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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Dracula meets Paul

Tod in Siebenbürgen
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„Tod in Siebenbürgen“ von Lioba Werrelmann
Überraschend bekommt der Journalist Paul Schwartzmüller Post aus Rumänien. Er soll wohl seine Tante beerben. Die glaubte er seit Jahrzehnten längst unter der ...

„Tod in Siebenbürgen“ von Lioba Werrelmann
Überraschend bekommt der Journalist Paul Schwartzmüller Post aus Rumänien. Er soll wohl seine Tante beerben. Die glaubte er seit Jahrzehnten längst unter der Erde. Als Jugendlicher hatten er und sein Vater Siebenbürgen fluchtartig verlassen. Die Hintergründe waren dem Jungen damals völlig unklar. Also begibt sich Paul auf die Spuren seiner Vergangenheit und reist nach Rumänien, ins Land der Siebenbürger Sachsen. Dort trifft er seinen alten Freund Sorin wieder, der jedoch schon bald unter Verdacht steht einen Mord begangen zu haben. Zwischen Realität und alten Gruselgeschichten über die Untoten, zwischen Schlafwandeln und Aberglauben, verschwimmen die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und einer anderen ganz unwirklichen Welt. Als Leser steht man ebenso wie Paul Schwartzmüller zwischen Wahn und Wirklichkeit. Zum einen versucht man den Mord aufzuklären wird zum anderen aber durch die Dorfbewohner mit ihren mystischen Anekdoten über Dracula und ihren absonderlichen Ritualen, abgelenkt. Ich hatte bereits eine Begegnung mit Paul und den Siebenbürger Sachsen, da ich den zweiten Teil vor dem ersten gelesen habe. Und auch dieses Wiedersehen hat mir sehr gut gefallen. Paul ist ein liebenswerter Charakter und Rumänien ein wirklich spannendes Land.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Eine beeindruckende Frau

In uns der Ozean
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Eine junge Frau, Biologin, jedoch in einer Zeit, in der es nicht üblich war, dass Frauen Karriere machten. 1929 wird Rachel Carson tatsächlich eine Promotionsstelle angeboten. Und dazu könnte sie auch ...

Eine junge Frau, Biologin, jedoch in einer Zeit, in der es nicht üblich war, dass Frauen Karriere machten. 1929 wird Rachel Carson tatsächlich eine Promotionsstelle angeboten. Und dazu könnte sie auch noch an ihrem geliebten Meer sein und forschen. Ein Traum für die junge Frau. Doch das Schicksal meint es anders mit ihr. Nach dem Tod ihres Vaters muss sie die verarmte Familie vor dem Ruin retten und nimmt eine Stelle bei einer Behörde an, für die sie völlig überqualifiziert ist. Doch sie lässt sich nicht davon abschrecken und geht weiter ihren Weg. Ihre Liebe zum Meer lässt sie die Wissenschaft in Poesie betten und so bezaubert sie erst durch Artikel und Radiobeiträge und später durch ihre Bücher ein Millionenpublikum. Ihr Lebenswerk ist jedoch ihr Kampf gegen das Pestizid DDT. Ich finde es doch sehr bestürzend, dass mir vor der Lektüre dieses Buches Rachel Carson überhaupt nicht bekannt war. Mittlerweile habe ich selbst etwas weiter recherchiert und bin beeindruckt von ihrem Lebenswerk. Eine mutige Frau, die sich traute, sich mit der großen und mächtigen Chemieindustrie anzulegen und tatsächlich recht behalten hat. Bisher habe ich die Bücher von Theresia Graw alle sehr geliebt. Bei diesem hier hatte ich am Anfang einige Probleme mit der Protagonistin warm zu werden. Ich fand ihren Lebensweg eher nüchtern erzählt. Gegen Ende des Buches hat die Geschichte jedoch eine Wendung genommen, die mich wieder sehr gefesselt hat und bei der die Leidenschaft und der Kampfgeist Rachels deutlich rüberkam. Da habe ich erst verstanden, wer Rachel Carson war und was sie geleistet hat. Ich bin sehr froh sie kennengelernt zu haben und hoffe, dass sich noch viele für dieses Buch und Rachel Carson begeistern werden.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Gut oder Böse?

DAS ENDE – Dein letzter Tag ist gekommen
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Die Welt schaut fremden Menschen im Internet beim Leben zu. Dies ist erstmal nichts Neues. Doch nach und nach wird die Welt auch Zuschauer von Morden an den Beobachteten. Das Europol Duo Brand und Björk ...

Die Welt schaut fremden Menschen im Internet beim Leben zu. Dies ist erstmal nichts Neues. Doch nach und nach wird die Welt auch Zuschauer von Morden an den Beobachteten. Das Europol Duo Brand und Björk erhalten den Auftrag zu ermitteln und den Serienkiller zu finden. Begleitet wird ihre Arbeit von der neuen Chefin und deren PR-Berater. Leider bringen die beiden das eingespielte Team aus dem Gleichgewicht und erschweren damit die Aufklärung. Das Einzige, was die Opfer verbindet ist ihr phantomhaftes Wesen. Niemand kennt ihre Namen oder weiß etwas über ihre Vergangenheit. Dies war der vierte und letzte Teil der Brand und Björk Reihe, was ich wirklich schade finde. Für mich ist die Geschichte der beiden noch nicht auserzählt. Und durch ihre Arbeit bei Europol, würden sich noch viele interessante Schauplätze bieten. Der Thriller war wie gewohnt wieder von der ersten Seite an spannend und mitreißend. Ein häufiger Perspektivwechsel hat viel Tempo in die Story gebracht. Die einzelnen Erzählstränge hatten alle ihre eigene Spannung und ich konnte sehr gut miträtseln, wie alles am Ende zusammenläuft. Auch einige überraschende Plot-Twists waren dabei. Das Ende war mir dann jedoch zu kurz erzählt. Da blieben für mich noch so manche Fragen offen. Mit Sorge sah ich die Seiten schwinden, mein Wissensdurst hielt aber an. Dennoch im Gesamten ein guter Thriller und ein gelungener Abschluss der Reihe.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Prost

Girl on the Train
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Rachel fährt jeden Tag mit dem Zug nach London. Vorbei an ihrem alten Leben. In ihrem Haus wohnt ihr Mann nun mit einer anderen Frau und deren gemeinsamen Kind. Ein paar Häuser weiter wohnt ein anderes ...

Rachel fährt jeden Tag mit dem Zug nach London. Vorbei an ihrem alten Leben. In ihrem Haus wohnt ihr Mann nun mit einer anderen Frau und deren gemeinsamen Kind. Ein paar Häuser weiter wohnt ein anderes Paar. Jeden Morgen sieht sie die beiden, wie sie liebevoll miteinander umgehen. In ihrem Kopf spinnt sich Rachel eine Traumwelt um die beiden zusammen. Doch dann verschwindet die Frau spurlos und Rachel kann nicht anders, sie muss sich einmischen. Rachel war mir als Charakter von Anfang an unsympathisch, wie auch sämtliche andere Protagonisten in diesem Roman. Hauptsächlich dadurch verursacht, dass sie furchtbar viel trinkt, einen Absturz nach dem anderen erleidet und lügt, was das Zeug hält. Dennoch wollte ich unbedingt herausfinden, was mit der verschwundenen Frau passiert ist, was mit Rachels Ex und seiner Neuen nicht stimmt und wer hier noch alles lügt. Beim Lesen schwankte ich sehr zwischen Neugier und abgestoßen sein. In anderen Rezensionen las ich von Längen, die empfand ich nicht so. Eigentlich passiert ständig etwas, nur gefällt es einem nicht unbedingt, was Rachel da treibt. Und es hat mir auch keinen Spaß gemacht ihrem stetigen Verfall zuzusehen, aber eine gewisse Sogwirkung kann ich diesem Buch wirklich nicht absprechen. Dies wird bestimmt nicht eines meiner Lieblingsbücher, aber ich werde es bestimmt auch nicht so schnell vergessen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Japanische Rätsel

Die Bibliothek meines Großvaters
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Kaedes Großvater ist an Lewy-Körper Demenz erkrankt, durch die er Halluzinationen sieht. Dennoch ist, an den meisten Tagen, sein Verstand messerscharf. Kaede und ihr Großvater sind die einzig Übriggebliebenen ...

Kaedes Großvater ist an Lewy-Körper Demenz erkrankt, durch die er Halluzinationen sieht. Dennoch ist, an den meisten Tagen, sein Verstand messerscharf. Kaede und ihr Großvater sind die einzig Übriggebliebenen in ihrer Familie und hängen sehr aneinander. Die Geschichte spielt in Tokio, wo Kaede als junge Lehrerin arbeitet. Als Leser werden uns immer neue rätselhafte Geschichten präsentiert. Zettelchen, die in einem Buch auftauchen, ein Toter in einer abgeschlossenen Toilettenkabine, eine verschwundene Lehrerin und zu guter Letzt ein Stalker. Kaedes Großvater entwirrt all diese Rätsel mit guter Beobachtungsgabe und scharfem Verstand. Seine Erklärungen erinnerten mich sehr an Agatha Christies Hercules Poirot oder Miss Marple. Es war eine Freude, wie sich das Knäul jedes Mal auf wundersame Weise entwirrte. Der Großvater liebt Bücher und Geschichten sehr, genauso wie Kaede. Und oft weist er in seinen Ausführungen auf bestimmte Geschichten aus der Literatur hin. Dieses Buch hat etwas sehr Besonderes an sich. Es wartet nicht mit großem Drama oder Tohuwabohu auf, sondern bringt einen auf sanfte Weise zum ganz intensiven Lesen und mitdenken. Man liest es langsam und bewusst und wird so in die ruhige Welt der Bücher des Großvaters gezogen. Gespickt von fantasievollen Erscheinungen, die den Halluzinationen geschuldet sind, bekommt die Geschichte etwas Magisches. Ich konnte zuerst nicht so richtig greifen, wohin diese Geschichte führen würde, und war dann von Kapitel zu Kapitel überraschter. Erst gegen Ende habe ich das Buch so richtig verstanden. Wer japanische Autoren liebt, kommt an diesem Buch nicht vorbei!

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