Mehr Lehrbuch als Roman
KatabasisNach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere ...
Nach Babel (für mich ein Meisterwerk) und Yellowface (für mich maximal ein netter Zeitvertreib) war ich extrem gespannt auf Kuangs neues Werk. Katabasis hat mich am Ende allerdings in einer seltsamen Leere zurückgelassen; weder besonders gut noch besonders schlecht.
Die Idee klang fantastisch: Was, wenn alle literarischen Berichte von der Hölle tatsächlich reale Erfahrungen sind? Alice Law, Studentin der „analytischen Magie“, und ihr Gegenspieler Peter Murdoch steigen hinab in die acht Höfe der Unterwelt, um ihren Mentor zurückzuholen. Ein an sich episches Setting voller Mythologie, Religion, Mathematik und Philosophie – das hätte groß werden können.
Allerdings verliert sich die Autorin zu sehr in endlosen Referenzen an eben jene Disziplinen. Statt als Teil der Geschichte wirken diese Einschübe wie reine Demonstration akademischen Wissens, was den Lesefluss massiv hemmt. Viele Passagen fühlten sich eher wie ein Lehrbuch als wie ein Roman an. Auch die Figuren – insbesondere Alice und Peter – blieben für mich blass und schwer greifbar, was den emotionalen Zugang erschwerte.
Insgesamt also ein Werk voller Ambition, aber wenig Spannung. Atmosphärisch stark gestartet, dann aber zu überladen und distanziert. Empfehlenswert nur für Lesende, die Freude an akademischen Exkursen haben und viel Geduld mitbringen. im Gegensatz zu Babel, wo sämtliches Wissens passend eingearbeitet wurde, schlgät Katabasis nämlich mit dem Holzhammer um sich.