Profilbild von melange

melange

Lesejury Star
offline

melange ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit melange über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2025

Klassischer Krimi

Die Oxford-Tragödie
0

Zum Inhalt:
Katastrophe in den heiligen Hallen einer Oxforder Universität: Ein Professor wird erschossen in den Räumen des Dekans aufgefunden. Da nur wenige wussten, dass er sich dort aufhielt und eine ...

Zum Inhalt:
Katastrophe in den heiligen Hallen einer Oxforder Universität: Ein Professor wird erschossen in den Räumen des Dekans aufgefunden. Da nur wenige wussten, dass er sich dort aufhielt und eine Schusswaffe zur Hand sein würde, geraten genau diese Menschen unter Verdacht und bei Ihnen handelt es sich fast ausschließlich um Professoren der Fakultät.

Mein Eindruck:
Natürlich ist ein Buch, welches 1939 veröffentlicht und - wenn überhaupt - höchstens unmerklich verändert wurde, aus heutiger Sicht altmodisch anmutend. Sprache und Verhalten der Personen zeigen überdeutlich diese Alterserscheinungen. Andererseits erhält man so einen unverfälschten Blick auf Vorgänge an altehrwürdigen, britischen Institutionen, die sich zum Teil bis heute gehalten haben und es ist schön, dass so einige Verhaltensweisen über die Jahre geschliffen wurden. Der Kriminalfall an sich ist hingegen so stringent dargestellt, dass er auch in heutiger Zeit funktionieren würde - möglicherweise dann mit Verfolgungsjagd, mehr Blut und mindestens einer psychischen Störung.

Mein Fazit:
Ein Zeitzeugnis

Veröffentlicht am 28.09.2025

Wohn(alp)träume

Verschließ jede Tür
0

Zum Inhalt:
Jules hat doppeltes Glück nach ihrer Entlassung und dem Verlust ihrer Wohnung: Sie ergattert die Stelle als House-Sitter. Und das nicht irgendwo, sondern in einem wunderschönen Gebäude mit ...

Zum Inhalt:
Jules hat doppeltes Glück nach ihrer Entlassung und dem Verlust ihrer Wohnung: Sie ergattert die Stelle als House-Sitter. Und das nicht irgendwo, sondern in einem wunderschönen Gebäude mit Blick auf den Central Park. Zwar gibt es ein paar seltsame Regeln, doch die Bezahlung ist exorbitant hoch. Als jedoch eine junge Nachbarin verschwindet, befasst sich Jules mit der Vergangenheit des Gebäudes, - und erfährt Sachen, die sie gruseln lassen.

Mein Eindruck:
Das Buch beginnt relativ gemütlich und Riley Sager gibt seiner Protagonistin (und Ich-Erzählerin) zwar eine schwierige Geschichte, aber doch auch genügend Humor und Überlebenswillen an die Hand, so dass man wunderbar mit ihr zittern kann, wenn es nach einiger Zeit doch spannender wird. Dieses unterschwellige Gefühl einer Unregelmäßigkeit, die sich zu einer großen Gefahr auswächst, produziert der Autor auf eine sehr gekonnte Weise. Denn Sager streut Brotkrumen ein, mit denen man sich einige Sachen zusammenreimen kann, ohne dass man direkt das große Ganze erfasst. Leider kommt die Sprecherin erst sehr spät in Schwung. Klingt sie anfangs noch fast wie computergeneriert, läuft sie beim Show-Down jedoch richtig warm und zieht dann auch die Hörer in ihren Bann.

Mein Fazit:
Kommt langsam, dann aber gewaltig

Veröffentlicht am 16.09.2025

Kaputt

Halloweenkind
0

Zum Inhalt:
Einige Familien gehen mit ihren Kindern Halloween auf Tour, um bei den Nachbarn Süßigkeiten zu erbetteln. Joshua trägt dabei ein Gespensterkostüm, - wie Vincent vor zwei Jahren. Dieser verschwand ...

Zum Inhalt:
Einige Familien gehen mit ihren Kindern Halloween auf Tour, um bei den Nachbarn Süßigkeiten zu erbetteln. Joshua trägt dabei ein Gespensterkostüm, - wie Vincent vor zwei Jahren. Dieser verschwand damals und auch Joshua ist plötzlich weg. Wiederholt sich die Geschichte?`

Mein Eindruck:
Dass man Menschen nur vor den Kopf und nicht hinein schauen kann, beweist Lars Engels mit seinem Buch. Die vordergründig glücklichen Familien haben samt und sonders Leichen begraben, - wenn auch zumeist sprichwörtlich. Zwar sind einige Vorkommnisse in dem Buch ein bisschen zu gewollt und dadurch holzschnittartig, im Großen und Ganzen bietet der Autor aber wirklich spannende, kurzweilige und vor allen Dingen mit seinem letzen Turn auch überraschende Unterhaltung. Für einen Kriminalroman also genau das Richtige!

Mein Fazit:
Lektüre passend zum Herbst

Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein gutes Trio

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
0

Zum Inhalt:
Judith wird von Verity gebeten, nach deren verschwundenem Ehemann zu suchen. Dieser führte eine Laienspielgruppe und obwohl sich die Polizei eine Einmischung des dynamischen Trios verbittet, ...

Zum Inhalt:
Judith wird von Verity gebeten, nach deren verschwundenem Ehemann zu suchen. Dieser führte eine Laienspielgruppe und obwohl sich die Polizei eine Einmischung des dynamischen Trios verbittet, ermitteln Judith, Becks und Suzie im Theatermilieu. Dabei stellen sie fest, dass das Opfer kein sympathischer Mensch war und es nach dem Auffinden der Leiche nicht an Verdächtigen fehlt.

Mein Eindruck:
Der Fall ist gut konstruiert, das Personal bis in die Nebenfiguren hinein wirklich gut gezeichnet. Dazu erfindet Thorogood einige absolut amüsante Szenen (Frau in reinem Herrenclub, Proben mit charakterstarken Theaterdarstellern) und dennoch reicht dieses Buch nicht ganz an die Vorgänger. Denn einige Begebenheiten, die mit viel Verve begonnen werden, finden ein zu abruptes bzw. unglaubwürdiges Ende oder werden gar nicht weiter ausgeführt. Das wirkt, als ob eine Idee zwar genutzt, aber nicht bis zum Ende gedacht wurde. Super ist jedoch die Überführung der verantwortlichen Person, da es immer wieder gefällt, wenn man bei einem Whodunnit selbst auf die Lösung kommen kann. Den Cliffhanger zum Schluss verzeiht man deshalb gerne, - schließlich ist das bekannte Personal dieser Reihe schon für sich eine Schau.

Mein Fazit:
Lustig, einfühlsam und durchdacht - der Krimi genauso wie seine Hauptcharaktere

Veröffentlicht am 25.07.2025

Toxische Männlichkeit

Das Paradies verrät man nicht
0

Zum Inhalt:
Ingrid hatte ihren Mann Kjell schwer verletzt und kam dafür ins Gefängnis, da die Notwehr seitens des Gerichts nicht anerkannt wurde. Jetzt ist sie wieder draußen und hält sich aus Angst vor ...

Zum Inhalt:
Ingrid hatte ihren Mann Kjell schwer verletzt und kam dafür ins Gefängnis, da die Notwehr seitens des Gerichts nicht anerkannt wurde. Jetzt ist sie wieder draußen und hält sich aus Angst vor Kjell versteckt. In ihrem alten Beruf - beide waren bei der Polizei - kann sie im Gegensatz zu Kjell nicht mehr arbeiten und verdingt sich als Putzfrau.
Als eine junge Frau tot aufgefunden wird, wollen deren Eltern sich nicht mit der Selbstmordtheorie abfinden und Benni, ein Freund und ehemaliger Kollege Ingrids verweist an diese als Privatermittlerin. Ingrid übernimmt nach einigem Zögern den Fall; immer auf der Hut vor Kjell und seinen Rachegelüsten.

Mein Eindruck:
Dass der Krimi in den 80er Jahren spielt, fällt nur an Kleinigkeiten auf - keine Handys, dafür ein Walkman als neuester Schrei und Gehälter, bei denen man zuerst denkt, dass das Lektorat fehlerhaft gewesen sein muss. Doch die zwischenmenschlichen Beziehungen und Herausforderungen, die an die Figuren gestellt werden, sind so zeitlos, dass man auch vierzig Jahre später nicht sprachlos vor dem Buch sitzt. Ninni Schulman denkt sich gut in die "alte" Zeit ein und weiß ihren Figuren Leben einzuhauchen. Schade ist dabei nur, dass fast alle männlichen Charaktere aggressiv, manipulativ und sexistisch handeln und die Frauen - außer Ingrid - passiv und zuweilen dümmlich agieren.
Gut gefallen die Entwicklung der Krimihandlung und die Auflösung des Falls, - da verzeiht man auch den Cliffhanger zum Schluss.

Mein Fazit:
Leider immer noch aktuell