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Veröffentlicht am 19.09.2025

Wolfsrute

Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt (Band 1) - Plötzlich Werwolf
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Fynn ist fest entschlossen: Er muss aus seiner neuen Schule, der Nightmore Academy abhauen. Und das gelingt ihm auch, obwohl der Burggraben von drei Krokodilen und die Burg selbst von Gargoyles bewacht ...

Fynn ist fest entschlossen: Er muss aus seiner neuen Schule, der Nightmore Academy abhauen. Und das gelingt ihm auch, obwohl der Burggraben von drei Krokodilen und die Burg selbst von Gargoyles bewacht wird. Allerdings wird er schnell erwischt. Seine Schulleiterin, die Banshee (Todesfee), bringt ihn persönlich wieder zurück. Doch noch gibt er nicht auf. Als er die Dämonin Sinistra trifft, der um Sechzehnhundertschlagmichtot gelang, aus der Schule geworfen zu werden, schließt er mit ihr einen Pakt. Sie soll ihm helfen, nach Hause zu kommen und dafür bekommt sie ... Etwas ihrer Wahl. Doch ob das Freilassen eines Drachens oder das Abschießen mit einer harten Kugel während des Blutballspiels Erfolg bringen?

Also erst einmal: Fynn wurde vor fünf Monaten gebissen und ist seit vier Monaten ein Werwolf. Da von "plötzlich Werwolf" zu sprechen, ist schon ein bisschen übertrieben. Auch verstehe ich nicht, warum Fynn so viel Wert darauf legt, unbedingt in der Nacht bzw vor Mitternacht abzuhauen. Sind die Schulstunden nicht nachts? Und da tagsüber wohl alle "Noctis" schlafen, wäre doch eine Flucht tagsüber cleverer gewesen, und er hätte sich den Stress mit dem "Hilfe, um Mitternacht wachen die Gargoyles auf und erwischen mich!" sparen können. Fynn wurde als so intelligent beschrieben, hat allerdings echt viele dumme Entscheidungen getroffen (und das auf den wenigen Seiten bzw. wenigen Hörminuten). Und dafür, dass die Geschichte wirklich mega kurz war und er gefühlt auf 100 von 101 Seiten fest entschlossen war, nach Hause zurückzukehren, kam seine 180-Grad-Wende ziemlich überraschend. Das waren eher 900 Grad plus/minus. Die eingeschobenen Erklärungen sollten bestimmt lustig sein, und vielleicht gehe ich ja zum Lachen in den Keller, aber ich fand es eher nervig. Herausheben bei der Geschichte möchte ich jedoch den Sprecher, der wirklich einen fantastischen Job gemacht hat.

Veröffentlicht am 19.08.2025

Warum eigentlich nicht Heiress of Storms?

Heir of Storms
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An dem Tag, als Blaze geboren wurde, vernichtete eine Sturmflut das halbe Land und sie wird deshalb von allen gehasst, denn man erkannte sie als Regensingerin. In einer Welt, in der viele Leute Wasser, ...

An dem Tag, als Blaze geboren wurde, vernichtete eine Sturmflut das halbe Land und sie wird deshalb von allen gehasst, denn man erkannte sie als Regensingerin. In einer Welt, in der viele Leute Wasser, Luft, Feuer und Erde beherrschen, hat sie etwas Unverzeihliches getan, obwohl sie nur ein Säugling war. Siebzehn Jahre hat sie deshalb in einem goldenen Käfig gelebt, bis zu dem Tag, als sie als Erbin ausgewählt wird und dazu verpflichtet ist, um die Krone der Wassermagier zu kämpfen. Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Finn reist sie in den Palast des Kaisers, um sich dort gefährlichen Prüfungen zu stellen und trifft dabei nicht nur auf Konkurrenten, sondern auch tödlichen Geheimnissen.

Eigentlich war die Geschichte ganz nett geschrieben. Wenn man auf eine gemächliche Erzählweise steht und vor allem nicht viel hinterfragt. Blaze und Finn sind Zwillinge aus dem Feuerhaus, aber allen ist bei ihrer Geburt sofort klar, dieser krasse Sturm kann nur von ihr kommen? Die Logik entgeht mir. Klar, später gab's manchmal etwas Nieselregen von ihr, aber von Anfang an eines von zwei Babys eines Sturmes zu bezichtigen? Hm. Die Prüfungen waren auch eher ... nun. Wie soll ich es sagen? Bei Wish oder Temu bestellt. Es war jetzt nicht so, als würden da alle um ihr Leben kämpfen. Natürlich gab es auch die typischen fiesen Zicken, die einfach nur fies waren, weil sie es konnten. Es gab zwei Prinzen, die um Blazes Aufmerksamkeit buhlten, obwohl sich Blaze maximal dadurch auszeichnete, dass sie etwas langweilig und nett war. (Immerhin!) Auch war schon von vornherein klar, bei wem es sich um den alten Mann in der Bibliothek handelte und dass der fiese Erdspalter nicht so fies war wie behauptet. Überhaupt kam ich mir beim Lesen des Buches vor, als hätte hier jemand unheimlich viele Versatzstücke gerade beliebter Bücher aneinandergereiht, ohne sich groß Mühe für Originalität zu geben. Das Einzige, das man als original ansehen konnte, war die Art, wie die Dienstboten ihre Herrschaften behandeln durften. Ansonsten bot das Buch nicht viel Neues und ich bin mir nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 07.08.2025

Auf der Flucht

Deckname: Bird
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Heather Berriman, die abgesehen vom Klappentext und einmal in einer unwichtigen Rückblende in ihre Kindheit eigentlich nie Bird genannt wird, ist auf der Flucht. Die Analystin eines englischen Geheimdienst ...

Heather Berriman, die abgesehen vom Klappentext und einmal in einer unwichtigen Rückblende in ihre Kindheit eigentlich nie Bird genannt wird, ist auf der Flucht. Die Analystin eines englischen Geheimdienst wird verdächtigt, geheime Daten weiterzugehen. Ihr bleibt nur die unverzügliche Flucht und Heather zögert daher nicht. Zum Glück hat ihre Herkunft als Tochter eines Geheimagenten sie vorbereitet. Sie hat eine Notfalltasche und stößt ihre Handys ab. Ab jetzt heißt es, so gut wie möglich "Going zero", was in der heutigen Zeit gar nicht so einfach ist. Heather muss versuchen, ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus zu sein und dabei auch noch auf irgendeine Art ihre Unschuld zu beweisen.

Eigentlich war das eine spannende Grundidee, ein bisschen wie das von mir schon angedeutete "Goning Zero" (falls jemand eine ähnliche Thematik mit Abtauchen und Geheimdiensten sucht, hier ist meine Empfehlung!). Und mit Heather hat man eigentlich auch eine interessante Persönlichkeit. Bitte beachtet, dass ich interessant sagte, nicht sympathisch. Um ehrlich zu sein, bis zum Schluss bin ich mit Heather nicht wirklich warm geworden. Sie flieht also erstmal quer durch England und Schottland, über Norwegen und Island und muss dabei nicht nur mit Attentätern rechnen, sondern auch Verhandlungen wegen ihrer Unschuld einfädeln. Alles nicht so einfach. Und hier kommt die Crux: Um zu erklären, warum Heather fähig ist zu tun, was sie tut, begnügt sich die Autorin nicht mit ihrer Ausbildung bei der Armee und dem Geheimdienst, nein, sie breitet die ganze (nicht gerade kurze, denn Heather ist inzwischen etwa Mitte 50) Lebensgeschichte der Protagonistin aus. Und auch, wenn das sicherlich nicht uninteressant ist: Wirklich spannend ist das nicht. Wir wandern schon fast von Seite 1 aus erst einmal in die Vergangenheit von Heather, in die Kindheit und zu ihrem Geheimdienst-Papa. Leider passiert dieses "Abwandern" von aktuellen Szenen in die Vergangenheit immer mal wieder und nimmt wahnsinnig viel Raum ein.

Jetzt kommt zu den Längen noch das Ende, das zumindest mich äußerst unbefriedigt zurücklässt, denn nach dem ganzen Terz, der passiert ist, gibt es eigentlich keine Lösung. Auch habe ich mich immer wieder gefragt, woher Heather das ganze Geld hatte, um diese Flucht so durchführen zu können, denn ein paar Seiten vorher war sie quasi bankrott. So bleibe ich mit für meine Verhältnisse viel mehr Fragen als Antworten zurück nach Beendigung der Lektüre und auch, wenn ich das Buch nicht ungern gelesen habe, bleibt es nicht als Highlight im Gedächtnis.

Veröffentlicht am 02.08.2025

Die Furchtlosen

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse
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Irida und ihre drei Freunde Cedric, Jeremy und Jinjin sind aus verschiedenen Gründen die AußenseiterInnen in ihrer Kleinstadt Hohenburg. Hier gibt es viele Märchen und Sagen, die sich um die Höhlen und ...

Irida und ihre drei Freunde Cedric, Jeremy und Jinjin sind aus verschiedenen Gründen die AußenseiterInnen in ihrer Kleinstadt Hohenburg. Hier gibt es viele Märchen und Sagen, die sich um die Höhlen und alten Burgen und Ruinen ranken. Als es zu einem vermutlichen Grabraub kommt, beschließen Irida und ihre Freunde, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei erfahren sie nicht nur, dass es übernatürliche Wesen wie Geister und Trolle in ihrer unmittelbaren Umgebung gibt, sondern Irida kommt einem persönlichen Geheimnis näher. Und welche Rolle spielt ein zahmes Kaninchen, das scheinbar überall und nirgends auftaucht?

An und für sich habe ich die Geschichte gern gelesen, denn mir gefielen die Ideen und zumindest die meisten Charaktere. Allerdings bin ich immer wieder hängengeblieben, weil sich hier Heitz wirklich nicht von seiner besten stilistischen Seite präsentiert. Ich weiß nicht, wie oft Irida erwähnen musste, wie stark sie ist und wie unverstanden sie sich in ihrer eigenen Familie fühlt (dabei ist die echt in Ordnung, es gab nur eine Stelle, wo Schwester und Mutter echt genervt haben). Außerdem benutzte er seltsame Satzkonstruktionen "Sie stand schmausend am Tisch" und ähnliches und ich weiß nicht, wie oft ich die Augen verdreht habe wegen unlogischer Ereignisse. Eine erwachsene Frau lässt sich ausfragen und vertraut sich fremden Kids an, Irida und ihre Freunde können auf dem Smartphone einen Artikel so sehr vergrößern, dass sie auf dem Foto nicht nur die Abdrücke einer Sonde sehen, sondern sie erkennen auch, dass es die Sonde von Iridas Onkel gewesen sein muss, weil man erkennt, wo er seine Verbesserungen vorgenommen hat. (Wohlgemerkt, die Sonde selbst ist nicht mal zu sehen, nur ihre Abdrücke in der Erde.) Dazu schießt jemand mit einem Giftpfeil auf einen Typen, mit dem sich Irida gerade unterhält, und anstatt in Deckung zu gehen, panisch im Kreis zu rennen und Feurio zu schreien oder - ja, ich weiß, völlig absurder Gedanke! - die Polizei zu benachrichtigen, stehen sie seelenruhig weiter in der Gegend herum. Dass scheinbar alle Bewohner des Ortes eher nichtmenschlicher Herkunft zu sein schienen, ist da fast nur noch Nebensache.

Diese Sachen haben mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen und ich finde, auch bei einem Jugendbuch sollte wenigstens der Hauch von Logik erhalten bleiben. Obwohl mich durchaus interessiert, wie es weitergeht, bin ich daher nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 14.07.2025

Kleinod

A Dance of Lies
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Bis vor zwei Jahren war die Tänzerin Vasalie die absolute Favoritin von König Illian. Dann ließ er sie wegen eines Mordes, den sie nicht begangen hat, in den Kerker werfen, wo sie fast verhungerte. Plötzlich ...

Bis vor zwei Jahren war die Tänzerin Vasalie die absolute Favoritin von König Illian. Dann ließ er sie wegen eines Mordes, den sie nicht begangen hat, in den Kerker werfen, wo sie fast verhungerte. Plötzlich holt er sie wieder raus und macht ihr ein Angebot, das sie nicht abschlagen kann: Sie soll wieder trainieren, um tanzen zu können, damit sie bei der Versammlung der Königreiche auftreten und nebenbei spionieren kann. Tut sie es, verspricht er, sie freizulassen. Vasalie findet sich plötzlich in einem Netz voller Intrigen gefangen, in der machthungrige Männer ihre eigenen Regeln brechen. Nur König Anton, der Bruder Illians, scheint ein wenig anders zu sein, aber vertrauen kann sie niemandem.

Eigentlich mochte ich das Buch. Gerade der Beginn war sehr atmosphärisch, das Leid Vasalies kam bildhaft herüber und auch, wie sie versucht, sich wieder auf die Beine zu kämpfen (im wahrsten Sinne des Wortes) und zu tanzen, um zur Versammlung zu kommen. Wie die Intrigen sich entwickelten, gefiel mir eigentlich auch gut. Allerdings ging mir Vasalie irgendwann echt dezent auf den Keks. Jedes Mal wieder sagt sie: So, jetzt widersetze ich mich Illian und mache das nicht. Illian lächelt, droht, ist ihr drei Schritte voraus - und sie macht doch, was er will. Aber jetzt, jetzt widersetze ich mich wirklich! Illian lächelt, droht ... ja, da ist ein Muster erkennbar. Am Ende bringt sie sogar jemanden um, und ab da hatte sie mich verloren. Was hier ein Lovetriangle sein sollte, ist mir auch nicht klar. Mit Illian und Anton? Oder mit dem Tanzmeister und Anton? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein, kamen hier wirklich nur wenige romantische Gefühle durch. Ja, es wird darüber gesprochen, aber "gefühlt" habe ich nichts. Ich fand die Geschichte an und für sich gut geschrieben, aber teilweise brachen dann doch ganz schön moderne Ausdrücke in diesem Fantasy-Royal-Setting durch. Mit jemandem auf einer Wellenlänge sein? Ja? Sagte man das so zwischen dem Mittelalter und der Aufklärung? Kam bestimmt von Walter von der Vogelweide: Ick sitz uf ene Stene und war uf ene Wellenlenge. (War nicht der einzige moderne Ausdruck, aber der einzige, den ich mir jetzt gemerkt hatte.) Fazit: Ich habe es nicht ungern gelesen, vielleicht lese ich auch den Nachfolgerteil, aber in diesem müsste sich Vasalie wirklich entwickeln, um mich noch abholen zu können.