Eindringliche und erschütternde Geschichte
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.
Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch ...
Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.
Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch sofort auf meiner Wunschliste. Dieses Mal hat es mir allerdings besonders viel abverlangt. Mehr als einmal musste ich die Lektüre unterbrechen, weil mich das Gelesene tief erschütterte. Es geht um die Misshandlungen in Kinderheimen der 50er- und 60er-Jahre in Deutschland: verübt von Priestern, Ordensleuten, Ärzten und unzureichend ausgebildetem Personal. Kinder erlebten körperliche, psychische und sexuelle Gewalt, dazu Medikamententests und -missbrauch. Ein grausames Schicksal, das nicht vergessen werden darf und bis in nachfolgende Generationen nachwirkt.
Im Zentrum stehen Hartmut und Margret, die sich im Heim kennenlernen und füreinander da sind, weil sie sonst niemanden mehr haben. Eine bewegende und beklemmende Geschichte, die zeigt, dass die Traumata der Kindheit sie ein Leben lang begleiten und ihre Spuren auch bei den nächsten Generationen hinterlassen.
Der Roman wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, vor allem aus der Sicht von Margret und Hartmut, aber auch Sabine, Julia und Emily kommen zu Wort. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart ab 2006 sowie in der Vergangenheit ab 1945. Die Kapitel sind vergleichsweise lang; wer kurze Kapitel bevorzugt, wird hier etwas Geduld brauchen. Für mich war dies weniger ein Problem, eher störte mich ein Bruch in der Erzählung, der ungefähr zur Hälfte des Romans auftritt.
Möglicherweise liegt das daran, dass die Autorin zusätzlich viele weitere Themen einbindet. Dadurch wirkte manches auf mich überladen. Auch das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, da es stellenweise zu gewollt erscheint.
Trotzdem überzeugt der Roman durch Susanne Abels einfühlsamen Schreibstil, der berührt, mitnimmt und nachhaltig nachwirkt. Ein starkes, wichtiges Buch mit kleineren Schwächen, das ich eingeschränkt, aber mit Nachdruck empfehlen kann. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches sollte unbedingt ernst genommen werden.