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Veröffentlicht am 27.09.2025

Wieder ein großes Lesevergnügen, witzig, skurril und spannend

Frau Morgenstern und die Offenbarung
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Die pensionierte Lehrerin und Auftragsmörderin Frau Morgenstern lebt inzwischen mit Freund und Kollege Miguel Schlunegger und seinen 5jährigen Zwillingstöchtern als Patchworkfamilie in ihrem Haus und teilt ...

Die pensionierte Lehrerin und Auftragsmörderin Frau Morgenstern lebt inzwischen mit Freund und Kollege Miguel Schlunegger und seinen 5jährigen Zwillingstöchtern als Patchworkfamilie in ihrem Haus und teilt sich mit Miguel eine Stelle beim Tell-Killerministerium. Falls der Lila-Lady das Familienleben mal zu viel wird, kann sie nach Gozo zu ihrem Geliebten Maurice flüchten. Ein neuer Auftrag, bei dem es um die Eliminierung von gleich 11 Personen geht, macht die Teilzeitarbeit vorübergehend unmöglich, zum Glück kann Violettas zweiter Liebhaber Rittmeyer als Babysitter einspringen, da Frau Morgenstern und Herr Schlunegger bei Tell momentan voll eingespannt sind.
Sowohl beruflich als auch privat geht es turbulent zu bei der Mordslady und Miguel.
Marcel Huwyler bindet wichtige Details aus den vorangegangenen Büchern sehr gekonnt in die aktuelle Handlung ein, so dass meiner Meinung nach auch Neueinsteiger gut mitkommen. Mit schwarzem Humor, Wortwitz, Situationskomik und lebendige Bilder erzeugenden Wortschöpfungen erzählt der Sprachakrobat Huwyler eine originelle Geschichte, die einfallsreich und spannend nicht nur das Agententhriller-Genre parodiert.

Auch verschiedene Perspektiven sorgen für ein rasantes, kurzweiliges Lesevergnügen, wobei die Figurenzeichnung bei allen Charakteren überzeugt, sie haben Tiefe und wirken authentisch. Marcel Huwyler ist es in diesem siebten Band großartig gelungen, seine Protagonisten und damit ihre Geschichte weiter zu entwickeln. Violetta hat ungewöhnliche Ideen wie eh und je, aber sie ist jetzt auch eine liebevolle Oma, der ehemalige Söldner Miguel ist zum hingebungsvollen und stolzen Vater geworden, die neuen Charaktereigenschaften bereichern beide Figuren und machen sie noch liebenswerter, was ich kaum für möglich gehalten hätte. Ich hatte sehr viel Spaß, habe gelacht und geschmunzelt, auch dieser geniale siebte Band um Frau Morgenstern hat mich bestens unterhalten.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.09.2025

Mehr als ein Regionalkrimi

Alles hat ein Ende
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Die pensionierte Kriminalkommissarin Frederike Suttner lebt mit ihrem Kater Hannelore in der Vulkaneifel, sie hat ihre Neugier und ihren Spürsinn nicht verloren und wird auf den rätselhaften Todesfall ...

Die pensionierte Kriminalkommissarin Frederike Suttner lebt mit ihrem Kater Hannelore in der Vulkaneifel, sie hat ihre Neugier und ihren Spürsinn nicht verloren und wird auf den rätselhaften Todesfall einer vorher gesunden Frau aus einem Nachbardorf aufmerksam, die über ihrer herzhaften Mahlzeit 'Himmel un Ääd' tot zusammengebrochen ist. Und ihre Nichte Angela quartiert sich bei ihr ein, sie verdächtigt ihren Lebensgefährten Frank, eine andere zu haben, so dass sie ihm noch nichts von ihrer Schwangerschaft erzählt hat.

Einige wenige Male werden vergangene Begebenheiten kurz erwähnt, was die Beziehung der Figuren zueinander deutlicher macht, aber die gelungene Charakterisierung der sympathischen Protagonisten und auch der interessanten Nebendarsteller macht es mir leicht, mit diesem 6. Band in die Reihe einzusteigen, ich hatte nie das Gefühl, dass mir Vorwissen fehlt.

Frederike ist einfallsreich, scharfsinnig und unerschrocken, sie will mehr zum Todesfall herausfinden und sie will wissen, was mit Frank los ist. Unterstützt wird sie bei ihren Nachforschungen von Franks Onkel Willi, ehemaliger forensischer Psychologe, und seinen lebhaften Mitbewohnern im Stift und auch die Bekanntschaft von Franks Chef bei der Mordkommission und Kollegen in anderen Dezernaten weiß Frederike zu nutzen.

Andrea Revers schreibt lebendig und humorvoll, ihre Figuren sind vielschichtig und psychologisch glaubwürdig, Frederike lässt an ihren Gedanken und Überlegungen teilhaben, so dass ich nah am Geschehen bin und miträtseln kann.
Die Autorin zeichnet ein realistisches Bild der ländlichen Eifel, in der Geschäftsleute keine Nachfolger finden und sich Neuigkeiten zuverlässig und schnell von Dorf zu Dorf verbreiten, wo aber auch der Zusammenhalt der Menschen groß ist. Die Autorin bringt durch ihr Wissen um Süchte, Drogenkonsum und Vertriebswege von Drogenkartellen auch ernste und aktuelle Aspekte in die spannende Handlung ein.
Ich habe den wendungsreichen Krimi mit seinem nervenaufreibenden Showdown und der komplexen Auflösung sehr gern gelesen, er hat mich bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Über die unglaubliche Intelligenz des Lebens

Organisch
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Begegnungen mit Patienten, deren Symptome andeuten, dass sie mit sich und ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, lassen die Ärztin Giulia Enders darüber nachdenken, ob der Mensch nicht von der Interaktion ...

Begegnungen mit Patienten, deren Symptome andeuten, dass sie mit sich und ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, lassen die Ärztin Giulia Enders darüber nachdenken, ob der Mensch nicht von der Interaktion seines Körper mit der Außenwelt lernen kann. Unsere Organe zeigen uns, welche Bedürfnisse da sind und wie sie sie befriedigen.
Für medizinische Laien verständlich, lebendig, unterhaltsam und streckenweise sogar spannend erzählt die Autorin von erstaunlichen evolutionären Entwicklungen, aktuellen Forschungsergebnissen, flicht dabei persönliches ein und die Illustrationen ihrer Schwester Jill Enders setzen eigene Akzente.
Giulia Enders zieht Vergleiche, um das Verständnis komplexer Vorgänge zu erleichtern und bricht diese vielschichtigen Prozesse der Zusammenarbeit im Körper bis auf die Zellebene herunter, zeigt aber auch, wie alles mit allem zusammenhängt und dass, was für den Körper gut ist, es auch für die Umwelt ist.
Nach dem Bestseller 'Darm mit Charme' ist der Autorin mit 'Organisch' erneut ein unbedingt lesenswertes Buch gelungen, reifer und tiefgründiger als der Vorgänger, ein Plädoyer für das Verstehen und Wertschätzen der Fähigkeiten unseres Körpers und für Vertrauen in uns selbst.

Giulia Enders neues Buch ist mehr als ein Sachbuch, ich habe nicht nur Neues und Erstaunliches über die Lunge, das Immunsystem, die Haut, Muskeln und vor allem das Gehirn gelernt, sondern verstehe 'Organisch' auch als Anstoß. Es wird ein spannender Versuch sein, aus der Perspektive meines Körpers herauszufinden, was mir in der Außenwelt gut tut und was eher nicht.

Das schöne, überraschend gestaltete Cover zeigt für mich ein Raumschiff, das aus zarten, einander stabilisierenden menschlichen Organen besteht. Wer weiß, wohin die Reise geht...

Veröffentlicht am 07.09.2025

Erschütternde und berührende Geschichte zweier Heimkinder

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Margret und Hardy kennen sich seit ihrer Kindheit im Kinderheim. Die sechs Jahre ältere Margret versucht Hardy zu beschützen, so gut sie kann. Inzwischen ein altes Ehepaar, kümmern sie sich um ihre Urenkelin ...

Margret und Hardy kennen sich seit ihrer Kindheit im Kinderheim. Die sechs Jahre ältere Margret versucht Hardy zu beschützen, so gut sie kann. Inzwischen ein altes Ehepaar, kümmern sie sich um ihre Urenkelin Emily, deren Mutter mit ihrem Kind überfordert ist.
Auf zwei Zeitebenen erzählt Susanne Abel Margrets und Hardys Geschichte ab Mitte der 1940er Jahre bis 2017 und verknüpft dabei verschiedene Episoden aus Vergangenheit und Gegenwart gekonnt, passend und in ausgewogenem Verhältnis miteinander. Von Beginn an haben mich beide Handlungsstränge gepackt und auch nach Beenden des Buchs nicht losgelassen. Reale zeitgeschichtliche Ereignisse werden eingeflochten und tragen zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.
Auch ohne explizite Beschreibungen werden die unmenschlichen Bedingungen im Kinderheim deutlich, die Kinder werden von den Nonnen gequält, erniedrigt und für Kleinigkeiten bestraft. Susanne Abel schreibt anschaulich und bildhaft, ihre einfühlsame Sprache vermittelt das Leid der Kinder schmerzhaft eindringlich.
Erzählt wird hauptsächlich aus Margrets, Hardys und Emilys Perspektive, die Protagonisten sind glaubhafte, nahbare Figuren, die tief berühren. Die Unfähigkeit der ehemaligen Heimkinder, über ihre Erlebnisse zu sprechen kann ich verstehen, aber sie führt auch zu einer Sprachlosigkeit innerhalb der Familie. Die in der Kindheit gemachten Erfahrungen prägen das ganze Leben und unverarbeitete Traumata erzeugen weiteres Leid und Schmerzen auch für nachfolgende Generationen. Das zeigt Susanne Abel am Beispiel von Margrets und Hardys Familie so bedrückend wie überzeugend.

Der Autorin ist nach den beiden 'Gretchen'-Büchern um Familie Monderath mit 'Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104' erneut ein großartiger und wichtiger Roman gelungen, sehr gut recherchiert, realitätsnah und bewegend. Schon das Cover mit dem traurigen, verloren aussehenden kleinen Jungen berührt, um so mehr, als es sich um eine Fotografie handelt, wie Susanne Abel im Nachwort schreibt.

Erwähnen möchte ich die mangelhafte Bindung des Buchs, jedenfalls bei meinem Exemplar. Schon beim einmaligen Blättern lösten sich die Seiten, zumindest auf den ersten etwa 50 Seiten. Schade, dass der Verlag hier an der falschen Stelle gespart hat!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Überraschend, schräg und sehr unterhaltsam

Nichts wie weg
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Vera Baum verliert plötzlich ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Für die Zuckerbäckerin, die sich in der Küche ihres Cafés auslebt und verwirklicht, bricht eine Welt zusammen. Und dann erwischt sie auch ...

Vera Baum verliert plötzlich ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Für die Zuckerbäckerin, die sich in der Küche ihres Cafés auslebt und verwirklicht, bricht eine Welt zusammen. Und dann erwischt sie auch noch ihren Mann und ihre beste Freundin in flagranti.
Als sie verstört und voller Selbstmitleid durch Wiens Straßen irrt, stößt sie auf den gerade aus der Haft entlassenen finnischen Geldfälscher Onni Vitala, dem von zwei albanischen Ganoven fehlerhaftes Falschgeld gestohlen wurde, das er zurückholen und entsorgen will. Diese zufällige Begegnung entwickelt sich zu einer so anrührenden wie überraschenden Geschichte.

Stefan Slupetzky schreibt bildhaft und sprachgewandt, sein trockener Humor und sein Wortwitz haben mich nicht nur schmunzeln, sondern bei manchen Szenen voller Situationskomik auch lachen lassen, während tiefsinnige Aussagen an anderen Stellen mich innehalten und nachdenken ließen.
Der Autor ist seinen Figuren zugewandt und macht sie mit ihrem jeweiligen ungewöhnlichen Hintergrund zu glaubwürdigen und liebenswerten Protagonisten, deren Handeln durchaus mal überrascht, aber auch plausibel ist. Die Charaktere trauen sich was und es hat mir viel Spaß gemacht zu verfolgen, wohin das alles führt.

'Nichts wie weg' mit dem passenden, Fernweh weckenden Cover hat mir sehr gefallen, für schöne Lesestunden gesorgt und mich bestens unterhalten. Ich freue mich, Stefan Slupetzky als für mich neuen Autor entdeckt zu haben.

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