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Veröffentlicht am 21.09.2025

Eine toxische Dreiecksbeziehung

No Way Home
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Der 31jährige Terence Tully genannt Terry arbeitet als Assistenzarzt in einem Krankenhaus in Los Angeles. Dann stirbt seine Mutter, und er hält sich vorübergehend in ihrem Haus in Boulder City, Nevada ...

Der 31jährige Terence Tully genannt Terry arbeitet als Assistenzarzt in einem Krankenhaus in Los Angeles. Dann stirbt seine Mutter, und er hält sich vorübergehend in ihrem Haus in Boulder City, Nevada auf, um die Erbangelegenheiten zu regeln. In einer Bar lernt er die attraktive Bethany kennen, die sich gerade von ihrem Freund Jesse getrennt hat und seitdem wohnungslos und mit geringem Einkommen ist, sodass sie in Terry einen Retter aus ihrer Notlage sieht. Sie quartiert sich nach seiner Abreise heimlich in dem leerstehenden Haus ein und nimmt zudem noch ihre Freundin Lutie auf. Terry ist damit nicht einverstanden. Bethany ist jedoch stärker als er, und er wird sie nicht wieder los. Er hat sich in die schöne junge Frau verliebt und will sie eigentlich auch gar nicht verlieren. Dann taucht ihr Ex Jesse auf, wird zum Stalker und verletzt Terry schwer genauso wie einige Zeit später auch seinen geliebten Hund Daisy. Auch Bethany wird Opfer seiner Gewalttätigkeit. Als Terry dies herausfindet, rächt er sich an Jesse. Es entwickelt sich eine Spirale der Gewalt, und eigentlich will er an der Beziehung nicht länger festhalten, weil Bethany offensichtlich immer noch Gefühle für Jesse hat, egal was dieser tut. Ist er stark genug, sich endgültig von Bethany zu trennen?
Mir hat das Buch gefallen, obwohl es anders ist als die Romane von T.C. Boyle, die ich bisher gelesen habe. Keine der Figuren ist wirklich sympathisch, mit keiner kann ich mich als Leserin identifizieren, aber ich finde das psychologische Kammerspiel schon sehr faszinierend. Auch sprachlich ist Boyles neuer Roman wieder sehr gelungen.

Veröffentlicht am 21.09.2025

Auf der Suche nach der Wahrheit

Love, Mom
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Die 21jährige Studentin Mackenzie Casper hatte stets ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer Mutter Elizabeth, der Thriller-Autorin, die ihre Bücher unter dem Pseudonym E.V. Renge schreibt und damit ...

Die 21jährige Studentin Mackenzie Casper hatte stets ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer Mutter Elizabeth, der Thriller-Autorin, die ihre Bücher unter dem Pseudonym E.V. Renge schreibt und damit reich und berühmt geworden ist. Dabei ist ihr erfundener Name ein Anagramm von „Revenge“, und genau darum geht es in ihren Thrillern. Jetzt ist die Autorin tot, bei einem Waldspaziergang abgestürzt. Die Polizei ermittelt, weil es keineswegs sicher ist, dass es sich um einen Unfall handelt. Am Tag der Trauerfeier findet ihre Tochter den Brief eines Unbekannten, der sich Fan Nr. 1 XOXO nennt, in ihrem Auto. Es folgen weitere Briefe. Jeder enthält Tagebuchseiten in der Schrift ihrer Mutter, die Mackenzie über schreckliche Ereignisse in der Vergangenheit aufklären. Es handelt sich dabei nicht nur um Dinge, die der Mutter widerfahren sind, sondern auch um schlimme Racheakte ihrerseits. Zusammen mit ihrem Freund EJ macht sich Mackenzie daran, die Ereignisse der Vergangenheit aufzuklären und stößt dabei immer wieder auf neue Geheimnisse.
Ich habe diesen spannenden Thriller sehr zügig gelesen und war immer wieder aufs Neue überrascht, welche Wendungen die Geschichte bis zur endgültigen Aufklärung im Epilog nimmt. Das kann man nicht erraten. Es ist für mich durchaus nachvollziehbar, warum dieses Debüt ein solcher Erfolg wurde. Ich bin gespannt auf Xanders nächsten Roman und empfehle “Love, Mom“ allen Interessierten, die spannende Thriller ohne Gewaltorgien lieben.

Veröffentlicht am 27.08.2025

Endlich kommt die Wahrheit ans Licht

Die Verlorene
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In Miriam Georgs Roman “Die Verlorene“ geht es um drei Generationen von Frauen einer Familie. Großmutter Änne, Mutter Ellen und Enkelin Laura leben in Frankfurt. Änne hat nie über ihre Familie sprechen ...

In Miriam Georgs Roman “Die Verlorene“ geht es um drei Generationen von Frauen einer Familie. Großmutter Änne, Mutter Ellen und Enkelin Laura leben in Frankfurt. Änne hat nie über ihre Familie sprechen wollen. Dabei würde Laura ihr gern so viele Fragen stellen. Dann stürzt Änne und stirbt, und es ist zu spät. In ihren Sachen findet Laura Dokumente und rätselhafte Hinweise, die zeigen, dass Änne ihrer Tochter und Enkelin so manche Lüge erzählt hat. Laura beschließt, zum ehemaligen Gutshof der Familie in Schlesien zu fahren und dort nach Antworten zu suchen. Einige Tage später folgt ihr ihre Mutter und schließlich auch ihr Partner Jonathan. Laura spricht mit Menschen, die wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, und trifft schließlich auch einen alten Mann, der ihr die entscheidenden Informationen liefern kann.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: den Kriegsjahren, vor allem 1941 auf der Krim und 1943-44 in Schlesien und 2019 in Frankfurt und Schlesien. Der Leser erfährt viel über die Schrecken des Krieges, über Flucht und Vertreibung und die unmenschlichen Gesetze der Nazis, zum Beispiel Menschen mit psychischen und physischen Behinderungen betreffend. Die Familie hatte immer weniger Arbeitskräfte, weil die Männer eingezogen wurden. Auf dem Gut arbeiteten Fremdarbeiter und Kriegsgefangene, und die Arbeit war trotzdem nicht zu schaffen. Die Überlebenden dieser schrecklichen Zeit waren für immer von ihren Traumata gezeichnet.
Der sorgfältig recherchierte, mit viel Empathie geschriebene Roman berührt den Leser und ist insgesamt sehr beeindruckend. Er hat mir gut gefallen, füllt Wissenslücken und bietet viel Stoff zum Nachdenken.

Veröffentlicht am 27.08.2025

Die Sehnsucht nach einem glücklichen Leben

Das glückliche Leben
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Eric Kherson hat im Laufe der Jahre bei Decathlon Karriere gemacht, als eines Tages die ehemalige Klassenkameradin Amélie Mortiers Kontakt zu ihm aufnimmt und ihm eine Stelle im Ministerium für Außenhandel ...

Eric Kherson hat im Laufe der Jahre bei Decathlon Karriere gemacht, als eines Tages die ehemalige Klassenkameradin Amélie Mortiers Kontakt zu ihm aufnimmt und ihm eine Stelle im Ministerium für Außenhandel anbietet. Er kündigt nach zwanzig Jahren und ist künftig dafür zuständig, Frankreich für ausländische Investoren attraktiv zu machen. Nach einiger Zeit fliegen Amélie und Eric zu einer wichtigen Präsentation nach Seoul, was für Eric schwierig ist, weil er schon immer unter Flugangst leidet. Bei einem Spaziergang durch Seoul stößt er auf einen Laden mit dem Namen Happy Life. Hier wird ein koreanisches Ritual verkauft, bei dem der Kunde seine eigene Beerdigung simuliert - auf den ersten Blick eine sehr ausgefallene Therapie zur Ermöglichung eines Neuanfangs im eigenen Leben. Eric lässt sich darauf ein, und als der Sargdeckel wieder geöffnet wird, ist nichts mehr, wie es war. Eric verpasst die Präsentation, und das war´s dann auch mit diesem Job. Er schafft nicht nur beruflich einen Neuanfang, als er die neue Erfahrung als Geschäftsidee nach Frankreich importiert, sondern auch privat, indem er den Kontakt zu seiner Mutter und seinem Sohn Hugo aus der gescheiterten Ehe mit Isabelle wiederaufnimmt. Auch privates Glück ist am Ende wieder möglich.
Der nicht sehr umfangreiche Roman liest sich schnell und vermittelt die positive Botschaft, dass Veränderungen im Leben zu jeder Zeit möglich sind und niemand unbefriedigende Umstände passiv ertragen und nur noch auf das unausbleibliche Ende warten muss. Es ist nie zu spät für alles. Das Buch hat mir ganz gut gefallen, aber für mich ist es nicht sein bestes.

Veröffentlicht am 07.08.2025

Die Elefanteninvasion

Das Geschenk
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In Gaea Schoeters neuem Roman “Das Geschenk“ tauchen in Berlin plötzlich Elefanten auf, und es werden schnell immer mehr. Es stellt sich heraus, dass der Präsident von Botswana den Deutschen 20 000 Elefanten ...

In Gaea Schoeters neuem Roman “Das Geschenk“ tauchen in Berlin plötzlich Elefanten auf, und es werden schnell immer mehr. Es stellt sich heraus, dass der Präsident von Botswana den Deutschen 20 000 Elefanten zum Geschenk macht, nachdem die deutsche Regierung ein Gesetz beschlossen hat, das die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet. Dadurch verlieren zahllose Menschen in Botswana ihre Existenzgrundlage. Die Deutschen dürfen die geschützte Art nicht einfach beseitigen, sondern müssen den Elefanten die besten Lebensbedingungen bieten. Mit diesem Geschenk will der Präsident verdeutlichen, dass sich die Afrikaner von den Europäern nichts mehr vorschreiben lassen. Wir leben schließlich nicht mehr in der Kolonialzeit. Schon bald gibt es große Probleme. Die Elefanten gefährden sich selbst und die Menschen im Straßenverkehr, sie fressen Gärten und Parkanlagen kahl und hinterlassen überall ihre Exkremente. Die Regierung unter Bundeskanzler Hans Christian Winkler gerät in die Krise, die den Rechten unter dem Politiker Fuchs immer bessere Umfragewerte beschert. Der Kanzler muss sich entscheiden zwischen dem, was er für moralisch richtig hält und dem, was seine eigene politische Zukunft sichert.
Der kurze Roman ist ganz anders als der Vorgänger “Trophäe“, aber er liest sich gut. Es ist eine politische Satire, die aktuelle Probleme anspricht. Zum Beispiel scheint die Invasion der Elefanten ein deutlicher Hinweis auf das Thema Migration und die Flüchtlingsproblematik zu sein. Kann man die Elefanten umverteilen und andere zur Aufnahme verpflichten? Der Leser ist gehalten, über diese Themen nachzudenken, aber auch über den Fortbestand kolonialer Denkmuster lange nach dem Ende der Kolonialzeit. Manches in dieser Geschichte wirkt surreal, zum Beispiel wird nirgendwo erklärt, wie die Elefanten plötzlich nach Deutschland gelangen. Dennoch halte ich Schoeters neuen Roman für sehr lesenswert.