Profilbild von Eliza

Eliza

Lesejury Star
offline

Eliza ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Eliza über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2025

Eindringliche und erschütternde Geschichte

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
0

Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.

Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch ...

Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.

Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch sofort auf meiner Wunschliste. Dieses Mal hat es mir allerdings besonders viel abverlangt. Mehr als einmal musste ich die Lektüre unterbrechen, weil mich das Gelesene tief erschütterte. Es geht um die Misshandlungen in Kinderheimen der 50er- und 60er-Jahre in Deutschland: verübt von Priestern, Ordensleuten, Ärzten und unzureichend ausgebildetem Personal. Kinder erlebten körperliche, psychische und sexuelle Gewalt, dazu Medikamententests und -missbrauch. Ein grausames Schicksal, das nicht vergessen werden darf und bis in nachfolgende Generationen nachwirkt.

Im Zentrum stehen Hartmut und Margret, die sich im Heim kennenlernen und füreinander da sind, weil sie sonst niemanden mehr haben. Eine bewegende und beklemmende Geschichte, die zeigt, dass die Traumata der Kindheit sie ein Leben lang begleiten und ihre Spuren auch bei den nächsten Generationen hinterlassen.

Der Roman wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, vor allem aus der Sicht von Margret und Hartmut, aber auch Sabine, Julia und Emily kommen zu Wort. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart ab 2006 sowie in der Vergangenheit ab 1945. Die Kapitel sind vergleichsweise lang; wer kurze Kapitel bevorzugt, wird hier etwas Geduld brauchen. Für mich war dies weniger ein Problem, eher störte mich ein Bruch in der Erzählung, der ungefähr zur Hälfte des Romans auftritt.

Möglicherweise liegt das daran, dass die Autorin zusätzlich viele weitere Themen einbindet. Dadurch wirkte manches auf mich überladen. Auch das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, da es stellenweise zu gewollt erscheint.

Trotzdem überzeugt der Roman durch Susanne Abels einfühlsamen Schreibstil, der berührt, mitnimmt und nachhaltig nachwirkt. Ein starkes, wichtiges Buch mit kleineren Schwächen, das ich eingeschränkt, aber mit Nachdruck empfehlen kann. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches sollte unbedingt ernst genommen werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2025

Borkum im Umbruch

Das Strandhotel auf Borkum
0

Bereits zum zweiten Mal tauchen wir ein in das Leben der Großfamilie Bakker auf Borkum. Eine Familie mit vielen Nachkommen und großem Einfluss, sie war Jahrzehnte lang mit tonangebend auf der Insel Borkum. ...

Bereits zum zweiten Mal tauchen wir ein in das Leben der Großfamilie Bakker auf Borkum. Eine Familie mit vielen Nachkommen und großem Einfluss, sie war Jahrzehnte lang mit tonangebend auf der Insel Borkum. Diese sähe heute mit großer Wahrscheinlichkeit heute anders aus, wenn es die Familie Bakker nicht gegeben hätte.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte ein regelrechter Bauboom auf der Insel, die Zeit der Walfänger war vorbei, um zu überleben brauchte man Gäste auf der Insel und so wurde ein Hotel, eine Pension oder ein Gasthaus nach dem nächsten gebaut. Und genau in dieser Zeit spielt der Roman um Hermine Flessner, sie steigt vom Zimmermädchen zur Hausdame auf. Auch als Angestellte im Hotelgewerbe bekommt sie die Probleme der Bauherren, ihrer Arbeitgeber mit. Der Roman überzeugt vor allen Dingen durch Borkum-Flair und vieler kleiner Nebengeschichten, die den Roman rund machen. Neid und Missgunst gibt es viel auf der Insel und so gibt es Sabotage auf dem Bau. Auch Aberglaube, Krankheit und Tod spielen in dem Roman ebenso eine Rolle, wie Liebe, Freundschaft und Loyalität.

Die verschiedenen Erzähl – Perspektiven ermöglichen es zu einigen Figuren eine nähere Beziehung beim Lesen aufzubauen. Dialoge und erzählende Passagen stehen in einem guten Gegengewicht zueinander. Die Sprache ist authentisch angehaucht durch die Platt-Passagen. Wobei davon auszugehen ist, dass noch mehr Platt zu der Zeit gesprochen wurde, aber dann wäre es sehr wahrscheinlich für uns heute nicht mehr lesbar.

Ein ausführliches Nachwort gibt Aufschluss über Fakten und Fiktion, welches ist sehr lesenswert fand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

Tiefe emotionale Dichte

Himmel ohne Ende
0

Eines der emotional dichtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Das Eintauchen in die Gefühlswelt der fünfzehnjährigen Charlie bereichert, macht nachdenklich und sorgt für den einen oder anderen Wiedererkennungseffekt. ...

Eines der emotional dichtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Das Eintauchen in die Gefühlswelt der fünfzehnjährigen Charlie bereichert, macht nachdenklich und sorgt für den einen oder anderen Wiedererkennungseffekt.

Julia Engelmann hat uns mit Charlie eine Protagonistin geschenkt, der wir als Leser tief in die Seele und ins Herz blicken dürfen. Ein Teenager zwischen Zweifel, Wut, Trauer, Zugehörigkeit, Verliebtsein und eigenen Träumen. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, erkennt man den einen oder anderen Wesenszug aus der eigenen Teenagerzeit wieder.

Ein Buch, das schonungslos erzählt und sich gleichzeitig einer poetischen Sprache bedient, sodass man mit dem Zitieren kaum hinterherkommt. Eine gefühlsgewaltige Sprache, die die innere Zerrissenheit sehr detailliert beschreibt. Sensibel und einfühlsam zeigt die Autorin, was es bedeuten kann, wenn Familien- und Freundschaftskonstellationen sich verändern und das erste Verliebtsein das Denken vernebelt.

„Du redest dauernd davon, was du alles willst, aber du tust nichts dafür.“ (S. 161 eBook) ein Zitat, das nicht nur in der Teenagerzeit seine Berechtigung hat. Denn auch Erwachsene müssen sich bewusst machen, dass man seinen Träumen aktiv entgegengehen muss. Ein kluger und warmherziger Roman, voller Lebensweisheiten und Gefühle.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die es lieben, in gefühlvolle Welten einzutauchen und sich an einer poetischen Sprache zu erfreuen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2025

Leise Geschichte mir ernstem Thema

Die Bibliothek meines Großvaters
0

Ein Roman mit Krimi-Elementen, der sich um das Thema Demenz, Hoffnung und Bücher dreht.

Kaede eine junge Lehrerin liebt ihren Großvater über alles und versucht diesem trotz seiner Erkrankung eine große ...

Ein Roman mit Krimi-Elementen, der sich um das Thema Demenz, Hoffnung und Bücher dreht.

Kaede eine junge Lehrerin liebt ihren Großvater über alles und versucht diesem trotz seiner Erkrankung eine große Stütze zu sein. Im Laufe ihres Alltags geschehen allerhand sonderbare Dinge und Kaede versucht mit Hilfe ihres Großvaters die sonderbaren Vorgänge einzuordnen und zu lösen. Aber Kaede ist in Gefahr und benötigt die Hilfe ihrer Freunde und ihres Opas. Eine sehr interessante Geschichte nimmt ihren Lauf.

Kaede ist eine eher zurückhaltende junge Frau, die neben ihrem Beruf vor allem die Liebe zur Literatur entdeckt hat. Sie kann sich in diesen Welten einfach fallen lassen. Neben ihrem Großvater haben mir ihre beiden Freunde Iwata und Shiki gut gefallen. Gerade Shiki, der Künstler mit den sonderbaren Gedankengängen, passt hervorragend in die Welt von Kaede und ihrem Opa. Der Schreibstil des Autors ist einfühlsam und gut beschreibend. Mit einer leichten Melancholie legt sich dieser wie ein Raureif auf den Text. Dennoch gibt es auch heitere Momente und die Spannung der Handlung wird immer wieder leicht angedeutet. Das Ende ist interessant und da es sich um eine Trilogie handelt ist die Geschichte noch nicht komplett abgeschlossen. Sehr interessant war die Behandlung des Themas “Demenz”. Ich habe hier einige neue Dinge erfahren. Aber die Informationen über diese sehr spezifische Krankheit waren nicht überbordend. Ein leichter mit einer kleinen Portion Spannung gezeichneter Roman der mir in Summe gut gefallen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2025

Ein kniffliger Fall zum Miträtseln

Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet
0

Cozy Crime, wie ich ihn liebe: herrlich skurrile Figuren, ein beschauliches Anwesen und dazu ein kniffliger Fall zum Miträtseln.

Lady Agnes ist eine englische Dame in den besten Jahren. Zur Seite steht ...

Cozy Crime, wie ich ihn liebe: herrlich skurrile Figuren, ein beschauliches Anwesen und dazu ein kniffliger Fall zum Miträtseln.

Lady Agnes ist eine englische Dame in den besten Jahren. Zur Seite steht ihr Henderson, ihr treu ergebener Butler. Thomas Henderson hat nur eine Schwäche: seinen Aberglauben. Ob die Zahl 13, schwarze Katzen oder bestimmte Rituale, sie sind ihm heilig. Die Köchin Grace verliert nach dem Tod des Gärtners Daniel Green ein wenig die Nerven und betrinkt sich, obwohl sie Alkohol eigentlich verabscheut. Und dann ist da noch der Kommissar, der nicht nur einen sehr eigenwilligen Kleidungsstil pflegt, sondern auch ein Geheimnis mit sich trägt.

Der englische Humor und die typischen Klischees über Briten und das Landleben sorgen immer wieder für ein Schmunzeln. Die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven machen das Lesen spannend und bringen uns den Figuren näher. Besonders gut gefallen hat mir, dass ich den Täter so nicht auf dem Schirm hatte. Mein einziger Kritikpunkt ist der untypische Kommissar, seine Geschichte hätte für meinen Geschmack noch etwas ausführlicher herausgearbeitet werden können.

Ein Cozy Crime, den ich sehr gerne gelesen habe und ich würde mich auch über einen weiteren Band mit Lady Agnes freuen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere