Faszinierender Anfang
Halbgott / Halbgott 1Kilian ist ein Findelkind und im Tempel erzogen von seinem Ziehvater, dem Priester Pregar. Der Junge dient als Novize, weiß aber noch nicht so ganz, ob er tatsächlich auch Priester werden will. Kilians ...
Kilian ist ein Findelkind und im Tempel erzogen von seinem Ziehvater, dem Priester Pregar. Der Junge dient als Novize, weiß aber noch nicht so ganz, ob er tatsächlich auch Priester werden will. Kilians Leben läuft ansonsten beschaulich in der Stadt ab. Bis zu jenem Tag, als der Neffe des Markgrafen zu ihm kommt, um ihn zu überreden, nahe des verfluchten Waldes nach Alraun-Wurzeln zu suchen. Pregar nimmt den beiden Jugendlichen das Versprechen ab, bis zum Abend wieder zurück zu sein. Doch einmal dort draußen nahe des Moors und des Waldes, sieht es ganz anders aus.
Dieser Tag verändert Kilians Leben. Nichts ist mehr, wie es ihm erschienen ist ...
Die Welt, die Helm hier geschaffen hat, ist größer als wir zu Beginn wissen. Es wird beschrieben, dass es noch einen anderen Kontinent gibt, dass der Kontinent, auf dem die Handlung spielt, wesentlich größer ist. Doch alles bezieht sich auf diesen kleinen Flecken auf der Landkarte, den Kilian kennt. Und es ist gut so, denn auf diese Weise lernt der Leser diese Welt nach und nach vor allem durch Kilians Augen kennen.
Der Wald, der da so bedrohlich unweit der Stadt lauert, gilt als verflucht. Ja, niemand, der je hinein gegangen ist, soll wieder herausgekommen sein. Von schrecklichen Toden ist die Rede. Doch, wie Gunald so passend bemerkt, woher weiß man eigentlich wirklich, dass niemals jemand lebendig den Wald verlassen hat und von diesen schrecklichen Todesfällen, wenn es keine Zeugen gibt? Eine berechtigte Frage, und sie lässt die beiden Jugendlichen sich dazu verleiten, doch im Hain zu bleiben, trotz des Versprechens, das sie Pregar gegeben haben.
Und tatsächlich lauert etwas im Wald, etwas uraltes und dunkles namens Corbal. Ein Unsterblicher, den die Alben verbannt haben und über ihn wachen. Er ist der Grund, warum der Wald nicht betreten werden darf, doch das wissen Kilian und Gunald nicht - bis es dann zu spät ist.
Helm hat einen flüssigen Stil, seine Handlung baut sich schlüssig auf und seine Charaktere sind nachvollziehbar und vielschichtiger, als es zunächst den Anschein hat. Es schimmert immer wieder durch, so wie bei Kilian, der nun wirklich und ehrlich nichts weiß. In seiner Umgebung geschehen Dinge, die er nicht beeinflussen kann. Oder sein Meister Pregar, der offensichtlich sehr, sehr viel mehr weiß als er seinem Schützling (und allen anderen) weiß macht.
Die Stadt lebt, die Figuren leben in ihr. Man meint fast, die Sonne selbst auf einen niederbrennen zu fühlen an einigen Stellen. Der Leser lernt die Stadt während des Lesens kennen nebst ihrer Bewohner. Eine mittelalterliche Stadt, vielleicht ein kleines bisschen zu perfekt an der Oberfläche. Doch unter diese brodelt es.
Corbus ist ein interessanter Charakter. Zu Beginn ist er definitiv böse und von Rachedurst getrieben. Der Wunsch nach Rache bleibt, doch mit den Seiten kommen ihm immer wieder Zweifel, während er es auf der anderen genießt, Kilian in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Frage ist, wie geht es mit ihm weiter? Wenn es diese anderen Götter tatsächlich gibt, werden sie es ohne Kommentar hinnehmen, dass er auf der Welt Unfrieden stiftet?
Da ist die Magd Rajona, die ihre Familie mit ihrem Auskommen über Wasser hält. Sie ist angewiesen auf ihren Arbeitsplatz. Doch dann passiert, was nicht passieren darf und der Markgraf fällt über sie her. An dieser Stelle möchte ich den Autor loben. Ich lese solche Szenen nicht sehr gern aus persönlichen Gründen. Meist sind sie nicht sonderlich geschmackvoll und voller Inplikationen. Vor allem das danach wird von den meisten Autoren grob behandelt. Ist eben passiert - weitermachen! Helm beschreibt hier das Gegenteil. Er geht nicht zu dicht an Rajona heran, ein, zwei Dinge fehlten mir hier, um die Szene perfekt zu machen, als sie sich selbst im Badebottich wiederfindet. Aber es war gut, sehr gut geschildert - und das von einem Mann. Da sollten sich die meisten Autorinnen mal eine SEHR dicke Scheibe von abschneiden, meine Damen!
Die Alben im Wald sind offensichtlich in wenigstens zwei Lager gespalten: die, die tief im Inneren ein friedliches Dasein fristen, und den Wächtern, die das Äußere bewachen und dafür sorgen, dass niemand (oder fast niemand) lebend den Wald verlässt. Die drei Wächter, die wir hier kennen lernen könnten unterschiedlicher nicht sein: der Älteste Falbewin, mitverantwortlich für Corvins Schicksal, der sehr düster rüberkommt. Oniwin, der dem Ältesten ohne Fragen folgt. Und dann ist da noch Dilayn, der gerade erst zum Wächter aufgestiegen ist und alles in Frage stellt. Er scheint auch der offenste der drei zu sein und der mit den meisten Emotionen.
Alles in allem ein gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe, die Fantasy-Fans nicht verpassen sollten. Es gibt zwar wenig Action, dafür aber jede Menge Spannung und Geheimnisse und eine ungeklärte Herkunft in Kilian. Ein wirklich empfehlenswerter Roman.