Clevere Idee, aber ein Aiden
Not in My BookBei einigen klassischen Herbstbuchcovern bin ich dieses Jahr spät dran, umso besser, wenn man beim Lesen dann feststellt, dass es gar nicht an eine Jahreszeit gebunden ist. Das gilt für „Not in My Book“ ...
Bei einigen klassischen Herbstbuchcovern bin ich dieses Jahr spät dran, umso besser, wenn man beim Lesen dann feststellt, dass es gar nicht an eine Jahreszeit gebunden ist. Das gilt für „Not in My Book“ von Katie Holt, das ich nun per Hörbuch konsumiert habe.
Wir haben eine Stimme, Josephine Hochbruck, die uns durch das Geschehen leitet. Ich fand die Stimme angenehm, aber ich habe mich gefragt, ob es so clever war, alles nur durch eine Stimme erzählen zu lassen. Wir haben nämlich neben den Kapiteln, die aus Rosies Sicht sind, auch immer wieder Auszüge aus dem gemeinsamen Buch, das sie und Aiden schreiben müssen. Da beides aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, war es für das Hörerlebnis manchmal etwas irritierend, vor allem wenn man mal kurz die Konzentration verliert, was bei Hörbüchern ja durchaus mal passieren kann. Vor allem wusste bei den Auszügen aus dem Buch ja auch nie sofort, ob es nun Hunter oder Maxines Perspektive ist, das ist erst über die Wahl der Personalpronomen dann zu klären gewesen. Das war also etwas herausfordernd und wäre mit einer zweiten Stimme cleverer zu lösen gewesen. Aber als Hörbuch ist es deswegen keinesfalls nicht zu empfehlen.
Inhaltlich muss ich sagen, dass ich die Idee unglaublich toll fand. Ich mag Bücher, die sich mit der Buchwelt beschäftigen. Da fällt mir Anna Savas ein, die mit ihrer London is Lonely-Reihe in die Verlagswelt eingetaucht ist, aber natürlich auch Emily Henry mit „Book Lover“. Hier haben wir nun Rosie und Aiden, die gemeinsam studieren und in einem gemeinsamen Schreibkurs wie Feuer und Wasser sind, bis sie gemeinsam an einem Buch schreiben sollen. Es war schon herrlich, wie viel man widergespiegelt bekommen hat, wie so über verschiedene Genres gedacht hat. Genauso herrlich war aber auch diese Meta-Ebene, wie ein Buch zu schreiben ist, wenn wir genau gerade selbst ein solches Buch lesen/hören. Das war ein cleveres Zusammenspiel, was mein persönliches Highlight an der Geschichte ist.
Rosie ist mir aufgrund ihrer Einstellungen und ihrer Familienbande sofort emotional nahe gewesen. Sie war zwar sehr impulsiv und in ihre Reaktionen gerne mal drüber, aber sie fühlte sich in sich sehr schlüssig und nahbar an. Bei Aiden gibt es vielerlei Gründe, warum es da nicht so einfach war. Zum einen war es eine echte Ironie, dass die beiden ihr gemeinsames Buch in zwei Perspektiven schreiben, wir bekommen aber nur Rosie. Aiden bleibt so lange ein Buch mit sieben Siegeln. Zum anderen soll er anfangs unnahbar und abweisend sein, das entspricht seiner Mauer, die er um sich aufgerichtet hat. Aber er war auch nicht gleich die Figur, bei der ich sofort dahinter schauen wollte, weil er zu extrem und verbohrt wirkte. Aber er war dann Erste, der in dem gemeinsamen Schreiben die Gefühlsebene eingenommen und seine Gefühle für Rosie klar transportiert hat. Das war dann der Punkt, wo es doch langsam bei mir schmolz und ab da passten für mich Idee und Umsetzung dann gut zueinander.
Dennoch bin ich nicht glücklich aus dem Buch gegangen. Natürlich gibt es ein Happy End, das ist doch klar in dem Genre, aber gleichzeitig gab es auf einmal Baustellen, die mich gestört haben und wenn die so spät kommen, dann ist es niemals gut, unglücklich aus einem Buch zu gehen. Das ist hier aber passiert. Warum? Da wir Aiden aus seiner Perspektive nie erlebt haben, waren für mich die intimen Szenen unglaublich seltsam. Ich hatte den Eindruck, wir haben es mit zwei vollkommen verschiedenen Männern zu tun. Rosie war sich treu, aber Aiden, wie Welten und das hat mich durcheinandergebracht, weswegen ich die beschriebenen Szenen gerne schnell hinter mich gebracht habe. Dann haben wir zudem erzwungenes Drama, in dem Aiden ebenfalls total schlecht weggekommen ist. Es war insgesamt eine wilde Achterbahn mit ihm als männlichen Protagonisten. Es ging zäh los, dann wärmte sich alles auf, dann ging es wieder steil bergab.
Fazit: Katie Holt hat mit ihrer Idee zu „Not in My Book“ für mich einen Treffer gelandet. Der Prozess des gemeinsamen Schreibens und die Meta-Ebene, die möglich war, das war sehr amüsant. Was für mich irgendwann nicht mehr passte, das war die Darstellung von Aiden. Ich bin nicht glücklich aus der Lektüre gegangen und das ist schade, denn das hatte dieses frische Buch eigentlich nicht verdient. Aber es ist ein selbst gelegtes Ei.