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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2025

Zwischen Flimmerlicht und Fernweh

This isn't happiness
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Dieser Roman brachte mich zum Lachen und zum Durchatmen zugleich…. This Isn’t Happiness von Mary Newnham (wunderbar übersetzt von Johanna Czerny) tat genau das. Der Ton ist leicht, der Humor sitzt, und ...

Dieser Roman brachte mich zum Lachen und zum Durchatmen zugleich…. This Isn’t Happiness von Mary Newnham (wunderbar übersetzt von Johanna Czerny) tat genau das. Der Ton ist leicht, der Humor sitzt, und trotzdem schwingt da eine unterschwellige Schwere mit, die mich erwischte. Dieses eigenwillige Gleichgewicht zwischen Witz und Melancholie fühlt sich an wie der Moment, in dem man lächelt, obwohl man innerlich längst ahnt, dass etwas nicht stimmt. Und genau dort lebt Amy: zwischen Haltung bewahren und Zähne zusammenbeißen. Sehr gelungen!
Ich mochte sie von der ersten Sekunde an. Ihr freundliches, leicht chaotisches „Ich krieg das schon hin“-Mantra wirkt unglaublich nahbar, und gleichzeitig möchte man sie immer wieder schütteln, weil sie Konflikte lieber weglächelt, statt sie auszusprechen. Zum Haare raufen. Besonders die kleinen Alltags-fluchten, mit denen sie versucht, ihre wachsende Unzufriedenheit zu überdecken, haben mich mitten ins Herz getroffen – vielleicht weil sie so echt sind, so menschlich.
Das Großartige an diesem Buch ist, dass es keine künstliche Dramatik braucht, um zu fesseln. Die Autorin beobachtet Beziehungen mit einem so scharfen, liebevollen Blick, dass schon alltägliche Momente emotional treffen. Es sind die Zwischentöne, die unausgesprochenen Dinge, die winzigen Verschiebungen im Miteinander – genau die, die man im eigenen Leben oft viel zu spät bemerkt. Und diese Ehrlichkeit tut weh, aber sie tut auch unglaublich gut.
Was mich ebenfalls begeistert hat, ist der Humor: intelligent, manchmal bissig, immer genau getimt. Ich habe oft gelacht, obwohl die Szene darunter einen ernsten Kern hatte – und genau dieses Gleichgewicht macht den Roman so stark. Er ist nie deprimierend, aber auch nie seicht. Er schenkt Leichtigkeit, ohne etwas schönzureden.
Besonders schön fand ich, wie sich im Hintergrund eine Frage immer deutlicher abzeichnet: Was bedeutet Glück – und wem gehört es eigentlich? Mary Newnham behandelt dieses Thema so zugänglich, so warmherzig und gleichzeitig so klar, dass man automatisch mitdenkt, mitfühlt und sich selbst an ein paar stillen Stellen wiedererkennt.

This Isn’t Happiness ist für mich ein Roman, derds Mut macht, das Herz wärmt und einen mit einem wunderbar hellen Gefühl zurücklässt: dass Veränderung möglich ist, und dass man sich selbst wiederfinden darf.
Eine klare Empfehlung – gerade weil es so echt und so überraschend leichtfüßig erzählt ist.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Ein visueller Schlüssel zur Welt der Anime

Anime – Der ultimative Guide
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Anime ist weit mehr als bunte animierte Bilder in Filmform. Das merkt man recht schnell, wenn man in diesem umfassendem Werk Anime – Der ultimative Guide blättert. Beispielsweise Robotic Angel, der erzählt ...

Anime ist weit mehr als bunte animierte Bilder in Filmform. Das merkt man recht schnell, wenn man in diesem umfassendem Werk Anime – Der ultimative Guide blättert. Beispielsweise Robotic Angel, der erzählt die Geschichte von Tima, einem Roboter, der das Aussehen der verstorbenen Tochter eines mächtigen Mannes hat und als Schlüssel zu einer geheimen Waffe dienen soll. Als der junge Kenichi Tima begegnet, beginnt ein aufregendes Abenteuer voller Gefahren, moralischer Konflikte und menschlicher Emotionen. Kompakt erklärt von Joe O’Connell, der fasziniert ist von Anime und macht sie für Laien wie mich greifbar.
Das Buch präsentiert 100 Anime-Filme und -Serien, von Klassikern bis zu versteckten Juwelen, gespickt mit farbigen Standbildern und Illustrationen, die den Zauber der Geschichten einfangen. Jedes Profil enthält nicht nur grundlegende Informationen wie Erscheinungsjahr, Genre oder Ursprungsquelle – sei es Manga, Light Novel oder Computerspiel – sondern auch spannende Hintergrundinfos, die Regisseure, Studios und spezifische Genres in den Fokus rücken. So erfährt man zum Beispiel, dass Hayao Miyazaki seine Karriere nicht sofort bei den Ghibli Studios begann, sondern zuvor an Projekten wie Heidi und Lupin III mitwirkte. Solche Details machen das Buch zu einem wahren Schatz für Neugierige.
Besonders gelungen finde ich die Empfehlungen für Einsteiger und Kenner. Sie sind ein idealer Leitfaden, um die eigene Entdeckungsreise durch die Anime-Welt zu starten. Ich selbst habe viiiiiele Titel entdeckt, die mir völlig unbekannt waren, und die ich nun gerne sehen möchte. Guter Start mit dem Sohn das anzugehen.
Die Essays und Spotlights schaffen dabei eine Balance zwischen Information und Inspiration, sodass man das Buch nicht nur liest, sondern förmlich darin eintaucht.
Anime – Der ultimative Guide ist ein absolutes Muss für Filmfans und alle, die sich für Anime interessieren. Es öffnet die Tür zu einer faszinierenden Welt voller Geschichten, Kunst und Emotionen. Für mich als Laien war es eine wunderbare Entdeckungsreise, die Lust macht, noch mehr Anime zu erleben und zu verstehen.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

„Auf Schienen durchs Paradies – mit Train Japan ins Herz der japanischen Zugkultur“

Train Japan
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Wusstet ihr, dass 45 der 50 verkehrsreichsten Bahnhöfe der Welt in Japan liegen? Kein Wunder also, dass kaum ein anderes Land so sehr für seine Bahnleidenschaft bekannt ist wie dieses. Genau dieses Lebensgefühl ...

Wusstet ihr, dass 45 der 50 verkehrsreichsten Bahnhöfe der Welt in Japan liegen? Kein Wunder also, dass kaum ein anderes Land so sehr für seine Bahnleidenschaft bekannt ist wie dieses. Genau dieses Lebensgefühl – die Mischung aus Präzision, Pünktlichkeit und purer Zug-Faszination – fangen Michelle Mackintosh und Steve Wide in Train Japan perfekt ein.
Schon das poppige, stilvoll designte Cover verspricht Reiseglück, und beim Aufschlagen wird klar: Dieses Buch ist eine Einladung, Japan auf Schienen zu entdecken. Ob pfeilschneller Shinkansen oder nostalgischer Lokalzug – das Autorenduo führt mit spürbarer Begeisterung durch die Vielfalt des japanischen Bahnnetzes. Ihre über sechzig Reisen merkt man jeder Seite an: Hier schreiben zwei Menschen, die wirklich wissen, wovon sie sprechen.
Besonders gelungen finde ich die thematische Struktur des Buches. Statt einer nüchternen Auflistung von Routen widmen sich die Kapitel stimmungsvollen Schwerpunkten wie „Beste Jahreszeit“, „Küstenstrecken“ oder „Gourmetreisen“. So lässt sich Japan immer wieder neu entdecken – ob unter Kirschblüten, im Herbstlaub oder beim Ekiben-Lunch mit Blick aufs Meer. Die vielen Fotos und Illustrationen machen das Buch zudem zu einem echten Hingucker – stylish, detailverliebt und einfach schön anzusehen. Besonders nett finde ich die Zeitschiene am unteren Rand der Seiten wie lange die einzelnen Fahrten brauchen und die Stopps.
Natürlich gibt es auch jede Menge nützliche Tipps: zu Tickets, Strecken, Bahnhöfen und kleinen kulturellen Besonderheiten. Eine Karte oder immer mal Karten zwischendrin für die einzelnen Strecken zur besseren Orientierung hätte ich mir zwar gewünscht, doch das ist Jammern auf hohem Niveau.
Train Japan ist ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt – ideal zum Verschenken, Schmökern oder als Begleiter bei der Reiseplanung. Für mich weckt es Sehnsucht nach rasenden Zügen, leuchtenden Bahnhöfen und dem Moment, in dem man durch Japans Landschaften gleitet und denkt: So fühlt sich Entdecken an.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Aufstehen, abklopfen und weiter!

Crushing
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Stellt euch vor, ihr habt zehn Jahre lang Beziehungen hinter euch, die euch mehr Kraft geraubt als gegeben haben – und plötzlich beschließt ihr: So, jetzt reicht’s. Ich bin raus aus diesem Spiel. Genau ...

Stellt euch vor, ihr habt zehn Jahre lang Beziehungen hinter euch, die euch mehr Kraft geraubt als gegeben haben – und plötzlich beschließt ihr: So, jetzt reicht’s. Ich bin raus aus diesem Spiel. Genau da setzt „Crushing“ an. Genevieve Novak nimmt uns mit in das Leben von Marnie, einer Frau Ende zwanzig, die beschließt, Single nicht als Makel, sondern als Chance zu sehen. Hauptperson statt Nebendarstellerin.
Die Protagonistin Marnie ist Ende zwanzig und – wie sie selbst sagt – keine Singlefrau, sondern die Hauptperson. Allein dieser Gedanke hat mir schon gefallen, weil er so viel Empowerment und Trotz in sich trägt. Nach einer endlosen Reihe gescheiterter Beziehungen beschließt sie, dass Schluss ist mit dem Drama. Keine Kompromisse mehr, keine Anpassung, kein „Plan B“-Gefühl. Und natürlich, wie könnte es anders sein, läuft ihr genau dann jemand über den Weg, der alles durcheinanderwirbelt: Isaac. Traumtyp, Seelenverwandter – nur leider nicht zu haben.
Was mich an dem Roman sofort begeistert hat, war dieser Tonfall, der gleichzeitig ironisch und verletzlich ist. Marnie macht sich nichts vor: Sie hat Jahre damit verbracht, so zu sein, wie ihre Partner sie gern gehabt hätten. Chamäleonartig, anpassungsfähig, aber im Kern unzufrieden. Ich habe mich oft wiedergefunden in ihren Gedanken, diesem Mix aus Selbstkritik, Sehnsucht und der leisen Wut darüber, warum das Leben nicht so läuft, wie man es sich immer ausgemalt hat.
Novak versteht es, die großen Themen – Selbstliebe, Selbstfürsorge, Co-Abhängigkeit, Einsamkeit, Freundschaft – in einen lockeren, humorvollen Erzählstil zu packen. Ich habe beim Lesen oft laut gelacht, manchmal die Stirn gerunzelt und an anderen Stellen innegehalten, weil die Worte so sehr ins Herz getroffen haben. Besonders gelungen finde ich, dass nicht nur Marnie lebendig und glaubwürdig wirkt, sondern auch die Menschen um sie herum: Nicola, die Schwester, die sich im Muttersein fast verliert, Claud, die in ihrer Beziehung mehr gibt, als sie zurückbekommt, und natürlich Isaac, der als Figur genau den richtigen Grad an „zu schön, um wahr zu sein“ hat, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich war der hohe Alkoholkonsum, der hier schon sehr beiläufig und fast wie ein Lifestyle-Accessoire dargestellt wird. Das hätte für meinen Geschmack nicht so verherrlicht werden müssen, weil es das Gesamtbild ein wenig trübt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Geschichte funktioniert auch ohne diesen Aspekt.
Am Ende ist „Crushing“ für mich ein Roman über Aufbruch und Selbstbestimmung. Er zeigt, dass es okay ist, gescheitert zu sein, dass man sich neu erfinden darf und dass die wichtigste Beziehung, die man im Leben führt, immer die zu sich selbst ist. Aufstehen, abklopfen und weiter!
Fazit: Es macht Mut, bringt zum Lachen und regt zum Nachdenken an. Für alle, die keine Lust mehr auf die Rolle der perfekten Partnerin haben und stattdessen endlich die Hauptfigur in ihrem eigenen Leben spielen wollen.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Magie, Machtspiele und ein Hotel voller Geheimnisse

Grand Hotel Avalon
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Schon beim ersten Aufschlagen des Romans hatte ich Bilder im Kopf: ein schimmernder Marmorboden, gedämpftes Stimmengewirr, Kellner in makellosen Uniformen, die mit Tabletts durch die hohen Hallen gleiten. ...

Schon beim ersten Aufschlagen des Romans hatte ich Bilder im Kopf: ein schimmernder Marmorboden, gedämpftes Stimmengewirr, Kellner in makellosen Uniformen, die mit Tabletts durch die hohen Hallen gleiten. Ein Nobelhotel, das wie eine eigene Welt wirkt. Doch Maggie Stiefvater zeigt schnell, dass das Grand Hotel Avalon mehr ist als eine Bühne für Glanz und Eleganz – es ist ein Ort mit Geheimnissen, einer Quelle, die heilende Kräfte haben soll, und einer Direktorin, die mit all ihrer Hingabe für diesen besonderen Platz lebt.
Wir befinden uns im Jahr 1942. Während draußen der Zweite Weltkrieg tobt, verwandelt sich das abgeschiedene Luxushotel in den Appalachen in einen Internierungsort. Deutsche und japanische Diplomaten mit ihren Familien werden hier vom FBI einquartiert – eine historisch fundierte, aber wenig bekannte Episode, die dem Roman seine Schärfe verleiht. Zwischen Etikette und Argwohn, zwischen alten Gästen, die weichen müssen, und neuen Bewohnern, die unfreiwillig zu Gästen werden, entstehen Spannungen, Begegnungen und stille Dramen.
Im Mittelpunkt steht June Porter Hudson, die Hoteldirektorin. Sie ist keine glatte Heldin, sondern eine Frau, die unter Druck Haltung bewahrt, die das Hotel zusammenhält, während die Fassade zu bröckeln droht. Ihre Liebe zum Avalon, ihr unerschütterliches Pflichtbewusstsein, aber auch ihre Zweifel und Verletzlichkeiten machen sie zu einer Figur, der man gerne folgt.
Stiefvaters Sprache ist atmosphärisch dicht, voller Zwischentöne und beinahe poetisch. Sie lässt uns die Hallen des Hotels hören, riechen und spüren – und manchmal glaubt man, selbst ein Glas des geheimnisvollen Wassers zu kosten. Besonders gelungen ist die Art, wie sie historische Genauigkeit mit einem Hauch Magie verbindet.
Mich hat der Roman gefesselt, weil er mehrere Ebenen miteinander verknüpft: die große Politik im Hintergrund, die leisen privaten Geschichten der Internierten, die Leidenschaft und Verantwortung der Angestellten. Das Grand Hotel Avalon wird so zum Mikrokosmos, in dem die Widersprüche dieser Zeit verdichtet sichtbar werden.
Fazit: Grand Hotel Avalon ist ein Roman, der Historie, Atmosphäre und ein wenig Zauber verbindet. Er erzählt von Loyalität, Verrat und Menschlichkeit inmitten einer Ausnahmesituation – und von einem Hotel, das selbst fast zur Hauptfigur wird. Für mich ein berührendes, kluges und stimmungsvoll erzähltes Buch, das lange nachhallt.

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