Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2025

Hat mich gut unterhalten

Alle weg
0

Wenn nach dem Ferragosto (15. August) die Anzahl der Touristen in Italiens Touristengebieten schlagartig abnehmen, kehrt auch an der Oberen Adria, in diesem Fall in Grado, wieder ein wenig Ruhe ein. Die ...

Wenn nach dem Ferragosto (15. August) die Anzahl der Touristen in Italiens Touristengebieten schlagartig abnehmen, kehrt auch an der Oberen Adria, in diesem Fall in Grado, wieder ein wenig Ruhe ein. Die Einheimischen können aufatmen und sich zwischen September und April wieder ihren eigenen Vorlieben widmen, bevor die neue Saison beginnt.

Der deutsche Autor Stefan Maiwald fängt genau diese Momente ein. Wir Leser können ihn und die Gradeser in den Monaten September bis April beobachten. Fixpunkt seiner Betrachtung ist Pinos Bar, in der nun wieder der Fernseher läuft und sich Grados Bewohner Schnurren und Anekdoten erzählen. Dabei nimmt Maiwald, der mit seiner italienischen Frau und den Töchtern in Grado lebt, die Rolle des (deutschen) Beobachters ein, der über manche Angewohnheit nur staunen kann.

Stefan Maiwalds Schreibstil ist präzise und humorvoll. Mehrmals musste ich beim Lesen hellauf lachen. Die meisten seiner Texte sind kurz, oft scharf formuliert, ohne jedoch (ab)wertend zu sein. Der Autor wirkt auf mich, obwohl er schon länger in Grado lebt, nach wie vor wie ein Staunender. Ein bisschen wie ein Kind vor dem beleuchteten Christbaum. Apropos Christbaum! Maiwalds Töchter können sich glücklich schätzen, zu Weihnachten gleich mehrfach beschenkt zu werden, denn er hat einige Traditionen aus Deutschland in der Familie eingeführt.

Und bevor man sich an die Beschaulichkeit gewöhnt hat, stehen im April die ersten Touristen wieder ad portas ...

Fazit:

Gerne gebe ich diesem vielschichtigen Einblick in das Leben von Grado nachdem alle weg (die Touristen nämlich) sind, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.09.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Das Raunen der Stille
0

„Das Glück hat nur eine kurze Halbwertszeit.“

Als KHK Max Madlener drei Jahre zuvor einer Frau, die sich nächtens vom Aussichtsturm augenscheinlich in die Tiefe stürzen will, durch die einfühlsamen Worte, ...

„Das Glück hat nur eine kurze Halbwertszeit.“

Als KHK Max Madlener drei Jahre zuvor einer Frau, die sich nächtens vom Aussichtsturm augenscheinlich in die Tiefe stürzen will, durch die einfühlsamen Worte, das Universum hätte noch etwas vor mit ihr, hat er nicht geahnt, dass diese Frau ihn und seine Kollegin Harriet Holtby würde.

Doch aktuell, es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten, muss er sich um einen Überfall auf einen Geldtransporter kümmern, bei dem der männliche Part der verbrecherischen Duos tot auf der Strecke bleibt. Der Tote ist niemand anderer als Jens-Uwe Burkhart, einem dem letzten Mitglieder der RAF, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Irmgard Baselitz seit 30 Jahren vor der Polizei auf der Flucht ist und immer wieder durch brutale Raubüberfälle auffällt. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Jens-Uwe an einem Herzinfarkt verstorben ist und das Loch in seiner Brust sichtlich eine letzte Liebeserklärung Irmgards ist. Doch wo steckt sie und was hat sie vor?

Wie schon in einem der früheren Fälle, in dem Harriet sogar unter Mordverdacht gerät, ist auch dieser neunte Fall für sie sehr persönlich. Denn als Harriets Tante einen Schlaganfall erleidet wird sie ausgerechnet in jene Klinik eingeliefert, in der eine Krankenschwester sich vom Universum auserwählt sieht, sterbenskranke Patientinnen und Patienten zu erlösen.

Meine Meinung:

Auch dieser neunte Krimi von Walter Christian Kärger kann überzeugen. Zum einem durch die besonnene, manchmal auch unkonventionelle Arbeitsweise von Max Madlener, der viele Jahre als Mad Max tituliert worden ist, weil er sein Temperament nicht zügeln konnte, und durch seine Kollegin Harriet Holtby, die eine ebenfalls nicht alltägliche Person ist. Sie trägt ausschließlich schwarze Kleidung, Tattoos und ist als Superrecognizerin manchen unheimlich. Doch Max und Harriet sind ein eingespieltes Team, bei dem es wenige Worte braucht.

Der Autor spricht neben den fast vergessenen Mitglieder der RAF, ein schwieriges Thema an, nämlich den Umgang mit todkranken Menschen an. Er flicht Harriets Gedanken, ihre Zweifel und Ängste in einem Gespräch mit Max einfließen. Das ist sehr gut gelungen. Erst vor wenigen Tagen hat sich der österreichische Lehrer und Journalist Niki Glattauer durch, den bei uns möglichen, assistierten Suizid von seinem Krebsleiden erlöst.

Fazit:

Mir hat dieser Ausflug an den Bodensee wieder sehr gut gefallen, weshalb ich hier eine Leseempfehlung für die ganze Reihe ausspreche und diesem Buch 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Hat mir gut gefallen

Schweigende Provence
0

Völlig unerwartet erhält Albin Leclerc, Ex-Commissaire, eine, auf Büttenpapier geschriebene, Einladung des schwerreichen Industriellen Charles Agnel zu einem Gourmet-Wochenende auf dessen Chateau.

Trotz ...

Völlig unerwartet erhält Albin Leclerc, Ex-Commissaire, eine, auf Büttenpapier geschriebene, Einladung des schwerreichen Industriellen Charles Agnel zu einem Gourmet-Wochenende auf dessen Chateau.

Trotz Warnung vor Sturm Rebecca reisen Albin, Veronique und Mops Tyson an und erfahren, nachdem die illustre Runde vorgestellt worden ist, den Grund für für die Zusammenkunft: Einer der Anwesenden hat vor fünf Jahren Charles Ehefrau ermordet und dies als tödlichen Autounfall getarnt. Motive sind reichlich vorhanden.

Albin soll nun den Täter ermitteln.

Während sich reihum die Empörung breit macht, wächst sich Rebecca zu einem Orkan aus, der Bäume wie Streichhölzer knicken lässt und die Straßen unpassierbar macht. Kurz, am nächsten Morgen ist das Chateau von der Außernwelt abgeschlossen und der Schlossherr liegt tot im Teich. Hat der Täter wieder zugeschlagen?

Albin ist nun auf sich alleine gestellt. Nicht ganz, denn Tyson und Veronique werden gezielt als Nachwuchsermittler eingesetzt. Seine früheren Kollegen Theroux und Castel haben beträchtliche Mühe zum Tatort zu gelangen. Wird Albin den Täter zu finden?

Meine Meinung:

Dieser 13. Fall für Albin Leclerc ist ein klassischer closed-room-Krimi à la Agatha Christie. Niemand kann das Schloss verlassen, niemand kann es (vorerst) erreichen. Da Albin das Ladekabel seines Mobiltelefons der älteren Generation vergessen hat, muss er jenes von Veronique benutzen. Ansonsten ist er quasi analog unterwegs. Keine Zugriff auf Datenbanken, keine Ausrüstung der Spusi etc.. Doch Albin der alte Fuchs, beweist Erfindungsreichtum. So bastelt aus vorhandenen Material Requisiten zur Abnahme von Fingerabdrücken und spannt dafür gleich Veronique ein.
Und die muss zugeben, dass sie sogar ein wenig Spaß dabei hat. Obwohl, ganz ungefährlich ist das Ermitteln ohne Schutzweste und Waffe auch nicht.

Fazit:

Mit diesem 13. Fall, der ohne die üblichen technischen Helferleins auskommen muss, hat mich sehr gut unterhalten, weshalb ich ihm 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.09.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Das Schwarze Kreuz
0

Als Kunsthistorikerin Anna Bentorp ihren Schreibtisch wegen der bevorstehenden Professur in Dublin zusammenräumt, entdeckt sie unter anderem den Brief von einer Studentin namens Anja Großknecht, der schon ...

Als Kunsthistorikerin Anna Bentorp ihren Schreibtisch wegen der bevorstehenden Professur in Dublin zusammenräumt, entdeckt sie unter anderem den Brief von einer Studentin namens Anja Großknecht, der schon seit 2017 unbeantwortet unter zahlreichen Papieren schlummert. Sie weist auf einen Diebstahl von sakralen Kunstgegenständen, die nicht mehr aufgetaucht sind und möglichen Mord hin, der während der Napoleonischen Kriege im Jahr 1801 in der Nähe von Bonn, inTrondorf, stattgefunden hat. Anna findet das Thema zwar interessant, kontaktiert den Diakon von Trondorf Gregor Bauers, um mehr über die Gegenstände zu erfahren und versucht Anja Großknecht zu erreichen, die seit sieben Jahren spurlos verschwunden zu sein scheint. Eine klare Sache für die Polizei, daher kontaktiert sie Hans Schumann, mit dem sie schon in der Vergangenheit mehrere Verbrechen aufgeklärt hat. Damit ist Anna Bentorp einmal aus dem Spiel und reist nach Irland.

Für Schumann und seinen Kollegen Markus Fechter aus Hannover beginnt nun die Suche nach der Vermissten Anja Großknecht, die letztlich zu einem Cold Case wird, der nun brandheiß wird. Denn Anja wird nicht die Einzige sein, die in diesem mysteriösen, mehr als 200 Jahre zurück liegenden Verbrechen, ermordet wordrn ist. Auch Diakon Bauers gerät in das Visier skrupelloser Täter.

Meine Meinung:

In diesem 9. Fall spielt Margarete von Schwarzkopf ihre ganze Klasse aus! Auch wenn Anna Bentorp nicht persönlich ermittelt, so sind es ihre Neugier sowie ihr Gerechtigkeitssinn, die den Anstoß dazu geben, die alten Verbrechen und die damit verbundenen aktuellen aufzuklären. Crimen criminem invocat - ein Verbrechen zieht ein anderes nach sich - sagten schon die alten Römer.

Hauptrolle diesmal darf der Diakon Gregor Bauers spielen, der durch seine umfangreichen Kenntnisse der Kirchenbücher sowie der Geschichte des Kunstraubs von anno 1801, die Polizei unterstützt.

Mir hat dieser Krimi außerordentlich gut gefallen, der durch seine komplexen Handlungsstränge, die auf mehreren Zeitebenen spielt, besticht. Seit Jahren beschäftige ich mich mit Napoleon, der ganz Europa mit seinen Eroberungskriegen überzogen hat. Seine Raubzüge durch Residenzen besiegter Fürsten, Museen sowie Kirchen und Klöster sind legendär. Auch die Säkularisierung von Klöstern und der Missbrauch von Kirchen als Pferdeställe ist gut bekannt.

Daneben spricht Margarete von Schwarzkopf Themen wie #metoo, Kunstfälschungen und Kunstgegenstände zweifelhafter Provenienz an. Ein Thema, das sich durch die gesamt Reihe rund um Anna Bentorp zieht.

Ich hätte noch Dutzende Seiten weiterlesen mögen. Hoffentlich spinnt Frau Autorin die Reihe weiter.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Kunstkrimi, der auch ohne die tatkräftige Unterstützung von Anna Bentorp, fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die gesamte Reihe.

Veröffentlicht am 23.09.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Das erkaufte Glück
0

Kriminaloberkommissarin Lea Nielsen tritt, nach einigen Jahren als höchst erfolgreiche Ermittlerin beim LKA Hannover ihre neue in Wittmund, Ostfriesland an. Dieser berufliche Abstieg hängt mit ihrer privaten ...

Kriminaloberkommissarin Lea Nielsen tritt, nach einigen Jahren als höchst erfolgreiche Ermittlerin beim LKA Hannover ihre neue in Wittmund, Ostfriesland an. Dieser berufliche Abstieg hängt mit ihrer privaten Situation zusammen, denn ihr alleinstehender Vater, den sie zwar lange Jahre nicht gesehen hat, ist an Demenz erkrankt und braucht langsam Hilfe. Doch mit der geruhsamen Verfolgung von Fahrraddieben und Einfangen verlorener Schafe wird es nichts, denn kurz nach ihrer Ankunft hält die Suche nach der vermissten Maya van Berg die ganze Dienststelle in Atem.

Auch die Kollegen sind von Lea, die noch dazu gleich als Vertreterin des Dienststellenleiters Robert Petersen, fungiert, nicht sonderlich begeistert. Besonders Lars, der sich ebenfalls für diese Stelle beworben hat, macht mit seiner ruppigen Art, sowohl Lea als auch Verdächtigen und Zeugen das Leben schwer.

Dann erhält die Familie ein Video mit der gefangenen Tochter und eine Lösegeldforderung sowie die Anweisung, auf der Website ihrer Mutter eine Sachverhaltsdarstellung zu veröffentlichen. Mayas Mutter ist, ohne entsprechend fundierte Ausbildung, eine erfolgreiche Coachin, deren Methoden ein an eine Sekte erinnern. Zudem ist sie bissig und kooperiert nicht mit der Polizei, der sie unverhohlen mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde droht.

Als dann die Vermisste plötzlich wieder auftaucht und vehement abstreitet entführt worden zu sein, entwickelt dieser Krimi eine Eigendynamik, in der Konflikte in der SoKo aufbrechen und in deren Folge Lea von ihrer Funktion als stellvertretende SoKo-Leiterin enthoben wird.

Doch aufgeben ist Leas Sache nicht und so ermittelt sie gemeinsam mit Julia auf eigene Faust, denn Lea hat ihre ganz eigene Theorie zu diesem mysteriösen Kriminalfall.

Meine Meinung:

Ich kenne schon einige von Anna Johannsens Krimis. Dieser hier hat das Potenzial Auftakt einer neuen Krimi-Reihe zu werden, denn Eintagsfliegen sind nichts für die Autorin.

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen spricht er doch mehrere brisante Themen an. Zu einem halten sich auch nach Jahrzehnten Männerbündnisse im Polizeidienst. Selbst der dämlichste Mann wird gut ausgebildeten und toughen Frauen beim Aufstieg vorgezogen. Ein weiteres interessanter Fokus liegt zum einem auf die Machenschaften von selbst ernannten Coaches, die mitunter mit sektenartigem Mehtoden den Ratsuchenden viel Geld aus der Tasche ziehen, und das auch in Deutschland schwierige Thema der Betreuung von Demenzkranken. Hier scheint sich für Leas Vater eine Lösung abzuzeichnen. Schauen wir einmal, was die Zukunft bringt.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten, die unterschiedlich scharf ausgebildet sind. Auffällig ist, dass aktuell kaum eine Krimi ohne eine lesbische Ermittlerin oder einen schwulen Ermittler auskommt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der mich gut unterhalten hat, 5 Sterne