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Veröffentlicht am 26.09.2025

Ein bildgewaltiger Familienroman

Das Polarlichtcafé
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Der Autorin Christine Kabus ist ein bildgewaltiger Familienroman gelungen.

Die Familiengeschichte hat 2 Zeitebenen. Eine Zeitebene spielt in der Gegenwart. Die Protagonistin Jule will im Norden Norwegens ...

Der Autorin Christine Kabus ist ein bildgewaltiger Familienroman gelungen.

Die Familiengeschichte hat 2 Zeitebenen. Eine Zeitebene spielt in der Gegenwart. Die Protagonistin Jule will im Norden Norwegens einem Familiengeheimnis auf die Spur gehen.
Die zweite Zeitebene spielt kurz vor dem Mauerbau. Jules Opa begibt sich als Reiseberichtserstatter der DDR nach Norwegen.

Ein wunderschönes Café in Norwegen wird sowohl für Jule als auch für ihren Opa zu einem Ort mit folgenreichen Begegnungen.

Mir hat besonders Kabus bildgewaltiger Erzählstil gefallen. Ich konnte mir vor allem den rauen Norden Norwegens gut vorstellen, wo das gemütliche Polarlichtcafe zu finden ist, in dem das Schicksal seinen Lauf nimmt.

Historische Geschehnisse werden immer wieder von Kabus im Lauf der Handlung eingestreut.

Das Familiengeheimnis ist relativ schnell hervorsehbar. Dennoch hat mir das Verweben beider Familiengeschichten gut gefallen. Ein gemütlicher Roman, vor allem Norwegen-Fans kommen auf ihre Kosten anhand des detailreichen Erzählens.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Das Leben neu überdenken

Drei Tage im Schnee
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Mit „Drei Tage im Schnee“ ist der Autorin Ina Bhatter ein eindrucksvolles Debüt gelungen.

Schon allein das Cover ist wunderschön und ästhetisch ansprechend: Eine Frau, die abends in einer Schneelandschaft ...

Mit „Drei Tage im Schnee“ ist der Autorin Ina Bhatter ein eindrucksvolles Debüt gelungen.

Schon allein das Cover ist wunderschön und ästhetisch ansprechend: Eine Frau, die abends in einer Schneelandschaft auf dem Weg zu einer kleinen Hütte ist. Dies ist auch wesentlicher Inhalt dieses schmalen Romans (166 Seiten). Hannah, eine Frau Mitte 30, braucht eine Auszeit von ihrem trubeligen Alltag, der ihr viel abverlangt. Der Beruf fordert sie und ständig gibt es neue To-Dos, die sie abarbeiten und erfüllen muss. Hannah versucht es immer allen Recht zu machen. Viele Träume, Sehnsüchte und Freundschaften sind dabei mit der Zeit auf der Strecke geblieben. Hannah möchte so nicht mehr weitermachen und mietet sich eine kleine Hütte in einer verschneiten Gegend, um über ihr Leben nachzudenken und es neu zu ordnen. Sie lernt ein kleines Mädchen namens Sophie kennen. Gemeinsam verbringen sie Zeit, trinken weiße Schokolade mit Marshmallows vor dem prasselnden Kamin, bauen „Schneinhörner“ und ein Iglu im Schnee. Durch Sophie wird Hannah an ihre eigene Kindheit erinnert und an all das, was einst wichtig für sie war: die Natur, das Lesen und das Schreiben, Familie und Freunde. Hannah kommt ins Nachdenken und etwas scheint in ihr aufzubrechen, um den schönen und den wirklich wichtigen Dingen wieder mehr Zeit einzuräumen. Wir können dabei in Hannahs Gedankenwelt Einblick nehmen.

Ina Bhatter ist mit „Drei Tage im Schnee“ ein hyggeliger Wohlfühlroman gelungen. Man möchte sich am liebsten mit Hannah und Sophie an den knisternden Kamin setzen und auch eine weiße Schokolade mit Marshmallows trinken und danach raus in den Schnee laufen.
Bhatter erzeugt mit ihrem Schreibstil eine wohlige Atmosphäre. Die bildhafte Sprache trägt vor allem dazu bei.

„Drei Tage im Schnee“ ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die ebenfalls mal eine Auszeit von ihrem Alltag benötigen und ein paar inspirierende Gedanken brauchen, um über das eigene Leben nachzudenken.


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Veröffentlicht am 05.09.2025

Manipulation durch eine radikale christliche Glaubensgemeinschaft

Monstergott
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Wow… Was war das?! Caroline Schmitts 2. Roman ist so ganz anders als ihr Debüt „Liebewesen“.

Im Vordergrund des Buches stehen die beiden Geschwister Esther und Ben. Beide wachsen wohlbehütet und nach ...

Wow… Was war das?! Caroline Schmitts 2. Roman ist so ganz anders als ihr Debüt „Liebewesen“.

Im Vordergrund des Buches stehen die beiden Geschwister Esther und Ben. Beide wachsen wohlbehütet und nach sehr konservativen Wertevorstellungen der christlichen Freikirche auf. Schmitt gelingt es, dass man als Leser die Gefühlswelt von Esthers und Ben miterleben kann. Beide scheinen fast an den strengen Glaubensvorschriften der radikalen Gemeinschaft zu zerbrechen. Die starren Regeln bringen Ben dazu eine grausame Entscheidung für sein Leben zu treffen.
Esther und Ben sind gedanklich so eingeschränkt, dass sie gar nicht wissen, was sie eigentlich wirklich wollen und können. Schmerzhaft ist es mitanzusehen, dass Esther sich immer wieder unterordnen muss, da sie ja „nur“ eine Frau ist. Eine Frau hat zu gehorchen, muss lieb, fromm und folgsam sein. Esther bleibt in ihren Möglichkeiten zurück. Ihr erträumtes Medizinstudium ist nichts für Mädchen, eine Ausbildung in der Krankenpflege reicht.

In aller Klarheit beschreibt Schmitt die Scheinheiligkeit, die manipulativen Verfahren und die Verlogenheit der Gemeinschaft.

Nach und nach beginnen Esther und Ben die Ansichten der Gemeinde zu reflektieren und zu hinterfragen. Es gelingt ihnen vom „Baum der Erkenntnis“ zu kosten und eine Wandlung mitzumachen.

„Monstergott“ ist ein spezielles Buch, da die Thematik schon sehr außergewöhnlich ist. So ein Buch habe ich bislang noch nicht gelesen. Der potentielle Leser sollte sich schon für den Alltag in radikalen Glaubensgemeinschaften interessieren, da diese Thematik den Roman dominiert.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ein zartes feines Buch

Die Rheinreise
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Als Leserin fühle ich mich beim Lesen des Buches ins Viktorianische Zeitalter hineinversetzt. Die Geschichte spielt 1851 - ein Reverend aus England unternimmt mit seiner Frau Marion, seiner Tochter Ellie ...

Als Leserin fühle ich mich beim Lesen des Buches ins Viktorianische Zeitalter hineinversetzt. Die Geschichte spielt 1851 - ein Reverend aus England unternimmt mit seiner Frau Marion, seiner Tochter Ellie und seiner Schwester Charlotte eine Dampfschiffsreise von Baden-Baden bis nach Köln.

Im Vordergrund steht Charlotte, eine Frau mittleren Alters, unverheiratet, die das Dienen anderer als ihre Pflicht begreift. Charlotte vollzieht langsam aber stetig eine kleine innere Revolution. Dennoch ist es anfangs schwer zu ertragen, wie sie sich immer wieder unterordnet, sich schikanieren lässt und eigentlich auch nicht als vollwertiges Familienmitglied angesehen wird.

Auf der Rheinreise wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, als sie einem Passagier begegnet, der sie an eine vergangene Liebe erinnert. Charlotte werden mehr und mehr ihre verpassten Chancen und ihre unterdrückten Bedürfnisse bewusst.

"Die Rheinreise" von Ann Schlee (1934-2023) ist ein zartes feines Buch in poetischer Sprache. Bereits 1981 erschien der Roman und stand auf der Shortlist des Booker Prize. Nun wurde dieser historische Roman zum Glück wiederentdeckt und neu herausgebracht. Ein wundervolles, wertiges Buch.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein emotionales Familienepos im australischen Outback

Ein weites Leben
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"Ein weites Leben" von M.L. Stedman ist ein emotionales Familienepos, das im australischen Outback in den 50er und 60er Jahren spielt. Im Roman dreht sich alles um die Familie MacBride, deren Leben durch ...


"Ein weites Leben" von M.L. Stedman ist ein emotionales Familienepos, das im australischen Outback in den 50er und 60er Jahren spielt. Im Roman dreht sich alles um die Familie MacBride, deren Leben durch einen tragischen Unfall, bei denen zwei Familienmitglieder sterben, zerstört wird. Es steht der Überlebenskampf und das Zurückfinden ins Leben des Sohnes Matthew im Vordergrund, der vom Unfall schwer getroffen wurde.

Zentrale Themen des Romans sind in erster Linie Schicksal, Trauer, Schuld und Verlust.

Ich empfand die Handlung rund um die Familie MacBride und das Leben im australischen Outback als sehr langatmig. Die vielen Figuren, Naturbeschreibungen und Erzählstränge machten es mir schwer in die Handlung zu finden. Auch die ständigen Zeitsprünge und Persepektivwechsel störten mich.

Die Autorin hat einen sehr nüchternen und sachlichen Schreibstil gewählt. Das ist nicht ganz mein Geschmack, vor allem wenn dramatische und tragische Dinge passieren. Da hätte ich mir mehr Emotionalität und Tiefe gewünscht. Durch die nüchterne Beschreibweise konnte ich auch mit den Figuren nicht richtig warm werden.

Gefallen hat mir das Setting. Ich habe viel über das entbehrungsreiche Leben im australischen Outback in den 50er und 60er Jahren erfahren. Die Autorin beschreibt dies sehr detailreich und intensiv, sodass ich ein gutes Bild vom Leben damals bekommen habe. Hier hat mir die bildhafte Sprache sehr gefallen, da ich mir die unvorstellbaren Weiten Australiens sehr gut vorstellen konnte.

Der Familienroman ist definitiv kein Buch für zwischendurch, da man als Leser mit vielen Figuren, Namen und Umständen konfrontiert wird. Wer mehr über das karge Leben im australischen Outback erfahren möchte und tragische Familienepen mag, liegt mit der Wahl des Buches richtig.

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