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Veröffentlicht am 28.10.2025

Anders als erwartet, aber überraschend gut

The Academy
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„𝐓𝐡𝐞 𝐀𝐜𝐚𝐝𝐞𝐦𝐲“ ist ein gemeinschaftlicher Roman von Elin Hilderbrand & Shelby Cunningham, in dem wir durch eine Schar von LehrerInnen und SchülerInnen Internatsluft atmen, Teil von verschiedenen Geschichten ...

„𝐓𝐡𝐞 𝐀𝐜𝐚𝐝𝐞𝐦𝐲“ ist ein gemeinschaftlicher Roman von Elin Hilderbrand & Shelby Cunningham, in dem wir durch eine Schar von LehrerInnen und SchülerInnen Internatsluft atmen, Teil von verschiedenen Geschichten und mit stets aktuellen Themen konfrontiert werden.
Geld, Ansehen und der soziale Status spielen hier ebenso eine große Rolle wie Freundschaften, die erste Liebe, Fehlverhalten und emotionales Chaos.

In einem Land, in dem viele (elitäre) Einrichtungen von Spenden leben, sollte es sich Audre Robinson, die sowohl als erste Frau wie auch als erste POC den Posten an der Spitze der Tiffin-Academy innehat, nicht mit den SponsorInnen der nunmehr seit hundertvierzehn Jahren existierenden Schule verscherzen. Keine Eklats dürfen nach außen dringen, nichts, was den Ruf der tadellosen Universität gefährden könnte.
Das landesweite – undurchsichtige – Internats-Ranking einer renommierten Zeitschrift erhöht den Druck, der auf ihr lastet, zusätzlich – dabei liebt Robinson ihren Job und zeigt sich stets nahbar. Nichtsdestotrotz: Tragödien, Liebschaften im Personal, mangelhafte Führungszeugnisse oder die zwielichtige Immunität, die einigen zuteil wird, sind Dinge, die in den Mauern zu bleiben haben. Dabei wird sich strikt an altbackene – schon immer funktionierende – Traditionen, Vorschriften und Lehrpläne gehalten.
Als sich die Tiffin-Academy zu Beginn des neuen Schuljahres plötzlich unter den Top 3 der „Besten Internate“ wiederfindet, fallen alle – inklusive der misstrauischen und missgünstigen KonkurrentInnen – aus den Wolken.
Audre ist überrascht und begeistert – mit der neuen Besetzung von Zimmer 111 und zwei frischen Lehrkräften kann dieses Jahr nur ein glorreiches werden!
Oder?

🍁„𝘑𝘶𝘯𝘨𝘴 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯 𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘯 𝘛𝘢𝘵𝘦𝘯 𝘣𝘦𝘸𝘦𝘳𝘵𝘦𝘵, 𝘔𝘢𝘦𝘥𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘢𝘯𝘢𝘤𝘩, 𝘸𝘪𝘦 𝘴𝘪𝘦 𝘸𝘢𝘦𝘩𝘳𝘦𝘯𝘥 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘳 𝘛𝘢𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘴𝘴𝘦𝘩𝘦𝘯.“

Hilderbrand & Cunningham erwecken zwar nicht den schulischen Alltag an sich zum Leben, dafür aber die unterschwelligen Brandherde, die verzwickten Situationen unter einzelnen Parteien und die Bedeutung vom sozialen Status. Die Autorinnen zeigen gezielt bestimmte Dynamiken auf und lassen die Stimmung auf den Fluren mehrfach hochkochen. Da aus vielen verschiedenen, rege wechselnden Perspektiven erzählt wird, werden die LeserInnen Teil von Cliquen, Abläufen, Gepflogenheiten und Festivitäten. Auch werden wir in Beziehungen und Streitereien, in sich aufbauende Intrigen und Vorverurteilungen involviert, sehen Erwartungen schrumpfen und Neues erblühen. Ungefilterte Gedanken lassen Personen und Verhaltensweisen noch greifbarer, nahezu real, erscheinen. Das macht es leicht, die Fragmente zusammenzusetzen, sich wiederzufinden, zu verstehen und ganzseitig mitzurätseln. Denn ja, einige Figuren, ihre Veränderungen und Wahrheiten sind von besonders großem Interesse …

▪︎Harrison Flanders, der mit seinem Job in der Küche nur einer Strafe entgehen will, doch nichts gelernt hat.
▪︎Zurück an der Tiffany versucht der gescheiterte Schriftsteller Rhode Rivera die archaischen Vorgaben des Lehrplans zu durchbrechen, ist gleichzeitig aber nicht bereit, eine Abfuhr zu ertragen.
▪︎Aus Trotz und Langeweile widmet sich East – DER heiße Bad Boy – einem verbotenen Projekt – aber was solls? Immerhin sitzt sein einflussreicher Daddy im Vorstand.
▪︎Von den unkonventionellen Neigungen ihrer Eltern geschockt, kämpft das berühmte Influencer-Sternchen Davi Banerjee (fast) unbemerkt mit (gegen) sich selbst und will einfach nur ihre beste Freundin zurück.
▪︎Simone Bergeron ist kaum älter als die Schülerschaft – und der Alkohol ist nicht ihre größte Versuchung.
▪︎Aufgrund ihrer Stellung ist Audre auf positive Presse und einen guten Eindruck angewiesen, daher drückt die Direktorin gerne mal ein Auge zu. Aber ihre stetig wachsende Besorgnis kann sie nicht ignorieren.
▪︎Dub – eigentlich zu arm für die Kreise der Tiffin – leidet besonders unter dem Verlust, der die komplette Schule erschüttert hat, verbindet ihn doch noch immer etwas mit einem Geist.
▪︎Mein persönlicher Liebling war Charlotte Hicks, die durch einen „glücklichen Zufall“ im 5. Jahr an das Internat stoßen durfte. Charley sticht mit dem stets unter ihrem Arm klemmenden Bücherstapel, eloquenten Antworten, einem aus der Zeit gefallenen Stil und der „Mir doch egal“-Einstellung deutlich aus der Masse der Angepassten hervor. Innerhalb von wenigen Monaten vollzieht die Neue zudem eine beeindruckende Verwandlung – von der freaking Außenseiterin zum beliebten Kid, ohne dabei ihre Prinzipien zu vergessen.
...

Gerade die sacht verstreuten Details wecken (ungute) Ahnungen über die Schar aus mit Eigenheiten und Fehlern bestückten Charakteren. Jede/r, der gezielt in den Fokus rückt, jede Dynamik, die auffallend ist, hält dazu an, mehr erfahren, tiefer in die individuellen Persönlichkeiten, Empfindungen und das, nicht immer lupenreine, Innere dringen zu wollen.
Hier und da blitzen Humor und charmante TeenagerInnen-Dramen auf, jedoch auch ernstzunehmende mentale Probleme. In Kombination mit der durchaus elitären Belegschaft, den deutlich hervorgehobenen Hierarchien, wachsender Unzufriedenheit und dem spürbaren Erwartungsdruck schufen Hilderbrand & Cunningham eine mitreißende Basis. Zwar erzählen die Autorinnen ihre Geschichte in einem ruhigen, authentischen Ton, sehr detailreich und ausschweifend, sodass die Spannung größtenteils eher subtil mitfließt, aber ungefähr im Mittelteil, nachdem sich die LeserInnen eingefunden haben und mit Auftauchen einer App, die Geheimnisse ausposaunt, schwerwiegende Vorwürfe erhebt und dafür sorgt, dass sich niemand mehr in Sicherheit wähnen kann, nimmt die Handlung zusehends Fahrt auf, schlägt Wendungen und entfacht einen Sog.

Es gibt hier so viele kleine – realistische – Geschichten, die vor Eifersucht und Neid pulsieren, vor verbotenen Obsessionen und Überforderung; Intrigen, die heimlich gesponnen werden, Schandflecke, die verborgen bleiben sollten, unterschätzte und viel zu hoch gelobte Menschen.
Wir lesen von (besorgniserregenden!) psychischen Erkrankungen, von Geltungsdrang und Vorurteilen, von verbotenen Küssen, alltäglichem Sexismus, nagender Eifer- und Spielsucht, von Trauer und dem häufig ungesunden Umgang mit dieser. Von diversen Beziehung(smodell)en, von Freundschaften, die zerbrechen, von Täuschungen und Lügen, Einsamkeit und der Gefahr, die Vergleiche bergen.
Obgleich die einzelnen Figuren unterschiedlich viel Raum bekommen, der Wechsel und die vergehende Zeit teilweise rasch erscheinen, wurde aus zahlreichen, ineinandergreifenden Informationen und Eindrücken ein großes Ganzes konzipiert – ein komplexes, facettenreiches, mit etlichen Nuancen besprenkeltes Bild. Elin & Shelby sprechen von den vielfältigen Problemen, die das Erwachsenwerden und -sein so mit sich bringen, während sie uns den schönen, glanzvollen Schein, der selten die Wahrheit ist, zeigen …

War es teilweise anstrengend, der kaleidoskopähnlichen Storyline aufmerksam zu folgen? Ja. Ist „The Academy“ dennoch lesenswert, unterhaltsam, aktuell und interessant? Auf jeden Fall!
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Veröffentlicht am 08.10.2025

Dystopische Romantasy

In Fire and Rain – Sturmkuss
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»𝘐𝘩𝘳 𝘮𝘰𝘦𝘨𝘵 𝘮𝘢𝘦𝘤𝘩𝘵𝘪𝘨𝘦 𝘋𝘳𝘢𝘤𝘩𝘦𝘯𝘳𝘦𝘪𝘵𝘦𝘳 𝘴𝘦𝘪𝘯, 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘩𝘳 𝘸𝘪𝘴𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵, 𝘸𝘢𝘴 𝘒𝘳𝘪𝘦𝘨 𝘣𝘦𝘥𝘦𝘶𝘵𝘦𝘵, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘪𝘩𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘣𝘦𝘨𝘳𝘪𝘧𝘧𝘦𝘯 𝘩𝘢𝘣𝘵, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘳 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘮 𝘙𝘶𝘦𝘤𝘬𝘦𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘦𝘤𝘩𝘴𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘴𝘨𝘦𝘵𝘳𝘢𝘨𝘦𝘯 𝘸𝘪𝘳𝘥.«

In „Fire and Rain“ schuf ...

»𝘐𝘩𝘳 𝘮𝘰𝘦𝘨𝘵 𝘮𝘢𝘦𝘤𝘩𝘵𝘪𝘨𝘦 𝘋𝘳𝘢𝘤𝘩𝘦𝘯𝘳𝘦𝘪𝘵𝘦𝘳 𝘴𝘦𝘪𝘯, 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘩𝘳 𝘸𝘪𝘴𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵, 𝘸𝘢𝘴 𝘒𝘳𝘪𝘦𝘨 𝘣𝘦𝘥𝘦𝘶𝘵𝘦𝘵, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘪𝘩𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘣𝘦𝘨𝘳𝘪𝘧𝘧𝘦𝘯 𝘩𝘢𝘣𝘵, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘳 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘮 𝘙𝘶𝘦𝘤𝘬𝘦𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘦𝘤𝘩𝘴𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘴𝘨𝘦𝘵𝘳𝘢𝘨𝘦𝘯 𝘸𝘪𝘳𝘥.«

In „Fire and Rain“ schuf Gesa Schwartz eine dystopische Fantasy-Story, die uns tief unter eine von Krieg zerstörte Welt führt. Tyrannisiert von König Acheron und seinen skrupellosen Rittern tummeln sich die Menschen in verborgenen Enklaven, führen ein nomadisches Leben, in dem Angst und Misstrauen, Dunkelheit und Dreck alltägliche Begleiter sind. Nur vereinzelt wagen sie sich an die Oberfläche. Sira, ausgestattet mit einer geheimen Fähigkeit, gehört zu den Mutigen. Doch nun hat sie alles im nicht endenden Kriegstreiben verloren.
Als Norik die junge Frau vor einer ausartenden Konfrontation mit Nhor’garoth, dem gefürchteten Schlächter der Sieben Städte, rettet, bietet er ihr Schutz, Gemeinschaft und eine Ausbildung in der Gilde, mit der sie den Weg gen Rache beschreiten kann. Denn der Drachenreiter sieht, was sich in Sira verbirgt. Doch dafür muss diese ihren Hass loslassen und sich auf die Rebellen und die Drachen einlassen.

„Sturmkuss“ wird hauptsächlich aus der Sicht von Sira erzählt, doch auch Norik und Nhor’garoth bereichern den Verlauf mit ihren Erfahrungen und Sichtweisen, wobei vor allem Letzterer düstere Gedanken und Vorahnungen beiträgt.
Für Sira – bekennende Einzelkämpferin – ist es unerlässlich, ihre Vorurteile und ihre traumatischen Erfahrungen zu überwinden, denn nur so kann sie in der Gruppe ihres Retters bestehen.
Hingegen lastet auf Norik große Verantwortung, ein höheres Ziel. Ablenkung kann sich der auf Distanz bedachte, loyale Krieger nicht leisten. Obgleich vieles zwischen den beiden steht und es nicht der richtige Zeitpunkt zu sein scheint, können sie sich nicht gegen ihre wachsenden Gefühle füreinander wehren. Dabei mussten Norik und Sira bereits lernen, dass Liebe angreifbar macht.

Insgesamt gefiel mir die Idee der hier geschaffenen Welt, die Eingliederung von Drachen und Rachsucht, die magische Komponente sowie die Romance wirklich gut. Ebenfalls gelungen sind die verhärteten Fronten und die Ausarbeitung der Gegebenheiten – Hintergründe über die Drachen(reiterInnen), den Krieg und den König sowie die rebellische Gilde waren an passender Stelle eingebunden und verleihen der üppigen Story eine greifbare Basis.
Der Auftakt der Dilogie ist von brodelnder Unruhe durchtränkt, von Ängsten und Vorsicht, dem Wunsch nach Vergeltung und Veränderung. Gleichzeitig ist eine Verletzlichkeit spürbar, lässt Gesa auch das herrschende Gemetzel und die Auswirkungen, die vor niemandem Halt machen, den Schmerz, das Leid durch die Seiten pulsieren. Mit unerwarteten Verlusten, überraschenden Offenbarungen und stimmigen Entwicklungen sorgt die Autorin für Abwechslung. Es wird actionreich und aufregend, doch bleibt auch Raum, um ankommen und verstehen zu können. Hier und da gab es Längen, der Stil war recht simpel gehalten, aber die Charaktere, ihr inneres Wanken und Ringen, bekamen ausreichend Tiefe, sodass es einerseits leicht war, die Erzählenden zu verstehen und mit ihnen zu fühlen, andererseits treffen wir reichlich Nebenfiguren und werden in bestehende, neu geknüpfte und sich entfaltende Dynamiken einbezogen.
Schwartz bindet die Hand in Hand gehenden Themen Krieg und Trauer präsent und tragisch echt ein; schafft es, mit der einen oder anderen Szene zu berühren. Zum Innehalten zu bewegen.

Ich bin gespannt, wie es nach DIESEM Ende im Frühjahr 2026 weiter- und ausgeht.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Amüsant und mystisch

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
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„Der Kuss der Muse“ ist der Auftakt der neuen Romantasy-Dilogie „Palace of Ink and Illusions“ von Sabine Schoder, in der uns die Autorin nach Korfu entführt. Zu den Musen und mitten hinein in einen mysteriösen ...

„Der Kuss der Muse“ ist der Auftakt der neuen Romantasy-Dilogie „Palace of Ink and Illusions“ von Sabine Schoder, in der uns die Autorin nach Korfu entführt. Zu den Musen und mitten hinein in einen mysteriösen Wettbewerb und ungestüme Gefühle.

Livia Woodward hat die Chance, an einem elitären Wettbewerb teilzunehmen, dessen Regeln und Bedingungen vor der Öffentlichkeit verborgen sind. Statt mit dem Wunsch, zu gewinnen, reist Liv nach Korfu, um Aufmerksamkeit für ihren Webtoon zu generieren. Dass sie tatsächlich weiter kommt, in die Geheimnisse des Spiels gesogen und in einen nervenaufreibenden Wettstreit verwickelt wird, ist für die Künstlerin eine Überraschung. Noch überwältigender für sie sind jedoch die Magie, die wahrhaftigen Musen und der harte, gnadenlose Kampf. Immer an ihrer Seite: ein sprechender Manga mit vielen, vielen expliziten Szenen. Neben all den Aufgaben, Bedingungen und der Gefahr, ist es Flame, Livs Flugzeugbekanntschaft, die es ihr schwer macht, sich zu konzentrieren. Und auch die Musen mahnen zur Vorsicht...

Diese urbane Romantasy liest sich leicht und detailliert, gerade die ersten – sehr unterhaltsamen – Kapitel bringen uns die tollpatschige, authentische Protagonistin, ihre Intentionen und Eigenheiten nahe. Was amüsant begann, entwickelt sich zu einer stellenweise temporeichen und informativen Storyline, die die Insel, das Schloss und die Ereignisse bildreich darlegt. Während wir mit Liv die Gegebenheiten um das magische Spiel der neun Musen ergründen, darauf bedacht, keine Liebe zu entwickeln, ist es entscheidend für ihr Überleben, ihre MitstreiterInnen wie auch die mythischen Wesen im Auge zu behalten. Schoders Idee ist wirklich originell und kreativ, trotz kleiner Längen machen die Geschichte, Liv und der Wettbewerb Spaß. Geheimnisse und offene Fragen führen dazu, miträtseln und spekulieren zu wollen. Dennoch empfand ich gerade das Worldbuilding und andere Figuren, deren Beziehungen sowie die romantische Komponente zwischen der Kunststudentin und „ihrem“ Lord eher oberflächlich. Anziehung? Ja. Ernsthaftes verliebt sein, geschweige denn Liebe? Wann? Wie? Ich hätte mir eine greifbare Ausarbeitung gewünscht, um den fantastischen Aspekt besser verstehen zu können. Eratos Rolle, seine im Dunkeln liegenden wahren Gründe und Pläne, geben dem Verlauf etwas Aufregendes, während Livias Monologe, die Wortgefechte mit Flame und vor allem mit ihrem Manga einfach nur witzig waren. Nach diesem Ende ist Teil zwei „Die Nacht des Verrats“ natürlich ein Muss!

„Palace of Ink and Illusions: Der Kuss der Muse“: knisternde, spaßig-spannende urbane Romantasy, die trotz kleiner Schwächen mitreißt.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Winterlich-romantisch mit ernsten Themen

Kiss me in Winter. Eine sugar coated Romance
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Es geht zurück nach ,Dream Harbor' – dieses Mal zur Winterzeit.

Kira North, neuestes Mitglied der neugierigen Gemeinde, hatte nur ein Ziel: unabhängig von ihren Eltern und weit weg von deren Einfluss ...

Es geht zurück nach ,Dream Harbor' – dieses Mal zur Winterzeit.

Kira North, neuestes Mitglied der neugierigen Gemeinde, hatte nur ein Ziel: unabhängig von ihren Eltern und weit weg von deren Einfluss auf eigenen Füßen zu stehen. Nun ist sie Besitzerin einer Weihnachtsbaumfarm, obwohl sie das Fest hasst, pleite und am Erfrieren. Denn es gibt kaum eine Stelle des Anwesens, die nicht baufällig und besorgniserregend marode ist. Jetzt versucht Kira bemüht, ihren, zugegeben wenig einladenden, ersten Eindruck bei den BewohnerInnen der Kleinstadt wettzumachen, um die kaufwütige Meute zu sich zu locken.

Trotz ihrer anfänglichen Weigerung, Hilfe anzunehmen, schafft es gerade ein nerdiger Hundemensch mit tatkräftigen Ratschlägen Kiras emotionale Sperre zu durchbrechen.

Bennett Ellis will nichts anderes, als bei seiner Schwester auszuspannen und zwischendurch in einträglicher Ruhe zu arbeiten. Stattdessen kommt ihm sein Helferkomplex ständig in die Quere. Jemand ruft – Bennett springt. Und das wissen die meisten Menschen zu nutzen, so ist er auch dazu auserkoren, das vermeintliche Geheimnis der Weihnachtsbaumfarm aufzudecken. Als er mit seinen Hunden auf dieser spazieren geht, ahnt er nicht, dass die neue, in eine Decke gehüllte und schlecht gelaunte Besitzerin zwar ein Herz für Tiere, jedoch nicht für Menschen zu haben scheint. Und doch weckt Kira mit ihrer abweisenden und unterkühlten Haltung seine Aufmerksamkeit …

Wie schon „Love me in Autumn“ ist auch die dritte Geschichte aus der Reihe „Dream Harbor“ eine kurzweilige Cozy-Romance, die zu unterhalten weiß.

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass wir die unterschiedlichen Protagonisten kennenlernen und ihr Zusammenfinden von Anfang an verfolgen können. Im Verlauf kristallisiert sich heraus, wieso sich die privilegiert aufgewachsene, junge Frau – überstürzt – in das Weihnachtsbaum-Geschäft geflüchtet hat. Zusätzlich sind es Einblicke in eine rebellierende Version ihres Selbst und der Wunsch, auszubrechen, sowie gegenwärtige Empfindungen – Sehnsucht und Einsamkeit –, die Kiras Verhalten etwas Greifbares und Echtes geben. Hinter der taffen, robusten Fassade verbergen sich Selbstzweifel und Verletzlichkeit, etwas, das sie mit Bennett teilt.

Der ist ein rücksichtsvoller, von seinen Erfahrungen gezeichneter People-Pleaser, der (meistens) aus seinen Fehlern gelernt hat. Nie wieder würde er alles für eine Frau aufgeben, aber der Anziehung zwischen ihm und Kira kann er sich nicht verwehren und was spricht schon gegen eine unverbindliche Affäre während der Feiertage?

Laurie Gilmore schreibt in einem leichten und klaren Ton, der die Ereignisse lebendig werden lässt und mit (Selbst)Ironie zum Schmunzeln verführt. Da die Themen und Probleme ernsterer Natur sind, laden vordergründig das Setting und die liebenswürdigen Nebenfiguren zum Wohlfühlen ein.
Die Annäherung zwischen Bennett, der eine unerwartet dominante Seite verbirgt, und der grummeligen Grinchin ist, trotz anfänglicher Distanz und Vorsicht, so süß wie die Wortgefechte amüsant sind.
Je mehr wir über das Couple erfahren, umso nachvollziehbarer werden ihre Verhaltensweisen. Charakterlich ist es vor allem Kira, die sich entwickelt, während sie langsam Fuß im Ort fasst und beginnt, sich eine Zukunft in ,Dream Harbor' auszumalen – selbst wenn Bennett in dieser keine Rolle spielen kann. Oder?

Zwar waren manche der spicy Szenen weder notwendig noch passend und das Wort „Pforte“ fand mMn viel zu oft Verwendung, dennoch ist „Kiss me in Winter“ eine knackige, winterliche Romance, die zum Lachen und Seufzen verführt.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Gute Story

Carnal Urges
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Als Sloane Keller erwacht, befindet sie sich in den Fängen der irischen Mafia – und schlittert mitten hinein in einen blutigen Krieg. Statt mit verängstigtem Blick, tränennassen Wangen und zitternder Stimme ...

Als Sloane Keller erwacht, befindet sie sich in den Fängen der irischen Mafia – und schlittert mitten hinein in einen blutigen Krieg. Statt mit verängstigtem Blick, tränennassen Wangen und zitternder Stimme um ihre Freiheit zu betteln, stellt sich die Yogalehrerin ihrem Entführer Declan O’Donnell mit bissigem Humor und saftigen Sprüchen. Die furchtlose Gefangene schafft es sogar, mit ihrem bezaubernden Charme seine Truppe aus gestandenen, skrupellosen Männer zu ihrer zu machen.
Während Sloane den berüchtigten Mafiosi zur Weißglut treibt, wird sie zu seiner kostbarsten Eroberung … Doch in Declans Welt bedeutet Liebe Risiko …

Auch der zweite Teil der Romance-Reihe „Queens and Monsters“ besticht durch eine Menge Witz und eine taffe Protagonistin. Ehrlich, ich musste so oft herzlich lachen! Wir werden in eine Welt gezogen, die aus Gefahren und Bedrohungen besteht, aus Leidenschaft und Mordlust.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was uns die Figuren und ihre Situationen, ihr Zueinanderfinden näherbringt. Zwar spielt die Mafia-Komponente nur eine hintergründige Rolle, fokussiert sich J.T. Geissinger merklich auf die zwischenmenschliche, romantische Entwicklung, und der Spice-Anteil gewinnt erst ab der Hälfte der Story an Gewicht, jedoch ist „Carnal Urges“ reich an Überraschungen – sowohl den Iren als auch Keller betreffend. Beide haben Eigenheiten und Vorlieben, unsichtbare Narben, denen auf den Grund gegangen wird, sodass Gefühle, Verhalten und Reaktionen stimmig sind. Bereichert wird die Handlung durch die Männer unter O’Donnells Führung und durch Kage und Natalie – das Paar, das wir bereits aus „Ruthless Creatures“ kennen. Gekonnt und aufregend verknüpft die Autorin die Schicksale der Freundinnen und ihrer konkurrierenden, von Hass getriebenen Partner miteinander.

Stilistisch lesen wir eine locker-flockige, von Misstrauen und Vorsicht durchzogene Romance, die amüsiert und unterhält. Es warten Wendungen und Hürden, Action, Blut wie auch gefühlvolle und heiße – sehr anschauliche – Sequenzen. Eine wichtige Rolle spielen Themen um Selbstwert, Vertrauen, Loyalität und Freundschaft.
Ohne das „Bonuskapitel“ wäre „Carnal Urges“ rund abgeschlossen, jedoch schlägt Geissinger mit diesem einen unerwarteten Bogen zur Fortsetzung, in der Natalie und Sloane sowie die Rivalität zwischen Kage und Declan mit Sicherheit eine Rolle spielen werden. Verrat, Intrigen, Geheimnisse – ich bin bereit!


„No. I think you look like Rockefeller Center at Christmas, Japan in cherry blossom season, and the thousand vivid shades of green in the wild moors of Northern Ireland, all rolled into one.”

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