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Veröffentlicht am 10.10.2025

✎ Andreas Völlinger - Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber

Leos wilde Abenteuer – Mond-Fieber
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Wer hat als Kind nicht davon geträumt, den Mond zu besuchen? In „Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber“ lässt Andreas Völlinger diesen Traum mit Witz, Spannung und einem Schuss Wissenschaft Wirklichkeit werden.

Gemeinsam ...

Wer hat als Kind nicht davon geträumt, den Mond zu besuchen? In „Leos wilde Abenteuer 3 Mond-Fieber“ lässt Andreas Völlinger diesen Traum mit Witz, Spannung und einem Schuss Wissenschaft Wirklichkeit werden.

Gemeinsam mit Leo, seiner erfinderischen Tante Agnetha und dem Haushaltsroboter Albert geht es auf ein galaktisches Abenteuer zum Mond. Schon beim Start in der „Amelia“ spürt man: Diese Geschichte ist anders - spannend, lehrreich und voller Fantasie. Der Autor verbindet Wissen über die Mondlandung und die besonderen Bedingungen auf dem Mond mit einer Handlung, die unterhält und gleichzeitig neugierig macht.

Die Kapitel sind angenehm kurz, die Schrift gut lesbar - ideal für geübte Leseanfänger*innen. Besonders gelungen finde ich die Balance zwischen Wissensvermittlung und Abenteuer: Man erfährt ganz nebenbei viel über den Mond und seine Eigenheiten, ohne dass es je belehrend wirkt. Wissen, das mit Emotionen verknüpft ist, bleibt einfach besser im Kopf.

Leo und Tante Agnetha bilden ein starkes Team - kreativ, mutig und herzlich. Auch Albert trägt mit seinen Eigenheiten zum Charme der Geschichte bei. Es wird gelacht, wenn etwas nicht ganz rund läuft, und zugleich spürt man Respekt vor Technik und Wissenschaft. Der Ton bleibt locker und freundlich, perfekt für Kinder ab etwa sieben Jahren zum Selberlesen oder zum gemeinsamen Vorlesen.

Für meine 7-Jährige, die zwar gerne und gut liest, sich von viel Text aber schnell erschlagen fühlt, war es an manchen Stellen etwas zu konzentriert. Der Textumfang kann für Erstlesende daher schon herausfordernd sein. Wir haben das Problem einfach gelöst, in dem wir uns beim Lesen abgewechselt haben. So hatten wir auch noch wunderbare Mama-Kind-Momente.

Ein echtes Highlight sind die Illustrationen von David Füleki. Die frühere Ausgabe erschien in Schwarz-Weiß, die neue ab 2025 endlich farbig - und das hebt das Leseerlebnis enorm. Die Mimik wirkt lebendiger, Details treten hervor. Mein Kind meinte treffend: „Farben machen einfach alles schöner.“

Unser Exemplar wird in unsere Schulbibliothek einziehen und hoffentlich viele kleine Mond-Fans begeistern. Für Familien und Schulen sehe ich das Buch als lohnende Wahl, weil es Kinder motiviert, sich mit dem Weltraum auseinanderzusetzen, ohne sie zu überfordern.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 26.09.2025

✎ Anja Janotta - Krawall im Klassenzimmer 1 Hitzefrei für alle!

Krawall im Klassenzimmer - Hitzefrei für alle!
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Als Schülerin war ich immer eine der Ruhigen und spielte niemandem Streiche. Ich erinnere mich auch gar nicht daran, dass Späße an meiner Schule jemals häufig waren. Jetzt, da mein Kind zur Schule geht, ...

Als Schülerin war ich immer eine der Ruhigen und spielte niemandem Streiche. Ich erinnere mich auch gar nicht daran, dass Späße an meiner Schule jemals häufig waren. Jetzt, da mein Kind zur Schule geht, wünsche ich mir, dass der Alltag ebenso friedlich bleibt - doch die Realität sieht anders aus.

In den letzten Jahren gab es einige Vorfälle an unserer Schule: zerbrochene Spiegel auf den Toiletten, mit Edding beschmierte Geländer, Deo ins Gesicht, geklaute ApplePens - Aktionen, die zeigen, dass Respekt und Rücksicht offenbar verloren gehen. Ich sehne mich nach einer Atmosphäre, in der Schülerinnen und Schüler mit Gelassenheit handeln und vielleicht auf kreative, harmlose Streiche setzen statt Zerstörung.

„Krawall im Klassenzimmer 1 Hitzefrei für alle!“ von Anja Janotta greift genau diese Themen auf. Das Buch handelt von einem Wettstreit zwischen zwei Klassen, 5d gegen 5a, kurz vor den Sommerferien, als Fritzi und Nils sich gegenseitig mit Streichen herausfordern, damit die Schule Kopf steht.

Der Unterhaltungswert ist hoch, Lachen garantiert, und ebenso merkt man, wie sich Machtspiele, Gruppendruck und Rivalitäten zuspitzen.

Der Stil ist flüssig, leicht zu lesen, ideal auch für Kinder, die noch nicht routinierte Lesende sind. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Perspektivwechsel zwischen Nils und Fritzi bringt Abwechslung. Auch die Rolle von „Das blaue Auge“, das kommentierend dazwischen liegt, lockert das Ganze auf.

Ich finde Streiche nicht per se störend, solange niemand verletzt wird und sie ein bisschen Humor haben. Nur bei einem der Streiche fragte ich mich kurz, ob man nicht auch an die Umwelt denken sollte - ein Punkt, der zwar nicht im Fokus des Buches steht, aber reflektiert werden darf.

Vom Verlag stammt die Empfehlung „ab 10 Jahren“. Ich denke, geübte Lesende könnten bereits ab 8 / 9 Jahren starten, besonders wenn sie Spaß an Schulgeschichten haben und mit solchen Konflikten umgehen können.

Beim Lesen der Streiche fragte ich mich als Mama manchmal, wo genau die Grenze zwischen lustigem Unfug und Respektlosigkeit gezogen wird. Anja Janotta hat das in meinen Augen sehr gut umgesetzt. Bei den Streichen kommt niemand zu Schaden und Kinder werden zum Nachdenken angeregt - nicht nur darüber, was Spaß macht, sondern auch, was verantwortbares Verhalten ist.

Für uns war der Ausflug in die 5. Klasse spannend und unterhaltsam. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und freue mich auf die nächsten Teile dieser Reihe. Ich glaube, dieses Buch ist ein guter Impuls, um mit Kindern über Verhalten, Verantwortung und Gemeinschaft zu sprechen - und nebenbei auch einfach zum Vergnügen beim Lesen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.09.2025

✎ Rashid Hamid - Freundschaft kennt kein Alter

Freundschaft kennt kein Alter
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Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. ...

Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. Erst als ich auf das Hörbuch „Freundschaft kennt kein Alter - Wie Oma Lotti und alle anderen mein Leben verändert haben“ von Rashid Hamid aufmerksam wurde, habe ich mich bewusst damit auseinandergesetzt. Vielleicht lag es auch daran, dass eine meiner Angehörigen selbst keine guten Erfahrungen mit einem Pflegedienst gemacht hat und ich deshalb neugierig war, wie jemand aus der Praxis darüber berichtet.

Hamid erzählt in seinem Buch von Begegnungen mit älteren Menschen, die er betreut, und schafft es, ihre Lebensgeschichten mit großem Respekt und spürbarer Zuneigung zu schildern. Auch wenn mir außer Oma Lotti niemand ein Begriff war, habe ich schnell gemerkt, wie einzigartig und berührend die Biografien sind. Diese Erzählungen holen die Menschen aus der Anonymität der Pflege heraus und machen sie zu Persönlichkeiten, die man nicht so schnell vergisst.

Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Wärme, Humor und Empathie in seinen Worten mitschwingen. Man spürt, dass er die Pflege nicht als lästige Pflicht, sondern als Begegnung auf Augenhöhe versteht. Gerade in einer Zeit, in der oft über Personalmangel, Überforderung und Gleichgültigkeit im Pflegealltag berichtet wird, wirkt seine Haltung erfrischend und hoffnungsvoll. Ich wünsche mir, es gäbe mehr Menschen in diesem Beruf, die ihre Arbeit mit so viel Herz ausüben. Denn hier geht es nicht um Routinen oder Abläufe, sondern um das Leben und die Würde von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Die sehr emotionale Erzählweise empfand ich persönlich als bereichernd. Diese Nähe macht das Buch authentisch und hebt es von nüchternen Erfahrungsberichten ab.

Für mich ist „Freundschaft kennt kein Alter“ mehr als nur ein Einblick in den Pflegealltag. Es ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und für das, was Begegnungen zwischen Generationen möglich machen können. Der Pfleger zeigt, dass selbst in schwierigen Situationen Freundschaft und Vertrauen eine Brücke schlagen - und dass daraus Beziehungen entstehen, die das Leben nachhaltig verändern können.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 29.08.2025

✎ Lorenz Pauli & Sonja Bougaeva - Fips hört ein PIEPS

Fips hört ein PIEPS
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Meine Tochter soll laut Lehrerin täglich etwa zehn Minuten lesen. Für mich, die ständig mit einem Buch in der Hand gesehen wird, klingt das nach einer Kleinigkeit - für sie hingegen ist es eine echte Herausforderung. ...

Meine Tochter soll laut Lehrerin täglich etwa zehn Minuten lesen. Für mich, die ständig mit einem Buch in der Hand gesehen wird, klingt das nach einer Kleinigkeit - für sie hingegen ist es eine echte Herausforderung. Obwohl sie schon mit knapp vier Jahren ihre ersten Wörter selbst erlesen hat, hat sie bis heute keine große Begeisterung fürs Lesen entwickelt. Damit sie nicht (gänzlich) die Freude daran verliert, greife ich momentan bewusst zu Büchern aus der Kleinkindzeit, in denen Bilder dominieren und die Texte überschaubar sind. So wirkt das Lesen weniger wie eine Hürde.

Ich weiß, dass sie jetzt in der 2. Klasse die erste Pflichtlektüre haben und ich bin gespannt, wie mein Kind das meistern wird.

Neulich fiel mir dabei „Fips hört ein PIEPS“ von Lorenz Pauli und Sonja Bougaeva wieder in die Hände. Sie kennt die Geschichte zwar schon, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil: Gerade das Wiederholen erleichtert ihr den Zugang zu den Wörtern. Entscheidend ist für mich, dass sie sieht, wie Sprache funktioniert, wie Wörter geschrieben aussehen – und dass sie die Chance hat, sich diese selbst zu erlesen und dabei kleine Erfolge feiern kann. Die gelungenen Reime tun dabei ihr Übriges.

Die Geschichte selbst ist humorvoll und leicht zugänglich. Ein winziges Pieps löst eine überraschende Kettenreaktion aus, die uns beide zum Schmunzeln bringt. Am Ende wird das Kind sogar direkt aufgefordert, selbst aktiv zu werden.

Auch die Illustrationen tragen dazu bei, dass die Geschichte lebendig wirkt. Die klaren Gesichter machen Gefühle sofort erkennbar und erleichtern das Mitfühlen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass kleinere Kinder die wiederkehrenden Geräusche bald selbst nachahmen und dadurch spielerisch in die Sprache hineinwachsen. Und wer glaubt, mit der letzten Seite sei alles vorbei, wird mit einer charmanten Überraschung belohnt.

Nach den Ferien darf unser Exemplar in die Kindergartenbibliothek einziehen. Vielleicht erleben dann noch viele andere Kinder diesen kleinen Funken, den „Fips hört ein PIEPS“ entzünden kann.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.08.2025

✎ Mac Barnett & Jon Klassen - Extra Garn

Extra Garn
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Leider ist „Extra Garn“ von Mac Barnett und Jon Klassen inzwischen nur noch gebraucht erhältlich, was wirklich schade ist, denn dieses Bilderbuch hat mich sofort gepackt. Es erzählt auf einfache, fast ...

Leider ist „Extra Garn“ von Mac Barnett und Jon Klassen inzwischen nur noch gebraucht erhältlich, was wirklich schade ist, denn dieses Bilderbuch hat mich sofort gepackt. Es erzählt auf einfache, fast schlichte Weise eine Geschichte, die voller Symbolkraft steckt.

Für mich steckt darin die klare Botschaft: Nicht alles im Leben lässt sich mit Geld kaufen, und manche Geheimnisse bleiben verborgen, egal wie sehr man versucht, sie an sich zu reißen. Gleichzeitig spürt man zwischen den Zeilen, dass es Menschen gibt, die einem nichts gönnen - und dass genau darin die Kraft des Weitergebens liegt.

Beim Lesen wurde mir bewusst, wie treffend das Buch zeigt, dass wir im Geben nicht ärmer, sondern reicher werden. Was Annabelle mit ihrem Garn tut, widerspricht der gängigen Logik: Je mehr sie verschenkt, desto mehr hat sie. Diese Idee hat mich schon lange begleitet, denn ich glaube fest daran, dass sich Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe vervielfältigen, wenn man sie teilt. Die Garnkiste wird so zu einem Sinnbild für all das, was wir im Leben in Umlauf bringen können, ohne es je zu verlieren.

Gleichzeitig ist mir beim Nachdenken noch eine zweite Botschaft aufgefallen: Wahre Schönheit und Inspiration wollen nicht eingefangen oder besessen werden. Sie entfalten ihre Wirkung erst, wenn wir sie teilen. Das Buch macht deutlich, dass der Versuch, Schönheit nur für sich selbst zu horten, sie letztlich zerstört. Annabelles offene Haltung hingegen zeigt, dass wir gewinnen, wenn wir das Leuchten weitergeben.

Manche mögen das Buch als zu schlicht empfinden, doch gerade diese Schlichtheit ist für mich die Stärke des Buches: Es fordert dazu heraus, zwischen den Zeilen zu lesen, eigene Schlüsse zu ziehen und die Botschaft ins eigene Leben mitzunehmen.

So bleibt „Extra Garn“ für mich ein kleines Meisterwerk, das zeigt, wie großzügiges Handeln und das Teilen von Schönem die Welt bunter machen können. Vielleicht ist genau das der eigentliche Zauber: dass der Vorrat tatsächlich nicht endet, solange wir bereit sind, ihn weiterzugeben.

©2025 Mademoiselle Cake