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Veröffentlicht am 28.12.2025

Ein Albtraum, der im Luxushotel seinen Anfang nimmt

The Woman in Suite 11
1

Nachdem ich dieses Buch in Händen hielt, bekam ich den guten Rat, THE WOMAN IN CABIN 10 zu lesen. Was auch gemacht habe. Gut, man könnte THE WOMAN IN SUITE 11 auch lesen, ohne das Vorgängerbuch zu kennen. ...

Nachdem ich dieses Buch in Händen hielt, bekam ich den guten Rat, THE WOMAN IN CABIN 10 zu lesen. Was auch gemacht habe. Gut, man könnte THE WOMAN IN SUITE 11 auch lesen, ohne das Vorgängerbuch zu kennen. So aber hat man den vollen Genuss und noch dazu hatte ich beide Bücher nacheinander gelesen, die Eindrücke sowohl der Protagonisten als auch der Story an sich sind somit ganz frisch. Ich würde es immer wieder genau so machen.

Die Reisejournalistin Lo Blacklock ist erwachsen geworden, sie lebt mit Mann und ihren beiden kleinen Kindern in New York, führt eher ein beschauliches Leben, sie sieht die Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz als Chance zum Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Schon der Flug birgt eine zwar komfortable, aber dennoch rätselhafte Überraschung, dessen Ursprung lange im Verborgenen bleibt. Nun, sie genießt und freut sich auf ein paar entspannte Tage in berauschender Kulisse und hofft auf ein Interview mit Marcus Leidmann, den Besitzer dieses Hotels, der sehr zurückgezogen lebt und sich so gut wie nie öffentlich zeigt. Als sie dann in seine Suite gebeten wird, ist sie ein wenig irritiert, aber dennoch hocherfreut, dass ausgerechnet ihr es gelingt, ihn zu befragen. Wer sie allerdings hinter der Tür erwartet und was diese Person von ihr fordert, ist nicht er – es ist der Beginn einer Odyssee, die sie ins Chaos stürzen könnte. Mehr noch, es könnte für sie brandgefährlich werden. Immer mehr verstrickt sie sich in den Fängen dieser Frau, die es versteht, genau das zu bekommen, was sie will und dies auch mit allen Mitteln einfordert.

Der ganz normale Alltag, den Lo seit Jahren lebt, wird bald abgelöst von den Momenten im Hotel, die man zwar meint, zu durchschauen, die jedoch immer ein gewisses Maß an Unerklärlichem beinhalten. Was mich an Lo stört, ist ihre Leichtgläubigkeit, ja ihre Naivität. Sie stolpert gewissermaßen von einem Mysterium ins nächste. Lässt sich von dieser Frau, die sie von früher kennt und mit ihr beileibe nicht die besten Erfahrungen gemacht hat, immer wieder einwickeln. Eine Frau, die genug kriminelle Energie hat, um über alles und alle hinwegzusehen, sich sozusagen die Rosinen herauspickt. Und das mit einer Chuzpe, die seinesgleichen sucht. Und nicht einmal schaltet diese Lo ihren gesunden Menschenverstand ein, sie lässt sich am Gängelband führen, überschreitet dabei Grenzen, die nie überschritten werden sollten, schon gar nicht von einer Mutter, deren Kinder noch so klein sind und sie noch lange brauchen.

„Es ist ein Mörder im Hotel. Aber niemand glaubt dir.“ Was in ..CABIN 10 noch funktioniert hat, gelingt in …SUITE 11 nur bedingt. Gut, die Story liest sich flott weg, auch wenn es erst so richtig mit dem Flug in die Schweiz losgeht, zuvor ist es eher ein Dahinplätschern. Man wartet auf Action, die man dann auch bekommt. Nur leider ist es zu sehr an das Vorgängerbuch angelehnt, was ich so gar nicht berauschend finde. So manches ist zu gewollt, zu aufgesetzt.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, denen jeweils eMails, Chats und News vorangestellt sind, die für zusätzliche Verwirrung sorgen. Auch dieses Stilmittel findet man im ersten Buch dieser Reihe, allerdings finde ich, dass dies auch in Cabin 10 besser funktioniert. Nun, was Lo mit dieser Frau in SUITE 11 erlebt, ist durchaus lesenswert, allerdings um einiges schwächer als das erste Buch.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Komplexe Story

Zerbrochene Stille
1

Der Tourist, den sie im Hafravatn, einem See in der Nähe von Reykjavík, tot aufgefunden haben, wurde offenbar ermordet. Wie sich herausstellt, war dieser Tote der Freund eines vor Jahrzehnten verschwundenen ...

Der Tourist, den sie im Hafravatn, einem See in der Nähe von Reykjavík, tot aufgefunden haben, wurde offenbar ermordet. Wie sich herausstellt, war dieser Tote der Freund eines vor Jahrzehnten verschwundenen Mannes. Dies wiederum bringt den ehemaligen, mittlerweile pensionierten Kommissar Konráð auf den Plan. Er beginnt zu ermitteln, was nicht jedem gefällt. Alles deutet auf den Vermisstenfall aus den 1970er Jahren hin, der zwar als geklärt gilt, was sich aber nun als Irrtum herausstellt. Konráðs damaliger Freund und Kollege Léo hat diesen Fall damals bearbeitet und nun sucht Konráð nach ihm…

Die Buchbeschreibung hat mich dazu verführt, zu diesem Island-Krimi zu greifen. Dabei habe ich übersehen, dass „Zerbrochene Stille“ Band sechs der Kommissar Konráð-Reihe ist. Und genau diese Reihe sollte man von Anfang an kennen, denn das Hineinfinden war zumindest für mich äußerst schwierig. Nach einigen Kapiteln hab ich zunächst pausiert, um dann konzentriert und mit neuem Elan weiterzulesen. Die komplexe Story verlangt volle Aufmerksamkeit, sie taucht ab in die Zeit des Kalten Krieges, von Spionage ist die Rede und von den Sowjets, auch ist ein alter Lada ist von Bedeutung.

Der Erzählstil ist eher ruhig, die Handlung vielschichtig, das Lesen durch die abrupten Übergänge zwischen dem Gestern und dem Heute schwierig. Um des besseren Überblicks wegen habe ich mir alsbald ein Personenverzeichnis erstellt, das ich so nach und nach mit so einigen charakterlichen Eigenschaften ergänzt habe. Konráð, die Hauptfigur, ist ein Charakter, den man schon näher kennen muss, um ihn zu mögen (oder auch nicht). Und auch von Léo und von dieser Männerfreundschaft ist so einiges zu erfahren, um stellvertretend für alle anderen diese beiden herauszugreifen.

„Zerbrochene Stille“ hat mir – wie oben erwähnt – so einiges abverlangt. Das Buch hat mir zunächst nicht sonderlich zugesagt und nachdem ich einen zweiten Anlauf genommen und mir viel Zeit und Muße verschafft habe, hatte ich mir den nötigen Durchblick verschafft, die Reihe weiterverfolgen werde ich aber nicht.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ruths Geschichte überzeugt, der zweite Erzählstrang dagegen weniger

Großmutters Geheimnis
1

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die ...

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die Bühne war ihr Metier und dahinter war seit jeher Alexanders Kinderstube. Dort hat er auf sie gewartet. Auf sie, den Star, ihr Kind hatte nur allzu oft das Nachsehen. Auch heute noch wähnt sich Lillian im Mittelpunkt, drängt sich in Alexander und Grys Leben, ist übergriffig und auch hat sie Alexander die vor langer Zeit von ihrer Mutter Ruth besprochenen Kassetten für ihn nie gegeben. Alexander verdient seine Brötchen als Musiker, er und Gry sind schon lange zusammen. Ihr Kinderwunsch hat sich nie erfüllt und nun versuchen sie es schon länger mit der In-vitro-Fertilisation.

Und da ist Ruth, die ich als junge Frau im Jahre 1943 sehe. Die Musik liegt ihr im Blut, ihre Stimme ist die einer Opernsängerin. Bis zu dem Tag, als sie und ihr Vater nach Theresienstadt deportiert werden, als sie verstummt. Dorthin folge ich ihr, sehe ihr tagtägliches Leid, ihr Elend und das ihrer Mitgefangenen. Benjamin Koppel beschreibt die Herrschaft der Nationalsozialisten und das Dahinvegetieren im Lager sehr eindringlich, die Qualen, deren die Inhaftierten ausgesetzt sind und so manch Martyrien, deren sie sich nicht erwehren können.

Und da ist die alte Ruth, die schon lange erblindet ist. Sie ist die älteste von vier Geschwistern, es verschlägt sie von Polen nach Dänemark, sehr viel später dann lebt sie in den USA. Dort bespricht sie für ihren Enkel, den sie nicht kennt, diese Kassetten, die er auf dem Dachboden seiner Mutter findet.

Vor einiger Zeit habe ich „Annas Lied“ von dem Autor gelesen. Auch dieses Buch ist ein Zeugnis einer Zeit, voll politischer Wirren, über eine jüdische Familie, die ihren Glauben hoch hält. Also war ich voller Vorfreude, als ich „Großmutters Geheimnis“ in Händen hielt. Ruths Part hat mir sowohl als junge und auch als sehr alte, 96jährige Frau, gut gefallen. Ich konnte ihr folgen, konnte sie verstehen, habe mit ihr gelitten. Ruths Geschichte hätte wesentlich mehr Raum verdient, denn auch wenn zwei Zeitebenen wechselseitig erzählt werden, so müssen sie beileibe nicht den in etwa gleichen Umfang haben.

Alexanders und Grys Geschichte mitsamt Lillians Dasein in der Jetztzeit nehmen dem Buch sehr viel. Gefühlt lese ich in dieser Erzählebene nur von der Fertilitätsbehandlung, gespickt mit einigen Nebensächlichkeiten. Schade, denn „Großmutters Geheimnis“ hat mit diesem über den in zu vielen Seiten ausgewalzten Kinderwunsch nichts zu tun.

Wäre noch das Ende, das zu gewollt geraten ist. Nicht alles muss sich in Wohlgefallen auflösen, nicht alles bis ins kleinste Detail geklärt sein. Von meinen anvisierten vier Sternen bleiben letztendlich drei übrig.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Very british-cosy-crime

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
1

Der Donnerstagsmordclub ermittelt zum nunmehr fünften Mal, hier geht es um einen unlösbaren Code. Was sich zunächst als ziemlich diffizil anhört, ist es auch. Denn wie soll man einen mehrfach gesicherten ...

Der Donnerstagsmordclub ermittelt zum nunmehr fünften Mal, hier geht es um einen unlösbaren Code. Was sich zunächst als ziemlich diffizil anhört, ist es auch. Denn wie soll man einen mehrfach gesicherten Code knacken? Noch dazu, wenn es mehr als einer Person bedarf, diesen nicht nur zu entschlüsseln, sondern auch die hierfür vorgesehene Eingangstür zu öffnen. Hört sich kompliziert an? Ja, es ist auch. Eine ganz schön anspruchsvolle Aufgabe steht dem Mordclub bevor, allen voran Elizabeth – natürlich.

Nachdem ich bisher einmal die Ehre hatte, dem Ermittlerquartett nahe zu sein, so war ich doch neugierig, wie sich Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim so machen. Gleich mal bin ich Hochzeitsgast, Joyce Tochter Joanna, die ihren Paul übers Internet kennengelernt hat, will eine kleine Hochzeit, ihre Mutter dagegen findet dies geradezu jammerschade.

Nun, Nick Silver, der Trauzeuge, verschwindet spurlos, nachdem klar ist, dass jemand ihn ermorden will. Aus verschiedenen Gründen wollte er nicht zur Polizei gehen und nun ist es an Elizabeth, Licht ins Dunkle zu bringen. Licht heißt in dem Fall, den Code zu finden, ihn zu entschlüsseln, denn es hängt ne Menge Kohle dran. Und nicht nur auf ihn hat es jemand abgesehen…

Der sehr spezielle Humor ist es, der mich bis jetzt davon abgehalten hat, nach diesen Büchern zu greifen. Man soll aber niemals so ganz nie sagen – wer weiß, was einen entgeht.

Gleich mal hab ich mich über Elizabeths Art geärgert, sie macht Donna, die Polizistin, ganz schön nieder. Auch wenn es Cozy Crime ist, so sollte es doch einigermaßen im Rahmen sein. Eine unterwürfige Polizistin, die sich einer selbsternannten Detektivin nicht zu wehren weiß – wo gibt es denn sowas! Gut, dass sich dieses devote Verhalten nicht durchs Buch zieht, denn abgesehen davon ist es ganz unterhaltsam. Wenn etwa Joanna ihrem frisch Angetrauten unbedingt gefallen will und er augenzwinkernd mitspielt, das hat schon was. Ich hab geschmunzelt, hab gelacht und mich amüsiert. Und ja – auch hab ich um Nick gebangt. Und nicht nur um ihn. Die Story flaut zwischendurch ab, erholt sich dann aber wieder – ich vergebe 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Ein Hoch dem traditionellen Frauenbild

Heimat
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Die Tradwife-Bewegung folgt einem traditionellen Frauenbild, eher rückwärtsgewandt, das der Ehefrau die Rolle der dienenden, gefügigen Gattin zuschreibt, die sich selbst stets hintanstellt und die ganz ...

Die Tradwife-Bewegung folgt einem traditionellen Frauenbild, eher rückwärtsgewandt, das der Ehefrau die Rolle der dienenden, gefügigen Gattin zuschreibt, die sich selbst stets hintanstellt und die ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht. Hannah Lühmann schreibt davon in ihrem neuen Buch „Heimat“. Auch wird der Rechtsruck thematisiert, ich bin als eigenständiger, demokratisch denkender und handelnder Mensch gespannt, wie sie diese Themen umsetzt…

…und lege den Roman nach dem Lesen ernüchtert weg.

Jana zieht mit ihrem Partner Noah und den beiden gemeinsamen Kleinkindern aufs Land. Ihren Job hat sie bereits gekündigt, die Kinder sind in der Kita, sie genießt die Zeit, die sie nur für sich hat. Bald lernt sie die vielfache Mutter und Ehefrau Karolin kennen, die in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter aufgeht. Sie und noch einige ihrer Freundinnen vertreten die Meinung, dass Kinder in ihren ersten Lebensjahren nicht fremdbetreut werden sollten, auch ist Karo weitgehend Selbstversorgerin. Nur unbehandelte Lebensmittel erreichen ihre Küche. Und sie betreibt einen erfolgreichen Kanal auf Instagram.

Jana tritt ziemlich unbedarft auf, sie himmelt Karolin direkt an. Dass diese dabei ihre eisernen Regeln bricht, sieht die mittlerweile zum dritten Male schwangere Jana nicht. Karo raucht (darf eine brave Ehefrau und Mutter rauchen?) und nicht nur das, sie animiert Jana zum Rauchen. „Ein Zug wird dem Kleinen schon nichts anhaben.“ Karo und auch ihre Freundinnen sind Impfgegner, bringen krude Corona-Beispiele, führen an, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass ein Kind an Masern stirbt. In dem Tenor geht es weiter – hier sind Verschwörungstheoretiker am Werk. Und dann – irgendwann holen die Frauen um Karo die blauen Fähnchen hervor, sie ziehen in den Wahlkampf.

Die Diskrepanz zwischen dem traditionellen Frauenbild und der selbstbewussten Frau, die Social Media für sich zu nutzen weiß, sticht hervor, das herkömmliche Bild einer intakten Familie wird infrage gestellt, zwischendurch blitzt das Rechte Gedankengut dann mal kurz auf. Vieles wird eher angedeutet, verläuft aber dann im Sande, verliert sich im Nirgendwo. Positiv erwähnen möchte ich den Schreibstil der Autorin, der mich das Buch letztendlich mit drei Sternen bewerten lässt.

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