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Veröffentlicht am 14.10.2025

Eiskalte Angst

Die Kälte
1

Um dem Scherbenhaufen ihrer gescheiterten Ehe zu entkommen, tritt die forensische Odontologin Kit eine Assistenzstelle als Teil eines Forschungsteams in der Antarktis an. Doch auf dem Weg dahin erhält ...

Um dem Scherbenhaufen ihrer gescheiterten Ehe zu entkommen, tritt die forensische Odontologin Kit eine Assistenzstelle als Teil eines Forschungsteams in der Antarktis an. Doch auf dem Weg dahin erhält das Eisbrecher-Versorgungsschiff den Notruf eines anderen Schiffes: als das Team dort ankommt, um zu helfen, steht es in Flammen! Dann stellt die Rettungsmannschaft fest, dass die Besatzung verschwunden ist - bis auf einen schwerverletzten Mann, der sich an nichts erinnern kann. Was ist passiert? Kann man dem Überlebenden trauen?

An der Forschungsstation angekommen gehen die Dinge ihren Lauf und der Überlebende erholt sich, kann sich aber weiterhin an nichts erinnern. Dann gibt es eine Leiche, eine Vermisste und plötzlich verhalten sich fast alle seltsam ...

Der atmosphärische, eindringliche, bildstarke Schreibstil ist mitreißend, die beklemmende Stimmung kommt hautnah an, viele Charaktere sind herrlich undurchsichtig und die Handlung ist rätselhaft sowie spannend!

Erzählt wird hauptsächlich chronologisch, aus verschiedenen Perspektiven, was faszinierend verstörende Einblicke bietet. Die unwirtliche, grausame Natur (lebensbedrohliche Kälte, White-Outs Gletscherspalten, brechende Eisflächen, Raubtiere), Isolation, Reizbarkeit sowie der begrenzte bzw. fragile Zugriff auf Kommunikation zur Außenwelt, Lebensmittel und Notfallmedizinische Versorgung werden greifbar geschildert! Doch wodurch werden die Notlagen hier ausgelöst - durch Unfälle oder Menschen mit bestimmten Absichten? Oder eine unglückselige Kombination aus beidem?

“Die Kälte” ist ein ereignisreicher, (psychologisch) interessanter Thriller voller Überraschungen, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Atmosphärisch, spannend, wendungsreich

Geheimnisse des Nil, Band 2 - Where the Library Hides
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Band zwei steht Band eins in Sachen Spannung in nichts nach – ich würde sogar sagen, dass der 2. Teil noch nervenaufreibender ist!

Es geht wieder abenteuerlich, magisch, emotional, dramatisch, ereignis- ...

Band zwei steht Band eins in Sachen Spannung in nichts nach – ich würde sogar sagen, dass der 2. Teil noch nervenaufreibender ist!

Es geht wieder abenteuerlich, magisch, emotional, dramatisch, ereignis- und wendungsreich zu!

Der atmosphärisch ausgeschmückte, lebendige Schreibstil ist mitreißend, die Figuren, auch alle Nebencharaktere, sind toll gezeichnet, und die Handlung bietet einige Überraschungen!

Das Ägypten Flair ist greifbar und ich empfand die, geschickt nebenbei in die Geschichte einfließende, Gesellschaftskritik bezüglich der Imperialisten im späten 19 Jahrhundert sehr gelungen.

Die Liebesgeschichte zwischen Inez und Whit hat mich persönlich nicht besonders angesprochen, die spezielle Dynamik zwischen den beiden wirkte auf mich etwas überstrapaziert, da sie meiner Erfahrung nach seit vielen Jahren in zahlreichen Jugendbüchern vorkommt. Zudem empfand ich einige emotionale Stellen irgendwie als ein bisschen “melodramatisch”.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Dranbleiben lohnt sich!

The Mother – Sie hat den Mord nicht begangen. Doch wie soll sie es beweisen?
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Nach viel Alkohol und einem nächtlichen Ehestreit findet Heather ihren Mann am Morgen erstochen auf der Couch vor. Sie gilt schnell als die einzige ernstzunehmende Verdächtige und wird schließlich zu einer ...

Nach viel Alkohol und einem nächtlichen Ehestreit findet Heather ihren Mann am Morgen erstochen auf der Couch vor. Sie gilt schnell als die einzige ernstzunehmende Verdächtige und wird schließlich zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Als sie nach zehn Jahren vorzeitig auf Bewährung entlassen wird, steht sie vor einem Scherbenhaufen: sie wird, dank der sensationsheischenden Medienberichte seit ihrer Verhaftung bzw. erneut seit ihrer Entlassung, als eiskalte niederträchtige Mörderin betrachtet, sie darf ihre beiden Söhne nicht sehen und sie hat keinen Job. Doch dann hat sie immerhin ein bisschen Glück im Unglück ...

Heather hat nur ein Ziel: den Mord an ihrem Mann aufklären, um wieder gesellschaftsfähig zu sein und ihre Söhne sehen zu dürfen. Es gibt allerdings skrupellose Leute, die vor nichts zurückschrecken, um genau das zu verhindern – überraschenderweise gibt es einige Verbündete, die ihr tatkräftig zur Seite stehen, aber es ist kompliziert …

Das Geschehen wird ausdrucksstark und intensiv, auf zwei Zeitebenen aus Heathers Sicht, geschildert: Die Ohnmacht bzw. die Verzweiflung der Protagonistin kommt hautnah an! Sie wird direkt verdächtigt und festgenommen, man sucht nach Beweisen für ihre Schuld, ignoriert Hinweise, die in eine andere Richtung deuten. Die überwältigende Mehrheit wendet sich schnell gegen sie – einige Familienmitglieder, alle Freunde, sämtliche Ermittelnde sowie Medien. Die Stimmungsmache gegen sie scheußlich: Die traurige Tendenz, dass viele sich leicht aufhetzten lassen, es lieben ein Feindbild präsentiert zu bekommen, auf das sie ihren Frust projizieren können, und, dass es bequemer ist, eine naheliegende Lösung zu akzeptieren, statt nach Lücken in dieser zu suchen, wird bewegend dargestellt.

Die Charaktere sind interessant und verfügen über Tiefe. Die Handlung kommt für meinen Geschmack eher langsam in Gang - für mich wurde es erst nach gut hundert Seiten spannend, aber dann so richtig! Heathers Nachforschungen sind ereignis- sowie wendungsreich gestaltet – absolut packend!

“The Mother” ist ein emotionsgeladener, scharfsinniger und raffinierter Thriller voller entsetzlicher Erkenntnisse und erschütternder Enthüllungen - dranbleiben lohnt sich!

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ein herrlich beklemmender Thriller!

Der Trailer
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Ein Campingplatz in den Ardennen: Die Studentin Lisa verschwand unter mysteriösen Umständen. 15 Jahre später ist der Fall immer noch ungelöst und die suspendierte Kommissarin Frieda Stahnke aus Hamburg ...

Ein Campingplatz in den Ardennen: Die Studentin Lisa verschwand unter mysteriösen Umständen. 15 Jahre später ist der Fall immer noch ungelöst und die suspendierte Kommissarin Frieda Stahnke aus Hamburg berichtet in einem True-Crime-Podcast davon: Sie hat als junge Polizistin an dem Fall mitgearbeitet. Die Podcast-Folge rückt Lisas Verschwinden nun wieder in den Fokus der Öffentlichkeit, was Konsequenzen mit sich bringt …

Wout, ein Barbesitzer und verurteilter Stalker aus Köln, der damals auch auf dem Campingplatz war und ahnt, was passiert sein könnte, sein Freund Tayfun, ein Türsteher sowie Kathinka, die persönliche Interessen hat, beginnen nachzuforschen.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven sowie Zeitebenen, was interessant bis faszinierend verstörend gestaltet ist!

Der Schreibstil ist flüssig, regt das Kopfkino an, ist herrlich düster atmosphärisch und der beklemmende Campingplatz wirkt so lebendig, als wäre er eine Figur! Ein “Element am Erzählstil” hat mich sehr gestört, ich vermute, dass der Autor seine Gründe hatte, das so zu machen - evtl. Reflektion der Realität!?

Die Charaktere sind absolut authentisch gezeichnet, mit echten Ecken und Kanten!!! Sie sind nicht schwarz-weiß, sie sind widersprüchlich, komplex - alles andere als gewöhnlich oder langweilig, was sie mir irgendwie sympathisch machte.

“Der Trailer” hat mir insgesamt gut gefallen, für meinen Geschmack wurde es allerdings erst zum Ende hin so richtig spannend - die unerwartete Wendung bzw. Auflösung hat mich positiv überrascht! Die wechselnden Perspektiven sowie Nebenhandlungen sind toll konstruiert, das unheilvolle Setting und die psychologische Tiefe haben mich ebenfalls beeindruckt.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein bittersüßes modernes Märchen

Der verschwundene Buchladen
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In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart ...

In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart verschlägt es Martha und Henry ebenfalls nach Dublin: Die gescheiterte Studentin Martha ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann und der Engländer Henry, ein Spezialist für antiquarische Schätze, sucht einen verloren gegangenes Manuskript, dass er in einem mysteriösen Buchladen vermutet.

Opaline, Martha und Henry erleben allerlei Aufregendes: Rätselhaftes, Tragisches, Wundervolles ...

Der atmosphärische, lebendige Erzählstil und die liebenswerten Charaktere haben mich direkt eingesaugt (obwohl ich Martha nicht selten sehr naiv fand). Besonders Henry hat es mir angetan, er kommt eloquent, aber unbeholfen, selbst-ironisch, aber unsicher daher. Er hat mich an die Rollen erinnert, mit denen Hugh Grand in den 1990ern berühmt geworden ist: Ein toller Kerl, der seinen Gefühlen nicht traut, weshalb er neurotisch bzw. umständlich agiert.

Die exzentrische Witwe Madam Bowden, eine ältere, undurchsichtige Dame, die Martha einen Job, eine Unterkunft und wertvolle Unterstützung anbietet, war für mich allerdings die heimliche Protagonistin!

Die ereignis- einfalls- sowie wendungsreiche Handlung, in der es neben allem rund um Bücher auch Freundschaft, Familie, Selbstermächtigung, grausame Frauenfeindlichkeit und romantische Liebe geht, ist zudem geheimnisvoll, süß, unterhaltsam, bewegend und somit absolut packend! Ich habe das Buch in nur zwei Zügen inhaliert!

“Der verschwundene Buchladen” ist für mich ein Fall von “Der Weg ist das Ziel”, da ich das Ende ein bisschen enttäuschend fand. Mir ist klar, dass beim magischen Realismus oft einiges offenbleibt, aber hier gibt es für meinen Geschmack zu viele vage Erklärungen bzw. unbeantwortete Fragen, sodass ich die Geschichte schließlich als etwas lückenhaft empfand.

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