Gewaltig und einschüchternd
AlchemisedForever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, ...
Forever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, wurden auch immer mehr gefeierte internationale Reihen eingekauft und dennoch stand Forever für mich immer hinter anderen Verlagen, wie Lyx beispielsweise, zurück. Als nun „Alchemised“ als Buch des Jahres angekündigt wurde, da war ich extrem skeptisch. Das deutet schon an, dass ein Hype erzeugt werden soll und wir kennen es alle, Hype-Bücher sind immer mit Vorsicht zu nehmen. Nach und nach sickerten dann mehr Infos für mich durch. Offenbar hat Autorin SenLinYu zunächst eine Harry Potter-Fanfiction geschrieben, die dann nochmal umgeschrieben und zu einer eigenständigen Fantasy-Geschichte umgewandelt wurde. Auch die Seitenzahl hat mich etwas geschockt. Ich habe echt schon ewig nicht mehr über 1000 Seiten gelesen, das waren tatsächlich die alten Harry Potter-Zeiten beziehungsweise Diana Gabaldon-typisch.
Letztlich habe ich mich für das Hörbuch entschieden, was ich im Nachhinein als halb richtig einschätzen würde. Vanida Karuns Stimme mochte ich, aber ich muss schon sagen, dass 40 Stunden damit im Ohr irgendwann zäh werden. Normalerweise haben die Hörbücher so 11 Stunden im Durchschnitt, teilweise haben wir mehrere Stimmen in einem, dementsprechend bin ich da schneller neueren Input gewöhnt. Auch wenn ich die 40 Stunden nicht an einem Stück, sondern über eine Woche gehört habe, aber manches Mal hätte ich mir gerne die Buchausgabe herbeigewünscht. Ein weiterer Punkt ist sicherlich, dass im Buch ein Glossar angegeben ist. Das fällt im Hörbuch leider völlig weg, dementsprechend musste ich mir online die Infos zusammensuchen, denn ohne Glossar geht es leider wirklich nicht. Ob nun das Hörbuch Einfluss auf meine abschließende Bewertung hat, das finde ich schwierig einzuschätzen, aber ich denke doch, dass vor allem der Inhalt den Eindruck verfestigt hat.
Ohne das Vorabwissen, dass es ursprünglich eine Geschichte von Hermine und Draco war, wäre ich da sicherlich nicht drauf gekommen. Mit dem Wissen habe ich aber doch immer mehr Parallelen erkannt. Es hat schon etwas Charme, sich vorzustellen, wenn sich sowas wirklich entwickelt hätte, aber ich habe mich an Hermine und Draco auch nicht zu sehr aufgehangen, denn Helena und Kaine waren für mich sehr eigenständige Figuren. Vor allem bei ihm finde ich auch, dass man Draco schnell vergisst, ich habe ihn charakterlich ganz anders empfunden. Ohne das Glossar war es schon schwierig, in die Geschichte hineinzufinden. Deswegen habe ich irgendwann einen Cut gemacht und mir online alles zusammengesucht, das hat sehr geholfen. Es hilft natürlich auch, ein wenig Wissen aus der Harry Potter-Welt mitzubringen, denn auch wenn es die Autorin nochmal deutlich komplexer ausgearbeitet hat, aber Grundideen sind dennoch wiederzuerkennen. Auch wenn ich „The Handmaid’s Tale“ selbst noch nicht gelesen habe, so kenne ich grob, worum es geht. Davon ist auch sehr viel in der Geschichte wiederzufinden. Der erste Teil ist schon relativ zäh aufgrund der Gefangenen-Situation, weil die Einflüsse sehr begrenzt sind und Helena auf nur wenige Figuren trifft. Das Tempo hilft umgekehrt, sich immer besser einzudenken.
Dennoch habe ich mir mal mehr Tempo gewünscht. Das wird mit Teil 2 erfüllt, weil da erstmal alles auf den Kopf gestellt wird. Hier war für mich Hogwarts omnipräsent, wir haben viele neue Charaktere kennengelernt, aber auch da setze sich irgendwie eine gewisse Zähigkeit durch. Gerade wenn ich weiß, wie viele Stunden ich vor mir habe, da brauche ich neuen Input und dadurch, dass die Geschichte sehr an Helena und dann auch an Kaine klebt, fehlte das einfach. Das Sichtfeld war mir oftmals zu eng, weil es da so viel zu entdecken gab, was ich gerne dann wirklich erkundet hätte, aber immer ging es wieder zur Ausgangssituation zurück. Eigentlich hat die Geschichte mich an diesem Punkt verloren und das ist auch mein Kritikpunkt. Auch wenn diese Liebesgeschichte sehr intensiv ausgearbeitet ist und ich sowas eigentlich immer gut finde, aber für die Seitenzahl war es zu viel, um mich durchgängig zu erhalten.
Zum Glück gab es dann auch einen Teil, der am meisten von Action lebte. Da passierte dann echt viel und dafür war ich sehr dankbar, weil sonst hätte ich vermutlich pausiert. So habe ich es aber durchgezogen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich drauf eingelassen habe. Es war mit der ganzen Vorgeschichte etwas Spezielles. Aber es ist kein Muss-Buch, auch weil ich beispielsweise eine Adaption nicht unbedingt sehen müsste.
Fazit: „Alchemised“ ist in aller Munde und wie üblich für ein Hype-Buch gibt es zwei große Lager. Ich gehöre zu den Skeptikern. Mit Hörbuch war es ohne Glossar sicherlich noch komplexer, aber auch ohne äußere Faktoren liegt mein Kritikpunkt an der fehlenden Menge an Action für die Seitenzahl. Die Autorin hat aber etwas geschaffen, was andere ihr erstmal nachmachen müssen, das ist auch klar. Sie hat sich etwas ausgedacht und es mit ihren Figuren richtig durchlebt. Ich habe auch mitgelitten, aber nicht so, wie ich es mir ursprünglich erhofft hatte.