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Kobina

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2025

Mehr Lehrbuch als Roman

Katabasis
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Nach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere ...

Nach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere zurückgelassen; weder besonders gut noch besonders schlecht.

Die Idee klang fantastisch: Was, wenn alle literarischen Berichte von der Hölle tatsächlich reale Erfahrungen sind? Alice Law, Studentin der „analytischen Magie“, und ihr Gegenspieler Peter Murdoch steigen hinab in die acht Höfe der Unterwelt, um ihren Mentor zurückzuholen. Ein an sich episches Setting voller Mythologie, Religion, Mathematik und Philosophie – das hätte groß werden können.

Allerdings verliert sich die Autorin zu sehr in endlosen Referenzen an eben jene Disziplinen. Statt als Teil der Geschichte wirken diese Einschübe wie reine Demonstration akademischen Wissens, was den Lesefluss massiv hemmt. Viele Passagen fühlten sich eher wie ein Lehrbuch als wie ein Roman an. Auch die Figuren – insbesondere Alice und Peter – blieben für mich blass und schwer greifbar, was den emotionalen Zugang erschwerte.

Insgesamt also ein Werk voller Ambition, aber wenig Spannung. Atmosphärisch stark gestartet, dann aber zu überladen und distanziert. Empfehlenswert nur für Lesende, die Freude an akademischen Exkursen haben und viel Geduld mitbringen. im Gegensatz zu Babel, wo sämtliches Wissens passend eingearbeitet wurde, schlgät Katabasis nämlich mit dem Holzhammer um sich.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Viel Authentizität, aber wenig Plot

Grand Hotel Avalon
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Nachdem ich es bis heute leider noch nicht geschafft habe, die Ravenboys von Maggie Stiefvater zu lesen, war die Freude groß, als ich über NetGalley zum Hörbuch von "Grand Hotel Avalon" (im englischen ...

Nachdem ich es bis heute leider noch nicht geschafft habe, die Ravenboys von Maggie Stiefvater zu lesen, war die Freude groß, als ich über NetGalley zum Hörbuch von "Grand Hotel Avalon" (im englischen Original "The Listeners") zugelassen wurde.

Anfangs war ich sehr gespannt, doch leider musste ich das Buch bei ziemlich genau der Hälfte abbrechen. Der Grund: Es gibt keinen wirklichen Plot. Stattdessen fühlt es sich mehr wie Slice of Life an – ein Blick in den Alltag eines Hotels zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, das für die Diplomaten und Diplomatinnen der Achsenmächte zweckentfremdet wird. Das klingt auf dem Papier spannend, entwickelt sich aber nicht wirklich weiter und blieb für mich dadurch einfach zu langatmig. Es war kein Graus zu lesen (bzw hören), aber mein Stapel ungelesener Bücher ist hoch und meine Zeit somit zu begrenzt, um sie einem Buch zu widmen, das keine wirklichen Gefühle in mir auslöst.

Trotzdem vergebe ich drei Sterne. Denn Stiefvaters Schreibstil ist ohne Frage flüssig und atmosphärisch, und gerade im Hörbuchformat konnte ich das sehr genießen. Was mich allerdings wirklich gestört hat, war die Übersetzung: Es wird mehrfach erwähnt, dass die Protagonistin einen bäuerlichen Dialekt spricht – im Deutschen wurde dieser Aspekt jedoch gar nicht übertragen, wodurch ein wichtiges Charakterdetail verloren geht. Die ständige Erwähnung ihrer eigenen Art zu sprechen wirkte dadurch nervig und fehl am Platz.

Ein Pluspunkt: die Darstellung des autistischen Mädchens. Ihre Innenwelt ist sehr authentisch beschrieben und bietet nachvollziehbare Einblicke in ihre Wahrnehmung. Besonders hängengeblieben ist mir die Formulierung: „Das Essen schmeckte laut und die Kleidung sang auf ihrer Haut.“ Das war für mich bisher der stärkste Moment des Buches.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Emotional an allen Stellen unzureichend

Crash Test
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Pitched als Red, White & Royal Blue trifft F1? Ja, bitte – dachte ich zumindest. In der Umsetzung war das Ganze dann aber eher ein Crash Test im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Problem: Wir verbringen quasi ...

Pitched als Red, White & Royal Blue trifft F1? Ja, bitte – dachte ich zumindest. In der Umsetzung war das Ganze dann aber eher ein Crash Test im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Problem: Wir verbringen quasi keine Zeit damit, Travis und Jacob beim Verlieben zuzusehen. Stattdessen liegt Jacob die halbe Handlung im Koma, während Travis in Rückblenden über ihre Beziehung nachdenkt. Als Jacob dann endlich aufwacht, sind die beiden entweder die meiste Zeit getrennt oder es gibt es kaum emotionale Tiefe, sondern ein „ach ja, wir lieben uns wohl immer noch“.

Strukturell war das Buch ebenfalls ein ziemliches Chaos: drei Sektoren (immerhin ein F1-Wortspiel), komplett unterschiedliche POV-Aufteilungen, null Flow. Das meiste wurde in Rückschauen erzählt statt gezeigt – und so blieb die Beziehung leer und spannungslos.
Jacob selbst war für mich eine wandelnde Redflag: homophobe Eltern, keine klare Entschuldigung, null echte Reue. Travis wirkte zwar sympathischer, hatte aber auch wenig Biss und ließ sich alles gefallen. Emotionaler Payoff? Fehlanzeige.

Positiv hervorheben möchte ich immerhin die Grundidee: ein queeres, geheimes Verhältnis in der Welt des Motorsports hätte richtig spannend werden können. Die ersten Krankenhaus-Szenen hatten auch tatsächlich Gewicht.
Das Hörbuch war ordentlich eingesprochen, aber da hörte es dann leider auch schon wieder auf. Der Sprecher von Travis ist leider vieles, nur nicht gut darin, Emotionen rüber zu bringen. Bereits zu Beginn hatte ich mich über die Wahl der beiden Sprecher gewundert, die afaik beide noch keiner Romance ihre Stimme geliehen hatten - und das merkt man leider auch. Schade, denn oft genug können gute Sprecher:innen einen mittelmäßigen Plot ausgleichen.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Viel Wind um (noch) nicht viel

The Wind Weaver (The Wind Weaver 1)
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Ich habe das deutsche Hörbuch gehört (vielen lieben Dank an NetGalley für die Freigabe!) – und gleich vorneweg: Die Sprecherin ist einfach ein Traum. Ich kannte sie schon von „Empire of Sins and Souls“ ...

Ich habe das deutsche Hörbuch gehört (vielen lieben Dank an NetGalley für die Freigabe!) – und gleich vorneweg: Die Sprecherin ist einfach ein Traum. Ich kannte sie schon von „Empire of Sins and Souls“ und habe mich sehr gefreut, ihre warme, klare und emotional mitreißende Stimme wiederzuhören. Ganz großes Plus!

Die Story selbst... tja. Die war okay. Es ist irgendwie das Problem vieler neuer Romantasy-Bücher: Man hat inzwischen so viel gelesen, dass die Messlatte immer höher liegt. „The Wind Weaver“ erfindet das Genre definitiv nicht neu. Die Welt mit ihrem klassischen Vier-Elemente-System ist solide, aber eben nichts, was man nicht schon mal irgendwo gesehen hätte.

Worauf ich zudem sehr hoffe: Ein Love Triangle. Denn der bisherige Loveinterest ist wirklich... nein. Einfach nein. Absolut unshipbar. Ich habe bei jedem anderen Mann, mit dem Rhya (die Protagonistin) mehr als drei Sätze gewechselt hat, gedacht, dass der SO viel nicer für sie wäre als Pendefyre (dessen Name zwar leider viel an Spannung bezüglich seiner Magieart wegnimmt, aber trotzdem mindestens genau so cool ist wie Rhyas). Ich hoffe darauf, dass das mit ihm so ein Tamlin-Ding wird - toxisch männlich genug wäre er dafür.

Rhya selbst ist okay, kommt aber nicht ganz gegen die tollen Nebenfiguren an, die für mich eindeutig das Herz des Buches waren. Alle anderen waren spannender, sympathischer – einfach runder gezeichnet.

Schreibstil: angenehm zu lesen, flüssig, aber ohne große Highlights. Und wie gesagt – wenn man auf Magie à la Feuer, Wasser, Erde, Luft steht, dann liefert das Buch hier echt solide Fantasykost.

Fazit:
„The Wind Weaver“ ist kein Gamechanger, aber auch kein Flop. Die Basis ist gelegt, die Welt steht, die Charaktere (außer dem [bisherigen] Protagonisten) haben Potenzial. Wenn die Autorin das im nächsten Band gut weiterentwickelt, könnte das Ganze noch richtig Spaß machen. Ich bin vorsichtig optimistisch – und hoffe auf eine romantische Wendung in die richtige Richtung.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Ketten, Kraft und Konfusion

Dark Labyrinth – Gefährliches Verlangen
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Dark Labyrinth habe ich als Hörbuch genossen – und das war definitiv die richtige Entscheidung. Die Sprechenden sind überzeugend, mit angenehmem Tempo und gut aufeinander abgestimmt. Zwar hätte ich mir ...

Dark Labyrinth habe ich als Hörbuch genossen – und das war definitiv die richtige Entscheidung. Die Sprechenden sind überzeugend, mit angenehmem Tempo und gut aufeinander abgestimmt. Zwar hätte ich mir für den männlichen Part etwas mehr Härte in der Stimme gewünscht, damit er besser zum Charakter passt, aber das ist wirklich Kritik auf hohem Niveau.

Inhaltlich ist das Buch definitiv etwas für Menschen, die sich im dunkleren Vibe von Bondage, Unterwerfung und Machtfantasien zuhause fühlen – und nein, Smut nimmt nicht den Hauptteil ein. Es geht vielmehr um die Atmosphäre und das Magiesystem, das mir persönlich extrem gut gefallen hat: Macht durch freiwilligen Schmerz und Unterwerfung? Yes, please. Ein frischer, ungewöhnlicher Ansatz, der sich konstant durch das Buch zieht.

Weniger überzeugend war dagegen das Pantheon, das zwar eine größere Welt andeutet, aber leider wenig Tiefe oder Reiz mitbringt. Hier wurde Potenzial verschenkt.

Problematisch wird’s beim Plot: Die Geschichte trägt sich fast ausschließlich über zwei Figuren und ihre Gespräche. Leider sind beide nicht spannend genug, um das dauerhaft zu leisten. Das Tempo leidet, ebenso wie die Spannung – es fühlt sich an, als würde man auf ein Feuerwerk warten, das dann nie so richtig zündet.

Der Twist am Ende? Tja… weird. Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht sicher, ob auf die gute oder schlechte Weise. Überraschend war er, das auf jeden Fall.

Scheinbar wird es einen zweiten Band geben?! Zumindest wird es auf Bookbeat als "Dilogie" angegeben. Das war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst und die abgeschlossene Handlung deutet auch nicht darauf hin. Wenn dem tatsächlich so ist, bin ich mir allerdings noch nicht sicher, ob ich mir den geben möchte. Wenn, dann hauptsächlich aufgrund des Magiesystems, von dem ich gerne noch mehr lesen möchte!

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