannt, was die Reihe mir noch anbieten wird.

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