Schöne Aufmachung, enttäuschender Inhalt
Das Lied der TiefeImogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis ...
Imogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis aufgedeckt wird, muss sie fliehen – doch der ihr dabei helfende König Theodor verfolgt auch seine eigenen Ziele…
Der Auftakt des Romans ist vielversprechend: er beginnt sofort in der Handlung, die Protagonistin ist in einer spannend-gefährlichen Situation und der Leser erhält erste Informationen bezüglich des Settings. Doch leider wird darauf nicht weiter aufgebaut, Charaktere bleiben flach und einseitig, handeln unsinnig und entgegen ihrer angeblichen Charakterzüge und die erzählte Welt selbst bleibt vage. Hier ist ein Pluspunkt, dass Imogen und Theo beide Mitte 20 sind. Schade, dass sie sich nicht so verhalten. Unter dem fehlenden Worldbuilding leidet die Spannung, Konflikte und ihre Konsequenzen sind unklar oder werden erst im Nachhinein erklärt, ein Gefühl der Bedrohung oder des Mitfiebern kam bei mir jedenfalls nicht auf. Stellenweise trugen schlechte oder verwirrend übersetzte Passage dazu bei, mich immer wieder aus der Handlung zu reißen. Dabei interessiert mich die Sirenen-Thematik sehr, und was wir von der Welt und insbesondere dem Magiesystem zu sehen bekommen, ist ungeheuer spannend. Aber leider wird der Fokus stattdessen auf Imogen und Theo gerückt, deren Romanze mich nicht überzeugen konnte. Die Handlung an sich schreitet rasch voran, doch wie gesagt, es wäre besser gewesen, stattdessen ein paar Mal innezuhalten und relevante Informationen zu vermitteln. So wie es ist, liest es sich sehr formularisch, als ob beim Schreiben eine Liste von Szenen abgehakt wurde. Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass Sachverhalte und handlungsrelevante Hintergründe nicht wirklich von der Protagonistin in Erfahrung gebracht werden, sondern Nebenfiguren es ihr ohne ersichtlichen Grund einfach so immer dann mitteilen, wenn Imogen das Wissen für die nächste Szene braucht.
Eben weil Beginn und Grundidee so interessant klangen, war das Lesen ein sehr enttäuschendes Erlebnis für mich. Ich wollte das Buch mögen. Aber es hat sich nie die Zeit genommen, seine Prämisse richtig auszugestalten. Selbst jetzt nach Beenden des Buches weiß und versteh ich so viele grundlegende Dinge nicht, die extrem wichtig gewesen wären, beispielsweise die Einbindung und Stellung von Sirenen in der Gesellschaft bzw. den verschiedenen Ländern. Wie ich mittlerweile erfahren habe, handelt es sich um eine Dilogie. Den nächsten Teil werde ich nicht lesen.
Alles in allem kann ich den Roman nur Lesern empfehlen, die etwas Rasches zum Lesen suchen ohne über den Inhalt nachzudenken.