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Veröffentlicht am 03.11.2025

Gewaltig und einschüchternd

Alchemised
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Forever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, ...

Forever, das Imprint, das begleite ich im Grunde von Anfang an und in der Zeit ist es ordentlich gewachsen. Haben anfangs vor allem deutsche Autoren dort eine Chance für ihre Liebesgeschichten bekommen, wurden auch immer mehr gefeierte internationale Reihen eingekauft und dennoch stand Forever für mich immer hinter anderen Verlagen, wie Lyx beispielsweise, zurück. Als nun „Alchemised“ als Buch des Jahres angekündigt wurde, da war ich extrem skeptisch. Das deutet schon an, dass ein Hype erzeugt werden soll und wir kennen es alle, Hype-Bücher sind immer mit Vorsicht zu nehmen. Nach und nach sickerten dann mehr Infos für mich durch. Offenbar hat Autorin SenLinYu zunächst eine Harry Potter-Fanfiction geschrieben, die dann nochmal umgeschrieben und zu einer eigenständigen Fantasy-Geschichte umgewandelt wurde. Auch die Seitenzahl hat mich etwas geschockt. Ich habe echt schon ewig nicht mehr über 1000 Seiten gelesen, das waren tatsächlich die alten Harry Potter-Zeiten beziehungsweise Diana Gabaldon-typisch.

Letztlich habe ich mich für das Hörbuch entschieden, was ich im Nachhinein als halb richtig einschätzen würde. Vanida Karuns Stimme mochte ich, aber ich muss schon sagen, dass 40 Stunden damit im Ohr irgendwann zäh werden. Normalerweise haben die Hörbücher so 11 Stunden im Durchschnitt, teilweise haben wir mehrere Stimmen in einem, dementsprechend bin ich da schneller neueren Input gewöhnt. Auch wenn ich die 40 Stunden nicht an einem Stück, sondern über eine Woche gehört habe, aber manches Mal hätte ich mir gerne die Buchausgabe herbeigewünscht. Ein weiterer Punkt ist sicherlich, dass im Buch ein Glossar angegeben ist. Das fällt im Hörbuch leider völlig weg, dementsprechend musste ich mir online die Infos zusammensuchen, denn ohne Glossar geht es leider wirklich nicht. Ob nun das Hörbuch Einfluss auf meine abschließende Bewertung hat, das finde ich schwierig einzuschätzen, aber ich denke doch, dass vor allem der Inhalt den Eindruck verfestigt hat.

Ohne das Vorabwissen, dass es ursprünglich eine Geschichte von Hermine und Draco war, wäre ich da sicherlich nicht drauf gekommen. Mit dem Wissen habe ich aber doch immer mehr Parallelen erkannt. Es hat schon etwas Charme, sich vorzustellen, wenn sich sowas wirklich entwickelt hätte, aber ich habe mich an Hermine und Draco auch nicht zu sehr aufgehangen, denn Helena und Kaine waren für mich sehr eigenständige Figuren. Vor allem bei ihm finde ich auch, dass man Draco schnell vergisst, ich habe ihn charakterlich ganz anders empfunden. Ohne das Glossar war es schon schwierig, in die Geschichte hineinzufinden. Deswegen habe ich irgendwann einen Cut gemacht und mir online alles zusammengesucht, das hat sehr geholfen. Es hilft natürlich auch, ein wenig Wissen aus der Harry Potter-Welt mitzubringen, denn auch wenn es die Autorin nochmal deutlich komplexer ausgearbeitet hat, aber Grundideen sind dennoch wiederzuerkennen. Auch wenn ich „The Handmaid’s Tale“ selbst noch nicht gelesen habe, so kenne ich grob, worum es geht. Davon ist auch sehr viel in der Geschichte wiederzufinden. Der erste Teil ist schon relativ zäh aufgrund der Gefangenen-Situation, weil die Einflüsse sehr begrenzt sind und Helena auf nur wenige Figuren trifft. Das Tempo hilft umgekehrt, sich immer besser einzudenken.

Dennoch habe ich mir mal mehr Tempo gewünscht. Das wird mit Teil 2 erfüllt, weil da erstmal alles auf den Kopf gestellt wird. Hier war für mich Hogwarts omnipräsent, wir haben viele neue Charaktere kennengelernt, aber auch da setze sich irgendwie eine gewisse Zähigkeit durch. Gerade wenn ich weiß, wie viele Stunden ich vor mir habe, da brauche ich neuen Input und dadurch, dass die Geschichte sehr an Helena und dann auch an Kaine klebt, fehlte das einfach. Das Sichtfeld war mir oftmals zu eng, weil es da so viel zu entdecken gab, was ich gerne dann wirklich erkundet hätte, aber immer ging es wieder zur Ausgangssituation zurück. Eigentlich hat die Geschichte mich an diesem Punkt verloren und das ist auch mein Kritikpunkt. Auch wenn diese Liebesgeschichte sehr intensiv ausgearbeitet ist und ich sowas eigentlich immer gut finde, aber für die Seitenzahl war es zu viel, um mich durchgängig zu erhalten.

Zum Glück gab es dann auch einen Teil, der am meisten von Action lebte. Da passierte dann echt viel und dafür war ich sehr dankbar, weil sonst hätte ich vermutlich pausiert. So habe ich es aber durchgezogen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich drauf eingelassen habe. Es war mit der ganzen Vorgeschichte etwas Spezielles. Aber es ist kein Muss-Buch, auch weil ich beispielsweise eine Adaption nicht unbedingt sehen müsste.

Fazit: „Alchemised“ ist in aller Munde und wie üblich für ein Hype-Buch gibt es zwei große Lager. Ich gehöre zu den Skeptikern. Mit Hörbuch war es ohne Glossar sicherlich noch komplexer, aber auch ohne äußere Faktoren liegt mein Kritikpunkt an der fehlenden Menge an Action für die Seitenzahl. Die Autorin hat aber etwas geschaffen, was andere ihr erstmal nachmachen müssen, das ist auch klar. Sie hat sich etwas ausgedacht und es mit ihren Figuren richtig durchlebt. Ich habe auch mitgelitten, aber nicht so, wie ich es mir ursprünglich erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Ford-Bremse

Wild Love
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Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben ...

Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben so viel an ihren Erzählungen, das mich reizt und mitzieht, sodass ich ihre Chestnut Springs-Reihe treu begleitet habe. Die Rose Hill-Reihe ist nun die nächste der Autorin. Auch wenn ich länger etwas gezögert habe, ob ich im Überangebot an guten Geschichten dabei bleiben möchte, habe ich doch wieder viele Stimmen von begeisterten Fans gelesen, die ich sehr schätze, weswegen jetzt an „Wild Love“ kein Weg vorbeiführte.

„Wild Love“ ist das erste Buch von Silver, das ich als Hörbuch hatte. Ich war echt gespannt, wie es gerade wegen der expliziten Szenen sein wird, denn sie zu lesen und sie zu hören, sind zwei Paar Schuhe, aber zunächst möchte ich betonen, dass Emilia Weinert und Tom Schönfelder zwei sehr angenehme Stimmen für die Aufgabe waren. Ich habe dann auch im Verlauf nie ein Unbehagen gespürt, weil beide die Charaktere echt toll verkörpert haben und alles zueinander passte,

Silver geht bei „Wild Love“ clever vor, denn mit unserem ersten männlichen Protagonisten haben wir ein bekanntes Gesicht, denn es ist Ford, der Bruder von Willa, die wir schon aus Band 2 der Chestnut Springs-Reihe kennen. Das war auf jeden Fall gut, um die Fans sofort wieder einzufangen. Zum einen wird die Geschichte der Familie Grant aus einer anderen, ergänzenden Perspektive beleuchtet. Zum anderen hat Willa einen tollen Auftritt. Das war schon top gerade für die, die Silver so schon länger begleiten. Alles andere in Rose Hill ist dann völlig neu und das Bowlingteam der Single-Dads ist schon eine lustige Idee. Da ich immer wieder höre, wie viele den Trope Single Dad feiere, wird man hier in den bislang vier angekündigten Bänden wohl voll auf die Kosten kommen. Ich muss aber sagen, dass ich inhaltlich ein paar Stolperstellen hatte. Es ließ sich insgesamt schnell weghören und da waren viele typische Silver-Zutaten, aber die Reihe hat mich noch nicht so gekrallt, wie es „Flawless“ zu dem Zeitpunkt schon getan hat.

Für mich liegt das vor allem an Ford. Rosie und die Belmonts sind nämlich quasi der heimelige Faktor von Rose Hill und die ganze Dynamik dort war schon vielversprechend. Aber Ford war trotz seiner Freundschaft zu Weston eher abgeschirmt von allem. Ich fand auch die anfängliche Betonung mit dem hottesten Milliardär etwas anstrengend und übertrieben. Auch wenn solche Hypes in Zeiten von Social Media schnell entstehen, aber als Musikproduzent ist er sicherlich keine solche Nummer wie Sänger und Schauspieler, deswegen war das sehr übertrieben. Dass es für Ford etwas Privilegiertes brauchte, damit die Geschichte funktioniert, das war schnell klar, aber alles andere hätte man etwas runterfahren können. Weiterhin ist die Wahl, wie der Single Dad-Trope hier umgesetzt wurde, ungewöhnlich. Cora ist schon relativ ‚alt‘ und wie sie in Fords Leben tritt, noch verrückter. Auch wenn sich die Geschichte süß und mitreißend entwickelt hat, aber komplizierter konnte man es erstmal wohl nicht machen. Auch wenn Fords Fassade dadurch natürlich brechen soll, aber ich fand ihn als Charakter sehr schwer greifbar. Es gab genug Momente, um ihn richtig dolle zu mögen, dann wiederum fand ich ihn unnahbar beziehungsweise inkonsequent in seiner Darstellung. Auch wenn ich sagen muss, dass ich Silver fast mehr für ihre Frauenrollen mag, aber ihre Jungs möchte ich dennoch mögen und das war hier nicht so einfach, wie ich es gewohnt bin.

Was ich unfassbar geliebt habe, das waren die ausgetauschten E-Mail-Nachrichten. Das war zum Totlachen und gerade diese vorgelesen zu bekommen, herrlich! Das war mit Abstand das allerbeste am Buch, auch weil es durch Rosies Art in der Hauptsache getragen wird. Sie ist quirlig, sie ist wortgewandt, sie ist schlagfertig, da kommt viel zusammen, was mich sehr von ihr eingenommen hat. Ihre Situationship ist zwar auch seltsam, aber ich mochte sie von Anfang an und sie hat viel mitgezogen. Sie hat die Chemie zwischen den Figuren befeuert. Wegen Ford war dann am Ende die aufgebaute Dramatik auch etwas künstlich, also man merkt, alles schon typisch Silver, aber eine Komponente hat diesmal für mich nicht so gestimmt.

Fazit: „Wild Love“ ist ganz offensichtlich von Elsie Silver, weil dort alle typischen Zutaten von ihr zu finden sind. Gleichzeitig war aber Ford der erste Protagonist von ihr, der mich emotional sehr auf Abstand gehalten hat. Da wollte der Funken nicht so überspringen. Deswegen fällt hier meine Bewertung auch nur durchschnittlich aus. Das wird sicherlich eine Ausnahme gewesen sein und ich bin jetzt sehr gespannt, was die Reihe mir noch anbieten wird.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Rousseaus vs. Ellis

Variation – Für immer oder nie
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Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an ...

Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an Drama und Intensität.

Ich war auf „Variation“ sehr gespannt, auch weil der Titel bereits sehr auf den Inhalt anspielt, denn es spielt zum großen Teil in der Ballett-Welt. Ich mag dieses Setting richtig gerne, weswegen ich beispielsweise bei der Reihe von Anna Savas immer mal gemeckert habe, weil Ballett da auch schon mal untergegangen ist. Hier war das keinesfalls so, denn die Rousseau-Schwestern, ihre Mutter und wie alle in der Ballett-Welt ihre Bestimmung suchen, das ist ein großer Schwerpunkt. Es werden in der Company die schlechten Seiten gut herausgearbeitet, genauso wird aber beleuchtet, was einen zum Tanzen verführt. Es ist also die Einbettung eines Themas, wie ich es am liebsten habe. Weder schwarz, noch weiß, einfach herrlich grau.

Umgekehrt hatte das zur Folge, dass für mich die Rousseaus sehr viel dominanter waren als die Familie Ellis, also vom männlichen Protagonisten Hudson alle Verwandten. Gerade am Anfang war eher er als Rettungsschwimmer dominanter, aber dann hat sich die Handlung im völligen Ungleichgewicht entwickelt. Wir haben regelrechte Phasen, in denen ein Kapitel nach dem anderen von Allie rausgehauen wird. Auch wenn ihre Seite immer interessant war, aber ich hatte sofort Fragezeichen, was ist gerade bei Hudson los, was fühlt er? Wenn ich beide Perspektiven habe, dann muss es sich auch einfach gerecht anfühlen und das war hier leider nicht der Fall. Zumal dann Hudson einfach zu einer Randfigur verkommt, was er nicht verdient hat, weil es die Geschichte von beiden sein sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Fragen zu Juniper, aber auch zu Gavin als Bruder sich gar nicht richtig entwickeln konnten, geschweige denn dass es überhaupt Antworten gab. Gerade Juniper bringt die ganze Handlung überhaupt in den Gang, wirkt für Alter auch schon extrem reif, nur um dann nur noch eine Rolle zu sein, um die sich alles dreht, aber eigentlich auch gar nicht.

So sehr in der Ballett-Welt alles stimmte, so mehr habe ich gleichzeitig auch gemerkt, dass „Variation“ sich in der Liste der Standalones erstmal hinten einreihen muss. Ich habe zum Lesen schon unglaublich lange gebraucht, weil der Funke zu keiner Zeit restlos überspringen wollte. Es gab im Alltag immer Wichtigeres und das spricht nicht für das Buch. Endgültig klar wurde mir mein Urteil dann im hinteren Teil, als ich immer mehr auch dachte, gewisse Aspekte einfach nicht zu verstehen. Yarros hat einige Themen sehr ominös beschrieben, um Rätsel aufzugeben. Aber auch das passte für mich nicht in die Handlung, weil das Buch in der Art auch mit offenen Karten funktioniert hätte. So hatte ich eher den Eindruck, ich habe was verpasst, nur um dann ganz spät durchzublicken. Wenn man es wie ich gewöhnt ist, bei Yarros mehr zu fühlen als zu denken, dann war das echt Kontrastprogramm. Eine völlige Enttäuschung ist „Variation“ damit aber nicht. Es gab durchaus sehr schöne Stellen. Das ganze Ausflugwochenende war toll und es gab auch zwischendurch genug Sequenzen, die stimmten, sogar auch außerhalb des Liebespaares. Aber es war für die vielen Seiten insgesamt zu wenig.

Fazit: „Variation“ hat für mich den Funken nicht ausgelöst. Leider. Ich habe zwar zwischendurch durchaus Highlights bekommen, aber das große Korsett stimmte nicht. Die Handlung hat sich zu sehr in Einseitigkeiten verloren und mich dadurch nicht mehr mit allem mitreißen können.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Weihnachten mit der Lupe zu suchen

Good Spirits
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In den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch ...

In den Supermärkten tauchen schon die Weihnachtssüßigkeiten auf, die neue Adventskalenderideen sind überall zu entdecken und trotz all dieser Vorboten ist es für mich im September doch eigentlich noch etwas früh für Weihnachtsgedanken. Dennoch hat mich „Good Spirits“ angezogen, vielleicht weil mich das Cover an einem kalten Tag erwischt hat, denn ich war sofort interessiert. Die Autorin, B. K. Borison, ist in Deutschland auch keine Unbekannte. Ihre Cover habe ich öfters schon mal gesehen, gelesen habe ich bislang aber noch nichts von ihr. Aber mit so einem weihnachtlichen Standalone kann man ja nichts falsch machen.

Ich habe „Good Spirits“ als Hörbuch gehabt und bin dadurch von Martha Kindermann und Tobias Zorn durch die Geschichte geleitet worden. Gegen beide Stimmen hatte ich nichts, auch weil sie das reifere Alter von Nolan und Harriet für mich gut verkörpert haben. Dementsprechend ging der Hörgenuss mit den Stimmen im Ohr sehr flott und angenehm. Dieser Aspekt war also gut, aber inhaltlich muss ich einfach sagen, dass ich aufgrund des Covers und des Klappentextes wohl Erwartungen aufgebaut habe, die einfach nicht eingehalten werden konnten. Eine Liebesgeschichte habe ich erwartet und auch bekommen. Aber wegen der Geist-Thematik, die etwas Übernatürliches hat und der Weihnachtszeit habe ich so eine typische RomCom erwartet, die alle Klischees erfüllt und mich Ende September schon wie ein Weihnachtsgeist einfängt. Ich fand aber, dass es wenig Weihnachten gab und dazu auch wenig Humor.

Es gab sicherlich Momente, die zum Lachen einladen sollten, gerade bei den ersten Begegnungen, aber so vom Lesen kam der Spaß einfach nicht rüber, auch weil Nolan als heimsuchender Geist erstmal nicht so sympathisch rüberkommt. Er wirkt wirklich eher wie das Spukgespenst zu Halloween, dementsprechend ist er schon der Erste, der die erhoffte Stimmung zerstört. Relativ schnell hatte ich auch das Gefühl, dass die Liebesgeschichte extrem schnell vorangetrieben wird und dann noch gepaart mit expliziten Szenen, die ebenfalls viel Erzählzeit eingenommen haben. Das wird vermutlich generell dem Stil von Borison entsprechen und ich finde es in Weihnachtsgeschichten auch nicht fehl am Platz, aber die Mischung macht es. Umgekehrt positiv ist, dass die Erinnerungen in Harriets Leben helfen herauszufinden, was ihre Geschichte ist, was alles schief gelaufen ist, warum sie ist, wie sie ist und was möglicherweise Lösungen für sie sind. Das hatte durchaus viel Tiefgang. Ihre Familiengeschichte war authentisch, wenn auch nicht schön, aber man hat da mitfühlen können.

Dann wären wir noch bei Weihnachten. Ja, es spielt in der Adventszeit. Ja, Zuckerstangen spielen eine extrem dominante Rolle, aber das war es auch schon. Das Herausfinden, was Harriet angeblich Böses getan hat, hat sehr viel Raum eingenommen und dann schließlich die Liebesgeschichte und so hätte die Handlung eigentlich egal wann spielen können. An Weihnachten muss Weihnachten auch wichtig sein. Natürlich kann man argumentieren, dass letztlich Weihnachten-typische Botschaften rübergekommen sind, aber das gilt für viele Liebesgeschichten, dementsprechend war mir das zu wenig.

Fazit: „Good Spirits“ sollte die Chance bekommen, mich als erstes Buch der Saison auf Weihnachten einzustimmen, aber da sind meine Erwartungen völlig am letztlichen Ergebnis vorbeigegangen. Die Geschichte hatte durchaus Tiefgang und auch die Themenauswahl gefiel mir, aber es war zu wenig Humor, zu wenig Weihnachten und ein Aufbau einer Liebesgeschichte, die mir zu schnell ging. Da bleibe ich doch lieber erstmal in Herbststimmung.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Atmosphärisch vielversprechend, inhaltlich vorhersehbar

Coram House
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Wir haben Herbst und dementsprechend greife ich jetzt langsam wieder mehr zu Thrillern und den Anfang macht „Coram House“ von Bailey Seybolt, was mit dem Cover für mich sofort eine Atmosphäre erzeugt hat. ...

Wir haben Herbst und dementsprechend greife ich jetzt langsam wieder mehr zu Thrillern und den Anfang macht „Coram House“ von Bailey Seybolt, was mit dem Cover für mich sofort eine Atmosphäre erzeugt hat. Ich habe es als Hörbuch gehabt und mit Wolfgang Berger und Heidi Jürgens hatte ich zwei Sprecher, die ich noch nicht hatte. Sie passten für mich aber beide gut. Berger hat die Befragungen gesprochen, was für mich diese Passagen alleine stimmlich gut abgegrenzt. Jürgens wiederum ist zu Alex Kelley geworden, die damit die durchgängigste Begleitung gewesen ist. Sie ist schnell zu dieser Figur geworden.

Ich muss sagen, dass ich die grundsätzliche Erzählart sehr gut fand. Der Prolog macht zunächst Lust, weil wir Einblicke in das Leben der Waisenkinder bei denn Nonnen bekommen und es entsteht gleich so ein Unbehagen, wie schlimm das für sie alle gewesen sein muss. Danach haben wir das erste Mal die Befragungen, die im Verlauf immer mal wieder auftauchen. Sie unterstützen im Weiteren die Schrecken, die die Kinder erlebt haben. Auch wenn ich fand, dass sie weniger zur Lösungssuche beigetragen haben, aber gerade angesichts der ganzen Enthüllungen in den letzten Jahren zum Missbrauch in der Kirche hatte ich auch den Eindruck, dass es der Autorin ein Bedürfnis war, auf so ein dunkles Kapitel einen besonderen Blick zu werfen. Auch wenn es fiktionalisierte Berichte sind, aber es hat definitiv ein Schaudern ausgelöst, das zur Grundstimmung des Buchs entscheidend beigetragen hat.

Ansonsten begleiten wir Alex bei ihren Ermittlungen zu Coram House und speziell, wer Tommy ist und was ihm passiert ist. Parallel startet dann wie vom Klappentext schon angedeutet eine Mordserie, sodass es nicht nur um Schrecken der Vergangenheit geht, sondern um eine akute Gefahr. Das war auf jeden Fall clever, um auch in der Gegenwart Richtung Spannung aufzubauen. Was ich persönlich sehr schwierig fand, das war die Darstellung von Alex. Sie hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich und wir erfahren, dass ihr bei ihrem letzten Buch gewaltige Recherchefehler unterlaufen sind, weswegen sie umso verbissener ist, ihren Ruf zu rehabilitieren. Diese fast schon Besessenheit hat nicht unbedingt geholfen, Alex als Sympathieträgerin zu sehen. Es gab einige Stellen, in denen sie regelrecht von Wut überkommen war. Ich fand es seltsam, wie explizit das teilweise formuliert worden ist. Auch wenn sie mehrfach bewusst im Dunkeln gehalten wurde, was mich auch aufgeregt hätte, aber ihre Reaktionen waren sehr extrem. Ich habe Alex damit nie als hilflos wahrgenommen, aber sie hat sich gerne parallel so inszeniert. Da ich von der Motivik her gut verstehen konnte, warum sie Antworten finden will und dass sie auch den Unterdrückten eine Stimme geben wollte, aber die Art war wirklich etwas schwierig.

Ein zweiter Block, den ich etwas kritisch sehe, das ist die Vorhersehbarkeit. Das ist bei Thrillern im Grunde DAS Argument, was über die Qualität entscheidet. Auch wenn mir bewusst ist, dass Vorhersehbarkeit teilweise auch subjektiv ist, weil der eine die Puzzleteile zusammensetzt, der andere nicht, so glaube ich schon, dass hier die Hinweise zu offensichtlich waren. Es war eine konkrete Stelle, auf die Alex überhaupt nicht reagiert hat, als wäre das nicht eine interessante Info und zum anderen die Inszenierung der Figuren um sie herum. Das zusammengenommen hat mir etwas die Spannung genommen, auch weil ich gemerkt habe, wie die Autorin vorher noch Störfeuer legen wollte.

Fazit: Grundsätzlich finde ich die Themenwahl von „Coram House“ sehr interessant und die Atmosphäre wurde von Anfang an gut gefüttert. Für mich war es unter dem Strich aber nur ein durchschnittlicher Thriller, denn Alex war charakterlich etwa seltsam als Leitstern durchs Geschehen. Gleichzeitig war mir die Auflösung zu offensichtlich.

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