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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Schöne Aufmachung, enttäuschender Inhalt

Das Lied der Tiefe
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Imogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis ...

Imogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis aufgedeckt wird, muss sie fliehen – doch der ihr dabei helfende König Theodor verfolgt auch seine eigenen Ziele…
Der Auftakt des Romans ist vielversprechend: er beginnt sofort in der Handlung, die Protagonistin ist in einer spannend-gefährlichen Situation und der Leser erhält erste Informationen bezüglich des Settings. Doch leider wird darauf nicht weiter aufgebaut, Charaktere bleiben flach und einseitig, handeln unsinnig und entgegen ihrer angeblichen Charakterzüge und die erzählte Welt selbst bleibt vage. Hier ist ein Pluspunkt, dass Imogen und Theo beide Mitte 20 sind. Schade, dass sie sich nicht so verhalten. Unter dem fehlenden Worldbuilding leidet die Spannung, Konflikte und ihre Konsequenzen sind unklar oder werden erst im Nachhinein erklärt, ein Gefühl der Bedrohung oder des Mitfiebern kam bei mir jedenfalls nicht auf. Stellenweise trugen schlechte oder verwirrend übersetzte Passage dazu bei, mich immer wieder aus der Handlung zu reißen. Dabei interessiert mich die Sirenen-Thematik sehr, und was wir von der Welt und insbesondere dem Magiesystem zu sehen bekommen, ist ungeheuer spannend. Aber leider wird der Fokus stattdessen auf Imogen und Theo gerückt, deren Romanze mich nicht überzeugen konnte. Die Handlung an sich schreitet rasch voran, doch wie gesagt, es wäre besser gewesen, stattdessen ein paar Mal innezuhalten und relevante Informationen zu vermitteln. So wie es ist, liest es sich sehr formularisch, als ob beim Schreiben eine Liste von Szenen abgehakt wurde. Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass Sachverhalte und handlungsrelevante Hintergründe nicht wirklich von der Protagonistin in Erfahrung gebracht werden, sondern Nebenfiguren es ihr ohne ersichtlichen Grund einfach so immer dann mitteilen, wenn Imogen das Wissen für die nächste Szene braucht.
Eben weil Beginn und Grundidee so interessant klangen, war das Lesen ein sehr enttäuschendes Erlebnis für mich. Ich wollte das Buch mögen. Aber es hat sich nie die Zeit genommen, seine Prämisse richtig auszugestalten. Selbst jetzt nach Beenden des Buches weiß und versteh ich so viele grundlegende Dinge nicht, die extrem wichtig gewesen wären, beispielsweise die Einbindung und Stellung von Sirenen in der Gesellschaft bzw. den verschiedenen Ländern. Wie ich mittlerweile erfahren habe, handelt es sich um eine Dilogie. Den nächsten Teil werde ich nicht lesen.
Alles in allem kann ich den Roman nur Lesern empfehlen, die etwas Rasches zum Lesen suchen ohne über den Inhalt nachzudenken.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Viel Krieger kaum Königin

Der Krieger und die Königin
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„Eine Liebe, die ganz Deutschland verändert“ heißt es auf dem Buchrücken. Diese Beziehung wird allerdings nur im letzten Neuntel des Buches enttäuschend knapp und oberflächlich abgehandelt. Doch ich greife ...

„Eine Liebe, die ganz Deutschland verändert“ heißt es auf dem Buchrücken. Diese Beziehung wird allerdings nur im letzten Neuntel des Buches enttäuschend knapp und oberflächlich abgehandelt. Doch ich greife vor. Hiervon handelt der Roman: Der junge Krieger Garibald wird von seinem Vater Chlothar nach Italien gesandt. Bereits auf der Reise dorthin macht er sich Freunde und Feinde, bevor er an der Seite der Goten gegen die Oströmer um die Herrschaft in Italien kämpft. Die Handlung besteht weitestgehend aus den Kampfhandlungen, an denen Garibald teilnimmt. Diese waren durchaus spannend geschrieben, allerdings setzt die Vielzahl der historischen Namen und Fraktionen historisches Vorwissen voraus, es wurde geschichtsfremden Lesern nicht gut vermittelt. Es war interessant zu lesen, wie Garibald als Krieger Ruhm, Ansehen und dadurch Gefolgschaft ansammelte, mit der er schließlich einen kulturell vermischten Grundstein des späteren Bayerns legte.
Auf der Figurenebene hingegen konnte mich der Roman nicht überzeugen. Garibald selbst könnte sympathisch sein, aber er wird vom Handlungsgeschehen dermaßen übervorteilt, dass ich ihn irgendwann einfach nicht mehr ausstehen konnte: Von herausragender Geburt fällt ihm gefühlt alles in den Schoß, er erleidet keine Rückschläge und falls er mal Fehler macht, haben diese keine Konsequenzen. Er kann einfach nichts falsch machen. Es ist schwer, unter diesen Umständen mitzufiebern und passagenweise war die Spannung komplett raus. Alle Nebenfiguren, die Garibald nicht mögen oder gegen ihn agieren sind stets negativ dargestellt während die Guten schlichtweg gut und auf seiner Seite sind. Eine innere Entwicklung oder tiefere Gefühle und Gedanken gibt’s bei ihm nicht. Und wie es die heile Welt so will, werden alle seine braven Gefolgsmänner rasch zum Ende der Handlung verkuppelt, was bei mir den faden Beigeschmack von Frauen als Belohnung für Arbeit hinterlassen hat.
Die angekündigte große Liebe zu Waltrada nimmt weniger Raum ein, als eine andere, gescheiterte Liebesbeziehung Garibalds mit der Händlerstochter Daphne. In die Perspektiven beider Frauen erhält man nur kurzen Einblick, was eine verschwendete Gelegenheit war, da sie beide komplett verschiedene, spannende Lebensumstände haben.
Ansonsten lässt sich noch sagen, dass der Roman gut recherchiert ist und die kreativen fiktiven Elemente mich positiv überrascht haben.
Alles in allem war dies leider der schwächste Roman, den ich je von Iny Lorentz gelesen habe.

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Veröffentlicht am 06.01.2023

Zu wenig Arktis

In der Stille der Polarnacht
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Im April 1853 erhält Virginia Reeves, die zuvor Planwagenzüge nach Kalifornien führte, das Angebot eine Expedition zur Auffindung der bei der Suche nach der Nord-West-Passage verschollenen Franklin-Expedition ...

Im April 1853 erhält Virginia Reeves, die zuvor Planwagenzüge nach Kalifornien führte, das Angebot eine Expedition zur Auffindung der bei der Suche nach der Nord-West-Passage verschollenen Franklin-Expedition anzuführen. Diese Expedition wird ein absolutes Novum darstellen: sie wird sich nur aus Frauen zusammensetzen. Anderthalb Jahre später sitzt Virginia jedoch vor Gericht, ihre Expedition ist gescheitert und nicht alle Frauen sind aus der Arktis zurückgekehrt.
Auf zwei Zeitebenen wird der gegenwärtige (Schau)Prozess und die misslungene Expedition erzählt und obwohl die Abschnitte gut gewählt sind erschienen mir die Gerichtsszenen aufgrund der Passivität Virginias größtenteils langweilig und wurde erst gegen Ende des Romans spannend.
Die Expedition setzt sich aus Charakteren zusammen, die sich auf unterhaltsame Art unterscheiden und aneinanderecken, doch bleiben sie zugleich relativ eindimensional und distanziert. Insgesamt habe ich mir von der Expedition an sich mehr erwartet: mehr Details, mehr Seitenumfang. Tatsächlich steht der Überlebenskampf in der Arktis nicht im Vordergrund, vielmehr geht es um die sich bildende Frauengemeinschaft und deren Zusammenhang. Das hätte durchaus funktionieren können, doch fand ich den beiläufig-gleichgültigen Umgang der Frauen was Vorbereitung und Durchführung der Expedition betrifft emotional erkaltend, was man wohl mit dem Empfinden vergleichen kann, wenn in einem schlechten Horrorfilm Figuren nach und nach infolge ihrer eigenen Dummheit sterben.
Die Darstellung von Lady Jane Franklin und Virginia Reeves ist durchaus interessant und der Schreibstil ist angenehm zu lesen, doch alles in allem hat der Roman mich nicht überzeugen können.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Schockt und polarisiert

Zeitbrand: Genesis
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Für mich war es der erste Roman aus der Feder des Autors Eryx Vail. Die Triggerwarnungen zu Beginn sind unbedingt ernst zu nehmen, denn die dort angesprochenen Inhalte kommen allesamt vor und werden durch ...

Für mich war es der erste Roman aus der Feder des Autors Eryx Vail. Die Triggerwarnungen zu Beginn sind unbedingt ernst zu nehmen, denn die dort angesprochenen Inhalte kommen allesamt vor und werden durch den bildlichen Schreibstil überaus explizit in Szene gesetzt.
Der Klappentext trifft auf die Handlung des Romans zu, allerdings stehen weder Handlung noch Charaktere im Vordergrund. Tatsächlich könnte man den Klappentext fast vollständig für den nächsten Band übernehmen, da sich bis zum unbefriedigenden Ende kaum eine Entwicklung stattfindet.
Man könnte sagen, dass Themen das Herzstück darstellen. Doch hier würde ich argumentieren, dass diese innerhalb des Romans nicht diskutiert werden. Vielmehr reihen sich blutig-provokante Episoden aneinander, die nach dem ersten Schock zu ermüdender Brutalität vor einer kulissenhaft gezeichneten Welt und flachen Charakteren verkommt. Das bloße Darstellen von Missständen ohne Dekonstruktion oder weitergehende Reflexion konnte mich nicht in den Bann ziehen. Es gab kein Mitfiebern oder Mitleiden mit den Figuren und keine Atmosphäre, was ich ziemlich schade finde, denn ich wollte vom Roman begeistert sein. Es werden immer wieder interessante Konzepte und Ideen aufgeworfen, doch sie scheinen nur blitzartig auf und werden nicht weiterverfolgt und nur so knapp dargestellt, dass es unglaublich frustrierend war, einen Blick auf etwas so spannendes zu erhalten, nur um es ignoriert zu sehen.
Deshalb funktionierte der Roman für mich weder als klassischer Fantasyroman, der er definitiv weder ist noch sein will, noch als kritisches Werk, weil die Kritik zu simple war. Aber ich finde es sehr gut, dass es veröffentlich wurde, da es viel zu viele Fantasyromane nach Schema X gibt, und das kann man dem Buch wirklich nicht vorwerfen. Es ist einmalig.
Alles in allem war es einfach nicht das Buch für mich, ich würde es allerdings Fans des Autors weiterempfehlen und Personen, die mal etwas ganz anderes suchen.

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Reicht nicht an den Vorgänger

Das Kind in mir will achtsam morden
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Nachdem mir der ersten Band gut gefallen hat, war Teil 2 eine Enttäuschung. Statt gerechter Kritik an scheinheiligen Umweltaktivisten liest man hier so oft Beschwerden über Umweltschutz und Antidiskriminierung, ...

Nachdem mir der ersten Band gut gefallen hat, war Teil 2 eine Enttäuschung. Statt gerechter Kritik an scheinheiligen Umweltaktivisten liest man hier so oft Beschwerden über Umweltschutz und Antidiskriminierung, dass es sich wie eine persönliche Vendetta des Autor anfühlt. Was natürlich besonders schön ist, da es von einer privilegierten Stellung aus geschieht. Wenn ich sowas hören wollte, könnte ich mir "Früher war alles besser" und "die Linksgrünen versauen Deutschland" Tiraden von gewissen Verwandten anhören. Zwar fehlt dann die Mafia-Verbindung, aber zumindest muss ich kein Geld ausgeben.

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